Rennbootblut

Es ist gerade wirklich nicht so gemütlich.

Das wäre so der Punkt an dem ich Joana gebrauchen könnte. Oder Gabby. Für eine kleine Ablenkung unter Deck zwischendurch. Andererseits müssten wir ziemlich auf die Beiden aufpassen, weil sie sich kaum für drei Tage unter Deck einsperren lassen würden. Und das wäre dann alles andere an witzig.

Der Wind hat noch zugenommen.

An Deck geht es längst nicht mehr ohne Sicherungsleine. Wer hier ins Wasser fällt – und tschüß. Bei sieben Meter hohen Wellen sind Suchmanöver aussichtslos. Außerdem schießen wir bei achterlichem Wind mit bis zu 9 Knoten durchs Wasser. Ernsthaft! Geil so ein Tempo mit einem alten Zweimaster! Wobei ich Maze jetzt verbieten werde Butterfly zu fahren. So ein Irrsinn: ein oder zwei Patenthalsen und unsere kleine Mannschaft ist dezimiert! Das wäre ihr „Rennbootblut“, sagt sie.

Und ich dachte immer, sie wäre ein Dämon…

Ruhe vor dem Sturm?

Ich will gar nicht darüber nachdenken, was ich alles zu tun hätte, würde ich noch am „normalen“ Leben teilnehmen. Hier heißt es chillen. In erster Linie.

Und für Eva Kakao kochen.

Natürlich muss ich mich auch hier an Bord um das normale Leben kümmern. Aber das heißt wirklich nur organisiert zu bleiben, um keine Vertragstermine zu verpassen, Bankkonten kontrollieren, Mieteinnahmen überprüfen und solche Dinge eben. Das meiste davon erledigt sogar noch meine Mutter. Easy also.

Mit Ausnahme… Mit Ausnahme der Dinge, die ich für Joana erledige. Und das heißt in erster Linie mich mit ihren Anwälten und ihrem Manager herumzuschlagen, um dafür zu sorgen, dass alles nach ihren Wünschen läuft. Was es meistens nicht tut.

Im Prinzip habe ich also meine Alltagserledigungen gegen ihre getauscht. Ich tausche lediglich 4stellige Geldsummen gegen 6-7stellige. Sie hingegen kann sich um ihre Schönheitspflege kümmern. Irgendwie auch nicht so ganz fair.

Was soll’s, ich will ja nicht klagen. Die meiste Zeit bleibt in der Tat für’s Chillen.

Momentan allerdings haben wir ein kleines Problem. Rein wettertechnisch. Die momentane relative Flaute wird sich zum Wochenende hin in einen ausgewachsenen Orkan entwickeln. Wir rechnen mit 35+ Knoten Winden, Boen bis Windstärke 10 und Brechern zwischen 4 und 9 Meter Höhe. Und das Ganze über mehrere Tage.

Nicht, dass das für uns und unseren Zweimaster nicht zu bewältigen wäre, doch man versucht so etwas lieber zu umgehen. „Abwettern“ nennt man das. Momentan können wir allerdings nur hoffen, denn zur Zeit sieht es so aus, als könnten wir dem Wetter nicht ausweichen.

Es geht das Seemansgarn, dass Cape Hope und das südliche Seegebiet von Afrika vor allem wegen der hohen Sturmtätigkeit das „Kap der Guten Hoffnung“ genannt wird.

Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie Eva die Sache nimmt. Bislang hat sie sich als ziemlich angstfrei erwiesen, doch in so ein Wetter sind wir bislang mit ihr auch noch nicht geraten.

Noch verbringen wir unsere Zeit mit den Wetterseiten und unseren meterologischen Geräten. Einen Weg das Wetter zu umgehen, zeigt sich jedoch bislang nicht. Andererseits: Die Chance auf einen plötzlichen Wetterwechsel besteht auch in diesem Seegebiet. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Ein ausgewachsener Sturm auf See ist alles andere als romantisch.

Vor allem ist so etwas Knochenarbeit. Zumindest auf der Lady Brendan. Hier ist alles ziemlich ursprünglich. Was die Seglerei angeht, ist herzlich wenig automatisiert. Hier geht so gut wie nichts auf Knopfdruck. Hier werden die Schoten von Hand gefiert und hier klettern wir bei so einem Wetter auch schon mal selbst den Mast hoch um die Segel zu reffen oder einzuholen, weil sich das Tuch irgendwo eingeklemmt hat. Alles ganz wie früher. Ein 50 Jahre altes Boot ist ein 50 Jahre altes Boot. Aber dafür wissen wir auch, das das Boot macht, was wir wollen und nicht das, was irgendwelche Computer ihm einreden.

Aber gut: Die Chance, dass der Sturm uns im Süden passiert, ist da. Und wenn nicht: Man kann ja nicht ununterbrochen nur chillen, richtig?

Das ist los auf dem Boot

Ich schreibe hier in den vergangenen Tagen von meinen crazy Träumen.

Es ist das, was mich zur Zeit beschäftigt. Ansonsten nur same old, same old auf dem Boot. Jeder fickt jeden.

Ist natürlich Unsinn. Sind ja alle meine. Zumindest die Weiber.

Was die drei Männer so machen… Man(n) kann es sich vorstellen (muss es aber nicht). An die Armen denkt aber auch nie jemand. Und wenn ich auch noch schreiben dürfte, WER ihnen hier tagtäglich nackt vor der Nase bzw vor dem Schwanz herumtanzt…

Es ist schon ein Wunder an Selbstbeherrschung, dass sie nicht versuchen eine der beiden anzubaggern oder gar…

Dass sie es nicht tun, liegt an den Verträgen, die sie unterschreiben mussten, und an dem Wissen, dass Mazikeen und ich Ausgeburten der Hölle sind. Kampfsporttechnisch und auch sonst. Ersteres erkennen die Jungs an unserem täglichen Training an Deck. Bei Wind und Wetter und egal wie übel es oft ausgeht. Letzteres am Seemansgarn von Ken, der davon eine Menge auf Lager hat, weil er sowohl mich alsauch Maze schon lange kennt.

