Mehrere Unendlichkeiten

„Glaubst du mittlerweile, du bist ich? Ich meine: Jetzt schon?“

„Ich werde niemals glauben, dass ich du bin. Vorher sterbe ich!“

„Kann der Teufel denn sterben?“

„Nerv‘ nicht, Zoe!“

„Du hast mich bereits Teufel genannt, Tammy…“

„Ich wiederhole, ich bin nicht du!“

„Wir arbeiten daran.“ Zoe lächelt.

„DU arbeitest daran, du, du…“

„Tammy gehen die Worte aus?“

„Ich weiß langsam nicht mehr, was ich glauben soll, Zoe. Bin ich Tammy, bin ich der Teufel, bin ich du? Verdammt! Das muss aufhören!“

„Es wird niemals aufhören. Nicht bevor du…“ Zoes Grinsen verwandelt sich in eine Fratze.

Ich atme tief durch: „Na, mach schon! Steck dir den nächsten Schwanz irgendwo hin. Bringen wir es hinter uns. Ich will wieder in mein Leben…“

„Gerne.“ Sie lächelt jetzt wieder: „Du weißt, dass ich das mit Vorliebe tue. Und wir haben mehrere Unendlichkeiten Zeit für meinen Spaß!“

Tammy

Was Männer so denken…

„Bist du deshalb auf dem Boot, Zoe?“

„Was glaubst du denn? Dass du mich einfach zurücklassen könntest? Auf einem Land, dass es bald nicht mehr gibt?“

„Schöner Gedanke, musst du zugeben!“, grinse ich etwas hohl.

„Du wirst leiden, wie ich gelitten habe! Jeden Tag. Jeden Tag werde ich es dir heimzahlen!“

„Du weißt schon, dass du verrückt bist, Zoe?“ Und dass es immer die gleiche Leier ist?

„Wir sind beide verrückt. Aber du bist die Verliererin!“

Jaja… Wichs dir einen drauf…

Was ist denn diese Nacht bloß los? Was sind das für Gespräche und was sind das für Gedanken? Ich bin dermaßen unruhig!

Ich befreie mich aus Gabbys Armen und rolle Joana ein Stück zur Seite um aus dem Bett zu klettern. Ich bleibe einen Moment auf der Bettkante sitzen und schaue Zoe zu, wie sie die Tür hinter sich schließt.

Was für eine Nacht!

Auf dem winzigen Kosmetik-Tischchen liegen zwei Vibratoren. Einer gehört mir. Der andere – keine Ahnung Joana jedenfalls nicht. Also offensichtlich Gabby. Na also: Wenigstens masturbiert sie! Ich bin versucht nach meinem zu greifen, doch dann denke ich an das Telefonat mit Anik und an das Gespräch mit Zoe eben und der Moment ist vorbei.

Ich rutsche vom Bett (Betten auf Booten sind fast immer sehr hoch, wegen des Stauraums darunter), zucke dann mit den Schultern und greife dann doch nach dem Vibrator: mitnehmen kann nicht schaden – frau weiß ja nie…

Der Salon ist leer. Ich mache mir einen Tee und setze mich dann wie üblich auf die Bank, die Beine weit gespreizt, auf dem Tisch abgestützt. Es ist nicht die bequemste Position, doch die vernünftigste. Außerdem liegt ein schicker Dildo mit allen Schickanen neben mir. Frau weiß ja nie…

Elias kommt rein und informiert mich, dass seine Schicht zu Ende ist. Ich erschrecke, doch Zoe ist nirgends zu sehen.

Elias steht vor mir und betrachtet mich so, wie er wohl eine Pornodarstellerin auf dem Bildschirm betrachten würde. Minus der Hand am Schwanz.

