Die Liebe und das Meer

Wir konnten in der Bucht eine einigermaßen ruhige Nacht verbringen. Einigermaßen - weil auch hier schaukelt es noch ein wenig.
Ken hat Ankerwache gehalten. Ich sitze jetzt wieder im Salon und schlürfe meinen Kaffee, während Maze bereits dabei ist, das Tuch zu überprüfen. 
Wir haben uns entschieden in Küstennähe weiterzusegeln. Dort sind die Wetterverhältnisse vernünftig, wahrend weiter draußen nach wie vor 20kn+ Winde herrschen, die sich aber zum Wochenende zu einem ausgewachsenen Sturm entwickeln sollen, der auch an Land spürbar sein wird. 
Wir versuchen uns Richtung Bergen durchzuschlagen. Sobald es zuviel wird, suchen wir uns eine schicke Bucht. 
Dass wir uns den Stürmen nicht aussetzen wollen, hat mit dem Bootsbesitzer zu tun, der uns darum gebeten hat. Außerdem geht mir die Kotzerei von Gernot auf den Keks. Wir mussten uns gestern Abend selbst etwas zu essen machen, weil unser "Schiffs"koch in der Eiseskälte an Deck vor sich hin gewürgt hat. Ein Kreuzfahrtschiff ist in einem Stürmchen eben doch etwas Anderes als eine Segelyacht.
Was ein geliehenes Boot angeht: nie wieder. Ich will, wenn schon, segeln wann und wo ich will. Wenigstens hat auch Maze schon gemerkt, dass so etwas nicht wirklich Spaß macht. Im Gegensatz zu mir reagiert sie auf mein Gemecker immer wieder mit demselben Satz: "Dann lass es uns doch kaufen. Ein Anruf genügt." (Ja, der scheint tatsächlich zu genügen, die Papiere sind offenbar schon fertig.) Aber eigentlich müsste sie wissen, dass ich mich in ein Boot sofort verlieben muss, um wieder zurück aufs Wasser zu gehen. Außerdem bin ich nach wie vor nicht bereit, die Fliegerei für Jahre an den Nagel zu hängen. Selbst wenn ich für meine Unstetigkeit bekannt bin. Außerdem: Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt die Firma verlassen würde - ich glaube, meine Schwester würde hinter uns her schwimmen, um mich umzubringen. (Zugegeben: nicht weiter schlimm, denn ich bin schneller; das war schon immer so.)
Generell gebe ich aber gerne zu, dass Mazikeens Intervention zumindest ein klein wenig Wirkung zeigt. Mit dem passenden Boot - wer weiß... (Halberg-Rassy, Oyster?) Aber nach wie vor bin ich überzeugt, dass es nicht eine Amel sein kann. Obwohl sie durchaus eine brauchbare Yacht ist, das habe ich gestern festgestellt. (Sex ja, liebe nein. Sozusagen.)
Was die Liebe angeht: Jeden Tag stelle ich aufs Neue fest, wie sehr ich in meine beste Freundin verliebt bin. Ein typisches Lesbenschicksal... Weniger typisch ist, dass meine BFF ein Filmstar ist, den ich anhimmele seitdem ich sie das erste Mal im TV gesehen habe. Meine erste große Liebe. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der kennt die traumhafte (und unglückliche) Geschichte. Leider ist die Frau unverbesserlich hetero und hat nur deshalb mit mir Sex, weil ich sie andernfalls vergewaltigen würde. Nehme ich an. Mazikeen behauptet, dass ich mich auf dem Meer langsam daran gewöhnen würde, nicht ständig mit ihr zusammen sein zu können. Sie vergisst, dass Joana bei jeder Gelegenheit zu Besuch kommen würde, denn auch sie vermisst ihre beste Freundin, zumindest das ist keine Einbahnstraße. Selbst wenn sie derzeit mal wieder in einen Typ verliebt ist. Glaubt sie. (Der einzige Unterschied auf dem Meer wäre, dass ich noch öfter masturbiere als ohnehin schon.) 
Die Sache zwischen Maze und mir ist eine ganz andere: Sie ist ein Dämon und ich bin, in ihren Augen, der Teufel. (Wer weiß... 😈) So etwas schweißt zusammen. Außerdem ist es ungemein praktisch, weil sie für mein Wohlbefinden sorgen muss. Umgekehrt ist das nicht so. Herrlich!
Soviel erst einmal aus Kristiansand und jetzt muss ich, wohl oder übel, an die Arbeit. 
Lesbenschicksal

So etwas Ähnliches habe ich mir gedacht: Mazikeen hat für uns mehr als eine Übernachtung in Oslo geplant! Sie will mir mit der Aussicht auf eine fast neue, wintertaugliche Amel Yacht den Mund wässrig machen! Miststück!

