Wetter hin, Meinungen her

Das haben wir perfekt hinbekommen: Wir werden rechtzeitig vor dem Eintreffen des nächsten Sturmausläufers Stavanger erreichen. Weiter geht es dann Samstag früh am Morgen, denn das Wochende hält nettes Segelwetter parat. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen, denn die Vorhersage für die gesamte nächste Woche lautet: Sturm, Sturm, Sturm. In Wellen mit kleinen Atempausen, in denen wir uns vielleicht von Fjord zu Fjord hangeln können. Das Schwierige dabei – wie schon seit Bergen: der Wind kommt von Achtern und macht das Boot langsam und schwer zu manövrieren. Gefährlich zu manövrieren, sollte ich eigentlich sagen – wir sind fast versucht, die vielen schicken Knöpfe im Ruderhaus zu benutzen. Bei so einem Wetter in Küstennähe zu segeln ist nicht besonders witzig. Auf hoher See sind solche Sturmzonen nicht ganz so tragisch, denn man versucht Schlechtwettergebiete weiträumig zu umgehen. Außerdem zerschellt man seltener an Felsen.

Wetter hin, Wetter her – ich vermisse das Fliegen. Jetzt schon! Wie wird das erst, wenn ich mich zur Ruhe setze und nur noch ab und zu schleichende Kreise über immer dem selben Flugplatz drehe? Ich darf nicht darüber nachdenken. Mazikeen kontert dann gerne mit dem Satz: „Ich sage nur: Rennboot!“ Mein Wasserdämon. Was habe ich mir da nur angelacht?

Ansonsten gibt es gerade nicht viel Neues; wir sind zu sehr mit dem Segeln beschäftigt, als dass wir viel Anderes im Sinn haben könnten. Vielleicht erkennt man das auch an meinen eingeschränkten Social-Media-Aktivitäten. Es wird wieder mehr werden, mein Job ist nämlich deutlich weniger anstrengend als dieses Wetter.

Das Powersegeln bringt einen Vorteil mit sich: Ich habe kaum Zeit, um mich über das, was in Timbuktu, in Kommentaren und in Trumps kleinem Hirn passiert, aufzuregen. Selbst hier, wenige Meilen vor der norwegischen Küste, lebt man in seiner eigenen Welt und gibt einen Scheiß auf die Nachrichten. Ziemlich cool. Wichtig sind hier nur Wind, Wellen und Whisky. (Ich hätte lieber Tequila geschrieben, doch das fängt nicht mit „W“ an.) Trotzdem sind seemännische Scheuklappen natürlich das Rezept für Selbstbetrug:

Der nächste Landgang kommt bestimmt, und dann sind sie wieder da, die unerwünschten Menschen und ihre Meinungen.

Achterbahn

Mittlerweile sind wir in Houston eingetroffen. Oder besser gesagt: nach Houston geweht worden.

Houston, Texas

Eigentlich habe ich mich auf dem linken Sitz der EMB120 recht wohl gefühlt. Bis kurz vor Houston, wo das Wetter wechselte: Aus strahlendem Blau wurde gefährliches Grau.

Nicht, dass unsere Systeme uns nicht vor dem Wetter gewarnt hätten. Doch verwöhnt von der metereologischen Hochdruck-Ruhe in den Bergen von Montana und Colorado und meiner Geschichte als Airline-Pilotin, habe ich die Sache unterschätzt.

Zwar ist für eine 737 Gewitter ebenfalls nicht sonderlich spaßig, doch sie steckt das weg als hätte ihr jemand einen Klaps gegeben (meistens jedenfalls). Nicht so die alte Embraer.

Fehler.

Wir sind mittenrein geflogen und ein Ausweichen war nicht drin: Die Blitze und der Wind waren überall. Die Fluglotsen hatten alle kleineren Maschinen gewarnt gehabt. Dass ich Maschinen in der Größe der EMB 120 geflogen habe, ist viele Jahre her und da hätte ich vermutlich einen Ausweichflughafen genommen.

Der Blitz kam nicht überraschend, doch er hat einen großen Teil der elektrischen Systeme lahmgelegt und unser Annunciator, das Anzeigefeld für die Warnungen, hat aufgeleuchtet wie ein Christbaum und ließ sich auch bis zum Schluss nicht mehr ausschalten. Was bedeutete, dass die Warntöne nicht mehr abzuschalten war. Audioterror.

Unser Autopilot hat es nicht mehr geschafft und musste abgeschaltet werden. Wir verloren zeitweise bis zu 7.000 Fuss Höhe und das, wo wir den Flughafen bereits mit nur 10.000 Fuss Flughöhe ansteuerten. Es ging wie in der Achterbahn: rauf und runter, rauf und runter.

