Nippelpresse

Ich wache auf und bin wuschig. Ich weiß ja nicht…

Joana schläft, Gabby schläft, Mazikeen wuselt irgendwo am Pool herum, wie ich hören kann. Ich lasse mich aus dem Bett rutschen und krieche Richtung Küche.

Der Kaffeeautomat brummt. Maze hat ihn offenbar für mich eingeschaltet. In meiner selbstpersönlichen Halblitertasse steckt der Teefilter; ein Löffel liegt daneben. Ich muss nur noch den Wasserkocher einschalten. Das schaffe ich gerade noch alleine. Meistens.

Ich bin nicht so die Wacheste am Morgen. Es sei denn irgendwas brummt verführerisch oder eines meiner Weiber ist läufig. Kommt aber nicht so oft vor: Gabby ist eher nachtaktiv, Mazikeen kommt meist ohne Vorwarnung tagsüber und Joana ist sowieso nicht lesbisch und überfällt mich nur auf Kommando.

Gabby ist zwar auch nicht dauerscharf auf Wesen ohne Penis, dafür gefallen ihr meine Titten. Frau nimmt eben, was sie bekommen kann.

Jetzt zum Beispiel Tee (Ostfriesen). Und danach Kaffee. Dann wieder Tee (Chilli Chai extrascharf). Und dann noch einen Kaffee. Dann sind meine Augenlider einigermaßen oben und ich fange an, meine Umwelt zu erkennen. (Joana behauptet, dass ich während meiner morgendlichen Trinkrituale einen gesteigerten Hörsinn hätte, weil ich mitbekommen würde, wenn ein Vibrator einen halben Kilometer entfernt eingeschaltet wird. Natürlich übertreibt sie. Aber hundert Meter gestehe ich ein.)

„Pool?“, fragt Mazikeen, die plötzlich hinter mir erschienen ist.

„Nee, Klo“, antworte ich. Die 2-Liter-Flüssigkeit müssen ja wieder raus. „Und erschreck mich gefälligst nicht so, ich bin unter Druck.“

Manchmal kann man Mazikeen wirklich mit den simpelsten Sätzen verärgern. Ich nehme an, sie mochte das „gefälligst“ nicht. Sie packt mich von hinten und presst meine Nippel zusammen. Das macht sie gerne; ich kann es nicht leiden. Aber da muss frau durch.

„Drück noch ein bisschen fester, und das mit dem Klo hat sich erledigt“, stöhne ich mit schmerzverzerrtem Gesicht.

„Wie sollst du dich deinem Dämon gegenüber nicht benehmen?“ Ich frage mich immer wieder, wie jemand Nippel so flach wie 80g-Papier pressen kann. Und ob da jemals wieder Babyfutter herauskommen könnte.

„Frech?“, frage ich so vorsichtig ich kann. Eigentlich klingt meine Frage eher nach: „Fr-aii-sch-sch-aah!“

„Merk’s dir endlich!“ Sie dreht die Dinger zum Abschluss nochmal um 360 Grad und lässt mich dann los.

Scheiße, tut das weh! Ich versuche zu retten, was von meinen Nippeln übrig ist, doch sie reagieren gerade nicht auf meine zärtlichen Wiederbelebungsversuche. Ich brauche unbedingt einen Dämon, der mir nur ab und zu ein Haar auszupfen will. Sowas gibt’s bestimmt auch, diese Höllenwesen sind doch alle nicht normal!

Eines weiß ich jedoch sicher: Wenn Mazikeen den Morgen schon mit Tittenfolter beginnt, wird sie mich heute ganz sicher noch flachlegen.

Ich hab’s nötig.

Hüpf, hüpf

Fast das Nervigste an Kindern: Ich kann am frühen Morgen nicht mehr in Ruhe in der Küche herumgammeln!

Denn noch bevor mein Teewasser kocht, geht die Tür auf und: „Captaiiin… Kann ich Kakao?“ Immerhin fragt sie noch. Wie soll man morgens um Fünf in Ruhe wach werden, wenn man aufpassen muss, dass die Milch nicht überkocht?

Und dabei gefragt wird: „Hüpfen die auch, wenn du hüpfst?“

Nein, deswegen werde ich mir morgens bei über 30 Grad nicht extra etwas anziehen!

Von Fliegern und Zoomsex

Der Sturm scheint aufzuholen.

Der Wind bläst uns inzwischen mit 30 Knoten entgegen und es wird ein wenig ungemütlich. Das scheint auch die kommenden Tage nicht besser zu werden.

Inzwischen mache ich mir Gedanken über die Anrufe von meiner Schwester. Ich gebe zu, dass sie mir nicht aus dem Kopf gehen. Dass meine Krankheit mich im Moment (einigermaßen) in Frieden lässt, tut ein Übriges. Schließlich waren die Nebenwirkungen meiner Medikamente der mehr oder weniger der einzige Grund, warum ich mich vom Cockpit aufs Meer zurückgezogen habe.

Wieder in einem Cockpit… Das wäre schon was… Andererseits weiß ich, dass das nicht von Dauer sein wird. Was dann? Und das große Haus verkaufen? Wenn das schief geht, kann ich meine alten Flieger und mein Boot abschaffen und mich in mein altes Häuschen in Hampshire zurückziehen. Gärtnern oder so. Wie das so ist mit Selbstständigkeit.

Mmh… Und wenn ich einfach zwischendurch nach LA gehe und ein wenig mit meinen alten Fliegern herumflattere?

Meine alten Flieger… Sie gehören nicht mehr mir, sondern Mazikeen. Sie hat sie gekauft, „damit du nicht auf die Idee kommst, sie zu verscherbeln“. Sie hat mir immer versprochen, dass meine Krankheit nicht ewig andauert. Bislang hatte sie Unrecht.

Apropos alte Flieger… Falls sich jemand damit auskennt: Eine Comanche und eine Texan. Die Comanche ist einfach nur geil, obwohl man sowas schon in der Preislage von einem neuen Golf bekommt. Ganz so teuer ist das Fliegen nicht, solange man es nicht übertreibt. Bei der Texan ist das schon anders, die ist ganz schön was wert. Wie gerne würde ich mir die Welt mal wieder von oben betrachten… Wie ist das nochmal? Die Menschen sind mit dem was sie haben nie zufrieden… Jaja…

Anik wird nachher wieder anrufen, da bin ich sicher. Mal sehen…

Bis dahin mache ich Tee und Kakao und lege mich noch eine Runde schlafen. Und wenn ich nicht endlich wieder eine Frau auf die Finger bekomme…

Zoomsex ist auf Dauer auch Scheiße!