Um Ken mache ich mir sextechnisch weniger Sorgen, denn der ist so schwul wie Maze lesbisch ist und wichst Tag und Nacht und kennt normalerweise in jeder Marina Leute, die jemanden kennen, wobei im Coronazeitalter leider Pornhub und Zoom und Gespeichertes herhalten müssen. Geht auch für eine Weile. Wir haben ja alle unsere Bedürfnisse. Deshalb hat er auch die eigene Skipperkabine im Bug. Die ist zwar klein, aber sein.

Zur Erinnerung für alle (Mit)Leser:

Da sind die zwei männlichen, angeheuerten hetero Seeleute Bram und Elias, (Bram in Personalunion auch Koch).

Mein schwuler Freund Ken (ebenfalls ein erfahrener Seemann).

Meine lesbische Dämonin Mazikeen (Maze).

Meine große Liebe Joana (eine berühmte Schauspielerin, hetero, sie ist seit vielen Jahren meine beste Freundin mit jeder Menge Benefiz).

Gabby, ebenfalls eine berühmte Schauspielerin, mit Joana befreundet, Gast an Bord, hetero, wollte „dieses verrückte Weib“ kennenlernen (SIE MEINTE MICH, DIE SCHLAMPE!) und Urlaub machen. Gammelt jetzt ständig in meinem Bett herum.

Eva (Kakaofresse), ihre sechsjährige Tochter.

Und da ist natürlich Zoe (reden wir nicht drüber).

Und da bin ich, Tammy, Captain.

Also acht Seelen (oder neun, wie man es nimmt) an Bord der Ketsch.

Ketsch = Ein Zweimastsegler bei dem der hintere Mast niedriger ist als der vordere, im Gegensatz zu einem Schooner, bei dem das Verhältnis umgekehrt ist.

Und da ist jetzt der große Südatlantik vor uns. Mit ganz viel Wasser. Und ganz wenig Viren.

Tammy

Anik? Jemand sagt, ich hätte Anik vergessen? Habe ich nicht, denn sie ist nicht auf dem Boot! Aber bitteschön:

Dr. Dr. Annika Lauenburg, Forensische Toxikologin, (Anik) und ehemalige CEO unserer Businessairline, die im Zuge der Covid-19-Krise vor ein paar Tagen pleite gemacht hat. Meine Zwillingsschwester. Bisexuell. Verheiratet mit einem – zugegeben – netten Mann.

Zufrieden?

Promibonus

„Ich habe einfach Angst, verstehst du das nicht, Tammy?“

„Ja, äh nein, äh whatever… du stellst dich an! Das ist ein Segelboot und kein Haifischkäfig!“

„Segelboote gehen unter.“

„Autos krachen ineinander. Züge entgleisen. Flugzeuge stürzen ab.“

„Warum können wir nicht einfach an Land bleiben?“

„Weil dann ICH Angst habe, dass das Haus über mir zusammenbricht.“

„Lustig, Tammy, wirklich lustig!“

„Ich lebe jetzt auf diesem Boot, Joana, und du hast das akzeptiert und wolltest dabei sein, so oft du kannst. Warum stellst du dich plötzlich so an? Ist deine Kosmetikerin sauer, weil du sie nicht mitnimmst – und so ganz nebenbei: diese Schmarotzerin kommt mir nicht auf die Planken!“

„Welche Kosmetikerin?“

„Vergiß es.“

„Und du kannst mir versprechen, dass es wirklich sicher ist?“

„So sicher wie ein Formel-1-Rennwagen.“

„Du willst nicht, dass ich komme, oder?“

„Wieso? Formel-1-Autos sind die sichersten Rennwagen der Welt.“

„Du hast für alles ein Argument, oder?“

„Ja.“

„Das nervt!“

„Das glaube ich.“

„Und was würdest du tun, wenn ich nicht komme?“

„Videosex.“

„Du würdest mich wirklich für das Boot aufgeben?“

„Ich segle. Ob dir das passt oder nicht, Joana. Schaff deinen Promiarsch hierher oder lass es. Bring deine Freunde mit oder lass es.“

„Du würdest… Du würdest wirklich das Boot mir vorziehen! Unfassbar! Du bist so ein unglaublich unverschämtes, kleines Luder, dass…“

„Joana?“

„Ja?“

„Treib’s nicht zu weit! Du sprichst hier weder mit einem Produzenten, noch mit einem Kameramann oder einem Fan!“

„Heißt?“

„Ich habe dich schon einmal rausgeworfen. Das kann ich auch nochmal machen! Du hast keinen Promibonus bei mir.“

„Den habe ich sehr wohl!“

„Beim Orgasmus zählt nicht.“

„Und im Übrigen hast du dich von mir getrennt, weil ich keinen Sex mit dir haben wollte.“

„…und ich kann mich auch von dir trennen, weil du nicht mit mir segeln willst.“

„DAS bringst du auch noch fertig!“

„Allerdings. Die Frage ist doch nur: Ist dir unsere Beziehung nicht das bisschen Angst wert?“

Stille.

Stille.

Stille.

„Und wir können wirklich kein anderes Boot…“

„NEIN!“

Stille.

Stille.

Stille.