Die Gefahr dabei ist nicht nur extrem an Geschwindigkeit zu verlieren und die Maschine zu stallen (Abriss der nötigen Strömung über und unter den Tragflächen) sondern schlicht die Maschine mitten in der Luft auseinanderzureißen, weil sie durch die auftretenden G-Kräfte die strukturelle Integrität verliert.

Mike, der Besitzer, fand das alles nicht witzig und wollte die Maschine unbedingt übernehmen, was ich als PIC (Pilot In Charge) nicht zugelassen habe. Er hatte dann doch zu viel Angst mich bei meinem Kampf zu stören und hat sich nach einem letzten Aufbäumen auf seine Aufgaben als Copilot konzentriert.

Schließlich habe ich es geschafft uns ohne Autopilot und Landesystem auf den Boden zu bringen. Zwar mehr schlecht als recht, aber dann doch. Keine Schäden. Nur unsere Nerven haben ein wenig gelitten.

Und ich bin sicher, dass die Bowler auf dem Rückweg den Zug nehmen.

Von Fliegern und Zoomsex

Der Sturm scheint aufzuholen.

Der Wind bläst uns inzwischen mit 30 Knoten entgegen und es wird ein wenig ungemütlich. Das scheint auch die kommenden Tage nicht besser zu werden.

Inzwischen mache ich mir Gedanken über die Anrufe von meiner Schwester. Ich gebe zu, dass sie mir nicht aus dem Kopf gehen. Dass meine Krankheit mich im Moment (einigermaßen) in Frieden lässt, tut ein Übriges. Schließlich waren die Nebenwirkungen meiner Medikamente der mehr oder weniger der einzige Grund, warum ich mich vom Cockpit aufs Meer zurückgezogen habe.

Wieder in einem Cockpit… Das wäre schon was… Andererseits weiß ich, dass das nicht von Dauer sein wird. Was dann? Und das große Haus verkaufen? Wenn das schief geht, kann ich meine alten Flieger und mein Boot abschaffen und mich in mein altes Häuschen in Hampshire zurückziehen. Gärtnern oder so. Wie das so ist mit Selbstständigkeit.

Mmh… Und wenn ich einfach zwischendurch nach LA gehe und ein wenig mit meinen alten Fliegern herumflattere?

Meine alten Flieger… Sie gehören nicht mehr mir, sondern Mazikeen. Sie hat sie gekauft, „damit du nicht auf die Idee kommst, sie zu verscherbeln“. Sie hat mir immer versprochen, dass meine Krankheit nicht ewig andauert. Bislang hatte sie Unrecht.

Apropos alte Flieger… Falls sich jemand damit auskennt: Eine Comanche und eine Texan. Die Comanche ist einfach nur geil, obwohl man sowas schon in der Preislage von einem neuen Golf bekommt. Ganz so teuer ist das Fliegen nicht, solange man es nicht übertreibt. Bei der Texan ist das schon anders, die ist ganz schön was wert. Wie gerne würde ich mir die Welt mal wieder von oben betrachten… Wie ist das nochmal? Die Menschen sind mit dem was sie haben nie zufrieden… Jaja…

Anik wird nachher wieder anrufen, da bin ich sicher. Mal sehen…

Bis dahin mache ich Tee und Kakao und lege mich noch eine Runde schlafen. Und wenn ich nicht endlich wieder eine Frau auf die Finger bekomme…

Zoomsex ist auf Dauer auch Scheiße!

T-6 Texan

Beeilung, verdammt!

Heute muss ich mich tatsächlich mal kurz fassen.

Der Sturm hat sich zwar wider Erwarten und erfreulicherweise nach Süden verabschiedet und uns mit halbwegs erträglichem Wetter zurückgelassen, doch vorher musste er uns dummerweise noch einige Schäden am hinteren Mast und diversem Rollgut hinterlassen.

Das zu reparieren ist keine einfache Aufgabe. Vor allem, weil das Boot optimalerweise bis Anfang nächster Woche wieder voll einsatzfähig sein sollte, weil die Chance besteht, dass der Sturm uns dann noch einmal beehren wird.

Meine Hauptaufgabe heute besteht also darin meinem Dämon zu assistieren und zu fluchen, dass die Arbeit nicht schnell genug voran geht.

Also sorry, liebes Tagebuch: morgen mehr.

Abwechslung

Das Wetter wird nicht besser.

Kurz Tee fassen und wieder zurück in den Sturm.