T-6 Texan

Abwechslung

Das Wetter wird nicht besser.

Kurz Tee fassen und wieder zurück in den Sturm.

Dabei noch schnell Eva „hallo“ sagen. Ken beruhigen, er ist bei so einem Wetter nicht gerne unter Deck und ich gebe zu, dass wir ihn oben verdammt gut gebrauchen könnten.

Stattdessen spielt er Kindermädchen und Krankenschwester, der Arme.

Andererseits hat der Wind nachgelassen. Er bläst immer noch ganz ordentlich – vor allem in den Spitzen – doch er gibt uns eine kleine Atempause, bevor es wieder heftiger wird.

Soviel als Update.

Ich brauche Sex, erwähnte ich das schon?

Autorität

Lachen. Aus dem Salon. Jetzt reicht es!

„Was mich stört, ist diese Schlagseitensache. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wo oben und unten ist!“, beschwert sich Gabby.

Joana nickt: „Wir wollen einen Katamaran!“ Sie ruft es in Richtung Küche.

Mazikeen scheint Kaffee zu kochen. Sie verdreht nur die Augen: Katamaran, das böse Wort! Man darf das in ihrer Nähe eigentlich gar nicht erwähnen, für sie ist alles, was mehr als einen Rumpf hat, so eine Art Floß. Und sowas gehört nicht auf einen Ozean.

Ein wenig verständlich ist das schon: Ich möchte auch den Wind spüren, und zwar nicht nur als Luftzug, sondern auch unter meinen Füßen. Insofern stimmen Mazikeen und ich überein.

Was mich jedoch wundert, ist die Übereinstimmung von Joana und Gabby: Eigentlich gehört das der Vergangenheit an.

„Kaffee?“, fragt Mazikeen in meine Richtung.

„Tee“, entgegne ich.

Sie zuckt mit den Schultern und holt eine weitere Tasse aus dem Schrank, während ich mich zu den beiden Streithähnen an den Tisch setze.

„Was ist hier los?“, frage ich auch sofort und unumwunden.

„Wir wollen einen Katamaran“, antwortet Gabby prompt.

„Und ich will den Weltfrieden“, antworte ich und insistiere: „Was ist hier los?“

„Was soll denn los sein?“, fragt Joana verwundert.

Jetzt geht DAS wieder los! Diese scheiß Gegenfragen.

„Sie meint das ernst“, höre ich die Stimme von Mazikeen hinter mir aus der offenen Bordküche.

„Warum sitzt ihr hier so friedlich am Tisch?“, beharre ich, wohl wissend, dass Joana erneut mit einer Gegenfrage kontern wird.

„Wieso sollten wir nicht?“

Grrrrr…

Mazikeen stellt eine Tasse vor mich.

„Ihr wisst genau was ich meine!“, fluche ich. Weiber!

„Eigentlich nicht“, schüttelt jetzt auch Gabby den Kopf: „Was hast du gegen Katamarane?“

Ich nehme meine Tasse und trinke einen Schluck. Es ist Kaffee.

„Ich wollte Tee!“, rufe ich nach hinten.

„Sehe ich aus wie dein Butler?“, gibt Mazikeen trocken zurück.

Ich sehe schon, ich muß an meiner Autorität arbeiten.

Kaffee, Tee und Titten

Ich sollte aufstehen. Ich habe zu tun. Glaube ich.

Offensichtlich hat das noch jemand. Es klopft nämlich.

„WAS?“ Ich werde nicht gerne gestört. Vor allem morgens. Oder was auch immer es für eine Tageszeit ist. Auf jeden Fall ist es hell draußen. Sag ich doch!

„Tammy?“

Wer denn sonst, verdammt?!

„Kann ich reinkommen?!“

Ich kann es wohl kaum verhindern. Ich habe ja gelernt, dass die Türen auf meinem Boot keine Schlösser haben. Was ich übrigens dringend ändern muss. Warum ist das eigentlich so? (Ich wette, da gibt’s wieder so eine Scheißvorschrift, die ich vor mindestens 70 Jahren oder so wieder vergessen habe.

„Ich nehme an, ich kann dich nicht daran hindern, wenn du schon den weiten Weg gemacht hast, oder?“

Klick.

Ich hasse diesen Klick.

Meistens heißt das, dass jemand reinkommt. Zu einer Zeit, die stört.

„Wow! Geile Kabine!“

„Jaja… Was willst du – außer neidisch?“

Am liebsten hätte ich gesagt: „Kauf mir die Schüssel ab, für 10 Millionen ist der Seelenverkäufer dir. Du hast ja ein paar hundert Millionen, da fallen zehn nicht weiter auf. Dann bekommst du die Kabine und ich schlafe bis zur Insel auf dem Boden.“ Aber ich habe mal gelesen, dass richtig reiche Menschen solche Sprüche nicht mögen. Also lass ich’s.

Gabby lächelt: „Kaffee?“

„Schaffst du das selbst? Ich bin noch nicht wach? Außerdem muss erst noch der Hamster aus meinem Mund.“

Gabby muss lachen: „Du bist unmöglich!“ Sie hebt den Wasserkocher hoch und prüft den Füllstand, dann stellt sie ihn zurück und schaltet ihn an: „Ich finde es ja immer wieder krass, wie solche Dinge bei solchen Schräglagen funktionieren!“

„Was?“, frage ich: „Zähneputzen?“

„Wie kommst du eigentlich zu so einem geilen Quartier?“

„Ich bin der Captain, ich bin die Eignerin und ich habe die beiden Seeleute, die hier vorher drin waren, rausgeworfen.“

Gabby nickt: „Hört sich nach dir an.“

Warum haue ich mir eigentlich immer gegen die Zähne, wenn ich sie gleichzeitig putze und rede? Und gleichzeitig auf Gabbys enorme Titten starre?