Da sie das Boot bereits gechartert hat und – Überraschung – auch Ken dabei ist, kann ich schlecht nein sagen. Nein, ich habe keine Weltreise vor, doch schließlich habe ich zugesagt, mit ihr ein Stück die Küste entlang zu segeln. (Ich bin mir sicher, sie hat längst eine Kaufoption! Sie wird mich damit erpressen, denn wenn sie die Amel kauft, werden die Charterkosten vom Preis abgezogen.)

Eigentlich ist mein Urlaub vorbei. Aber was soll’s, hänge ich eben ein paar Tage dran, bevor mein Dämon gänzlich aus meinem Leben segelt, weil alles immer nur nach meinem Kopf geht. Und es ist ja nicht so, dass ich keine Lust habe, mal wieder ein Boot zu steuern und Wintersegeln hat einen ganz besonderen Reiz. Vor allem in Skandinavien.

Maze ist mit dem Auto nach Notodden gefahren um unsere Segelausrüstung zu holen. Ken besorgt währenddessen den Proviant, während ich mir das Boot erklären lasse. Ich schätze, die Einführung wird noch bis morgen Abend dauern, das heißt, wir sind vermutlich übermorgen unterwegs.

So, und jetzt werde ich mir wohl oder übel das Gezeter meiner Chefin anhören müssen. Bis die Funkverbindung zu schlecht wird …

Sex- und Flugflaute

Heute ist einer der seltenen Tage, an denen mir so gut wie nichts für einen Tagebucheintrag einfällt.

Warum? Weil gerade nichts passiert. Ich fliege von morgens bis abends. Und dann komme ich nachhause, mache Kakaofresse etwas zu essen und dann gehe ich ins Bett. Schlafen. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Gaby ist inzwischen allerdings hier, Joanna ist nach wie vor auf ihrem Filmset oder bei Interviews oder in Talkshows oder im Bett von irgend einem Typ. Auf jeden Fall ist sie nicht da.
Mazikeen ist nach wie vor damit beschäftigt, für mich oder uns ein Boot zu finden. Eines, das auch mir gefällt, eines, dass wir bezahlen können. Was die Auswahl etwas einschränkt. Gaby sagt ständig, sie würde sich die Kosten für ein Boot mit uns teilen (wobei das dann etwa 90 % Gaby und 10% wir wären), doch sie hat natürlich ihre eigenen Vorstellungen, was ein Boot angeht. Und die stimmen derzeit überhaupt nicht mit unseren überein. Für sie ist ein Boot so eine Art Luxushotel auf dem Wasser. Für uns ist ein Boot ein Boot. An der Sache müssen wir arbeiten. Außerdem stören sie Segel, denn in ihren Augen machen sie erstens zu viel Krach und sehen nach oben hin auch nicht besonders gut aus. Manche Leute sind wirklich seltsam.

Na ja, Kinderkram. Im Endeffekt wird es sowieso so aussehen, dass wir das Boot bekommen, das wir haben möchten, und Gaby bezahlt es. Zumindest will ich das doch stark hoffen!

Ich meine, wir haben es schließlich auch nicht leicht. Wir, die wir nicht so viel Kohle haben. Joanna und Gaby haben ganz bestimmte Vorstellungen von Restaurants und Bars. Vollkommen okay. Nur, dass wir uns sowas auf Dauer nicht leisten können. Ein normales Abendessen für 300 $ – das übersteigt eindeutig mein Budget. Und ein Gläschen Tequila an der Bar für zwölf Dollar – das ist dann auch eher außerhalb meiner Reichweite. Das Dumme ist nur, dass beide natürlich darauf bestehen, dass sie uns die Sachen bezahlen. Weil sie ja wissen, dass weder Mazikeen noch ich uns solch einen Luxus leisten können. (Auch wenn wir die Regelung mit dem Sex haben. Eifrige Leser werden sich erinnern.) Auf jeden Fall ist es nicht gerade angenehm, wenn man auf Dauer von Anderen eingeladen wird. Natürlich wissen Sie das. Und natürlich sagen sie, dass das alles kein Problem wäre, doch es wäre nun eben wichtig für sie, dass sie weiterhin in ihren geliebten Bars und Restaurants verkehren können. Vor allem, weil dort die Paparazzigefahr am geringsten ist. Alles schön und gut, alles aber auch irgendwie unbefriedigend.