„Und du versprichst mir, dass wir nicht untergehen?“

„Aber nur weil ich deinen Promiarsch noch brauche!“

„Ich kann dir aber nicht versprechen, ob ich andere auf deinen Seelenver… äh, auf dein Boot bringen kann…“

„Solange du dich bringen kannst…“

„Okay.“

„Okay was?“

„Du bekommst deinen Willen.“

„Gut. Bring Bikinis mit.“

„Tammy?“

„Ja?“

„Ich liebe dich.“

„Ich deinen Arsch auch.“

„Ich könnte jetzt mal was Nettes von dir gebrauchen, Tammy…“

„Eine Postkarte von den Bahamas?“

„Ich lege jetzt auf, Tammy!“

„Joana?“

„Ja?“

„Ich kann die Jolie nicht ausstehen.“

„Hahaha!“

„Sex?“

„Aber sowas von!“

Das Schlechteste beider Welten

Oh oh…

Ich bin explodiert. Aber sowas von. Und das Joana gegenüber.

Erstaunlich wieviel Flüssigkeit so ein Surface aushält! DAMIT sollte Microsoft Werbung machen: „Mit dem Surface können Sie Ihrer Partnerin auch über tausend Meilen Entfernung ein Glas Wasser ins Gesicht schütten!“

Sie hat mich in eine unsägliche Diskussion „Einzelrumpfboot gegen Katamaran und wie unser alter Zweimaster das Schlechteste beider Welten in sich vereint“ genötigt. Mit zwei erfahrenen Yachting-Fachredakteuren.

Während es mich ja auf der einen Seite durchaus anmacht, wie sie solche Leute immer wieder aus dem Handtäschchen zaubert, so bringt es mich andererseits zur Weißglut, dass sie die Menschen dafür bezahlt, genau das zu sagen, was sie hören will. WIR SIND DOCH HIER NICHT VOR GERICHT!

Abgesehen davon, dass diese Typen es einen Scheißdreck angeht, wo ich mit was herumsegele…

Und jetzt haben die ihr auch noch diesen Katamaran-Floh ins Ohr gesetzt, „weil die Bahamas zu flach für herkömmliche Segler sind“.

Sie hat mir die Typen wohlweißlich nicht persönlich auf den Hals gehetzt (sowas hat sie nämlich auch schon fertig gebracht). Wahrscheinlich war ihr klar gewesen, dass sie im Wasser gelandet wären.

Ich glaube, jetzt ist sie angepisst.

Wegen mir. Ich bin hier doch nicht der Clown! Ich mache ja viele von ihren exzentrischen Anwandlungen mit, aber was zu weit geht, geht zu weit!

Und jetzt brauche ich eine Flasche Tequila und was dazugehört.

Läufige Bitches

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich mich bei sexy Harakiri einmischen sollte.

Tine und Harakiri klingen so frischverliebt. Zumindest beim Ficken. Den Rest scheinen sie ja vor uns verheimlichen zu wollen. Den Lesbenpart.

Ist das alles kompliziert…

Ach was, ich werde morgen einfach mal den Holzhammer auspacken. Das funktioniert immer und macht Spaß.

Der Sturm kam früher als gedacht. Soviel MAL WIEDER zum Wetterbericht. Die Karibik ist ziemlich unberechenbar. Das hat Ken vorher schon gesagt. Der Scheiß-Wind würde Joana vermutlich in allem bestätigen und ich gebe zu, es ist schon eine ganz schöne Aufgabe sich bei so einem Wetter um so viel Tuch kümmern zu müssen. Und das bei ein Boot mit so wenig Tiefgang. Da bekommst du schon bei 30-35 Knoten Wind Probleme halbwegs dem Kurs zu folgen. Vor allem, wenn auch noch die Dünung ungünstig kommt!

So oder so: es würde ihr gerade mal nicht gefallen! Bzw. hätte ihr nicht gefallen, denn das Wetter hat sich einigermaßen beruhigt und erst am Dienstag frischt es wieder auf. ANGEBLICH! Bis dahin liegen wir aber längst in der Goodman Bay.

Anyway…

Ein Tag ohne Sex. Wie machen die Leute das? Ich meine – Masturbieren eingerechnet. Wenn man so zu gar nichts kommt? Ich rede jetzt nicht vom ganzen Monat, sondern von den beiden Wochen nach der Periode in denen die Hormone uns zu läufigen Bitches machen. (Ich nehme mal das englische Wort. Das deutsche provoziert noch mehr Kreischerei von den Frauen, die behaupten, unsere Triebe und Launen wären ohne Pille steuerbar… Weil wir ja keine Tiere sind… WUFF!)

Wenn ich jedenfalls in den beiden hormonflutenden Wochen bin, brauche ich Frauen oder Batterien. Oder beides.

Langer Rede kurzer Sinn: Bei mir ist gerade Tsunami. (Was nicht heißt, dass zu anderen Zeiten gar nichts geht… Aber da sieht es dann eher so aus wie bei den armen Weibern, die die Pille nehmen. Langweilige Mitte.)

So… Wo genau ist jetzt Maze?

MAZE! MAZIKEEN! WO BIST DU? MAZE!

Vor allem, wenn sie im Recht ist…

Joana kann schon ziemlich nervig sein – vor allem, wenn sie glaubt, dass sie im Recht ist.

Leider glauben diese Diven, dass sie alles wissen. Vor allem sind sie gut im Sich-Das-Einreden.

Maze platzt gleich, es fehlt nicht mehr viel. Das ist nämlich die eine Sache, mit der Joana sie zum Wahnsinn treibt: wenn sie glaubt, sich in Dingen auszukennen, nur weil sie sich bei sogenannten „Experten“ erkundigt habt.

Boote und Schiffe sind in ihren Augen „sicher“, wenn sie möglichst modern und teuer sind. Bei so etwas geht unsereins die Wände hoch. Bis oben hin.