„Du hast immer noch Ärger mit Joana, richtig?“

„Woran erkennst du das?“

„Du schläfst allein.“

Ich verdrehe die Augen: „DAS WAR IRONISCH GEMEINT, WEIB!“ Also manchmal…

Jetzt verdreht SIE die Augen… „Wieviel Löffel?“

„Ich hab nur einen. In der Schublade. Das Boot ist klein.“

„Nein, ich meine… VERY FUNNY!“

„Zweieinhalb.“

„Danke! Also manchmal!“

„Falsche Uhrzeit, Gabby, falsche Uhrzeit.“

„Nun ja…“ Sie schaut auf die Uhr und schüttelt den Kopf: „Egal.“

Ich bin selbst für einen Tee zu müde. Andererseits… „Bist du bald fertig mit deinem Kaffee?“

„Ich glaube, gleich wirst du mich nicht mehr hetzen.“

„Ich hetze dich nicht.“ Aber ich würde dir jetzt gerne in die Titten beißen.

„Du weißt wirklich nicht, warum Joana so sauer auf mich – und damit auch auf dich – ist?

Ich schüttele den Kopf: „Jetzt schütte schon das verdammte Wasser in die verdammte Kanne!“

Ich stehe auf und schütte einen Löffel Ostfriesentee in den Teefilter, der in meiner StarTrek-Tasse steckt.

„Das Drama von ihrer Trennung kennst du aber schon, oder? Das Traumpaar? Er wollte unbedingt Kinder, sie nicht?“

„Und weiter?“ Die älteste Story der Welt. Joana klappert heute noch die Therapeuten ab weil er nicht mehr wollte. Ich hoffe, das Weib ist nicht hier aufgetaucht und säuft mir den Kaffee weg um die alte Story wieder weiter zu tratschen!

„Ja“, nickt Gabby, „eine wirklich langweilige Story“, nickt sie. Und dann: „Ist eigentlich irgendwann einmal anderes Wetter in Sicht? Das ist ja zum Gähnen langweilig hier draußen! Immer das Gleiche! Hier ändert sich ja gar nichts. Wind, Wellen, Temperatur – alles gleich, tagein, tagaus!“

„Sei froh, dass es so ist“, entgegne ich: „Wenn der Atlantik sich etwas Anderes einfallen lässt, wird es richtig ungemütlich!“

Ist die hier um sich mit mir übers Wetter zu unterhalten? Auch nicht besser!

„Du und Eva – ihr versteht euch richtig gut, oder?“, wechselt Gabby das Thema.

„Den Umständen entsprechend.“

„Pah! Du bist verknallt in meine Tochter!“

„Lachhaft! Ich hasse Kinder!“

„Genau wie Joana.“

„Joana ist verliebt in Eva, das ist wahr.“ Aber sowas von! Sie hat kaum etwas anderes im Kopf. Schon bevor wir Krach hatten, war ich irgendwie abgemeldet.

„Vier Minuten.“ Gabby drückt den Kaffee durch, ich hole das Teesieb aus der Tasse.

„Hast du jemals ernsthaft über Joanas Trennung nachgedacht?“

„Was geht mich das an? Schnee von gestern!“

„Vielleicht sollte man das manchmal tun, Tammy. Manchmal versteht man dann auch die Gegenwart besser.“

Dann nimmt Gabby einen Schluck – EINEN! – kippt den Rest der Tasse in meine Spüle und – geht.

Einen Moment lang wechseln meine Blicke zwischen Captain Picard und Gabbys Arsch hin und her und dann:

S.C.H.E.I.I.I.S.S.E!

Tammy

Maximal vier Weiber zum Frühstück

Mazikeen hat mir wirklich eine geile Kabine zusammengeschustert.

Unglaublich was dieser Dämon alles drauf hat und das in so kurzer Zeit!

Sie sagt immer, wenn man sie in Ruhe lassen würde, könne sie viel schneller arbeiten. Das stimmt nicht.

Ich habe das Gefühl, sie schummelt und holt, sobald man ihr den Rücken zudreht, ein paar Dämonenfreunde zu Hilfe und sie arbeiten dann im Team! Anders geht das gar nicht!

Ich hoffe nur, es ist kein Dämon zurückgeblieben, ausser ihr. Diese Lilims können nämlich ganz schön unangenehm sein und vor allem – siehe Mazikeen – wird man sie für tausende von Jahren nicht mehr los.

Wo war ich?

Ach ja: geile Kabine, RIEEEESIGES Bett, kleine, eigene Dusche und sogar Platz für meine Hifi-Anlage, die wir schon monatelang mitschleppen, aber seit der Halberg-Rassy nicht benutzen konnten, weil der Platz gefehlt hat! Und eine Mini-Mini-Mini-Küche mit einem Wasseranschlüsslein für die Miniaturspüle, eine kleine Ablage für meinen kleinen Wasserkocher für Tee und Kaffeemaker und einem Mini-Schränkchen, in das fünf Tassen passen.

Also maximal vier Weiber zum Frühstück?

Als ich sie gefragt habe, wann sie denn das Geschirrspülmaschinchen einbauen würde, hat sie mich ganz unterweltlich gefährlich angedunkelt.

„Ich ziehe die Frage zurück, Euer Dämonenhaftigkeit.“

Tammy

Dämonien

Eva kann das, was wir nicht können: Sie schafft es, sich uns gegenüber zu setzen.

Quasi vollautomatisch schließen Gabby und ich unsere Beine, obwohl es viel bequemer wäre, sich breitbeinig abzustützen. Manchmal hat Nackheit eben auch Nachteile.

„Kannst du schon wieder nicht schlafen?“, fragt Gabby.

„Ich mache dir einen Kakao“, schlage ich vor und klettere an Evas Mutter vorbei.

„Vorhin hat es gescheppert. Was habt ihr kaputtgemacht?“

Gabby zeigt auf die Scherben am Boden und will schon etwas sagen, als ich ihr zuvorkomme: „Das war ein Dämon. Du weißt ja was ein Dämon ist.“

„Ja“, grinst Eva: „Eine Mazikeen. Warst du böse, Captain?“

Okay, das hätte ich andersherum anfangen müssen!

„Mazikeen hat mi…“

„Mazikeen hat ihre Tasse fallen lassen“, unterbricht mich Gabby.

„Und warum räumt sie dann die Scherben nicht weg?“

Kinder nerven!

„Weil Tammy versprochen hat sie wegzuräumen“, grinst Gabby.

„Warum?“ Eva ist verwundert.

Auch ich bin verwundert.

„Ja, warum, Gabby? Der Captain räumt doch sowas nicht weg!“, grinse ich.

„Ja, Mama“, wiederholt Eva, heftig nickend, während ich ihr den Kakao reiche: „Der Captain räumt doch sowas nicht weg!“

Manchmal sind Kinder ja gar nicht so verkehrt…

„Wenn man etwas verspricht, muss man es auch machen!“, beharrt das Muttertier.