Jammern auf hohem Niveau? Vermutlich ist das die Reaktion von so manchem Mitleser. Da kann ich nur eines entgegnen: Vielleicht sollte man sich einfach mal vorstellen, dass die Partnerin in Geld schwimmt – und ich rede hier nicht von einer kleinen Million – und man selbst nicht mehr besitzt, als das, was die Bank an Überziehungskredit erlaubt. Und dann geht ihr einfach mal jeden Abend – vielleicht auch jeden zweiten – in die teuersten Bars und Restaurants der Welt. Und alles, was ihr Euch dann leisten könnt, wäre ein Bier. Für zwölf Dollar. Der Abend jedoch, kostet in der Regel 300-500 $ – wenn es reicht. Und wer bezahlt es? Die Partnerin. Jeden zweiten Tag. Macht das wirklich Spaß? Ist das wirklich jammern auf hohem Niveau?
So hat eben jeder seine eigenen Probleme.

Anderes Thema.

Die letzte Landung, die ich hingelegt habe, war wohl die schlechteste meiner gesamten Laufbahn. Sowas Übles! Ich glaube, wenn ich Boss wäre, würde ich mich rausschmeißen. Mein Co sagt, ich wäre einfach übermüdet. Könnte sein. Wenn man kaum die Augen aufhalten kann, wie soll man da das Bugrad in der Luft halten? Ich war schon froh, dass ich die Landebahn überhaupt getroffen habe. ILS* sei Dank!
Nein, wirklich, das geht so nicht. Das Schlimme ist, dass ich nicht infolge des Arbeitens so k. o. bin, sondern weil ich einfach nicht schlafen kann. Zieht man in Betracht, dass ich meine Medizin wieder deutlich erhöhen musste, ist das aber auch kein Wunder! Ich bin mal wieder an dem Punkt, an dem ich das Fliegen für eine ganze Weile aufgeben muss. So geht das nicht. Und bevor die FAA** mir die Lizenz entzieht, wird es wohl Zeit, dass ich aus freien Stücken pausiere. Also wieder zurück in mein Lockdown-Zuhause. Dann widme ich mich eben ein wenig mehr Mazikeens Suche nach einem passenden und bezahlbaren Boot.

Was gibt es noch Neues?

Ach ja, ich musste meine Sängerin erneut abwimmeln. Ich nehme an, sie sucht sich jetzt jemand Anderen. Solche Leute dulden keinen Widerspruch und erst recht keine Zurückweisung. Und schon gar nicht beim Thema Sex.

Meine verdammten Tage habe ich einigermaßen überstanden, die Sexflaute jedoch noch nicht.


**Die Flugaufsichtsbehörde der USA

*Ein automatisches Landesystem


Und dann gibt es da noch meine Bücher:
https://tinyurl.com/y38cg4ur

Wüstengruft

Gestern ist irgendwie gar nichts passiert.

Palm Springs im Winter ist zwar erträglicher als sonst, aber kein bisschen aufregender als im Sommer.

Es trauen sich mehr Rentner auf die Straße. Was immer man von dem Geklapper der Stöcke und dem Rattern der Rollatoren halten mag. Vor dem Virus kam man sich hier in den Cafés wie auf einer Palliativstation vor.

Am Samstag hatte wir 25 Grad. Im Schatten, wohlgemerkt. Und da es Wolken in der Wüste ziemlich selten gibt, kann man die Höchsttemperaturen hier getrost verdoppeln.

Alles weitere Gründe um hier zu verschwinden. Ich schätze, man muss sein halbes Leben in Bel Air gewohnt haben, damit man diese Wüstengruft ertragen kann.

Ich finde, es ist ein Muss, dass es wenigstens ein paar Monate im Jahr kalt ist. Sonst bekommt man doch den Eindruck, dass jemand das Wetter abgeschafft hat, damit Trump beim Golfspielen nicht friert. Und sind wir ehrlich: Es reicht doch, wenn wir im Winter unsere Wohnungen gnadenlos überheizen, damit wir im Wohnzimmer gemütlich ficken können.

Momentan tendiere ich doch wieder zu Europa. Ich glaube dafür, dass es an der nordwestlichen Küste von Nordamerika nur die Fjorde von Kanada und Alaska gibt, lohnt sich der Pazik mit seinen unendlich vielen, viel zu heißen Atolls nicht. Zumal man ewig braucht, um die zu erreichen. Und Asien brauche ich ganz sicher nicht. Und Australien und Co mit ihren viel zu giftigen und viel zu gefräßigen seltsamen Tieren auch nicht. Mir reichen ja schon die Schlangen, Schakale und Geier von Palms Springs.