Ich nehme an, wie eine Pornodarstellerin wirke ich auch gerade: Ich lehne an der Wand, meine Titten liegen ein ganz klein wenig auf meinen Rippen auf (NUR EIN WENIG, VERDAMMT, ein Bleistift hält noch nicht!), meine Sneaker-Füße stehen auf der Tischkante. Mit weit gespreizten und angewinkelten Beinen ist mein Loch vermutlich ein wenig geöffnet und vermutlich ist auch alles ein wenig feucht. Vermutlich sogar dick. Aber wer weiß das schon so genau…? Hätte ich noch einmal masturbieren sollen?

Hätte vermutlich auch nichts geändert.

Nackter Captain, angezogener Seeman: Untergrabung der Autorität? Dass ich nicht lache! Ich weiß auch nicht, warum solche Märchen überall herumgeistern! Fragt mal reiche Pornostars wie Stormy Daniels ob sie irgendwo nicht ernst genommen werden! Auch wieder so eine Erfindung fehlgeleiteter Feministinnen, nehme ich an! Wenn „nicht ernst nehmen“ bedeutet, dass Männer Pornostars im Privaten mehr als laufende Titten mit Löchern betrachten, dann muss ich meine werten Feministen-Kolleginnen enttäuschen: Männer sehen alles was Titten hat auf diese Weise und sie können noch nicht einmal etwas dazu. (Ja, manche Typen haben es sogar mit trächtigen Schafen!)

Was dann aber im Umkehrschluss NICHT bedeutet, dass sie Frauen per se nicht ernst nehmen oder nicht ernst nehmen können. Boys will be boys. Jungs bleiben eben Jungs, das ist alles!

Solange ich selbst mit meiner angeblich provokativen Nacktheit keine Probleme habe – oder solche Situationen mich sogar anmachen – ist alles im Grünen Bereich!

Was mich dann aber doch dazu bringt, die Beine zu schließen, ist der Gedanke an Zoe und…

Wie auch immer…

„Und warum sollte mich interessieren, dass deine Schicht zu Ende ist…?“

„Ich dachte nur…“

Ich weiß, was er dachte. Es gibt nicht viel, was Männer denken. Da kann man kaum falsch liegen. Vor allem, wenn man nackt ist.

Als Frau oder Schaf.


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Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

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Möpse im Vergleich

So ein Corona-Swap ist ja gar nicht mal so spannend!

Die hauen dir das Testding bis hinten in den Rachen. Nicht nett!

Wenn ich dann noch überlege, dass es eigentlich völlig unnötig ist und die Tests an anderer Stelle viel sinnvoller eingesetzt werden könnten! Aber – Hey! – das ist St. Vincent. Also – wen interessiert es im Endeffekt?

Joana hat so einen Test in LA gemacht und Gabby und ihre Tochter gleich mit, denn Gabby wohnt ja inzwischen wieder in Hollywood. Ob sie diesmal wohl länger an einem Ort bleibt? Bei ihrem seltsamen Männergeschmack würde ich nicht darauf wetten. Und der Fakt, dass sie jetzt zu uns aufs Boot kommt, spricht ohnehin Bände über ihre jüngste Beziehung!

Interessanterweise war ihr Stecher noch nicht einmal beim Test dabei. Entweder er ließ sich an anderer Stelle testen, oder er hat kein Interesse mehr an Gabbys Traumkörper. Gibt es solche Idioten?

Ich jedoch freute mich wie ein kleines Kind auf sie!

„Gabby hätte ihren Typ doch gleich mitbringen können“, grinste Zoe: „Das würde Umstände ersparen.“

Ich enthielt mich eines Kommentars. Das war es einfach nicht wert. Natürlich war das vollkommender Schwachsinn. Aber das war Zoe. Sie dachte nicht nach. Gar nicht. Oder besser: Sie dachte wie ein Mann. Was in sich schon irgendwie ein Paradoxum war.

„Zoe“, sagte ich dann doch: „Wir haben einen Deal. Halt dich daran.“

„Tue ich das nicht?“

Konnte es sein, dass sie eine Schnute zog? Aber wer konnte das schon sagen: ich bestimmt nicht!