Dabei noch schnell Eva „hallo“ sagen. Ken beruhigen, er ist bei so einem Wetter nicht gerne unter Deck und ich gebe zu, dass wir ihn oben verdammt gut gebrauchen könnten.

Stattdessen spielt er Kindermädchen und Krankenschwester, der Arme.

Andererseits hat der Wind nachgelassen. Er bläst immer noch ganz ordentlich – vor allem in den Spitzen – doch er gibt uns eine kleine Atempause, bevor es wieder heftiger wird.

Soviel als Update.

Ich brauche Sex, erwähnte ich das schon?

Rennbootblut

Es ist gerade wirklich nicht so gemütlich.

Das wäre so der Punkt an dem ich Joana gebrauchen könnte. Oder Gabby. Für eine kleine Ablenkung unter Deck zwischendurch. Andererseits müssten wir ziemlich auf die Beiden aufpassen, weil sie sich kaum für drei Tage unter Deck einsperren lassen würden. Und das wäre dann alles andere an witzig.

Der Wind hat noch zugenommen.

An Deck geht es längst nicht mehr ohne Sicherungsleine. Wer hier ins Wasser fällt – und tschüß. Bei sieben Meter hohen Wellen sind Suchmanöver aussichtslos. Außerdem schießen wir bei achterlichem Wind mit bis zu 9 Knoten durchs Wasser. Ernsthaft! Geil so ein Tempo mit einem alten Zweimaster! Wobei ich Maze jetzt verbieten werde Butterfly zu fahren. So ein Irrsinn: ein oder zwei Patenthalsen und unsere kleine Mannschaft ist dezimiert! Das wäre ihr „Rennbootblut“, sagt sie.

Und ich dachte immer, sie wäre ein Dämon…

Den Elementen trotzen

Da ist er, der Sturm.

Noch nichts was uns versenken kann – wenn wir uns nicht allzu dumm anstellen – aber schon ziemlich ungemütlich. 28 Knoten Wind sind schon nicht mehr lustig und 40plus-Böen können einen schon mal von Deck fegen.

Das geht jetzt die nächsten 72 Stunden so. An Schlaf wird nicht zu denken sein. Vor allem, weil wir damit rechnen, dass uns der richtige Sturm noch nicht erreicht hat. Da sind dann in Kürze alle Hände an Deck gefragt.

Fast alle, denn Ken ist zum Kindermädchen avanciert und kümmert sich um unsere Sechsjährige. Und was die angeht – na ja, die kotzt gerade ihren Kakao aus. (Eigentlich sind Kinder doch ziemlich unempfindlich, was Seekrankheit angeht, doch ich schätze, dass ist bei Schauspielerkindern anders.)

Dieser Sturm auf unserem Weg nach Madagaskar ist dann die erste wirkliche Bewährungsprobe für die Lady Branden und vor allem für die Mannschaft. Wie Bram und Elias sich bei so einem Wetter bewähren, weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, dass wir einen Dämon an Bord haben, der ihnen die Eier abreißt, wenn sie Mist machen.

Apropos Dämon: Wir hatten eine geile Nacht, mein Dämon und ich. Und ich durfte endlich mal feststellen, dass Mazikeen auch rein anatomisch wirklich weiblich ist. Obwohl sie behauptet, Dämonen wären geschlechtsneutral… Aber davon später mehr.

Jetzt brauche ich einen Tequila zum Aufwärmen und dann geht’s raus, den Elementen trotzen.

Ruhe vor dem Sturm?

Ich will gar nicht darüber nachdenken, was ich alles zu tun hätte, würde ich noch am „normalen“ Leben teilnehmen. Hier heißt es chillen. In erster Linie.

Und für Eva Kakao kochen.

Natürlich muss ich mich auch hier an Bord um das normale Leben kümmern. Aber das heißt wirklich nur organisiert zu bleiben, um keine Vertragstermine zu verpassen, Bankkonten kontrollieren, Mieteinnahmen überprüfen und solche Dinge eben. Das meiste davon erledigt sogar noch meine Mutter. Easy also.

Mit Ausnahme… Mit Ausnahme der Dinge, die ich für Joana erledige. Und das heißt in erster Linie mich mit ihren Anwälten und ihrem Manager herumzuschlagen, um dafür zu sorgen, dass alles nach ihren Wünschen läuft. Was es meistens nicht tut.

Im Prinzip habe ich also meine Alltagserledigungen gegen ihre getauscht. Ich tausche lediglich 4stellige Geldsummen gegen 6-7stellige. Sie hingegen kann sich um ihre Schönheitspflege kümmern. Irgendwie auch nicht so ganz fair.