Norwegen wäre dann wieder meine Wahl, vielleicht auch die schwedischen Berge. Schweden hätte den Vorteil, dass man dort mit Englisch weiter kommt als im Land der Fjorde. Und dass mir dann Daddy nicht ewig auf den Keks gehen würde, dass ich doch wieder zu ihm ziehen soll.

Oder ich wohne einfach nirgends und bleibe auf dem Boot. Wobei Gabby das ganz sicher nicht gefällt. Sie braucht eine Basis, meint sie. Und Joana will in Nordamerika bleiben. Und Mazikeen sagt, sie braucht Wasser vor der Tür.

Und ich will alles.

HILFE!

Gibt es denn niemanden, der mir – ganz uneigennützig – raten kann?

Ich will ins Kalte!

Gabby hat uns versprochen, sich nicht unwesentlich an einer Moody 54 zu beteiligen. Natürlich hat sie ein paar Bedingungen, was durchaus verständlich ist, wenn es um solche Summen geht.

Genau wie ich, will sie allerdings in die Kälte, was bedeutet, dass Sardinien schon mal raus ist. Godland, die Ostseeinsel, hält sie für Zeitverschwendung. („Was sollen wir denn dort?“) Ich kann das schon verstehen, denn das Meer ist wirklich weder Fisch noch Fleisch. Es ist kalt, aber nicht richtig, es ist wild, aber nicht richtig und das Wetter ist meistens auch zum Kotzen. Plus: Das Kattegat habe ich auch schon zwei Mal durchsegelt.

Bleiben Norwegen und Kanada – British Columbia, um genau zu sein – im Rennen. Geographisch gesehen, geben sich die Nordküste von Norwegen und die Westküste Kanadas und Alaskas nicht viel. Island und Grönland reizen mich zwar, doch dann? Zumal ich Island von See her bereits kenne. Grönland selbst ist – seien wir ehrlich – nicht so reizvoll, wie es immer in den Dokumentarfilmen aussieht. Segelt man die Südküste entlang, wird es auf Dauer ziemlich langweilig. Natürlich ist es von dort ein kleiner Sprung nach Neufundland, zum Laurencegolf um dann die US-Ostküste über Maine und Massachusetts nach New York City zu segeln. Aber: alles schon gemacht. Außerdem sind das schon wieder die Staaten. Bermuda ist ganz nett, die Bahamas auch, doch – irgendwie ist das alles altbekannt. Ich bin viel rumgekommen, stelle ich fest.

Bleibt British Columbia und damit das Haus in Squamish.

Die Küste hoch durch die Beringstraße, Alaska umrunden und ein wenig in der Arctic mit Seehunden spielen. Dann kann man sich entscheiden, ob man Japan mal sehen möchte, oder doch lieber in den offenen Pazifik abdreht und die Atolle besucht. Außerdem bleibt im Sommer immer noch die Möglichkeit an der russischen Küste entlang bis nach Norwegen zu segeln.

Das ist es, was Joana sich wünscht: dass wir uns in Squamish ansiedeln. Ich gebe zu, es war ja sowieso schon vor einer Weile meine erste Wahl gewesen. Außerdem macht alleine schon das Segeln in der Georgia Strait und rund um Orcas Island Spaß. Und meine Flieger dorthin zu überführen ist auch kein Ding. Auch die Küstengebirge, die Fjorde und Inseln an der Pazifikküste von British Columbia liegen nur wenige Tagesreisen nach Norden.

Der internationale Flughafen von Vancouver ist gerade mal eine Stunde Autofahrt entfernt, was Gabby und Joana in ihren Jobs entgegenkommt. In Norwegen gestaltet sich das alles schwieriger. Ich selbst kann von dem kleinen, privaten Airport von Squamish aus starten.

Plus: Die Moody liegt derzeit in einer kleinen Marina in Washington, also nur einen Katzensprung entfernt.

Anik würde Squamish als unser neues Domizil natürlich ebenfalls gefallen, denn so „könntest du ja vielleicht hin und wieder aushelfen“. Aber nicht, wenn wir auf große Tour in die Arctic gehen, liebste Schwester.

