Poolgedanken

Falls jemand wissen möchte, was aus Zoe geworden ist: Sie ist ein Opfer von Covid-19 geworden.

Nein, nicht sooo. Sie ist schlicht verschwunden, doch ich mache mir keine Illusionen: Egal wo sie sich gerade herumtreibt – sie schmiedet Pläne für ihre Rückkehr. Und ich möchte nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn sie hier wieder auf der Matte steht!

Zwischenzeitlich mache ich das Beste daraus, genieße meine neue Freiheit und erfreue mich an der Tatsache, dass es derzeit keinen einzigen Ort auf der Welt gibt, an den sie sich zurückgezogen haben könnte: Die Viren sind überall und haben Zoe das Betätigungsfeld entzogen. Sie hat ihre Daseinsgrundlage verloren.

Wobei natürlich ihr Verschwinden ein Grund weniger für mich ist, mich erneut auf ein Boot zurückzuziehen. (Was mich jedoch ganz sicher nicht daran hindern wird.)

Bis dahin werde ich Miranda noch ein wenig im Vorweihnachtsgeschäft aushelfen. Eigentlich dachte ich ja, um diese Jahreszeit wäre kaum etwas zu tun, doch da habe ich mich wohl gewaltig vertan: die Menschen gehen immer weniger zum Arzt, weil sie Angst haben, sich dort den Virus einzufangen. (Eine Angst, die gar nicht so unberechtigt ist, wie mir ein Arzt heute versichert hat.) Umso mehr sind sie aber auf billige Medikamente angewiesen, die sie unkompliziert bekommen können, d. h. in der Regel, dass sie ihnen von privaten oder staatlichen Initiativen an die Haustür gebracht werden.

Da kommt dann unsere Dash ins Spiel. Nachdem die Banken uns nun auch noch einen Deal für einen 737-Frachter haben platzen lassen, fliegt unsere arme Bombardier Überstunden, wofür Miranda nach wie vor die Piloten fehlen. Es ist eine ganz schöne Plage, Berge von Medikamenten in Kartons auf Sitzen festgebunden zu transportieren, statt sie auf Paletten in den Bauch eines Frachters zu verladen. *seufz (Gar nicht davon zu reden, wie schwierig und langwierig Zollkontrollen werden.)

Wie auch immer…

Die Moody habe ich mir immer noch nicht angeschaut. Sie liegt brav vertäut in ihrer Marina und Mazikeen geht mir damit auf die Nerven, dass sie dort nicht ewig bleiben wird. Jaja…

Ich weiß nach wie vor nicht, ob es Kanada oder Europa werden wird. Einerseits – ach was, nicht schon wieder! Ich sollte mir darüber erst einmal im Stillen klarwerden. Es ist ja nicht so, dass uns jemand in absehbarer Zeit aus Palm Springs vertreiben würde und die Rotmützen sind auch etwas leiser geworden: Sie scheinen in einer Art Post-Election-Blues zu stecken. Mir ist das mehr als recht. Aber ich mache mir auch keine Illusionen: Jede depressive Phase findet irgendwann ein Ende, selbst wenn es nur vorübergehend ist. Spätestens zum Treffen der Wahlmänner werden sich die Trumpers wieder lautstark Gehör verschaffen und dann erneut beim Auszug ihres Idols aus dem Weißen Haus. Er wird schon dafür sorgen.

Bis jetzt jedenfalls, ist es auf den kalifornischen Straßen ruhiger als erwartet geblieben. Derzeit könnte man fast in einer nächtlichen, schwach beleuchteten Seitengasse von LA ficken, ohne Wachen aufstellen zu müssen. Völlig nackt kann man das, aufgrund der Temperaturen, jedoch nur tagsüber und auch nur hier in Palm Springs. Nachts wird es in der kalifornischen Wüste schon weihnachtlich kühler, wobei das Quecksilber heute Mittag schon wieder fast an der 30er Marke gekratzt hat. Für nackt am Pool zu liegen hat es immerhin gereicht.

Wobei ich mich inzwischen schon ins Haus zurückgezogen habe. Am Abend ist Schluss mit lustig. Da funktioniert Nacktsein nur noch beim schweißtreibenden Joggen. Aber obwohl ich durchaus nichts gegen fliegende Titten habe: nicht bei bewegungsintensiven Sportarten.