„Nein, nein!“ Eva wird energisch: „Jeder der Dreck macht, muss ihn auch wegmachen!“

„Ich nehme an, das hat sie von dir gelernt?“, flüstere ich Gabby zu und grinse.

Gabby verdreht die Augen: „Das stimmt schon, aber…“

„Nichts aber! Wer Dreck macht, macht ihn weg. Außerdem bin ich der Captain und mache keinen Dreck weg!“

„GENAU!“

Eva klettert von der Bank. Sie hält mir ihren Kakao hin: „Kannst du mal halten, Captain? Aber nicht austrinken!“ Sie hebt ganz wichtig den Zeigefinger.

Wo werd ich…

Und staunend schauen wir zu, wie die kleine Wichtigtuerin verschwindet.

„Was hat sie vor?“

„Beats me?“ Gabby zuckt mit den Schultern: „In der Regel aber etwas ziemlich Wichtiges.“

„Ich bin ganz schön geil auf dich!“, flüstere ich in ihr Ohr.

„Tatsächlich…?“ Gabby grinst.

Blöde Kuh.

Einen Augenblick später fragt sie: „Auf wen genau? Auf welche Filmrolle?“

„Das versuche ich noch herauszufinden.“

„Du hättest ja jetzt auch ‚auf Gabby‘ sagen können!“

„Ich hätte auch ‚Schau mal, da fliegt eine Garnele durch den Raum‘ sagen können!“

„Du bist sowas von unverschämt!“

„Und du bist sowas von nass!“

„Pssst!“ Gabby zeigt zur Tür.

Herein kommt Eva mit einer verschlafenen Mazikeen im Schlepp.

„Du machst das jetzt weg!“, kommandiert Ihre Wichtigkeit und zeigt auf die Scherben. Dann hebt sie den Zeigefinger um ihre Anordnung zu untermauern: „Wer was kaputtmacht, muss es auch wegmachen!“

Mazikeen schaut zu mir herüber und hebt fragend die Hände.

„Wer Dreck macht, muss ihn auch wegmachen“, nicke ich.

„Und Captains machen sowas nicht! Nur Dämoniens.“

Ich schürze die Lippen und habe meine liebe Not nicht vor Lachen loszubrüllen.

„Ja, nur Dämoniens!“, presse ich verzweifelt heraus.

Gabby rammt mir ihren Ellbogen in die Seite.

Und dann schauen wir alle interessiert zu, wie mein Dämonien die Scherben der Tasse, die ich ihr nachgeworfen hatte, zusammenkehrt und die Teereste wegwischt.

„Das hast du gut gemacht“, bestätigte Eva schließlich, nachdem sie Mazikeens Arbeit kontrolliert hat.

„Okay. Dann geht der Domänien jetzt wieder ins Bett. Und wird morgen früh ein längeres Gespräch mit dem Captain führen.“

Photo by Alex Iby on Unsplash


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Nachtgespräche

Dabei ist es erst zehn vor Elf. Am Abend.

Ja, ich war früh im Bett, weil ich Sex mit Joana haben und keine ernsten Gespräche führen wollte. Aber offenbar muss man das ja heutzutage anmelden.

Jetzt sitze ich im Salon am Tisch und überlege welche Teesorte zu meiner Stimmung passt. (Für alle, die das hier lesen, ein für alle mal: Der Salon ist der Wohnbereich eines Bootes, so eine Art Wohnzimmer. Manchmal vergesse ich halt, dass ich es hier mit Landratten zu tun habe!)

„Kein Tee“, schüttelt Maze den Kopf, die gerade heruntergeklettert kommt: „Du solltest ins Bett gehen.“

„Keine Lust.“

„Was ist los?“ Mazikeen geht direkt in die Galley (die Bootsküche, auf kleineren Booten offen zum Salon hin) und füllt Wasser in eine Kanne.

„Ich weiß nicht.“ Ich stütze mich breitbeinig mit den Füßen am Tisch ab. Wir machen längst wieder volle Fahrt.

„Joana“, stellt Mazikeen fest, während sie das Gas entzündet und den Kessel festklemmt.

Ich zucke mit den Schultern.

„Schlimm?“, fragt sie.

„Ich glaube nicht“, entgegne ich.

„Liebe ist Scheiße“, nickt sie.

„Willst du mit mir alt werden, Maze?“

„Ich altere nicht.“

Das schon wieder!

Wenn du altern würdest…“ Ich verziehe das Gesicht. Manchmal nervt dieser Dämonenkram schon ein wenig.

„Das ist die dümmste Frage, die ich je gehört habe!“

„Kannst du sie mir bitte trotzdem beantworten?“ Maze geht mir manchmal schon ganz schön auf den Wecker! „Liebst du mich?“

Der Kessel pfeift. Na toll! Maze füllt die vorbereiten Tassen auf. Das wird wieder so ein Chilli-Chai. Ich hätte etwas sagen sollen! Sie drückt mir einen der halbvollen Mugs in die Hand und zeigt auf die Borduhr: „Acht Minuten.“ Eine Ewigkeit, wenn man eine Tasse festhalten muss, damit sie nicht ausschwappt. Tee ist nie eine gute Idee auf einem fahrenden Segler. Jedenfalls nicht, wenn man ihn nicht in einer passenden, verschließbaren Kanne zubereitet. Aber Maze mag es ja, Leute zu quälen.

„Also?“

„Jeder, der es auf sich nimmt, mit dir mehr als einen Tag zu verbringen, will mit dir alt werden. Nehme ich an.“

„Was soll denn das heißen?“

„Ja.“

„Hä?“

Mazikeen verdreht die Augen: „Es soll Ja heißen.“

„Bin ich so anstrengend?“

„Ja.“

„Liebst du mich?“

„Das ist nun wirklich die dümmste Frage, die ich je gehört habe!“

„Liebst du mich?“

„Ehrlich, Tam, woher soll gerade ich wissen, was Liebe ist? Ich muss mit dir zusammen sein – ob ich will oder nicht.“

Ach ja, die Dämonsache!

„Du kannst manchmal ganz schön anstrengend sein, Maze, weißt du das? Als du noch Chris warst, waren die Dinge einfacher mit dir. Und dann kamst du mit diesem Dämonenkram…“

„Hätte ich es dir nicht sagen sollen?“

Manchmal glaube ich ja schon, dass Chris/Maze ein kleines bisschen verrückt ist. Aber sind wir das nicht alle?