Was Gabby außerdem verlangt, ist die owner cabin, die größte Kabine, mit mir zu teilen. Etwas das ich ihr nicht geben kann und werde: Wenn Joana an Bord ist, ist sie diejenige, die bei mir schläft. Und zwar in der Eignerkabine. Gabby ist meine Nummer Zwei und das wird sie nicht dadurch ändern, dass sie sich die Kosten des Bootes mit mir – bzw. mit Mazikeen – teilt. Das ist ein Knackpunkt.

Wir werden sehen. Auf jeden Fall stehen eine Menge Diskussionen aus.

Aber ich möchte hier weg. Diese Rotmützen auf den Straßen gefallen mir nicht. Ich möchte einfach meine Ruhe haben. Und Bücher schreiben.

Für Boote muss ich mich nicht ausziehen

Schlaf gibt es erst morgen Früh.

Die Ereignisse überschlagen sich hier. Während Trump versucht die einzelnen Regierungen der republikanischen swing states zu erpressen, damit sie im Dezember republikanische Wahlmänner statt der vorgeschriebenen demokratischen nach Washington schicken, tanzt hier in Südkalifornien ein ganz anderer Bär: „Nächtliche Ausgangssperre“ heißt er und stört meine Kreise!

Das reicht dann jetzt mal!

Ich muss mir keine Trumpers mehr antun, die die ganzen USA mit Covid-19 anstecken; ich muss mir Trump selbst nicht mehr antun und schon erst recht keine nächtliche Ausgangssperre wegen diesen Arschlöchern!

Gesund zu bleiben ist hier ein verdammtes Glücksspiel.

Mazikeen und ich fliegen morgen nach Florida, um dort Gabby und Eva zu treffen, damit wir gemeinsam besprechen können, wie es weitergeht. Denn ich habe nicht mehr vor, hierzubleiben. Was zuviel ist, ist zuviel! Natürlich ist mein Dämon an meiner Seite und ich bin schon ein klein wenig verwundert, dass auch Gabby dabei ist. Meine beste Freundin Joana hingegen, bleibt – vorerst – in Palm Springs. Ich nehme aber an, dass sie sich eher in ihre Villa in Bel Air zurückziehen wird. (Wobei ich ziemlich sicher bin, dass sie so oft sie kann, zu Besuch kommt.)

Warum Florida?

Mazikeen hat von einer Freundin einen Katamaran ausgeliehen (Ich und ein Katamaran! Yuck!), mit dem wir erst einmal die Keys entlangsegeln werden, weil mein Dämon in Key West ein Boot gefunden hat, das sie uns zeigen möchte. Ich möchte jedoch bezweifeln, dass es etwas für uns ist. Wir werden sehen.

Nach wie vor stehen immer noch Kanada, Norwegen, Sardinien und Gotland als neue Heimat zur Auswahl. Allerdings hängt es wohl auch ein wenig davon ab, wo wir das passende Boot finden können. Eine Hallberg-Rassy wird es wohl auch diesmal nicht werden; ich denke eher in die Richtung einer Decksalon Segelyacht. Neuere Modelle dieses Bootstyps sind allerdings eher schwierig zu finden. Warum Decksalon? Weil es Winter wird und ich keine Lust habe, dass mir Eiszapfen von den Wimpern hängen, weil ich die ganze Zeit auf Achtern an einem Ruder im Freien stehen muss.

Meine Schwester ist natürlich stinksauer. I fucking don’t care! Natürlich muss sie in den Staaten bleiben, denn als CEO kann sie die Firma nicht einfach verlassen. Ich schon. Ich fliege ja nur ihre Flugzeuge.

Trotzdem schickt sie mir einen kleinen Jet, der uns nach Fort Myers bringen wird. Natürlich will sie nicht, dass ich mich in einem Airliner anstecke. Danke dafür, Schwesterchen. In einer Embraer 300 kann man ganz bequem schlafen (und Sonstiges machen natürlich auch). Ohne Betten zwar, aber auf ultragemütlichen Sitzen. Außerdem schafft die Maschine es ohne Zwischenstopp nach Florida.

Um das noch einmal klarzustellen: Ich flüchte weder vor Ausgangssperren, dem Virus selbst und schon gar nicht vor den Bekloppten. Bewaffnet bin ich selbst.

Ich muss mir das nur alles nicht mehr antun! Warum sollte ich auch? Ich kann auch anders und das nutze ich. Vor allem wenn mein Dämon ein Boot kauft und ich nur die Unterhaltskosten zahlen muss. „Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das mache“, sagt sie: „Doch mir wird schon etwas einfallen.“ Gute Einstellung. Aber nachdem Gabby jetzt ebenfalls mit von der Partie ist, muss sie sich vermutlich gar nicht mehr viel einfallen lassen.