Warum bin ich eigentlich jetzt schon wieder bei Zoe angelangt? Vermutlich, weil ich den Horror vor der Zukunft habe. Zoe auf dem Boot – das ist eine Katastrophe, die ich mir nie hätte vorstellen können!

Angeblich bekommen wir die Ergebnisse morgen früh. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Verwandten in Deutschland mir erzählt haben, dass die Testergebnisse in Deutschland erst nach 4-7 Tagen vorliegen…

Na ja, money rules. Oder vielleicht sind es auch einfach nur die Namen, die den Labors Feuer im Arsch machen. Oder beides.

Interessant: Vorhin erzählte mir Joana, Gabby sei kaum weniger lesbisch als ich.

Jetzt aber! Wer soll denn sowas glauben? Mit Gabbys Männerhistorie? Bi, sagte sie mir an Sylvester, wäre sie.

Es war aber so ein beiläufiges Gespräch gewesen. So von berühmter Schauspielerin zu halbnacktem DJ. Geglaubt habe ich ihr damals kein Wort. Nun, ich hatte gehofft, es sei ein bisschen was an ihrem Alkoholgerede dran gewesen, diese Hoffnung eben, die wir Lesben manchmal haben, wenn uns eine Megafrau gegenüber steht, die garantiert eine Megahete war. Dann hegen wir die leise Hoffnung, dass wir sie vielleicht ein wenig verrückt machen können, wenigstens so weit, dass sie vielleicht gewillt war, diese ganze Girl-on-Girl-Geschichte mal auszuprobieren. Wenigstens ein bisschen. Bei Gabby hatte ich diese Hoffnung ganz ehrlich nicht gehabt. Nicht etwa, weil ich es ihr nicht zugetraut hätte, sondern weil es einfach zu schön um wahr zu sein gewesen wäre!

Noch eine Frau wie Joana, die mir einfach so in den Schoß fallen würde? Dass ich nicht lache!

Sie hatte mir, zugegeben, ganz beiläufig immer wieder auf die Möpse geschaut, aber ich hatte da wenig Hoffnung, denn ich wusste genau, dass ich erstens mit ihren Titten nicht mithalten konnte und zweitens, dass sie lediglich das machte, was wir Frauen ganz generell taten: vergleichen. Wer hat die besseren?

Bei Gabby und mir war die Sachlage klar. Nämlich boah ey!

Mir trocknete der Mund aus, wenn ich an ihre Teile dachte. Und vor allem, wenn ich überlegte, wie es wohl sein müsse, sich dazwischen zu begraben!

Nun gut, vielleicht würde ich das in naher Zukunft ja ausprobieren können! Eines musste ich jedoch definitiv nicht haben: ihren Mann auf meinem Boot. Und das habe ich ihr vorhin klar und deutlich ausrichten lassen!

Mit Ken und den beiden Seeleuten – plus dem neuen Koch und der Deckhilfe, beide von Zoe angeschleppt – würden wir in Kürze viel zu viel Schwänze an Bord haben.

Testfall

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Der erste Kuss

Als ich sie das erste Mal geküsst habe – wow, das war schon ein Riesending.

Nicht nur für mich, sondern auch für sie.

Für sie hauptsächlich deswegen, weil sie noch nie eine Frau geküsst hatte (von Filmküssen einmal abgesehen).

Für mich, weil ich noch nie Joana geküsst hatte (von den Küssen in meinen Träumen einmal abgesehen).

Für sie war es der schönste und zärtlichste Kuss, den sie je erlebt hatte (frau muss am Anfang ja etwas langsam machen)…

…für mich der schlechteste (ehrlich, daran musste gearbeitet werden).

Heute geht’s.

Küssen ist auch keine Lösung

Mazikeen holt sie jedoch nicht ein. Niemand wird jemals Mazikeen einholen, egal bei was.

Aber darum ging es ja auch nicht.