Nun war Joana ja nun schon einmal mit mir auf einen modernen 50“-Yacht unterwegs gewesen und glaubt, dass Boote heute so aussehen müssen. Nur war damals schönes Wetter gewesen. Sie hat keine Vorstellung, was so ein Ding macht, wenn es erst einmal anfängt zu blasen! Und… ach, was rege ich mich schon wieder auf…

Ich glaube, wenn sie hier wäre, würde ich ihr im Moment anbieten, sie über Bord zu werfen. Ja, ich bin so impulsiv. Maze nicht. Sie würde es einfach machen.

Okay, ich kann verstehen, dass sie mit uns allein sein möchte, dass sie endlich einmal tun kann was sie möchte, ohne ständig über die Schulter schauen zu müssen – doch kann man nicht vernünftig darüber reden? Ohne dass sie sich einbildet, schneller Fahrrad fahren zu können als dieser… dieser… Jetzt habe ich seinen Namen vergessen.

Göttin, wie ich dieses Weib liebe!

Warum muss sie eigentlich am Wochenende zu dieser Scheiß-Verleihung, wenn sie doch nicht nominiert ist? Kann sie da überhaupt…? Ich gebe ja zu, dass ich mich zu wenig für diesen Schauspielkram interessiere. Ich würde ja – wenn sie mich mitnehmen würde. Das alte Thema. Ich glaube, mein Desinteresse ist meine Rache dafür.

Was immer noch nichts am Thema ändert.

Sie möchte mit uns unterwegs sein, wenn diese elende Award-Season vorbei ist. Aber nach ihren Bedingungen. Klar, es geht ja immer nach ihren Bedingungen.

Nachtrag: Wir haben am Rand der Bank geankert und segeln in der zweiten Nachthälfte raus aufs offene Meer. Also alles im grünen Bereich.

Langsam bekommen wir wirklich Übung im Ankern der Ketsch. Wobei ich mich wundere, dass wir hier überhaupt einen Stein gefunden haben, an dem wir uns festkrallen konnten.

Anyway…

Mir fehlen meine Tiere. Der gelegentliche Delphin (Gelegentlich? Wieviele von den Viechern gibt es eigentlich auf der Welt?) hilft da auch nicht weiter.

Der gelegentliche Delphin?

Ansonsten – mir geht es nicht so toll. Die Meds wirken seltsamerweise gerade nicht so, wie ich es gewohnt bin. Trotz Extradosen. Macht Angst. Aber auch das wird besser. Es ist immer wieder besser geworden. Auf jeden Fall ist momentan an Wassersport und Ähnliches nicht zu denken, ich bin ja froh, wenn ich duschen kann.

Nochmal anyway…

Hier ist es 23:40 (04:41 UTC). Zeit für einen zweiten Tee und dann einen Kaffee, wenn wir um 1 Uhr los wollen. Warum so früh? Wir wollen versuchen nicht im dicksten Wetter in Nassau anzukommen.

Und der Tee schmeckt auch Scheiße zur Zeit…

Ich soll mir doch mal die Umgangssprache abgewöhnen, sagt Joana.

„Fuck you!“, sage ich.

Ist doch wahr…

Keine Sau hier

Das karibische Gefühl. Voll da.

Das Wasser hat schon diese geile hellblaue Farbe. Jetzt fehlen nur noch die Strände. Wir mussten nämlich erst einmal im seichten Wasser vor Anker gehen.

Flaute. Na ja, nicht ganz, aber schon ein wenig.

Aber geil: Herrliches Wetter, glasklares Wasser und keine Sau hier außer uns.

Und wenn Ken noch einmal das Wort „Motor“ sagt, verpetze ich ihn bei Maze und dann kriegt er eine rein. So einfach ist das.

Ich bin Vollblutseglerin, „Motor“ entspricht nicht meinen Community Guidelines.

Keine Sau hier außer uns

Wir haben das erste Mal an Deck der Anny gegessen. Ist ein wenig beengt und improvisiert, aber – hey – sie ist ein altes Boot!

Nachdem Maze uns so eine geniale Badeplattform gebaut hat, werden wir wohl morgen mal ein wenig im Karibikwasser schwimmen. Hier ist es im Allgemeinen nur so um die 3 bis 4 Meter tief – Haie lauern nur in den Gräben, habe ich gelernt. Hier haben sie Angst, dass sie Haue bekommen.

Auch so ein Vorteil unserer Ketsch: Mit diesem Boot kann man in Pfützen segeln. Mit anderen, selbst mit viel kleineren, kämen wir hier gar nicht hin.

Genaugenommen weiß ich gar nicht, ob man hier überhaupt segeln darf. Aber schön ist es. Und da die Welt sowieso untergeht… Aber solange man nicht den MOTOR anmacht – nicht wahr, Ken?

Männer! Feige und faul!

Und beim Masturbieren machen sie auch alles dreckig!

Hochgradig sexistisch

24 Grad, Vollmond, kaum Wind. Herrlich hier draußen!

Noch einen Tag bis Miami. Autopilot ist an und ich sitze mit meiner Schwimmweste zusammen mit Ken an Luv. Wir schauen zu, wie sich das Steuerrad bewegt und fachsimpeln darüber wie erstaunlich flott sich unsere Anny doch vor dem Wind bewegt.

4 Stunden später.

Es hat sich inzwischen doch schon etwas relativiert. Der Wind nimmt mehr und mehr ab und wir überlegen direkten Kurs auf die Bahamas zu nehmen und uns Miami zu schenken. Ich kann die Staaten sowieso nicht leiden. Wenn der Wind so bleibt und wir Richtung Norden drehen, könnten wir heute Nachmittag versuchen in der Little Bahama Bank zu ankern. Oder weiter in Richtung der östlichen Inseln schleichen.