Am liebsten wäre mir nach wie vor Kanada. Leider ist man dort von den Staaten eingekreist und irgendwie habe ich auch nicht wirklich auf die endlosen Weiten des Pazifik Lust. Weiter draußen wird es zwar schön warm, aber auch wochenlang ganz schön langweilig. Wenn einem nicht gerade ein Typhoon versenkt. Außerdem will ich ja in die Kälte. Oberhalb von Seattle kommt allerdings leider nicht mehr viel Kanada, sondern ganz schnell Trump-Country Alaska.

Mein Vater sagt, so traumhafte Landschaften wie in Squamish/Kanada, gäbe es in Norwegen an jeder Ecke. Auch die Sache mit der Demokratie, den vielen Elektroautos und dem Nicht-Populismus, spricht eindeutig für die Fjorde im Norden Europas. Außerdem gibt es dort nicht so viele Menschen. Nicht nur im Covid-Zeitalter ein Vorteil. Und die USA mit Trump, den Verschwörungsfanatikern und den Atomraketen sind ein paar tausend Meilen entfernt.

Letztlich kommt wohl alles auf das Boot an. Ist wie Würfeln. Nur muss ich mich für die Bootssache nicht nach und nach ausziehen. Für’s Würfeln in der Regel schon.

Mit meinem Spieleglück ist es nicht so weit her.

Schluss mit Arbeit. Ab in den Dauerurlaub!

Blut im Cockpit

Natürlich will ich nicht aufhören zu fliegen und natürlich werde ich auch den Job in unserer Firma machen – solange es sie noch gibt. Ich mag es, kleine Airliner zu fliegen und ich liebe es noch viel mehr, privat und/oder beruflich mit meiner Bonanza herumzustreifen.

Aber frau muss sich schließlich für den Moment wappnen, in dem Trump die UBA* vollkommen ruiniert hat.

Deshalb auch die Überlegungen von Mazikeen eher ein hochseetüchtiges Boot zu kaufen, als eines, mit dem wir nur an der kalifornischen Küste herumshippern können. Und die Idee von Gabby sich eventuell daran zu beteiligen.

Ich kann ja nicht. Was so etwas angeht, bin ich vollkommen pleite. Meine alte Ketch steht immer noch in Reunion auf Reede und lässt sich nicht verkaufen, was meine derzeitigen finanziellen Mittel nicht nur bindet, sondern nach und nach weiter reduziert. So ein altes Boot kostet selbst dann Geld, wenn es eingemottet ist und zum Verkauf steht. Ich hatte einen Käufer, doch der hat sie ziemlich schnell wieder zurückgebracht: Sie war ihm zu langsam. Der Rest meines Geldes steckt in Aniks Firma und mir bleibt nur noch mein Grundeinkommen aus einem Hamburger Mietshaus.

Nein, ich will nicht meckern: Finanziell geht es mir ja gut (ich bin unabhängig, wie es so schön heißt), die Situation bedeutet lediglich, dass ich an meine Investitionsgrenzen gelangt bin.

Und jetzt macht auch noch unsere Airline Probleme. Und wieder ist das Arschloch aus Washington schuld! Na ja, nicht wirklich: Es ist ja Mirandas und Aniks Aufgabe Lösungen für die Scheiße zu finden, die dieser Gangster absondert. (Angeblich ist es ebenfalls mein Job, Ideen beizusteuern, doch ich bin Pilotin, mehr nicht! Als Unternehmerin tauge ich nicht, wie man ja in der Vergangenheit gesehen hat.)

Besonders ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass unsere Firma sich gerade eine Option auf eine nahezu fabrikneue 737 NGX zum Spottpreis gesichert hat, eine Maschine, die ich in und auswendig kenne und die ich genauso gerne fliege, wie unsere Dash 8. Wir waren gerade dabei einen Major Deal mit zwei Studios in Hollywood und einem in LA zu machen, doch jetzt müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht übernehmen. Solange Trump sich im Weißen Haus an seinem Schreibtisch festbeißt, weiß kein Mensch mehr, was in den nächsten Wochen und Monaten in den UBA* passieren wird. Und wenn unsere Umsätze zurückgehen, stürzen wir mit der NGX schneller ab als ich „Wir hassen diesen Wichser“ sagen kann. Solche Kosten können wir nur tragen, wenn unsere Umsätze solide bleiben, hat mir Miranda erklärt. Abgesehen davon, scheint Anik in der momentanen Situation ohnehin Schwierigkeiten zu haben, eine Bank zu finden, die den Deal finanziert.