Was soll’s, ich will ja nicht klagen. Die meiste Zeit bleibt in der Tat für’s Chillen.

Momentan allerdings haben wir ein kleines Problem. Rein wettertechnisch. Die momentane relative Flaute wird sich zum Wochenende hin in einen ausgewachsenen Orkan entwickeln. Wir rechnen mit 35+ Knoten Winden, Boen bis Windstärke 10 und Brechern zwischen 4 und 9 Meter Höhe. Und das Ganze über mehrere Tage.

Nicht, dass das für uns und unseren Zweimaster nicht zu bewältigen wäre, doch man versucht so etwas lieber zu umgehen. „Abwettern“ nennt man das. Momentan können wir allerdings nur hoffen, denn zur Zeit sieht es so aus, als könnten wir dem Wetter nicht ausweichen.

Es geht das Seemansgarn, dass Cape Hope und das südliche Seegebiet von Afrika vor allem wegen der hohen Sturmtätigkeit das „Kap der Guten Hoffnung“ genannt wird.

Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie Eva die Sache nimmt. Bislang hat sie sich als ziemlich angstfrei erwiesen, doch in so ein Wetter sind wir bislang mit ihr auch noch nicht geraten.

Noch verbringen wir unsere Zeit mit den Wetterseiten und unseren meterologischen Geräten. Einen Weg das Wetter zu umgehen, zeigt sich jedoch bislang nicht. Andererseits: Die Chance auf einen plötzlichen Wetterwechsel besteht auch in diesem Seegebiet. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Ein ausgewachsener Sturm auf See ist alles andere als romantisch.

Vor allem ist so etwas Knochenarbeit. Zumindest auf der Lady Brendan. Hier ist alles ziemlich ursprünglich. Was die Seglerei angeht, ist herzlich wenig automatisiert. Hier geht so gut wie nichts auf Knopfdruck. Hier werden die Schoten von Hand gefiert und hier klettern wir bei so einem Wetter auch schon mal selbst den Mast hoch um die Segel zu reffen oder einzuholen, weil sich das Tuch irgendwo eingeklemmt hat. Alles ganz wie früher. Ein 50 Jahre altes Boot ist ein 50 Jahre altes Boot. Aber dafür wissen wir auch, das das Boot macht, was wir wollen und nicht das, was irgendwelche Computer ihm einreden.

Aber gut: Die Chance, dass der Sturm uns im Süden passiert, ist da. Und wenn nicht: Man kann ja nicht ununterbrochen nur chillen, richtig?

Sofern die Maste halten…

Dass Eva ihr Kind in meiner Obhut gelassen hat, war mehr als eine Überraschung.

Ich könne mir gar nicht vorstellen, was das für ein Vertrauensbeweis sei, meint Joana.

Doch, ich kann es mir vorstellen: Entweder will Gabby das Balg loswerden, oder sie ist völlig verrückt geworden.

Ernsthaft jetzt mal: Hier draußen ist es gar nicht so ungefährlich und Gabby weiß das. Vor allem auch, weil wir jetzt in den Indischen Ozean segeln und der ist um diese Jahreszeit – Winter – gar nicht so ungefährlich. Hier entstehen eine Menge Stürme, die dann Richtung Süd-Australien ziehen und die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass uns der eine oder andere erwischt.

Gabby wird uns auf alle Fälle auf Réunion treffen; ob sie bleibt, wird sich zeigen.

Quelle: Google Earth

Joana arbeitet sich gerade durch Interviews und Talkshow-Auftritte. Sie kann es einfach nicht lassen. Ich verstehe es nicht – Verpflichtungen hin, Verpflichtungen her.

Na ja, ein wenig verstehe ich es schon, ich weiß ja, dass es ihr eigentliches Leben ist und sie nichts anderes kennt. Trotzdem…

Wann Joanas und Gabbys aktuelle Produktionen weitergehen, steht noch in den Sternen. In Kalifornien sieht es ja im Moment ziemlich schlecht aus und auch New York City hat noch enorme Probleme. Ich werde es erleben.

Sofern die Maste halten…

Auf jeden Fall ist es eine ganz neue Sache für mich, die alleinige Verantwortung für ein kleines Kind. Immerhin ist Eva ja ganz pflegeleicht.

Eines zeigt es mir auf jeden Fall: Eigene Kinder – never – ever!

Rohrstock

Wir müssen hier weg, es ist eindeutig zu kalt!