Es ging nur darum sie überhaupt zu küssen, ihre Lippen zu spüren, ihre Zunge, ihre Wärme, ihre Zärtlichkeit zu spüren und zu fühlen. Diese Frau. Joana. Dieses Privileg zu besitzen.

Wir haben uns geküsst lange bevor wir Sex hatten. Jahre zuvor, um genauer zu sein. Es hatte nichts mit Sex zu tun und ich gebe zu, ich war so armselig dafür zu betteln („Ich halte es sonst nicht mehr aus“). Ja, genau: ich. Betteln. Zu meiner Verteidigung: ich hatte es wirklich nicht mehr ausgehalten. Jedesmal nachdem wir uns getroffen hatten stundenlang zu masturbieren wurde nämlich auf Dauer etwas anstrengend.

Dummerweise war diese Küsserei auch keine Lösung, weil ich danach noch viel länger auf einem Dildo reiten musste und noch mehr Batterien verbrauchte. Aber aufhören konnte ich mit dem Küssen auch nicht. Ich war süchtig geworden.

(Für Joana wäre aufhören übrigens keinerlei Problem gewesen. Das Leben ist ungerecht.)

Fakt blieb nunmal: Joana ist hetero – und zwar nicht nur ein bisschen. „Lass dir einen Penis und Eier wachsen und wir werden das glücklichste Paar der Welt!“

Das sagte sie nicht nur so, das meinte sie auch!

Ihr geht es nicht um irgendeine angebliche „Männlichkeit“, sondern schlicht um das Instrumentariun, das für sie nicht zu ersetzen ist.

Sie liebt alles, was man damit machen und was damit gemacht werden kann. ALLES! Ich will nicht darüber nachdenken.

(Sie war mir aber bei entsprechenden Szenen in meinem neuen Roman mit ihrer „Fachkenntnis“ eine große Hilfe!)

Für sie haben Frauen da unten einfach – nichts. Titten findet sie ganz spannend (sie nennt sie „Möpse“), fasst auch gerne welche an, das ist es aber auch schon. Nippel sind auch ganz okay – man kann ein wenig damit herumspielen.

Ein Penis hingegen ist eine ernsthafte Angelegenheit. Etwas, um das frau sich kümmern will und muss. Und man kann sich das Endergebnis im Kondom anschauen. Oder sonstwo

Igiiiiiiiiitt!


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Flucht nach vorne

Scheiße!

Wie kam ich denn da jetzt wieder raus?!

Flucht nach vorne.

„Blablabla…“, sagte ich – und zwar mit heraushängender Zunge, den Kopf in den Nacken gelegt.

„Bitte?“ Joana schaute mich entsetzt an und selbst ihre beiden kleiderschrankartigen Bodyguards, die am Nachbartisch halbe Kühe frassen, waren aufmerksam geworden.

„Hast du mal auf die Uhr geschaut?“, fragte ich.

Joana schaute verstört nach: „Zehn nach Zwölf, wieso?“

„ZEHN NACH ZWÖLF? Du sitzt hier, mitten in der Nacht, säufst grüne Kotze und erzählst einer Lesbe was von stinkenden Schwänzen?! Bist du wahnsinnig?“

Genaugenommen hatte ich sogar recht: War die wahnsinnig?

Grüne Kotze

„Was? Bitte?“ Joana starrte mich völlig verstört an: „Ich erzähle dir hier gerade…“, stammelte sie.

Okay, Tammy. Schock hat funktioniert. Und wie jetzt weiter?

„…dass ich nicht mehr ein noch aus weiß…“

Tammy, beeile dich! Lass dir was einfallen!

„…dass mein Leben…“

Okay, jetzt:

„Hier sitzt eine Lesbe vor dir, die schon ewig hoffnungslos in dich verliebt ist und du redest von deinem Ex? Und von seinem Schwanz?“

„Äh, ja aber…“

Weiter, Tammy, weiter!