Ich bin die geborene Mutter

Jetzt bin ich also mit einer Sechsjährigen allein!

Die Leute haben ja keine Vorstellung, was das bedeutet! Die wollen malen, Kaufladen spielen, vorgelesen bekommen, sich verstecken, gemeinsam mit Puppen oder Rennautos spielen – lauter so ein Scheiß eben!

Mit mir nicht!

Ich werfe sie in den Pool, da kann sie eine Weile drin herumplanschen (aber bitte nicht so laut) und darf sich danach auf die Liege neben mich legen irgendwelche Videospiele auf so einem komischen Piepsding spielen und einen alkoholfreien Cocktail süffeln. Ich würde ihr ja einen echten geben, doch das hat mir Gabby verboten. Ich meine ja nur: Mit genügend Hochprozentigem in ihrem Blut würde es mir besser gehen!

Vor allem darf sie eines nicht: mich stören. Ich habe am Wochenende mindestens drei Weiber vor mir. Darauf muss ich mich in Ruhe geistig vorbereiten. Da passt mir so eine kleine Göre überhaupt nicht ins Programm!

Vorhin habe ich ihr Frühstück gemacht. Irgendeinen Obstscheiß (wegen der Vitamine), glutenfreie Brötchen (ich darf ja keine richtigen, seufz) mit viel Peanut Butter drauf, damit sie den anderen Scheiß isst. Als sie mich fragte, was Peanut Butter ist, wurde ich nachdenklich: „Iss!“, sagte ich und dann fiel mir ein, dass Gabby mir eine elend lange Liste gegeben hat, was die Kleine nicht essen soll.

Mmh? Eva kennt keine Peanut Butter? Ich dachte, hier wären die Vereinigten Staaten? Ach was! Peanut Butter ist gesund! Jedes Kind kennt Peanut Butter. Und liebt es. Eva scheinbar auch, denn sie beginnt die braune Pampe aus dem Glas zu löffeln. Sie kennt keine Peanut Butter… Ist ja lächerlich! Bei mir wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Und die Scheiß-Liste liegt sowieso im Mülleimer; ich bin doch kein Sternekoch!

Heute Mittag bestelle ich beim Chinesen und mache ihr zum Nachtisch ein paar Brötchen mit Fluff Marshmallow Creme Caramel – in Amerika gibt es die geilsten Sachen als Brotaufstrich – und heute Abend essen wir Pizza vom Italiener. Vegetarisch natürlich. Aber mit viel Käse. Und einen gesunden Salat. Und wenn sie mich dann fragt, was Pizza ist, rufe ich ihre Mutter an und sage ihr, sie soll das kleine Biest abholen, weil sie meinen ganzen Speiseplan durcheinanderbringt.

Kakao trinkt sie sowieso den ganzen Tag, aber vielleicht schaffe ich es, sie auf Fruchtcocktails umzustellen, da verbrenne ich mir wenigstens nicht so oft die Finger. Das Obst gibt es hier kleingeschnitten in Tüten und überhaupt ist Obst gesund.

Und wenn sie mich zu sehr nervt, kaufe ich eine PS-irgendwas oder eine XY-Box mit Micky Mouse Spielen, drücke ihr so ein Steuerteil in die Hand, verdunkle das Zimmer, schließe die Tür ab, setze mich an den Pool und stelle mir meine Chefin nackt vor, damit ich Eva nicht störe. Das macht Kinder glücklich.

Und mich auch.

Mein hübscher Arsch

Joana ist weg.

Das Haus ist scheiße-leer. Warum fühle ich mich denn auf einmal so einsam? Ich kann doch jetzt endlich in Ruhe masturbieren?

In meinem eigenen Apartment würde ich mich nicht so einsam fühlen. Ist schon seltsam.

Apropos Apartment: Ich habe noch elf Tage um meiner Mieterin zu kündigen. Dann könnte ich zum 1. November wieder einziehen. Aber jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich das will.

Der Sommer hier auf Catalina ist phantastisch, soviel steht mal fest. Aber wenn es Winter wird? Joana sagt, dann wäre es hier nicht so toll. Andererseits – in einem Strandapartment in LA ist der Winter auch kein Knaller. Andererseits gibt es in dem Gebäude, in dem mein Apartment ist, einen Inhouse-Pool für die Mieter und Eigentümer. Das ist eine Überlegung wert, denn hier gibt es nur den im Garten. Man hat zwar einen tollen Blick aufs Meer, doch das Wasser ist leider nicht geheizt. Und auf einen Rekordwinter mit Temperaturen bis 30 Grad zu hoffen, ist wohl eher illusorisch.