„Joana will mit dir alt werden“, sagt sie plötzlich und ohne, dass ich es sie gefragt hätte. „Aber nach ihren Konditionen.“

„Wieso meinst du, dass sie das will? Und woher weißt du überhaupt, dass ich…“

„Sonst hätte sie es nicht so lange mit dir ausgehalten. Und außerdem wissen Dämonen sowas… Gib mir deinen Tee!“

Ich gebe ihr die Tasse. „Was bitte soll denn so schwierig mit mir sein?“

„Du bist sexbesessen, egozentrisch, eingebildet, unverschämt, herrschsüchtig, jähzornig, nachtragend und verrückt.“ Mazikeen nimmt die Siebe aus unseren Tees. „Und das sind die besseren Eigenschaften.“

„Und der Wahnsinn im Bett“, grinse ich.

„Eingebildet“, lächelt Mazikeen und gibt mir meine Tasse.

„Warum dauert es eigentlich immer so ewig, wenn du mir einen Tee machst?“

„Unverschämt“, lächelt Mazikeen. „Vorsicht, heiß!“

„Und was meinst du mit ’nach ihren Konditionen‘?“

„Dass du mit Joana eben nicht umspringen kannst, wie mit uns anderen. Sie ist dir ebenbürtig.“

„Komm schon! So mies bin ich nun auch nicht!“

„Du bist herrschsüchtig.“

Scheiße, Zunge verbrannt. Wie kann der Scheißtee nach acht Minuten noch so heiß sein?

„Und weil du es gewohnt bist, überall die Regeln aufzustellen, Tam, kannst du nicht verstehen, wenn jemand auch mal eigene Vorstellungen hat.“

„Joana hatte schon immer ihre eigenen Regeln“, entgegne ich.

„Ich wette, diesmal tun sie weh.“

Ich starre sie an. Ich spüre, wie ich wütend werde.

„Maze“, sage ich leise: „Geh!“

„Ich habe Recht.“

„Verschwinde!“, zische ich.

„Okay“, nickt sie und steht auf.

„Raus!“

„Sorry.“

Als sie schulterzuckend den Raum verlässt, zerschellt meine Teetasse an der Wand neben ihr.


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Erotische Gedanken

Es ist drei Uhr Ortszeit, als ich das hier schreibe.

In der Nacht.

Ich glaube, dass ich irgendwann schon einmal erwähnt habe, dass ich Zeitzonen hasse! Macht nichts, ich schreibe es nochmal: ICH HASSE ZEITZONEN!

Nachdem ich mich halbtot masturbiert habe, sitze ich im Salon vor meinem zweiten Tee und überlege, was ich jetzt machen soll.

An Deck wollen sie mich nicht sehen. Mazikeen und der neue, der Norweger – Wie hieß der noch gleich, Elias? – hätten alles im Griff, sagt Maze. Ich solle mich um meine Weiber kümmern. So als würde sie selbst nicht dazugehören!

Aber so sieht Maze sich ja nicht. Sie ist Mazikeen, der Dämon im Weiberkörper. Und kein Weib.

Wegen mir.

Ich glaube, Gabby ist jetzt tatsächlich eingeschlafen. Mit ihrer Tochter im Arm.

Die arme Eva. Hat die ganze Zeit den stinkenden Atem ihrer Mutter in der Nase. Ich bin ja versucht, die Kleine aus Gabbys Armen zu befreien, doch wenn die beiden dabei aufwachen, fängt das Balg wieder an zu heulen und die Mutter an zu kotzen. Ne, muss ich nicht haben!

Joana hat sich auf die andere Seite meines Bettes gerollt und umarmt mein großes Kopfkissen. Das wäre ich jetzt gerne. Das Kopfkissen. Aber wenn ich jetzt ins Bett käme, hätte ich sofort meine Finger in Joanas Möse und das Thema Schlafen hätte sich für sie erledigt.

Und Joana ohne ihren Schönheitsschlaf – ich bin nicht sicher, was dann unangenehmer wäre: Joanas Laune oder Gabbys Kotze.

Also bleibe ich wach und mache mir nach dem zweiten Ostfriesentee den ersten Kaffee.

Und schreibe ein wenig an meinem neuen Roman. Irgendwas Erotisches.

Seit Gabby an Bord ist, fällt mir kaum mehr etwas anderes als Sex ein. Da kann sie kotzen wie sie will!

Erotische Gedanken

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Geheimnisvoll und spannend

Keiner will mehr zuhören was in der Welt passiert.

Was soll’s? Ich auch nicht. Mich muss es ja nicht stören. Ich bin weit weg und kaum betroffen.

Solange es noch Häfen gibt:

Streitet euch ruhig um den größten Unsinn.


Apropos streiten…

Joanas Erkältung wird besser und damit auch unsere Chancen auf Schlaf. Das heißt, gerade schläft sie, ich habe mich für meine Tabletten aus dem Bett gequält und überlege ob ich draußen bleiben soll.

Wahrscheinlich. Drin gibt es sowieso nichts, ausser einem schnarchenden Superstar.

Hier gibt es wenigstens meinen Tee und danach Kaffee.

Ken und Maze sind an Deck. Ich werde nach dem Kaffee unter die Dusche springen (das Wetter lässt mich ausnahmsweise, die Dünung kommt in großen Abständen) und dann Maze hinterher schicken. Und dann erst mal tun, was dringend nötig ist.

Warum spricht eigentlich, abseits von Twitter, niemand über wirkliche Bedürfnisse? Das ist wohl der größte Unterschied zwischen FB und Twitter: Offenheit.

Nicht, dass mir auf Twitter jemand zuhören würde. Aber mal ganz ehrlich: Wer von meinen 15.000 Facebook-Followern hört mir denn tatsächlich zu?

Ist nicht schlimm, im Endeffekt, denn eigentlich mache ich ja auch nur mein eigenes Ding.

Machen wir das nicht alle?

Bei der Gelegenheit: Ob es wohl irgendwen gibt, der mein neues Buch wirklich verstanden hat?

Aber auch hier wieder: ich spreche alles aus. Manchmal ganz offen, manchmal bücherschreiberisch kryptisch. Aber wozu sind Bücher da, wenn nicht um Dinge geheimnisvoll und spannend zu machen, die in Wirklichkeit einfach nur geheimnisvoll und spannend sind?

Ich glaube, ich brauche jetzt den Kaffee.