„Eine Lesbe, die dich niemals wird besitzen können, weil du auf Männer…“ Und ich schüttelte mich theatralisch. „…stehst? Findest du nicht, es wird Zeit, die Vergangenheit endlich loszulassen um herauszufinden, was die Zukunft für dich bereithält?“

Was für eine unsägliche, schwachsinnige Schmalzscheiße! Runterfahren, Tammy, runterfahren!

„Wenn du weiter wegen diesem Typen rumjammerst, kannst du soviel grüne Kotze saufen wie du willst und scheißt trotzdem nur weiter braune Kacke!“

Und jetzt wieder ein bisschen Schleimspur, Tammy.

„Und wenn ein Feigling DICH verlässt, NUR weil du keine Kinder willst…“

Okay, kurz überlegen: Zuckerbrot oder Peitsche?

Was gibt es da eigentlich zu überlegen?

„…dann hättest du ihm besser den stinkenden Schwanz abgeschnitten und ihm das Ding in den Arsch geschoben!“

Und jetzt noch ein bisschen Hoffnung:

„Und jetzt sitzt hier ein verliebtes Mädchen vor dir, das dich zur Freundin haben möchte, Sex oder nicht…“ (SEUFZ) „…und immer für dich da sein wird. Und, zur Göttin, was werden wir Spaß haben! Sobald du aufhörst über stinkende Schwänze von Jammerlappen zu reden!“

So, das sollte reichen!

Diese ganz bestimmte, eigene Form

„Diese Maze“, fragte Joana während sie ihren Smoothie wieder zurück auf den Tisch stellte: „Sie ist deine – Partnerin?“

Sie machte eine kleine Denkpause vor dem Wort Partnerin, während ich angewidert auf die grüne Brühe starrte, die sie da trank.

„Dieses – Zeug da… Was ist da so drin?“. Ich machte eine kleine Pause vor Zeug.

„Sellerie, Spi…“, fing sie an.

„Wir sind Lover, ja.“ Ich unterbrach sie, weil ich keine Lust hatte schon morgens um kurz vor 12 zu kotzen.

„Wie wäre es mit Kaffee?“, schob ich zur Sicherheit nach, nur um sicher zu gehen, dass sie nicht mit ihrer Aufzählung fortfuhr.

Joana schüttelte den Kopf: „Nicht gut für den Magen. Schon gar nicht ohne Grundlage.“

Ich nickte: „Verstehe ich. Wenn ich kann, nehme ich morgens auch erst einmal einen kleinen Scotch, dann schmeckt das Zeug danach nicht so nach Kaffee. Aber wenn ich arbeiten muss, geht das leider nicht.“ Ich seufzte und blickte über die Stadt. Von der Hotelterrasse aus sah LA ein wenig wie aus dem Cockpit kurz vor der Landung aus.

„Was fliegst du eigentlich?“, wollte sie wissen.

„Flugzeug“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Was war das hier? Ein Einstellungsgespräch?

Joana lachte. Ich mochte ihr Lachen. Ich mochte auch ihr Fluchen und ihre Schmerzensschreie. Sie hatte einen kleinen Verband um den Unterarm. Jemand hatte sie gebissen.

Was für ein Flugzeug? Teufel, Tammy, wie kann jemand nur morgens schon so schräg drauf sein?“ Und sie lachte wieder.

Morgens. Immerhin waren wir tageszeitkompatibel.

„Businessjets. Embraer, Citations, Hawkers, Beeches…“ Ich zählte die ganze Palette auf, ob ich sie nun fliegen durfte oder nicht um damit hoffentlich jede weitere Nachfrage obsolet zu machen. Dann fragte ich sie ob es nicht traurig sei, nicht in normale Cafés gehen zu können. Ich hatte wirklich keine Lust Kerosin zu reden. Das musste ich ständig ertragen, weil auch den anderen Piloten für gewöhnlich nichts besseres einfiel. Vermutlich weil sie zu kleine Pimmel hatten oder sowas.

Zu kleine Pimmel?