Morgen Früh geht es los Richtung Réunion. Die Vorräte sind gebunkert (Tequila!) und alle Tanks sind gefüllt.

Zuerst Richtung Osten, dem Sturm hinterher.

Aber zuerst noch eine gefährliche Nacht mit meinem Dämon: Sie hat mir versprochen, mir die Hölle auf Erden zu bereiten, wenn ich nicht aufhören würde zu jammern.

Devise: Jammern bis Sex und am Morgen frisch und fröhlich und einer Menge neuer blauer Flecken ans Werk!

Ich wette, sie packt den Rohrstock aus!

Lechz!

Sexistisch

In der Marina.

Bin bis jetzt nicht dazugekommen etwas zu schreiben, da das Wetter doch schneller ungemütlich wurde als erwartet: 30-40 Knoten-Winde bis in die Bucht hinein.

Ken ist sauer, weil wir so spät waren. Na ja, hat gereicht.

Ich sollte aufhören Joana nachzutrauern.

Ich werde jetzt Mazikeen bei ein paar Reparaturen helfen. Unser alter Volvomotor zickt ein bisschen. Wahrscheinlich ist das Ding eine Volvo und nicht ein.

Sexistisch? Wegen mir. Manchmal mag ich sexistisch, vor allem wenn es nützlich ist.

Bis später.

Cape Town

Angekommen.

Endlich oder auch leider. Wie man’s nimmt.

Bei 17 Knoten Gegenwind war es nicht ganz so einfach in die Hout Bay einzufahren. Wie üblich haben wir es trotzdem mit gesetztem Tuch gemacht – was einigen Kapitänen nicht wirklich gefiel. Ähem… Aber wo gespart werden kann…

Wir ankern jedoch noch ziemlich weit draußen in der Bucht, was aber bei Wetterverschlechterung vermutlich nicht die Lösung sein wird. Obwohl in den Hafen einzulaufen wegen des Virus vermutlich auch keine tolle Idee ist, wird uns wohl nichts Anderes übrig bleiben: Spätestens Samstag erreicht uns von Westen her ein Sturm, dem wir selbst dann nicht entkommen könnten, wenn wir unsere Mädels über Bord werfen und sofort weitersegeln würden. Wohl oder übel werden wir das Wetter wohl im Hafen aussitzen müssen. Am Sonntagmorgen machen wir uns dann in aller Früh Richtung Osten davon. Bis dahin haben wir genug Zeit unsere nächsten Ziele zu planen.

Eine Pause tut allen Beteiligten sowieso ganz gut.

Joana, Gabby und Eva bleiben noch für eine Nacht, allerdings sind meine beiden Frauen so müde, dass sie nicht mehr aus den Augen schauen können. Ich habe sie wohl ganz schön auf Trab gehalten. Doch ich gebe zu, dass auch ich nicht mehr die Wacheste bin. Vor allem, da ich direkt danach – wonach ist ja wohl klar – an Deck gestolpert bin und mit Ken und Mazikeen das Boot an der felsigen Küste entlang gesteuert habe. (Unser erstes Ziel war nämlich die viel größere False Bay gewesen, doch nach allem, was uns gesagt wurde, wäre das keine gute Idee bei dem aufkommenden Sturm gewesen.)

Also werde ich jetzt erst einmal eine Auszeit nehmen: Schlafen. Wenigstens ein bisschen. Danach gibt es vermutlich Fisch, denn Ken ist schon wieder mit der Angel unterwegs.

Ich weiß schon: Auf meinem Grabstein wird stehen: „Hier ruht eine Quecksilberstatue“. Denn Verbrennen wird ja vermutlich bei dem Metallgehalt nicht funktionieren.

Hout Bay, South Afrika

Von Skorbut und Golddublonen

Jetzt hatte ich wirklich genug.

Maze lag mir damit sowieso schon die ganze Zeit in den Ohren: Wir haben den Kurs gewechselt. Fast komplett nach Süden jetzt: Trinidad wir kommen!

Denn was uns da vor Bermuda erwartet, ist nicht mehr witzig. Das – vereint mit anderem Wetter, das von Grönland herunterkommt – wird der nächste Sturm, der die britischen Inseln heimsuchen wird.

Da hineinzugeraten – dazu habe ich wirklich keine Lust.

In ein paar Tagen wird Joana anfangen herumzunölen, wann wir denn endlich da sind, und ich werde ihr antworten, dass ich ihr doch bereits gesagt habe, dass wir die Orientierung verloren haben.