Ken hat die Diskussion über den Motor mit mir inzwischen aufgegeben. Er weiß ja, dass ich jetzt Mazikeen als Leibwächterin habe. Und die wird ungemütlich wenn ich sauer werde.

Ich würde wirklich gerne mal hier herumschwimmen. Ob man das haimäßig kann? Keine Ahnung, muss mal unsere Biologinnen fragen. Ich könnte ja mal ein paar mehr Tabletten einwerfen, reinspringen und wenn ich die Orientierung verliere, mich von Maze retten lassen!

Aber das Wetter ist wirklich geil. Die Sonne könnte mal aufgehen, ich will meine Klamotten loswerden. Ken grummelt zwar immer wenn jemand seine Schwimmwesten auszieht, aber – hallo – ich sitze doch nicht Tag und Nacht mit dem Ding an Deck herum. Jedenfalls nicht, wenn wir nachher mit Schubkarrengeschwindigkeit in der heißen Sonne herumschippern.

Oben ohne ist doch das Geilste

Überhaupt: Oben ohne ist doch das Geilste!

Ich habe sowieso nie verstanden, warum Männer oben ohne rumlaufen dürfen und Frauen nicht. Weil bei uns was herunterhängt? (Jaja: oder sich nach vorne wölbt. Besser?) Wenn das der Punkt ist, dann dürften wir aber zumindest unten ohne rumlaufen. Da wölbt sich nichts und hängt auch nichts.

Nach dieser Theorie wären also Männer unten mit und Frauen oben mit aber unten ohne. Das wäre gerecht.

Oder eben Frauen und Männer oben ohne. Passt dann auch wieder.

Aber Männer nur unten mit und Frauen unten UND oben mit? Das ist doch mal wieder hochgradig sexistisch!

(Nein, nein: Wir einigen uns nicht auf ein Ei und eine Titte!)

Paparazzifutter

Mir ist noch nicht ganz klar, wie Joana sich einen Urlaub vorstellt, bei dem wir sie alle paar Tage an einem anderen Flugplatz absetzen sollen. Aber das wird sie mir sicher noch erklären.

Und dass sie es nicht akzeptieren kann, dass sie die Einzige ist, die an Bord jederzeit angezogen bleiben muss, nur weil Fremde auf dem Schiff sind… Ja… Shit happens, oder so. Es kann ja nun keiner etwas dazu, dass sie ein Problem mit Paparazzi und Hochglanzmagazinen hat.

Ich jedenfalls bin kein Paparazzifutter und kann an- und ausziehen was ich will. Jedenfalls auf meinem Boot.

Paparazzifutter

Wir müssen darüber nochmal reden!

Na, da bin ich ja mal gespannt, was ihr dazu einfällt. Mir fällt dazu jedenfalls nichts weiter ein, als dass ich ganz bestimmt nicht wegen ihr ununterbrochen mit Bikini herumlaufen werde! Bei aller Liebe…

Außerdem findet sie unser altes Schiff viel zu gefährlich. Mmh…? Joana als Bootsexpertin? Ich muss mal in meinen Kalender schauen, ob sie auch ihre Tage hat!

Dämonenaugen

Das Schiff ist leer. Dunkel. Düster. Kein Mann an Deck. Kein Segel gesetzt.

Kein Lüftchen regt sich. Flaute. Das Meer ist ein dunkler Teppich mit verlorenem Lametta. Neuer Mond. Sternenklare Nacht.

Roter Mars.

Tote Venus.

Es knarrt in den Planken. Unter Deck herrscht blinde Dunkelheit. Wieso bin ich hier? War ich nicht eben noch…?

Dämonenaugen.

„Bist du das…?“ Angst.

„Psst!“ Die Gänsehaut weicht.

„Schwörst du mir…?“, flüstere ich.

„…den heiligen Eid.“ Die Dämonenaugen schließen sich und öffnen sich wieder: „Den heiligen Eid der Nacht.“

Ich atme wieder. Erleichterung.

„Mazikeen?“

Stille.

„Hast du sie getötet?“

„Jeden“, sagt sie, „es ist Nacht. Sie hätten es besser wissen müssen.“

„Männer wissen es niemals besser. DIESE wissen es niemals besser“, nicke ich und seufze.

„Ich bin da“, lächeln die Dämonenaugen.

„Auch morgen, richtig? Du wirst auch morgen hier sein? In der Nacht?“

„Ich bin immer da.“ Mazikeen nennt meinen Namen. „Besonders nachts.“

„Du wirst sie wieder töten, richtig? Immer wieder?“

„Und wieder und wieder.“ Ich spüre ihren Atem ganz dicht neben mir: „Ich bin die Nacht.“

„Du bist die Nacht und du bist bei mir.“

„Forever“, flüstert sie und ich schmiege mich in ihre Dämonenarme.

„TÖTE SIE! TÖTE SIE ALLE!“, schreie ich plötzlich.

Und es wird Tag.

* * *

Mehr von Andrea in ihrem neuen Roman:

Andrea Lauenburg: J. – Forever

Mazikeen

Schon früher hat Chris immer versucht diejenige von uns beiden zu sein, welche die andere, mich, beschützt. Das hat nie so wirklich funktioniert, weil ich ebenfalls Kampfsport mache und – ganz ehrlich – ihr dabei immer überlegen war.

Dass ich Chris in letzter Zeit mit Mazikeen* assoziiere – und sie sogar einmal versehentlich Maze** genannt habe – hat natürlich Gründe.

(Chris hat natürlich sofort nachgeschaut, wer oder was Mazikeen – Maze – ist, und hat festgestellt, dass es sich um einen weiblichen Dämon handelt, einen der stärksten und mächtigsten aus der jüdischen Mythologie. Sie ist eine Lilim, Tochter der Lilith – in der mesopotamischen Religion ein Dämon der Nacht, der Männer attackiert. Alles in allem also ganz nach ihrem Geschmack. Dass Dämonen keine Seele haben, stört sie nicht weiter, denn wer hat schon eine?)