Sie sagte mir, dass das mit den Cafés schon ginge, doch dass sie dann eben die ganzen Paparazzi ertragen und blablabla… Das Gespräch ging mir auf die Nerven. Ich beschloß nicht mehr wirklich zuzuhören und überlegte, während sie von Bodyguards und Sonnenbrillen redete, ob es zu früh für einen Scotch war. Ab und zu nickte ich freundlich, offenbar an den richtigen Stellen, denn sie redete immer weiter.

Eigentlich hätte ich ja an ihren Lippen hängen müssen, doch – ganz ehrlich – wenn ich mir ihre Filme anschaute, musste ich wenigstens keinen Smalltalk ertragen.

Ich weiß auch nicht was es war: Eigentlich hätte ich ihr jedes Wort von den Lippen reißen, es küssen, daran lutschen und es mir an oder in eine angenehme Stelle drücken oder schieben müssen, so sehr war ich mein Leben lang – und immer noch – in diese Frau verliebt. Doch jetzt gerade war sie eine von den vielen Heteros, deren langweiliges Gelaber mir die Milch im Kaffee sauer werden ließen. Daher die Überlegung bezüglich des Whisys.

Immerhin betrachtete ich die meiste Zeit ihr T-Shirt, unter dem, wenn sie die grüne Kotze ansetzte, die Titten ein wenig wackelten. Der Ausblick schlug LA im Sonnenschein um Längen.

Und dann, als ich zufällig einmal für einen kurzen Moment weiter nach oben schaute, bemerkte ich, dass ihre Augen nass geworden waren. Scheiße! Was hatte ich verpasst? Ich musste mich unbedingt wieder ins Gespräch einblenden!

„Ich verstehe“, nickte ich. Verstehen war immer gut. Mit Verstehen konnte man nie etwas falsch machen.

„Es ist schön, dass du mich verstehst. Dass einem so ein ganz bestimmter Penis fehlen kann. Diese ganz bestimmte, eigene Form, die Größe und der besondere Geruch. Jeder ist anders, weißt du?“

Scheiße!

A girl just wanna have fun

Ich habe schon lange aufgehört darüber nachzudenken, ob ich anders bin.

Jeder ist anders. Punkt.

Mir fällt es nur hin und wieder auf, wenn mir Leute wie dieser Wachmann begegnen. Ob sie nun homophob sind oder lesbengeil: sie glauben, ich sei anders und damit Freiwild. Zum dumm anmachen oder Schlimmeres.

Ja, der Typ war auch anders. Nämlich krank. Im Kopf. (Jetzt hat er auch noch blaue Flecken und Rückenschmerzen, danke Maze.)

Prinzipiell habe ich ja nichts dagegen, wenn die Leute sich wegen mir einen runterholen. Die meisten Frauen ekelt das an, habe ich mir sagen lassen. Mich nicht. Meistens ist mir das egal, manchmal finde ich es irgendwie cool. Kommt drauf an.

Was ich nicht ausstehen kann ist, wenn Leute glauben etwas besseres zu sein, nur weil sie darauf stehen Schwänze und Fotzen zu konnektieren. Als ob das eine Leistung wäre.

Wenn ich das gut finden würde, könnte ich das auch und ich wette ich hätte nicht weniger Typen im Schlepp als vergleichbare andere Weiber. Wenn nicht noch mehr.

Und beim Sex? Mmh…? Die Weiber jedenfalls stehen auf mich, falls sie nicht alle lügen.

Dass ich aufgehört habe über dieses bescheuerte angebliche Anderssein nachzudenken, heißt nicht, dass ich mir jede Unverschämtheit gefallenlasse. Wozu habe ich meinen persönlichen Dämon?

Ich habe Mazikeen gebeten, mir solche Idioten vom Hals zu halten. Schwänze oder Fotzen – egal.

Ich weiß, Gewalt ist keine Lösung, heißt es. Wer sagt, dass ich nach Lösungen suche?

A girl just wanna have fun.

Jeder ist anders. Punkt.