Solche Auswirkungen haben Trumps Widerlichkeiten!

Die Sache mit dem hochseetüchtigen Boot ist so eine Art Notnagel, wenn die Situation hier unerträglich wird. Derzeit verschlimmert sich ja alles nahezu täglich.

Leider musste ich meinem Dämon sagen, dass ich ihr momentan nicht weiterhelfen kann. Weder kann ich investieren, noch kann ich ihr bei der Auswahl ihres Bootes helfen. Blauwassertauglich oder nicht, zwei Kabinen, drei, oder vier? Wie groß? Was für ein Typ? Ich habe keine Ahnung, wir müssen beobachten was passiert. Oder sie muss kaufen, was sie für richtig hält. Ich weiß, dass sie ein Wasserdämon ist.

Zwischenzeitlich muss ich unbedingt versuchen, mir von diesem Arschloch nicht mein Sexleben kaputtmachen zu lassen.

Im Moment geht allerdings die Bluterei so richtig los, da brauche ich mich darum nicht zu sorgen, da bin ich ohnehin unausstehlich. Übrigens auch, weil ich im Morgengrauen mit der Dash rüber nach New Orleans muss. Arbeiten also auch noch! Was bedeutet, dass ich in zwei Stunden in meiner Bonanza sitze und nach Burbank fliege, wo sie stationiert ist.

Sollten heute die Krämpfe richtig losgehen, möchte ich nicht in der Haut der Passagiere und vor allem nicht in der meines Copiloten stecken!


  • UBA: United Banana Republics of America

Sei brav zum Captain

Nicht, dass jetzt jemand denkt, ich würde mich über kindlichen Besuch auf meinem Boot freuen! Bewahre! Ich will lediglich, dass die Mutter zurückkommt und dafür ist so eine Sechsjährige ein garantiertes Faustpfand!

Gabby stößt auf Réunion wieder zu uns – entweder um ihre Brut abzuholen, oder um noch ein Weilchen länger zu bleiben.

Ich muss zugeben, dass ihr die Überraschung wirklich geglückt war. Als sie mich gefragt hatte, ob Eva noch ein wenig bleiben kann, war ich wirklich perplex und für einen Moment sprachlos gewesen. Bis ich mein „Bist du bescheuert?“ hatte herausbringen können, hatte es eine volle Sekunde gedauert.

Dummerweise hatte sich das direkt vor Eva abgespielt. Die Tricks der Frauen: Natürlich war das Absicht gewesen, denn ich konnte vor der Kleinen ja schlecht mit „Nimm deine Brut und sieh zu, dass du Land gewinnst!“ antworten, was meine logische Antwort gewesen wäre.

Mein „Bist du bescheuert?“ konnte ich nämlich gerade noch mit „Wieso sollte ich die Kleine nicht an Bord haben wollen? Ich liebe sie doch!“ ergänzen. Dass ich es mit zusammengebissenen Zähnen herauspresste, konnte das kleine Kakaomonster bestimmt noch nicht werten.

Und da Gabby in diesem Moment ihrem Fahrer ihren Seesack in die Hand drückte und mir im Gehen noch einen Kuss zuwarf, waren meine Möglichkeiten ausgeschöpft gewesen.

ICH HASSE FRAUEN!

„Sei brav zum Captain!“, hatte Gabby ihrer Tochter dann noch zugewinkt.

ALS OB!

Blog exklusiv: Wer ist der Boss?

So, nachdem Joana nun macht was ich sage…

..kann ich ja jetzt die 41ft-Yacht für sie kaufen – damit mir die Ärmste nicht vor Angst ertrinkt.

Immer erst einmal klarstellen wer die Chefin ist.

41“ machen zwar keinen Sinn aber sie helfen dem Sexualleben

Und wo ist der Haken?

„Wir machen das ganz einfach, mein Schatz“, meint Joana vorhin: „Ich komme auf euren alten Fischkutter. Was bleibt mir übrig…“

„DAS IST KEIN FISCHKUTTER!“

„Ist doch egal. Ich komme also auf dieses Ding was kein Fischkutter ist. Was soll ich sonst machen, da du beschlossen hast uns in irgendeinem Ozean zu versenken. Dann gehe ich wenigstens spektakulär. Die Zeitungen werden einen field day haben.“

„Die übliche Dramaqueen… Und wo ist der Haken?“

„Was für ein Haken?“

„Wenn die Diva nachgibt, ist da immer irgendwo ein Haken!“ Ich bin doch nicht von gestern. Wir reden hier von Joana! Die gibt nicht nach. Die kennt das Wort gar nicht!