„Warum nennst du mich nicht einfach Maze?“, hat sie mich gestern Abend gefragt und alle Flüssigkeiten der Welt sind auf der Stelle in meine Möse gestürzt. Wie macht sie das nur immer?

Mazikeen, Dämonin der Nacht

Wie auch immer…

Joana ist da ganz anders. Sie ist keine Beschützerin. Jedenfalls nicht selbst. Sie schleppt in der Regel einen oder zwei Bodyguards hinter sich her, die regeln das dann. Sie persönlich beschützt gerne finanziell, das ist jedoch eine ganz andere Geschichte. Für Joana bin ich – leider muß ich inzwischen „war ich“ sagen – die Beschützerin. „War ich“ weil es mit mir eben nicht mehr so weit her ist mit beschützen.

Das ist nämlich das eigentliche Thema. Durch die ganzen verdammten Tabletten hat es sich langsam mit mir als Beschützerin erledigt. Mittlerweile falle ich hier den halben Tag durch die Gegend als hätte ich etwas getrunken. Und meine Kondition ist vermutlich die einer 70jährigen regionalen Vizemeisterin im Kampfstricken.

Maze – Chris – hingegen hat sich genau in die andere Richtung entwickelt. Sie trainiert von morgens bis abends, kickboxt auf dem Boot gegen andere Dämonen, stemmt alles was nach Gewicht aussieht, besteht darauf jedes verdammte Segel möglichst alleine hochziehen und klettert die Maste rauf und runter wie eine hungrige, läufige Schimpansin. Sobald wir irgendwo stoppen ist sie weg. Im Wasser. Und versucht den Weltrekord im Langstreckenkraulsprintschwimmen zu brechen. Sollte irgendwo Land in Sicht sein, versucht sie das gleiche auf der Marathonstrecke.

Mir soll es recht sein. Es gibt nichts Geileres als von oben bis unten jedes Tröpfchen Schweiß von ihrem Körper zu lecken.

Auf jeden Fall bin ich gewaltig ins Hintertreffen geraten. Heute wäre ich nur noch ein zweitklassiger Sparringspartner für sie.

Dann ist das eben so.

Ich habe meine Überlegenheit verloren aber eine megageile Beschützerin gewonnen: Mazikeen, die Lilim, die männerattackierende Dämonin der Nacht.

Ist das nicht geil?

– – –

* Mazikeen, gesprochen „Mesekien“ ** Maze, gesprochen „Mäis“

Dance With The Devil

In sechs Tagen sollten wir dann in deutlich wärmeren Gefilden sein. Darauf freue ich mich wirklich.

Ich wundere mich immer wieder, warum Menschen freiwillig in kälteren Gegenden wohnen.

Obwohl – habe ich in Orcas ja auch. Vielleicht ist es die Liebe zu Jahreszeiten? Oder weil wir glauben, dass wir keine andere Wahl hätten?

Natürlich haben wir eine andere Wahl. Jeder hat eine andere Wahl. Spätestens nach der Ausbildung hat jeder die Wahl. Die Menschen sind nur zu feige oder zu faul Risiken einzugehen. Oder es gefällt ihnen da wo sie sind. Dann sollten sie sich aber auch nicht beschweren.

Wie komme ich denn jetzt eigentlich darauf?

Egal.

Auf jeden Fall will ich ins Warme. Erst einmal. Florida, Karibik, Golf von Mexiko, Mittelamerika, Südamerikas. Für’s erste.

Chris ist oben und hat alles im Griff. Ich kann aber auch nicht schlafen. Nicht mehr, jedenfalls.

Hat alles im Griff… Wie sexy…

Ich habe von der Nacht mit Joana und ihr geträumt. So echt träumen? Gibt’s das? Es war fast so, als hätte ich es nochmal erlebt, nur etwas verrückter. Ich glaube, in meinem Traum war Joana wirklich lesbisch. Mit Haut und Haaren. Obwohl da auch noch ein Typ aufgetaucht ist. Keine Ahnung was der für eine Rolle gespielt hat.

Träume…

Chris erinnert mich in Auftreten (und sogar ein wenig im Aussehen und ganz bestimmt in ihrer Klamottenwahl) an diesen Dämon Mazikeen in Lucifer. Vermutlich haben sie die Figur nach ihr modeliert.

Wenn Chris Mazikeen ist, wer ist dann Lucifer?

Auf jeden Fall ist sie schon gewaltig sexy. Ich überlege, ob ich sie künftig Maze nennen soll. Chris hat gegenüber Joana allerdings den großen Nachteil, dass sie nicht mein Jugendschwarm und weltberühmt ist. Da kommt mein verrückter Faible für Stars wieder durch. Das ist, als wenn man pizzaverrückt ist, und bekommt jetzt gesagt: in Zukunft nur noch Spaghetti Bolognese. Oder so.

Ich bin unmöglich, ich weiß.

Go fuck yourself!

Nachsatz: Auf die Spaghetti will ich nun auch nicht verzichten…

Ich muss jedoch auch sagen, dass Joana wirklich megageil, megasexy, megasüß, megalieb und überhaupt mega ist.

Nur leider eben nicht so 100 Prozent lesbisch. Eher gar nicht. Wir machen nur rum, weil sie weiß, dass ich es brauche. Schon ein bisschen armselig. Von mir. Eigentlich müsste ich ja sagen „lass mal“ und müsste mich mit ihr als allerbester Freundin der Welt zufrieden geben. Andererseits – es ist nunmal Joana. Es sind ihre Titten. Es ist ihre Möse. Und sie zu küssen ist der Himmel auf Erde.