Bücherschreiberisch kryptisch

Vier bis sechs Möpse

Ich bin mit dem Kopf zwischen Mazikeens Brüsten eingeschlafen.

Wie immer. Und mit der Hand auf der rechten Titte von Joana. Nicht wie immer.

Ist es nicht herrlich vier Stück zur Verfügung zu haben? (Nicht sechs, denn meine zähle ich nicht, denn daran knete ich in der Regel nur herum, wenn ich gefickt werde. Ob von mir oder anderen ist in dem Fall dann aber egal.) Ich weiß ja nicht, wie andere das machen…

Maze schläft auf dem Rücken. Die ganze Nacht. Ich weiß überhaupt nicht, wie so etwas geht!

Joana schläft auf dem Rücken ein und dreht sich dann zur Seite.

Ich schlafe sofort auf der Seite. Es sei denn, ich bin so todmüde, dass ich es nicht mehr auf die Seite schaffe. Dann schlafe ich schonmal auf dem Rücken ein. Und dann wird rotiert.

Wenn ich versehentlich auf der Couch einschlafe, wird nicht gedreht. Meist habe ich dazu gar keine Chance, weil Maze mich vorher weckt, weil sie behauptet ich würde schnarchen wie ein kanadischer Holzfäller.

Das mit dem kanadischen Holzfäller glaube ich ihr gerne, doch dass ich schnarche, bildet sie sich ein.

Egal. Wo war ich?

Titten?

Aber jetzt kommt nach dem Tee erst einmal der Kaffee dran.

Dann wieder die vier Möpse. Oder werden es doch noch sechs werden?

Ist es nicht herrlich vier Stück zur Verfügung zu haben?

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Traumbilder

Sie ist da. Tatsächlich.

Es ist jedes Mal wie eine kleine Auferstehung, wenn wir uns so lange nicht gesehen haben. Was aber bislang recht selten vorgekommen ist. Meistens waren wir nur drei oder vier Tage getrennt, weil ich ihr meist zu den Sets gefolgt bin. Zumindest wenn ich keinen Dienst hatte.

Sie kam allein, ohne SJ, die sich allerdings schon für Bermuda oder die Bahamas angekündigt hatte. Wobei unklar war, welche Route wir überhaupt nehmen würden.

Mit Joanas Ankunft ist Zoe natürlich verschwunden. „Sie war tatsächlich da, richtig?“, hatte Joana gefragt. Ich wusste langsam überhaupt nicht mehr, was ich zu diesem Thema noch sagen konnte oder wollte.


Joana liegt in meinem Bett und schnarcht leise vor sich hin. Natürlich behauptet sie, dass sie das nicht tut. Ich glaube aber kaum, dass es jemanden in ihrem Alter gibt, der noch geräuschlos schlafen kann, oder?

Ich hätte sie ja wahnsinnig gerne auf dieses dämliche (und interessante) Interview angesprochen, doch das hebe ich mir für eine Situation auf, in der wir mit zehn Knoten Fahrt und dreißig Grad Kränkung durch Drei-Meter-Wellen feuern. Genau dann, wenn sie sich an die Reling klammert und sich den alten, gemütlichen Zweimaster herbeiwünscht. Dann werde ich sie über ihre Traumbilder ausquetschen!


Wie auch immer – jetzt brauche ich noch einen Tee. Ostfriesisch. Mit Sahne. Und Kluntje.


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Sexuell reicht

Jetzt warten sie wieder alle drauf, dass ich Intelligentes und Sexuelles schreibe.

Aber mittlerweile glaube ich, dass sexuell durchaus reicht.

Trotzdem: Gestern hat jemand auf Twitter gefragt, warum Stürme immer weibliche Namen haben. DER sollte am besten generell sexuelle Dinge schreiben. Vielleicht durchgehend Videos von seinem Penis posten oder so – aber bitte in einem nicht öffentlichen Account.

Wie mich so viel Dummheit aufregt!

Immerhin posten andere richtige Pornovideos.

Aber das hilft auch nicht wirklich.

Jetzt denke ich die ganze Zeit an den geplanten Dreier mit Joana und Maze.

Deswegen sitze ich nach einer Oscarnacht im Salon, starre mit Streichholzaugen auf meinen Tee und bin zu faul zum Masturbieren.

Ich hasse solche Morgende.


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Falsche Antwort

Kaum ist man hier mal beschäftigt…

Konnte noch nicht mit Maze reden. Der Wind ist viel zu stark und Schmitz‘ Katze macht ihrem Namen alle Ehre.

Für die nächste Zeit werden wir getrennt schlafen müssen denn mindestens eine von uns wird an Deck gebraucht.

Anyway…


Joana ist damals durch eine echt schlimme Zeit gegangen.

Ihr (Traum)Mann – Sachen gibt’s – hatte sie verlassen und der Mensch, der sie immer wieder aufgebaut hatte, war kurz bevor wir uns getroffen haben, gestorben.

Ihre Freunde haben sie bemitleidet und ununterbrochen das berühmte Es-Wird-Alles-Wieder-Gut-Lied gesungen.

Ich eben nicht.

Wir hatten nur gesoffen.

Was noch wichtiger gewesen war: Ich hatte sie nicht angehimmelt! Was allerdings, das muss ich zugeben, am Alkohol und meinem Lesbeninstinkt gelegen hatte: Ich himmele keine Frauen an, wenn ich mit ihnen ins Bett will, ich lasse anhimmeln. Da machen auch Superstars keine Ausnahme.

Also hatten wir offensichtlich – soviel wir beide aus unseren Erinnerungsbruchstücken zusammensetzen konnten – tatsächlich nichts weiter getan als gesoffen, anzügliche Witze gemacht und uns gegenseitig erzählt, welche Dinge wir im Leben mochten – sie Kleider, ich Titten – und nicht ausstehen konnten – sie Kinder, ich Kinder.

Letzteres reichte für ein Wiedersehen. („Endlich mal ein Weib ohne diesen Mutterfimmel!“)

Aber zurück zum Es-Wird-Alles-Wieder-Gut-Lied: „Kannst du ignorieren, wenn ich heule?“ Das waren ihre ersten Worte, als sie mir in ihrer Residenz (Wie beschreibt man ein Schloß sonst?) gegenüber stand. Und: „Du bist doch die, die keine Kinder will, oder?“ Offensichtlich erinnerte sie sich an auch nicht viel mehr als ich.

