Wie geil faulenzen ist!

35°. Ein paar Wölkchen. Der Wind hat etwas nachgelassen. Übertreibung!

Das Meer hat sich etwas beruhigt, zumal wir uns auch ein Stück dichter ans Atoll getraut haben. Einfahren werden wir nicht, das ist mir zu riskant. Die Einheimischen sagen zwar, das wäre auch mit unserem Zweimaster drin, doch better safe than sorry.

Wir haben unseren schwimmenden Pool ausgepackt. Das Ding ist die Lachnummer für jeden hier. Natürlich ist das Schwimmen auch im offenen Meer möglich, doch Angsthase Gernot hat Schiss vor allem, was unter Wasser lauern könnte. Was tut man nicht alles für seinen schwulen Schiffskoch!

Mazikeen sonnt sich inzwischen auf dem Surfbrett. Lesben sind eben doch eine Evolutionsstufe weiter. Ich persönlich ziehe den Außenborder vor, das ist mehr ladylike.

Seitdem wir hier vor Tabiteuea liegen, weiß ich wieder wie geil faulenzen ist!

Lesben sind eben doch eine Evolutionsstufe weiter

Erster Tag im Paradies

Geschafft! Nach Wochen auf See haben wir wieder festen Boden unter den Füßen!

Mazikeen und ich sind als erste an Land, während Ken sich um die Zollformalitäten gekümmert hat. Behörden. Es ist doch immer das Gleiche, ob Vereinigte Staaten oder Winzrepublik. Aber das Wetter ist geil. Und heiß!

30 Grad und ein wolkenloser Himmel. Weißer Sandstrand. Strahlend blaues Wasser. Wenn hier nicht so viel Ungeziefer herumrennen und der Wind uns nicht so um die Ohren blasen würde, könnte man sich so tatsächlich das Paradies vorstellen.

Apropos Paradies: Ich habe euch jetzt etwas voraus, nämlich Zeit. 11 Stunden, um genau zu sein. Auf der Fahrt hierher haben wir nämlich einen ganzen Tag verloren, es ist Sonntag, 19 Uhr, während es in Deutschland gerade mal 8 Uhr am Morgen ist. Warum? Weil die Line Islands mehr oder weniger auf der International Date Line liegen und der Kalender hier einen Hüpfer macht. Unfair: Da unsere Reise uns nur Richtung Westen führt, werden wir den gestohlenen Tag auch nicht mehr zurückbekommen.

Joana und Eva sind noch nicht angekommen, das macht aber nichts, wir haben Zeit zu warten. Ein paar Tage ohne rauschende Wellen und ohne Schräglage werden uns gut tun. (Ob sie ihren Typ dabeihaben wird, hat sie mir immer noch nicht verraten. Ich fürchte aber schon – warum sonst würde sie sich zu diesem Thema ausschweigen?)

Aber jetzt gibt es erst einmal ein richtiges Abendessen, ohne dass wir unsere Teller festhalten müssen! Nackt an Deck. (Unser kurzer Strandbesuch hat leider im Bikini stattgefunden. Oben oder gar unten ohne ist ja meistens nicht gerne gesehen. Warum auch immer.) Mondlicht, Sternenhimmel und himmlische Ruhe. Leider immer noch unterm Soft-top, weil der Wind uns sonst den Spaß verderben würde.

Mazikeen, Ken, Gernot, ich – und ja: Zoe. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Die Reise hätte so schön werden können!

Poolgedanken

Falls jemand wissen möchte, was aus Zoe geworden ist: Sie ist ein Opfer von Covid-19 geworden.

Nein, nicht sooo. Sie ist schlicht verschwunden, doch ich mache mir keine Illusionen: Egal wo sie sich gerade herumtreibt – sie schmiedet Pläne für ihre Rückkehr. Und ich möchte nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn sie hier wieder auf der Matte steht!

Zwischenzeitlich mache ich das Beste daraus, genieße meine neue Freiheit und erfreue mich an der Tatsache, dass es derzeit keinen einzigen Ort auf der Welt gibt, an den sie sich zurückgezogen haben könnte: Die Viren sind überall und haben Zoe das Betätigungsfeld entzogen. Sie hat ihre Daseinsgrundlage verloren.

Wobei natürlich ihr Verschwinden ein Grund weniger für mich ist, mich erneut auf ein Boot zurückzuziehen. (Was mich jedoch ganz sicher nicht daran hindern wird.)