„Kein Haken. Nur dass…“

„Aha! Jetzt kommt’s…“

„Nur dass die anderen wohl kaum…“

„Welche anderen?“ Nachtigall ick hör dir trapsen!

„Na, SJ und so weiter. Meine Kolleginnen. Auf die du so scharf bist! Die wollen wenn, dann Urlaub machen. Und das tun sie ganz bestimmt nicht auf so einem alten…“

„…FISCHKUTTER.“ DAS KANN JA WOHL NICHT WAHR SEIN!

„Das hast jetzt du gesagt.“ Joana verzieht keine Miene. Scheiß-Schauspielerinnen!

„Das heißt übersetzt: Du sorgst dafür, dass keine kommt, wenn ich nicht nachgebe!“

„Wenn du das unbedingt so ausdrücken willst…“

SCHEISSE!

Photo by Jesper Baerentzen from FreeImages

Zornsex

Wir haben uns wieder gestritten.

Über das Boot. Über was sonst?

Joana ist sauer, weil sie endlich meine Bücher kennenlernen will und sich nicht auf unser Boot traut. Manchmal glaube ich, dass es weniger mit dem Fakt zu tun hat, dass die Anny schon so alt ist, sondern damit, dass sie Maze und mir gehört. Wobei das auch wieder nicht passen würde, weil sie ja diejenige war, die wollte, dass Maze und ich wieder…

Wie auch immer…

Auf jeden Fall werde ich langsam sauer, weil ich weder vorhabe wieder eine 50ft-Luxusyacht mit Einhandbedienung zu segeln, noch mit 30ft durch die Weltmeere zu ballern. Noch nicht mal durch die Karibik.

Was die Luxusyacht betrifft: Hatte ich schon, brauche ich nicht mehr, ausserdem ist das kein Segeln. Das ist, als würde man behaupten, auf einer Gold Wing zu sitzen wäre Motorradfahren. Und was die kleinen Boote betrifft – bin ich lebensmüde? Ich versuche so schon jedem Wetter aus dem Weg zu gehen (Wer tut das nicht?), doch wenn ich mir vorstelle, dass uns auf sowas ein Hurrikan erwischt…

Und jetzt ist sie mir mit einem Rennboot gekommen! Zum Thema „abwettern“! „Abwettern“ bedeutet NICHT, my love, sich gar nicht erst von einem Sturm erwischen zu lassen, sondern ihn irgendwie zu überleben. Aber versuch das mal jemand einer störrischen Diva zu erklären!

Whatever…

Auf jeden Fall will sie unbedingt ein anderes Boot kaufen, damit wir „eine schöne Zeit haben können“.

Ein Rennboot! Göttin!

Nochmal: Wer „berät“ diese Frau? EIN RENNBOOT! Sie wäre schon beim ersten Luftzug im Wasser! Himmelkreuzdonnerwetternochmal!

Wie auch immer. Maze jedenfalls hält sich mittlerweile raus, schaut sich das alles aus dem Hintergrund an und fragt, wenn wir aufgelegt haben schelmisch, ob sie mich ficken soll.

NATÜRLICH SOLL SIE! Was denn sonst?

Das brauche ich um mich abzuregen. Wobei ich mich währenddessen immer wieder erneut aufrege. Maze hat dann ihre liebe Not mit mir.

Aber ich brauche das. Das einzige, was in so einer Situation bei mir hilft ist Sex. Entweder mit einer Frau oder einem Vibrator. Oder mit beidem.

Zornsex.

Ich meine – klar – ich verstehe ja, dass das Weib endlich mal irgendwo genauso wie wir anderen sein möchte, was in diesem Fall unter anderem bedeutet sich an- und auszuziehen wann SIE will und zwar ohne nach Paparazzi oder Smartphones Ausschau halten zu müssen. Und auf so einem Boot geht das eigentlich recht gut.

Aber mal ehrlich: Ihre Möpse sind ja ganz nett, aber…

Nicht nett, ich weiß. Aber seit wann bin ich nett?

Momentan weiß ich nicht so genau was ich machen soll, außer die Zunge von Maze zu genießen und mir vorzustellen, ich würde gleichzeitig Joana küssen.

Alle Welt redet von Versöhnungssex. Ich finde Zornsex viel geiler, denke ich, als Maze mir einen Dildo in den Hintern rammt und ich tausend Tode sterbe.

Wie konnte ich nur jemals ohne meinen Dämon?