„Bin ich?“, hatte ich gefragt, nicht sicher was ich ihr in dieser Suffnacht alles erzählt hatte um an ihre unerreichbaren Titten zu kommen.

„Bist du“, hatte sie bestätigt: „Ich erinnere mich an deine panische Miene als ich ‚Kinder‘ gesagt habe.“

Ich hatte genickt. Dann war ich das wohl gewesen.

Zu meiner Verwunderung sind wir nicht auf Barhockern an irgendeiner hauseigenen Bar gelandet, sondern im Schneidersitz vor einer Tasse Tee an einem offenen Kamin.

„Willst du nicht wissen, warum ich heule?“, hatte sie gefragt, bevor wir überhaupt richtig gesessen hatten.

Aha, eine Frau. Eine richtige Frau: Erst soll ich es ignorieren und dann…

Solche Fragen sind meistens gefährliche Fallen, das wusste ich. Warum ich als frauenliebende Frau bisher überlebt hatte lag daran, dass ich einfach sagte, was ich dachte – scheiß auf die Konsequenzen. Das ging mir durch den Kopf als ich nicht wusste was ich sagen sollte.

„Eigentlich hätte ich viel lieber Sex mit dir. Dann würde es dir sowieso gleich besser gehen.“ Okay, keine sehr tiefgehende Antwort aber immerhin eine ehrliche. Erst der Spaß, dann kann ich wegen mir auch mal mitfühlend werden.

„Ich heule und du redest von Sex?“

Ich nickte.

„Du baggerst mich ernsthaft an?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Ist das die Lesbenantwort auf alles?“

„Ist Heulen die Schauspielerantwort auf alles?“

BÄMM!

Und schon hatte sie mich rausgeworfen. Dumm gelaufen.

Falsche Antwort

Vor allem, wenn sie im Recht ist…

Joana kann schon ziemlich nervig sein – vor allem, wenn sie glaubt, dass sie im Recht ist.

Leider glauben diese Diven, dass sie alles wissen. Vor allem sind sie gut im Sich-Das-Einreden.

Maze platzt gleich, es fehlt nicht mehr viel. Das ist nämlich die eine Sache, mit der Joana sie zum Wahnsinn treibt: wenn sie glaubt, sich in Dingen auszukennen, nur weil sie sich bei sogenannten „Experten“ erkundigt habt.

Boote und Schiffe sind in ihren Augen „sicher“, wenn sie möglichst modern und teuer sind. Bei so etwas geht unsereins die Wände hoch. Bis oben hin.

Nun war Joana ja nun schon einmal mit mir auf einen modernen 50“-Yacht unterwegs gewesen und glaubt, dass Boote heute so aussehen müssen. Nur war damals schönes Wetter gewesen. Sie hat keine Vorstellung, was so ein Ding macht, wenn es erst einmal anfängt zu blasen! Und… ach, was rege ich mich schon wieder auf…

Ich glaube, wenn sie hier wäre, würde ich ihr im Moment anbieten, sie über Bord zu werfen. Ja, ich bin so impulsiv. Maze nicht. Sie würde es einfach machen.

Okay, ich kann verstehen, dass sie mit uns allein sein möchte, dass sie endlich einmal tun kann was sie möchte, ohne ständig über die Schulter schauen zu müssen – doch kann man nicht vernünftig darüber reden? Ohne dass sie sich einbildet, schneller Fahrrad fahren zu können als dieser… dieser… Jetzt habe ich seinen Namen vergessen.

Göttin, wie ich dieses Weib liebe!

Warum muss sie eigentlich am Wochenende zu dieser Scheiß-Verleihung, wenn sie doch nicht nominiert ist? Kann sie da überhaupt…? Ich gebe ja zu, dass ich mich zu wenig für diesen Schauspielkram interessiere. Ich würde ja – wenn sie mich mitnehmen würde. Das alte Thema. Ich glaube, mein Desinteresse ist meine Rache dafür.

Was immer noch nichts am Thema ändert.

Sie möchte mit uns unterwegs sein, wenn diese elende Award-Season vorbei ist. Aber nach ihren Bedingungen. Klar, es geht ja immer nach ihren Bedingungen.

Nachtrag: Wir haben am Rand der Bank geankert und segeln in der zweiten Nachthälfte raus aufs offene Meer. Also alles im grünen Bereich.

Langsam bekommen wir wirklich Übung im Ankern der Ketsch. Wobei ich mich wundere, dass wir hier überhaupt einen Stein gefunden haben, an dem wir uns festkrallen konnten.

Anyway…

Mir fehlen meine Tiere. Der gelegentliche Delphin (Gelegentlich? Wieviele von den Viechern gibt es eigentlich auf der Welt?) hilft da auch nicht weiter.

Der gelegentliche Delphin?

Ansonsten – mir geht es nicht so toll. Die Meds wirken seltsamerweise gerade nicht so, wie ich es gewohnt bin. Trotz Extradosen. Macht Angst. Aber auch das wird besser. Es ist immer wieder besser geworden. Auf jeden Fall ist momentan an Wassersport und Ähnliches nicht zu denken, ich bin ja froh, wenn ich duschen kann.

Nochmal anyway…

Hier ist es 23:40 (04:41 UTC). Zeit für einen zweiten Tee und dann einen Kaffee, wenn wir um 1 Uhr los wollen. Warum so früh? Wir wollen versuchen nicht im dicksten Wetter in Nassau anzukommen.

Und der Tee schmeckt auch Scheiße zur Zeit…

Ich soll mir doch mal die Umgangssprache abgewöhnen, sagt Joana.

„Fuck you!“, sage ich.

Ist doch wahr…

Im Zweifel ein Roman

21° am Abend sind ganz okay.

Vor allen bedenkt man die Jahreszeit und dass wir mitten auf dem Atlantik sind.

Die Hälfte der Strecke haben wir geschafft.

Was aber nicht über die Tatsache hinweghilft, dass ich jetzt mittendrin bin in meinen Tagen und ich mir – mal ganz abgesehen von den Scheiß-Bauchschmerzen – vorkomme wie eine abgestochene Sau!

Der Südwind lässt uns ganz gut vorankommen, und wenn der hohe Seegang und die Wellen nicht wären, könnte es auch schon fast gemütlich sein an Deck.

Aber eben nur fast.

Wir werden unseren Kurs weiter nach Norden verlegen, damit wir nicht in die gemeldete Flautezone vor Miami segeln. Wird uns Zeit kosten, doch die Flaute würde uns länger aufhalten.