Und wenn sie mich verstört anschauen wird, werde ich Maze etwas in die Hand drücken und sagen: „Hier, nagele diese Golddublone ganz oben an den Mast. Dann mach bitte an Bord bekannt, dass sie für denjenigen ist, der als erster ‚Land in Sicht‘ ruft.“

Und dann drehe ich mich versöhnlich zu Joana um und flüstere verschwörerisch: „Aber bis dahin sind wir sowieso alle an Skorbut gestorben. Also keine Chance das Gold zu verlieren.“


Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

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Fußmatten fickt man nicht

Sturm.

Jetzt ist ihr schlecht. Geschieht ihr gerade recht. Wegen ihr haben wir nicht den Kurs weiter südlich genommen. Ich hoffe sie kotzt!

Oder vielleicht doch lieber nicht? Dann muss ich ja ihre Haare hochhalten! Und mitkotzen! Also bitte, bitte NICHT kotzen! Wäh!

Das kommt davon, wenn man macht, was dieses Weib will!

Was ihre Steuern angeht: Das wird jetzt bezahlt. Die kann mich mal! Das Gejammer, wenn ich sie im Knast besuchen muss, will ich mir gar nicht vorstellen. Das von den Wachen, meine ich. Die kleine Diva hält ja keiner aus. Aber ihr Bankkonto hält alles aus. Und es besteht nicht aus Schulden, wie das von diesem Möchtegern-Präsidenten.

Ich glaube nicht mal, dass sie das wirklich merkt, wenn da irgendwo ein paar Millionen fehlen. Wobei einer ihrer Anwälte mir sagte, er würde sich das nicht trauen. Ich habe nur „Männer!“ geantwortet.

Außerdem glaubt er ja, ich sei lediglich eine Fußmatte wie er.

Bin ich das?

Ach was, Fußmatten fickt man nicht. Oder…? Gab’s da nicht so einen Fetisch? Mmmmh…?

Gab’s da nicht so einen Fetisch?


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Nervensäge

Flaute.

Ist das nicht herrlich? Nein, ist es nicht!

Wie auch immer, wir müssen sowieso die Oscars abwarten und dann geht es Richtung Süden in die Westwinde. Nicht, dass das in absehbarer Zeit der Fall sein könnte: Richtung Süden treibt sich noch eine Weile die Windstille herum und im Norden lauern die Stürme: Atlantik im Winter.

Aber Joana hat sich angesagt. Und da meine Diva ein Geschenk mitbringen will, würde ich sowieso warten. Und Zoe ertragen. Die gibt nämlich keine Ruhe.

Wie auch immer…

Joana hat mich mal gefragt, was wäre, wenn sie nicht berühmt wäre.

„Dann wärst du wohl ziemlich unerträglich“, habe ich geantwortet: „Das geht wohl allen Diven so.“

„Lustig, Tammy, wirklich lustig. Und jetzt bitte eine richtige Antwort!“

“ Woher soll ich das wissen? Kenne dich ja nur berühmt.“

„Aber wenn…!“

Keine Ahnung, du Nervensäge!“

„Das ist keine sehr nette Antwort!“

„Soll ich schleimscheißen wie die ganzen Arschkriecher um dich herum?“ Für die Antwort musste ich nicht lange überlegen. Schleimscheißen war das Letzte! Lügen, Betrügen, Verraten um eine heiße Tussi ins Bett zu kriegen – alles okay. Aber Schleimscheißen? Niemals!

„Das heißt also wir wären nicht zusammen!“

„Solange du keine Bedienung bei dieser Gala gewesen wärst – vermutlich nicht.“

Joana musste einen Moment überlegen: „Das heißt also doch?“

„Das heißt: Geh mir nicht länger auf die Nerven!“


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Gleich geht’s los

Schmitz‘ Katze liegt bereits im Solent.

Sobald es hell wird geht es los. Meine erste richtige Atlantik-Überquerung. Zumindest auf dem Wasser.

Ganz ehrlich: Ich bin tierisch nervös weil es für so etwas die falscheste Jahreszeit ist: Nur Westwinde und ein Sturm nach dem anderen. Für die kommenden Tage sieht es allerdings ganz gut aus.

Wir segeln weit südlich über die Azoren um die Wetterküche im Norden zu umfahren. Ist ein Umweg, aber kaum anders zu machen um diese Jahreszeit.

3.900 Meilen oder 7.300 Kilometer bis zu unserem Ziel Spanish Wells auf den Bahamas: Wir rechnen mit etwa 2-3 Wochen, je nach Wind und Aufenthaltsdauer auf den Azoren und Bermuda. Im Sommer würde das deutlich schneller gehen.