Bei Maze – äh, Chris – ist es eher die Hölle. In a good way.

Ich schreibe Unsinn, heute Nacht.

Muss die Vorfreude auf das schöne Wetter sein.

Süchtig

Wir bringen unsere beiden Mikroskop-Akrobatinnen nicht an den Wunschort.

Das war schließlich auch nicht unsere Vereinbarung. Wir machen auf dem Weg nach Westen einen kurzen Stopp am anderen Ende der Bermuda Inseln für sie.

Nachdem wir Joana mit der Anny X am Flugplatz abgeliefert haben, geht es direkt los, da das Wetter für die geplante Route absolut perfekt aussieht, das will ich ausnutzen.

Ausserdem geht mir das Wetter hier auf den Keks. Ich will endlich ins richtig Warme und meine Klamotten loswerden.

5-6 Tage sollte es bis Florida dauern. Das sollte reichen um Joana nochmal für einen Tag zwischen diesen Scheiß-Awards sehen zu können. Wobei ich ihr ständig in den Ohren liege, dass sie ENDLICH aufhören soll mit der Arbeiterei. Dann könnte sie auch endlich aufhören zu fliegen. Immerhin hat sie versprochen so oft es geht einen Linienflieger zu benutzen. Wir werden sehen…

Wobei ich irgendwie nicht daran glaube, dass sie jemals aufhören wird. Noch nicht einmal kürzer treten traue ich ihr zu!

Dieses movie business scheint wie eine Sucht zu sein.

Nun, über Sucht darf ich mich natürlich nicht auslassen. Ich selbst würde fliegen, bis meine Knochen nicht mehr zusammenhalten würden. Und würde meine Gesundheit es mir nicht verbieten, wäre ich vermutlich jetzt gerade 30.000 ft über der Erde. Das Segeln ist nichts weiter als das Methadon für meine Flugsucht.

Insofern muss ich Joanas Arbeitssucht wohl verstehen und ihre ständigen Besuche und vor allem das Unterbrechen der Drehs wegen mir, ihr ganz besonders hoch anrechnen. Und das tue ich. Vor einem Jahr hat sie sogar eine weitere Doppelgängerin engagiert um die Paparazzi abzulenken, wenn sie mich treffen will.

Was jedoch alles das beleidigende Gefühl nicht vertreibt, dass sie nicht öffentlich zu uns steht. Andererseits – wie würden es ihre Fans aufnehmen, wenn sie jemals wieder einen Typen heiraten würde und wir nebenbei ganz offen ein Verhältnis hätten (oder nicht offen, aber es herauskäme, weil die Paparazzi mich inzwischen kannten)…?

Vor diesem Hintergrund kann ich es schon ein wenig verstehen. Aber nur ein wenig.

Quote

Wir sind sieben Crew an Bord, mit Joana acht – nur zwei davon sind Männer.

Das nenne ich mal Quote.

Und wenn man bedenkt, dass von den Männern einer schwul ist und von den Frauen zwei lesbisch und vermutlich eine bis drei bi sind, dann ist unser Boot das reinste Regenbogenschiff.

Bei uns Weibern ist das nicht so genau zu sagen: Bei Joana bin ich mir nicht so sicher ob sie nicht vielleicht doch meine beste Freundin mit Benefiz (für mich) ist und bei den beiden Biologinnen ist es nur ein sehr starker Anfangsverdacht. Basierend jedoch auf ziemlich eindeutigen Indizien und auf dem ständigen Gepiepse meines Gaydars. Ich werde das noch genauer herausfinden.

Sollte sich das jedoch alles bewahrheiten, wären von derzeit acht Leuten an Bord lediglich zwei hetero.

Auch das nenne ich mal Quote!

Interesse an Sex? Wohl kaum!

Ich entschuldige mich dafür, dass…

ich momentan meist über diese Seglerei schreibe. Aber ich mache ja derzeit auch kaum etwas anderes.

Solange ich niemanden mit einem Buch darüber traktiere, oder?

Ausserdem ist das ja schließlich mein Tagebuch. Nichts weiter.

Und wer will schon etwas darüber wissen, wann und wo und wie Chris und ich es getrieben haben?

Oder welche meine Lieblingsvibratoren sind?

Oder warum ich was in welchem Buch geschrieben habe?

Oder dass ich darüber nachdenke, wie ich diesen kleinen Mikroskop-Punk ins Bett bekomme, weil mich das ganze Metall in ihrem Gesicht so anmacht?

Oder an was ich beim Masturbieren denke?

Oder wie Joana von der besten Freundin zur Geliebten wurde?

Und, und, und…

Seht ihr: niemand.

Also kann ich auch in Ruhe mein Tagebuch weiterschreiben.

Bücher schreiben

Ja, natürlich schreibe ich an neuen Büchern.

Unter anderem auch an einem neuen J.-Buch. Oder besser gesagt: Hauptsächlich an einem neuen J.-Buch.

Wo würde das besser gehen als auf dem Deck eines Segelbootes in der Sonne? Mit dem Handy?

Schon J. – Forever habe ich in großen Teilen auf dem Handy geschrieben (Huawei Mate 20 Pro, falls es jemanden interessiert). Andere Teile per Spracherkennung über ein Philips Diktiergerät. Was natürlich jetzt bei Wind und Wellen nicht machbar ist. Und für meine Schreiberei in Cafés nutze ich mein geliebtes Surface.

So, genug Werbung gemacht.

Jedenfalls macht mir das Schreiben zur Zeit (auch durch den Erfolg von J. – Forever) sehr viel Spaß.