Bis dahin werde ich Miranda noch ein wenig im Vorweihnachtsgeschäft aushelfen. Eigentlich dachte ich ja, um diese Jahreszeit wäre kaum etwas zu tun, doch da habe ich mich wohl gewaltig vertan: die Menschen gehen immer weniger zum Arzt, weil sie Angst haben, sich dort den Virus einzufangen. (Eine Angst, die gar nicht so unberechtigt ist, wie mir ein Arzt heute versichert hat.) Umso mehr sind sie aber auf billige Medikamente angewiesen, die sie unkompliziert bekommen können, d. h. in der Regel, dass sie ihnen von privaten oder staatlichen Initiativen an die Haustür gebracht werden.

Da kommt dann unsere Dash ins Spiel. Nachdem die Banken uns nun auch noch einen Deal für einen 737-Frachter haben platzen lassen, fliegt unsere arme Bombardier Überstunden, wofür Miranda nach wie vor die Piloten fehlen. Es ist eine ganz schöne Plage, Berge von Medikamenten in Kartons auf Sitzen festgebunden zu transportieren, statt sie auf Paletten in den Bauch eines Frachters zu verladen. *seufz (Gar nicht davon zu reden, wie schwierig und langwierig Zollkontrollen werden.)

Wie auch immer…

Die Moody habe ich mir immer noch nicht angeschaut. Sie liegt brav vertäut in ihrer Marina und Mazikeen geht mir damit auf die Nerven, dass sie dort nicht ewig bleiben wird. Jaja…

Ich weiß nach wie vor nicht, ob es Kanada oder Europa werden wird. Einerseits – ach was, nicht schon wieder! Ich sollte mir darüber erst einmal im Stillen klarwerden. Es ist ja nicht so, dass uns jemand in absehbarer Zeit aus Palm Springs vertreiben würde und die Rotmützen sind auch etwas leiser geworden: Sie scheinen in einer Art Post-Election-Blues zu stecken. Mir ist das mehr als recht. Aber ich mache mir auch keine Illusionen: Jede depressive Phase findet irgendwann ein Ende, selbst wenn es nur vorübergehend ist. Spätestens zum Treffen der Wahlmänner werden sich die Trumpers wieder lautstark Gehör verschaffen und dann erneut beim Auszug ihres Idols aus dem Weißen Haus. Er wird schon dafür sorgen.

Bis jetzt jedenfalls, ist es auf den kalifornischen Straßen ruhiger als erwartet geblieben. Derzeit könnte man fast in einer nächtlichen, schwach beleuchteten Seitengasse von LA ficken, ohne Wachen aufstellen zu müssen. Völlig nackt kann man das, aufgrund der Temperaturen, jedoch nur tagsüber und auch nur hier in Palm Springs. Nachts wird es in der kalifornischen Wüste schon weihnachtlich kühler, wobei das Quecksilber heute Mittag schon wieder fast an der 30er Marke gekratzt hat. Für nackt am Pool zu liegen hat es immerhin gereicht.

Wobei ich mich inzwischen schon ins Haus zurückgezogen habe. Am Abend ist Schluss mit lustig. Da funktioniert Nacktsein nur noch beim schweißtreibenden Joggen. Aber obwohl ich durchaus nichts gegen fliegende Titten habe: nicht bei bewegungsintensiven Sportarten.

Im Spagat am Strand

22 Uhr: 32 Grad. Morgen Mittag sollen es wieder 42° werden. Gefühlte 55.

Regen gibt es hier scheinbar nur in Form von Rasensprengern. Ich jedenfalls habe noch keinen erlebt. Angeblich soll im Februar eine kleine Wolke vorbeifliegen. Mal abwarten. Aber angeblich erhöht die nur die Luftfeuchtigkeit um 1 Prozent.

Mir, als Deutsch-Engländerin, ist das alles höchst suspekt. Dass es kein Wetter gibt, meine ich. Gar keins.

Wenn da nicht die Wochenenden in Santa Catalina und meine vielen Flüge in normalere Gegenden wären, würden mich hier keine zehn Pferde halten. Aber angeblich ist das trockene „Klima“ ja gut für unsere Flugzeuge. Spart Wartungskosten? Von wegen! Denn die sind ja ohnehin von der Flugaufsicht vorgeschrieben und richten sich nach Flugstunden. Ich glaube, meine Schwester will mich, mit der Entscheidung für diese Sandhölle hier, für den Crash unserer vorherigen Firma bestrafen.