Mit der Anny X würden wir für die Strecke vermutlich 4-5 Wochen einplanen. Schmitz‘ Katze ist wirklich ein Biest!

Als ich ihr gesagt habe wie das Boot heißen wird, hat sie mir gesagt, das wäre ein Name für ein deutsches Kriegsschiff aber nicht für ein Segelboot! Ich habe fast auf dem Boden gelegen vor Lachen!

Das Lustige: Keine von den Amis kann das aussprechen! 😂 Mazikeen hat das einfach für sich auf Speedy Cat geändert. Trifft es zwar nicht ganz aber – was soll’s… Dabei klingt das so lustig, wenn sie sich an Schmitz‘ Katze probiert… 😂😂😇

Mit etwas Glück kommt Joana entweder auf den Azoren oder auf Bermuda an Bord.

Gesundheitlich geht es mir ziemlich scheiße gerade. Ich habe kaum geschlafen, weil die Tabletten im Moment schlecht wirken. Ich bin völlig zugedröhnt und trotzdem macht sich der Nerv zwischendurch mit Stromschlägen bemerkbar. Sogar ungetriggert, was vollkommen ungewöhnlich ist.

Vielleicht liegt es daran, dass wir gestern Abend das neue Boot mit Tequila gefeiert haben. Aber auch das wäre neu. Bisher hatte sich der Trigeminus noch nicht über Alkohol beschwert…

Vielleicht waren es aber auch die Briefe der IRS, die mir von der Steuerkanzlei gemailt worden sind. So ein Scheiß verursacht immer Megastreß. Angeblich reagiert der Nerv ganz gewaltig darauf. Ich habe mich aber auch gewaltig aufgeregt…

Na gut…

Aufgrund der Tabletten kann ich das Boot nicht aus dem Solent fahren und auch nicht an Deck bleiben, weil mein Gleichgewicht nicht so gut ist (erfreulicherweise ist der Wind noch nicht so stark, dass wir alle an Deck müssen). Das ist wirklich ärgerlich.

Der Solent

Wir haben mit der Frau vom Verkäufer und zwei anderen, angeheuerten Seglerinnen eine kleine All-Female-Crew. Zwei oder drei Wochen werden es die Hühner ja wohl miteinander aushalten… Aber Maze hat es nicht so gerne, wenn Schwänze an Bord herumhängen, wie sie das ausdrückt. Sie tut sich ja schon bei meinem Freund Ken schwer (der übrigens jetzt die Anny X in die Nähe von Miami in eine kleine Marina segelt, wo sie zum Verkauf überholt wird. Auch er fliegt dann auf die Azoren oder Bermuda, je nachdem wie lange er dort noch gebraucht wird. Die Crew der Anny X wird aufgelöst, Schmitz‘ Katze kann mit deutlich weniger Leute unterwegs sein. In der Regel werden das nur Ken, Mazikeen und ich sein. Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Jetzt, bei dieser ersten Fahrt und ohne den erfahrenen Ken wollen wir auf Nummer Sicher gehen.

Gerade machen meine Augen mal wieder nicht richtig mit. Alles verschwimmt. Das machen die Tabletten.

Das nervt so unglaublich. Vor allem wenn es dann auch noch nicht mal komplett hilft. Egal.

Aber was ich immer noch kann ist… Ja, genau.

Ich schreibe nachher weiter.

Läufige Bitches

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich mich bei sexy Harakiri einmischen sollte.

Tine und Harakiri klingen so frischverliebt. Zumindest beim Ficken. Den Rest scheinen sie ja vor uns verheimlichen zu wollen. Den Lesbenpart.

Ist das alles kompliziert…

Ach was, ich werde morgen einfach mal den Holzhammer auspacken. Das funktioniert immer und macht Spaß.

Der Sturm kam früher als gedacht. Soviel MAL WIEDER zum Wetterbericht. Die Karibik ist ziemlich unberechenbar. Das hat Ken vorher schon gesagt. Der Scheiß-Wind würde Joana vermutlich in allem bestätigen und ich gebe zu, es ist schon eine ganz schöne Aufgabe sich bei so einem Wetter um so viel Tuch kümmern zu müssen. Und das bei ein Boot mit so wenig Tiefgang. Da bekommst du schon bei 30-35 Knoten Wind Probleme halbwegs dem Kurs zu folgen. Vor allem, wenn auch noch die Dünung ungünstig kommt!

So oder so: es würde ihr gerade mal nicht gefallen! Bzw. hätte ihr nicht gefallen, denn das Wetter hat sich einigermaßen beruhigt und erst am Dienstag frischt es wieder auf. ANGEBLICH! Bis dahin liegen wir aber längst in der Goodman Bay.