Das Schreiben, das Schwimmen, das Faulenzen und vor allem das Segeln. Fliegen ist ja leider (Vorerst?) gesundheitlich nicht mehr drin. Meine beiden kleinen Flugzeuge habe ich inzwischen verkauft und meinen Job musste ich ja leider schon vor längerer Zeit aufgeben. Motorradfahren kommt wieder, wenn ich mal wieder für längere Zeit festen Boden unter den Füßen habe, was jedoch für die absehbare Zukunft nicht in Sicht ist.

Das Segeln hat den herrlichen Effekt, dass mir Zoe vom Hals bleibt, ich darf nur nicht zu lange an einem Stück vom Boot runter. Werde ich wohl hinbekommen. Wie gut, dass mir Seekrankheit fremd ist.

Was hier an Bord immer etwas schwierig ist, ist die Logistik. Zum Beispiel die Versorgung mit meinen Tabletten, regelmäßige Arztbesuche und so weiter. Das ist manchmal schon wirklich übel – vor allem die Tablettensache. Vor allem mit meiner Panik, dass sie mir ausgehen könnten und ich sie deswegen hamstere, was mir bei Zollbesuchen auf dem Boot ernsthafte Probleme bereiten könnte. Tausend Atteste von tausend Ärzte nutzen da in manchen Ländern nichts, jedes Land hat seine eigenen Gesetze und manche Beamte interessiert es kein bisschen ob du ohne deine Meds draufgehst oder nicht. Manchmal kommst du nicht drumherum gegen das Gesetz des jeweiligen Landes zu verstoßen, was dich in den Knast bringen könnte. Als chronisch Kranke musst du eigentlich schön brav zu Hause sitzenbleiben und darfst bestenfalls 2 Wochen Urlaub machen!

Wenn das keine Diskriminierung ist – was dann?

Bermuda geht ja immerhin. Da bin ich ja als Engländerin (🤮) quasi zu Hause.

Was rege ich mich eigentlich schon wieder auf? Ach ja, die Hormone.

Deutsches Segel-Einmaleins

Irgendwie ist das schon ein wenig krass schwierig…

unser englisches Segel-Einmaleins plötzlich auf Deutsch auszudrücken. Da muss ich sogar manches nachschauen. Aber irgendwie lerne ich die Sachen dann auch mal auf Deutsch.

Das Wetter ist miserabel aber die Temperaturen steigen. Irgendwie passt das auch nicht so richtig zusammen.

Schon geil, die Anny

Es ist doch immer wieder faszinierend…

wie gut so eine Hochsegelketsch, gegenüber modernen einmastigen Sluptakelungen vor dem Wind oder auf Raumkursen läuft. Ab halbem Wind fängt die Sache aber sofort an, sich zu relativieren. Dann möchte man auf dem Zweimaster am liebsten aussteigen und schieben.

Momentan drischt die Anny jedenfalls mit Gennaker und Stag bei annähernd halbem Wind durch die Wellen wie ein römischer Streitwagen durch die Arena.

Schon geil.

Schifffahrtsgrab

Wir kommen ganz gut voran.

Wir sind mit Gennaker und Stag in fast halbem Wind unterwegs.

Das Wetter ist wie erwartet, Südwind mit um die 13 kn moderat. Allerdings werden wir uns weiter nördlich halten müssen um eine von Süden aufkommende Flaute zu umgehen.

Dadurch wird sich unsere Ankunft wohl bis morgen Nachmittag verzögern, abhängig davon, ob wir dem dann von Westen aufziehende Wetter umgehen müssen.

Die Windverhältnisse im Bermudadreieck sind sehr komplex, vermutlich ist das auch der Grund für den legendären Ruf der Gegend als Schifffahrtsgrab. Dank Satellitennavigation und Wetterbeobachtung ist das aber heute kein ganz so großes Problem mehr.

Ich bin auch immer wieder fasziniert davon, wir lange selbst vermeintlich kurze Entfernungen auf den Karten tatsächlich dauern und sich doch, wenn man das Ziel schließlich erreicht hat, alles wieder relativiert hat.

Wie auch immer: Nur noch einen Tag und eine Nacht nach Bermuda.

Wobei ich überlege, ob ich unseren beiden Mikroskop-Punks* noch einen Tag weiter im Norden zum Sammeln von irgendwas gewähren soll, dessen Name ich nicht aussprechen kann.

*DARÜBER muss ich nun wirklich noch schreiben!!!

Quantensprache

Nachdem wir ganz ordentlich vor dem Wind hergetrieben werden,

bin ich guter Dinge, dass wir dem Wettergott einen Streich spielen können. So macht das Ganze jetzt auch schon ein bisschen mehr Spaß: Sonne-Wolken-Schauer-Mix bei 17 Grad und einer ganz netten Brise.

Ken nennt unser Boot inzwischen den „Lesbenexpress“. Alles nur weil Tine und Harakiri ständig so dicht zusammenhängen und dauernd am Quatschen sind. Haben Wissenschaftlerinnen überhaupt ein Sexualleben? Ich muss das mal ausprobieren. Ich wette jedenfalls, dass die nur ununterbrochen zusammenklüngeln, weil sie nicht wissen, was sie mit uns reden sollen, weil wir Sterblichen ihre Quantensprache sowieso nicht verstehen. Meine werden sie verstehen – sobald ich sie erst einmal im Bett habe, das garantiere ich,

Apropos im Bett: Vorhin kam Chris zu mir ins Bett gekrochen, ist gegen mich gerollt, hat sich angekuschelt und sofort angefangen zu schnarchen. Sie muss noch viel müder sein als ich! Ich glaube, sie hat seit NY nicht mehr als zwei Stunden geschlafen, die Arme. Ich werde wohl nachher ihre Schicht mit übernehmen, damit nicht noch das alte Boot auseinanderfällt, wenn sie nicht mehr in der Lage ist den Schraubenschlüssel zu halten!