Außerdem leben hier nur Rentner aus Hollywood und deren mexikanische Hausangestellte. Vermutlich weil die Trockenheit hier konserviert und die Hitze mumifiziert. Es geht die Rede, dass hier mehr Oscars in den Vitrinen stehen, als in Beverly Hills.

In normalen Zeiten könne man hier aber ganz schicke Touristinnen von der Ostküste oder von den großen Seen aufreissen, heißt es, doch das mit den normalen Zeiten hat sich ja nun auch erledigt.

Wenn ich hier morgens brottrocken aufwache, liegt dass nicht etwa an der sich vielleicht ankündigenden Menopause – Bewahre! – sondern am Wüstensand. Der saugt fotzentechnisch jede Feuchtigkeit auf, wenn man sich nicht ununterbrochen mit Pornos oder heißen Gedanken füttert. Beides kann ich, der Göttin sei Dank, ziemlich gut.

Trotzdem: Der Körper ist hier 24 Stunden am Tag mit einer Schweißschicht überzogen und die Möse fühlt sich an, als hätte man eine Stunde lang im Spagat am Sandstrand gesessen. Wenn ich mal für ein paar Minuten nicht an Sex denke, bekomme ich das Gefühl als schmirgele ich mir da was auf.

Da ich gerade beim Thema bin: Vor ein paar Jahren hatte ich mal meine Psychiaterin gefragt, ob ich eigentlich sowas wie eine Nymphomanin bin. Sie hat den Kopf geschüttelt und gemeint, sie sähe bei mir durchaus klinische Züge, doch für die eigentliche Diagnose würden ihr die Bindungsangst und die ständigen Wechsel der Sexualpartnerinnen fehlen. Ich habe sie daraufhin auf einen Drink eingeladen.

Wie gesagt, das war vor ein paar Jahren; Dinge ändern sich. (Wenigstens ist dieses Krankheitsbild nicht überall als solches anerkannt.)

Ich werde Zoe mal fragen, ob sie sich als Nymphomanin versteht.

Wie bin ich denn jetzt vom Wüstenklima auf Nymphomanie gekommen? Egal.

Auf jeden Fall bin ich mal wieder überhaupt nicht müde.

Morgen kommt uns die Tussi besuchen, die Joana angekündigt hat. Ich verstehe übrigens nicht, warum sie hier ständig neue Frauen für mich anschleppt. „Ich bin 51“, stöhnt sie daraufhin nur.

Hä?

Und los geht’s!

4-6 Wochen nichts als Sommer, Wasser und Sex. Tag und Nacht. Ist das nicht herrlich?

Und ihr seht bitte zu, dass bis zu unserer Ankunft auf Ascension Island diese elende Virensache erledigt ist!

Nicht so nett finde ich übrigens, dass Jamaika uns mit der Mutter aller Flauten verabschiedet und wir für mindestens die nächsten 24 Stunden mit Motor unterwegs sein werden!

Virenarme Zone

Ich werde versuchen, dieses Tagebuch weitestgehend virenfrei zu halten.

Was nicht immer funktionieren wird, weil natürlich auch meine Lieben und ich – wie jeder andere auf der Welt – von dem Thema COVID-19 betroffen ist. Der eine mehr, der andere weniger.

Ich versuche jedoch mein Tagebuch so gut es geht virusfrei zu halten, weil wir alle auch unsere Rückzugsräume brauchen, in denen die Welt etwas rosiger und bunter aussieht als da draußen, wo der Alltag uns mit tristen Grautönen traktiert.

Ausserdem: Was gibt es zu sagen, was nicht ununterbrochen gesagt wird? Sei es von regulären Medien, in Chaträumen, auf Facebook, Twitter und Co. oder auf den einschlägigen Webseiten von Verschwörungstheoretikern.

Wen interessiert es da noch, was ich dazu denke?

Im übrigen halte ich meinen Kopf ebenfalls so gut wie möglich virusfrei. So gut wie möglich. Sich gänzlich vor der Welt verschließen geht natürlich nicht, bzw. wäre eine ziemlich fatale Politik.

Genug geschwatzt: Mein Tagebuch bleibt virusarm und spricht weiter hauptsächlich von Sommer, Sonne, Sex und was so dazugehört.

Offen. Ehrlich. Knallhart. Rotzfrech und – ja – auch pornografisch. Irgendwer muss ja.

Wer mit meiner Sprache nicht umgehen kann – es gibt Autoren, die machen viele Sternchen, wenn sie f***** meinen.

Lest die.

An meinen Mund kommen nur Futter, Wasser, Seife und Weiber. Reihenfolge beliebig

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Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon


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