Apropos aufhalten… Warum müssen Frauen wie Joana, Chris oder ich, die definitiv keine Kinder wollen, uns eigentlich mit diesem Blutungsmist herumschlagen? Wir könnten doch… Ach, egal… Ist wieder so ein typisches Deprithema. Muss ich nicht haben.

Und warum glauben eigentlich die meisten, dass wir es toll finden müssten, wenn in unserem Körper etwas wächst? Wenn andere das klasse finden – be my guest. Aber die Entscheidung liegt bei jeder Frau ganz alleine. UND SCHON GAR NICHT BEI IRGENDWELCHEN FUNDAMENTALISTISCHEN MÄNNLICHEN ARSCHLÖCHERN!

Jetzt rege ich mich ja doch auf…

Der Blutungsscheiß. Ich erinnere mich. Wie war das mit dem Tequila?

Ich habe ja schon die Politik wegen dieser Aufregerei aufgegeben. Ein paar vernünftige Spenden und das war’s. Ich lasse mir doch nicht mein Leben von diesen populistischen Dummköpfen vermiesen. Nein, lange genug geärgert und aufgeregt. Wer sich in England oder USA gerne dem Großkapital ergeben möchte – have fun. Und wer in Deutschland wieder die Braunen marschieren sehen möchte – bitteschön. Macht Europa wieder kaputt und verteilt die Maschinenpistolen erneut.

Dann ist den Leuten wirklich nicht mehr zu helfen. Jemandem mit meiner Krankheit, die heute wieder ziemlich reingeknallt hat, fängt es irgendwann an am Arsch vorbei zu gehen.

Und davon, dass die Erde zerstört wird und es so viele Trottel gibt, die ernsthaft glauben alles besser zu wissen als alle Wissenschaftler der Erde zusammen – was sagt das über den durchschnittlichen Intelligenzlevel des Homo Sapiens?

Wahrscheinlich macht es Sinn, dass der Sapiens sich von der Bühne verabschiedet. Ausser die Dinge kaputtzumachen, können wir ja doch nichts!

Deprithema?

Richtig. Mist! Das ist aber auch ein Scheiß wenn ich meine Tage habe! Auch so eine Fehlkonstruktion beim Menschen. Da muss die Göttin einen chinesischen Bauplan erwischt haben.

Und ich weiß schon jetzt, dass das mit dem Schlafen nachher nicht wirklich was wird.

Harakiri hilft heute Nacht an Deck mit. Schade, dass ich nicht dran bin. Obwohl, wenn ich nachher doch nicht schlafen kann… Ich würde wirklich gerne mal an ihren Lippenpiercings herumknabbern!

Was schreibe ich eigentlich für einen Mist?

Richtig: Das ist ein Depressionsabwehreintrag. Hilft solange ich schreibe. Deshalb sind diese Einträge oftmals auch so lang. Schreiben gegen Hormonungleichgewicht.

Bei mir wird es übrigens nicht mehr als das eine Piercing werden. Das hat schon genug wehgetan. Schmerzpatientin eben. Ausserdem nervt es mich manchmal und ich würde es dann am liebsten rausnehmen. Vor allem wenn ich versehentlich draufbeiße. Und beim Lippenstift stört es mich auch ziemlich. Macht eben mehr Arbeit als nötig. Abgesehen davon, dass es sich so gerne entzündet. Was mich vom endgültigen Rausnehmen abhält? Keine Ahnung. Z.B. das Loch, das dann bleibt. Außerdem gefällt es mir schon irgendwie. Ach, was weiß ich…

Ich brauche noch einen Tee. Heiße Getränke statt Hochprozentigem.

Vielleicht werde ich mir gleich nochmal das Video von der Sylvesternacht in Beverly Hills anschauen. Das mit mir als DJ und Nackttänzerin. Und mich darüber freuen, dass zumindest mein Body noch ganz nett aussieht, wenn schon die Nerven nicht mehr so wollen.

p

Joana hat mir übrigens erzählt, dass sie allen Ernstes wieder mit ihrem Ex im Bett gelandet ist. Der, der unbedingt Kinder von ihr wollte und der sie deshalb hatte sitzenlassen.

Seufz…

Ist ja angeblich sonst ganz nett…

Kann ich bei Männern ja nun wirklich nicht beurteilen, da bin ich gänzlich die Falsche. Verständlicherweise, glaube ich.

Aber ich kann ja nun verstehen, dass manche Heterofrauen eine andere Sichtweise haben. Vor allem die jungen, die noch nicht so viel mit den Typen erlebt haben.

Bei Joana glaube ich sowieso, dass sie wieder mit ihm zusammenkommt, sie scheinen ja wirklich gut zusammenzupassen. Und da er das Kinderthema ja nun erledigt hat – was steht dem im Weg? Ich bestimmt nicht. Ich bin und bleibe ihre beste Freundin. Inzwischen und für alle Zukunft mit Benefiz. Woher ich das weiß? Frauen wissen sowas. Vor allem ich.

Meine eigentliche Seelenverwandte (ist ja schon ein krass dämliches Wort) ist ja wohl eindeutig hier mit mir an Bord. Wieso liebt diese Frau mich eigentlich so abgöttisch?

Das Wrack, das ich bin?

Depri. Ja, ich weiß.

Apropos lieben. Chris hat mir gerade den nächsten Tee gebracht, hat sich jetzt neben mich auf den Boden gesetzt und hat ihren Kopf auf mein Bein gelegt. Das ist keine Demutsgebärde – SIE doch nicht! – sondern einfach ein Ausdruck der Nähe. Wenn ich das bei ihr mache, hat das eine ganz andere Bedeutung.

Aber lassen wir das.

Ostfriesentee. Mein Vorrat reicht garantiert drei bis vier Jahre. Das Zeug trinke ich literweise. Man sollte eigentlich meinen, ich müsse die English-Breakfast-Frau sein, doch nur weil ich damit aufgewachsen bin, muss mir die Mischung nicht besser schmecken.

Schreibe ich jetzt ernsthaft über Tee? Ich scheine ja verzweifelt zu sein.

Verzweifelt zu versuchen, nicht die falschen Gedanken aufkommen zu lassen.

Jede hat da ihre eigene Methode, richtig? Wichtig ist nur, DASS man eine hat – irgendeine ausser Alkohol oder Drogen – und sich den bösen Gedanken nicht hingibt. Das ist das Schlimmste. Bei mir hilft Schreiben. Im Zweifel ein Roman.