Schlagfertig

Spokane. Erste Nachtlandung mit meiner Bonanza. Kann man sich in ein Flugzeug verlieben? Wie eine Eule auf Koks bin ich auf die Landebahn geschwebt!

Das Insulin bin ich auch schon losgeworden. Ein pickliger Jüngling einer örtlichen Hilfsorganisation hat es abgegriffen. (Man denkt gar nicht darüber nach, dass auch Obdachlose Diabetes haben können.)

Statt des pickligen Jünglings hätte ich auch nichts gegen eine makellose Jungfrau gehabt. Ja, ja: Ich mache nur Witze auf Kosten Anderer. Bites me!

Überhaupt: Diese Überkorrektheit heutzutage. Wie mich das nervt! Eines meiner Lieblingslieder vor 20 Jahren: „Dicke“ von Marius Müller Westernhagen. Sowas darf man je heute gar nicht mehr sagen. Damals war es cool und niemand hat sich etwas dabei gedacht. Bitte keine Diskussionen zu dem Thema! Eure fürchterliche politische Korrektheit nervt. Und zwar gewalttätig!

Joana möchte mich treffen. Das heißt, sie hat wieder Zeit und möchte ein paar Tage mit mir verbringen. Ob ich nach Bel Air oder Catalina kommen möchte. Möchte ich nicht, ich muss arbeiten. Komm du doch zu mir! (Arbeiten? Habe ich eben Arbeiten gesagt?)

Joana wollte doch eigentlich nachkommen? Mmh… Vermutlich weiß sie nicht wer, was oder wo Spokane ist.

Miranda Cox, der neue CEO meiner Airline, hat angerufen und mir gesagt, dass sie mich gerne kennenlernen würde. Ich habe gesagt, sie soll mir erst einmal ein aktuelles Foto schicken, damit ich weiß, ob es sich lohnt.

„Bisher hat sich noch niemand beschwert“, hat sie geantwortet.

Schlagfertig ist sie schon mal.

Photo by Clayton on Unsplash
Spokane, Washington

Frag deinen CEO

„Und was mache ich jetzt mit dem Zeug?“

„KSFF, da warten sie schon drauf.“

„Spokane? Wer wartet da?“

„Deine Shorts.“

„Wieso meine? Was habe ich damit zu tun?“

„Du bist die Chefpilotin, falls du dich erinnerst.“

„AB OKTOBER!“

„Sei nicht so kleinlich. Flieg hin, dann lernst du gleich die Crew der Shorts kennen.“

Mmh… Die nervt…

„Wer bezahlt mir eigentlich die Kosten?“

„Gib deine Flugstunden deinem Buchhalter.“

„Ich habe einen Buchhalter?“

„In Palm Springs. Ich schicke dir die Kontaktdaten.“

Aha.

„Ist dort jetzt der Firmensitz? Hast du dich entschieden?“

„Ja.“

Irgendwie ist meine Schwester nicht sonderlich gesprächig. Angeblich rennt sie von einem Meeting zum anderen und angeblich ist das meine Schuld, weil ich mich ja „mehr einbringen“ könnte. Aha. Dabei fange ich doch erst im Oktober an!

„Wir haben ja noch nicht mal besprochen, was eigentlich meine Aufgaben sind…“, gebe ich zu bedenken.

„Frag deinen CEO.“

„Ich habe einen CEO?“

„In Palm Springs.“

„Aha.“

„Und wie heißt er?“

„Miranda Cox.“

„Miranda Cox?“

„Sagte ich das nicht gerade?“

„Und sie ist dann meine Chefin?“

„Ja.“

„Mmh…? Sagtest du nicht, dass die Firma mir gehört?“

„Uns. Was nichts damit zu tun hat, dass sie der Direktor ist.“

Dieses System werde ich nie kapieren! Aber wer will das schon?

„Und nach Spokane habe ich dann wieder meine Ruhe?“

Und da legt Anik auf. Ich kann sie nicht leiden!

Squamish, Canada