Anyway…

Ein Tag ohne Sex. Wie machen die Leute das? Ich meine – Masturbieren eingerechnet. Wenn man so zu gar nichts kommt? Ich rede jetzt nicht vom ganzen Monat, sondern von den beiden Wochen nach der Periode in denen die Hormone uns zu läufigen Bitches machen. (Ich nehme mal das englische Wort. Das deutsche provoziert noch mehr Kreischerei von den Frauen, die behaupten, unsere Triebe und Launen wären ohne Pille steuerbar… Weil wir ja keine Tiere sind… WUFF!)

Wenn ich jedenfalls in den beiden hormonflutenden Wochen bin, brauche ich Frauen oder Batterien. Oder beides.

Langer Rede kurzer Sinn: Bei mir ist gerade Tsunami. (Was nicht heißt, dass zu anderen Zeiten gar nichts geht… Aber da sieht es dann eher so aus wie bei den armen Weibern, die die Pille nehmen. Langweilige Mitte.)

So… Wo genau ist jetzt Maze?

MAZE! MAZIKEEN! WO BIST DU? MAZE!

Schon geil, die Anny

Es ist doch immer wieder faszinierend…

wie gut so eine Hochsegelketsch, gegenüber modernen einmastigen Sluptakelungen vor dem Wind oder auf Raumkursen läuft. Ab halbem Wind fängt die Sache aber sofort an, sich zu relativieren. Dann möchte man auf dem Zweimaster am liebsten aussteigen und schieben.

Momentan drischt die Anny jedenfalls mit Gennaker und Stag bei annähernd halbem Wind durch die Wellen wie ein römischer Streitwagen durch die Arena.

Schon geil.

Schifffahrtsgrab

Wir kommen ganz gut voran.

Wir sind mit Gennaker und Stag in fast halbem Wind unterwegs.

Das Wetter ist wie erwartet, Südwind mit um die 13 kn moderat. Allerdings werden wir uns weiter nördlich halten müssen um eine von Süden aufkommende Flaute zu umgehen.

Dadurch wird sich unsere Ankunft wohl bis morgen Nachmittag verzögern, abhängig davon, ob wir dem dann von Westen aufziehende Wetter umgehen müssen.

Die Windverhältnisse im Bermudadreieck sind sehr komplex, vermutlich ist das auch der Grund für den legendären Ruf der Gegend als Schifffahrtsgrab. Dank Satellitennavigation und Wetterbeobachtung ist das aber heute kein ganz so großes Problem mehr.

Ich bin auch immer wieder fasziniert davon, wir lange selbst vermeintlich kurze Entfernungen auf den Karten tatsächlich dauern und sich doch, wenn man das Ziel schließlich erreicht hat, alles wieder relativiert hat.

Wie auch immer: Nur noch einen Tag und eine Nacht nach Bermuda.

Wobei ich überlege, ob ich unseren beiden Mikroskop-Punks* noch einen Tag weiter im Norden zum Sammeln von irgendwas gewähren soll, dessen Name ich nicht aussprechen kann.

*DARÜBER muss ich nun wirklich noch schreiben!!!

Erholung

Sonnenaufgang.

Jetzt werde ich mich erst einmal von der Nacht erholen. Wir konnten durch die Kursänderung relativ schnell das Dickste hinter uns lassen, doch die See war immer noch so hoch, dass keiner unter Deck konnte. Das hat sich in den letzten Stunden gebessert.

Wir haben jetzt alles Tuch gesetzt und segeln OSO direkten Kurs nach Bermuda. Nahezu direkt vor dem Wind, was sich aber in den kommenden beiden Tagen noch ändern wird. Wir müssen uns ein wenig beeilen, wenn wir den großen Sturm am Mittwoch austricksen wollen. Die Flaute jedenfalls erwischt uns nicht.

Ich kümmere mich jetzt mal um Tee und Kaffee und um mich selbst und dann gönne ich mir mal zwei Stunden Schlaf.

Wetterschule?

Jetzt wird es hier draussen aber gar nicht mal so unspannend mit Boen bis Windstärke 10. Ich bekomme hier das Gefühl als würde uns ein Renntruck schieben!

Wir werden dann also mal vorsichtig nach Süden abfallen, damit wir schneller aus dem Schlamassel rauskommen. Ich werde Ken wohl nochmal auf die Wetterschule schicken müssen.

Und dann werde ich wohl mal für ein paar Stunden das Handy zur Seite legen.

Und wie soll ich jetzt die Globes schauen?