Joana sagt, sie darf nicht umbauen, denn das Haus gehört ihr nicht; in Two Harbors könne man nichts wirklich besitzen. Komische Sache. Mir kann’s egal sein.

Auf jeden Fall schlägt sie vor, meiner Mieterin zu kündigen und in LA zu leben (näher zu ihr) und die Sommer in dem Haus hier auf der Insel zu verbringen. Ich werd’s mir überlegen. Aber ich werde ohnehin nie lange irgendwo bleiben, denn ich nehme mal an, dass ich meinen hübschen Arsch mehr auf einem Pilotensitz als auf einer Coch platziere. Falls meine Krankheit mich lässt.

Thema Krankheit. Momentan noch alles im Griff. Ich musste zwar wieder eine Tablette drauflegen, doch noch geht’s. Keine Nebenwirkungen: Flugtauglich. Eine Tablette mehr ist für mich wie für normale Menschen ein Hustenbonbon mehr zu lutschen.

Also ab nach Orcas. Ich habe mir etwas Besonderes ausgedacht: Ich nehme ein Touristenpaar mit und lasse mir von ihnen die Miete und den Sprit für eine 172 (gähn) bezahlen. Rückflug für die beiden dann kostenlos in meiner Piper. Win/win. Es gibt tatsächlich Leute, die auf solche Gelegenheiten warten und die Aeroclubs und die kleinen Flughäfen abklappern. Das nennt man dann wohl Mitfluggelegenheit. In Santa Monica geht’s los. Also gleich mit der Fähre zurück aufs Festland.

Wie ich Transportmittel ohne Flügel oder Segel nicht leiden kann. Motorrad geht noch, doch ich merke, dass ich auch dazu immer weniger Lust habe. Aber immer noch besser als eine vierrädrige Blechkiste.

Also wohin jetzt mit meinem Arsch?

So ist Urlaub

Das Wetter in Two Habors hält sich in Grenzen, doch wenn die Sonne scheint, kann es schon heftig warm werden. Warm genug für einen lauwarmen Pool.

Es ist wirklich angenehm, sich nach einem quasi sechs Monate langen Blauwassertörn auszuruhen. Dann von Erholung kann auf hoher See kaum die Rede sein.

Ich nutze die Zeit um unnütz herumzuliegen. Joana unterstützt mich dabei in dem sie ebenfalls unnütz herumliegt.

So ist Urlaub, glaube ich.

Sonst bin ich ja mehr der aktive Typ. (Wie macht ihr das hier mit dem weiblichen Ausdruck, ihr Sprachverdreher/innen? Oder muss da jetzt auch schon wieder sowas wie ein Sternchen rein?)

Wenn ich nicht segle, jogge oder kämpfe ich (Martial Arts), prügele mich ein wenig durch Boxtraining oder Moto Cross oder ich fliege. Was ich in Kürze wieder tun werde, weil Mazikeen angerufen und mir mitgeteilt hat, dass ich einen meiner beiden Flieger jetzt auf Orcas Island abholen kann. Soooooo happy, zumal es mir gesundheitlich gerade ziemlich gut geht!

Ich werde Joana fragen, ob sie nicht mitkommen möchte. Die Chancen stehen schlecht, sie hält einmotorige Flugzeuge für kompletten Irrsinn. Womit sie vermutlich Recht hat, denn die Unfallrate ist deutlich höher als bei Motorrädern, was ja eigentlich kaum möglich ist. Und man kann es meistens nicht mal auf den Unfallgegner schieben. Es ist entweder Unvermögen oder Motorschaden. Meistens kommt beides zusammen. Sei’s drum: es macht irrsinnig viel Spaß!

Und was ich mit Entsetzen feststellen muss: Sex spielt gerade nur die zweite Geige. Der warmes Wasser, Liegestühle und das Gras am Pool sind im Moment viel wichtiger. Und der gelegentliche Cocktail. (Ich habe mich aber auf ein bis zwei beschränkt. Wobei Joana meint, das wären für eine Stunde eindeutig zuviel).

Catalina Ferien

Joanas Ferienhaus auf Catalina Island war tatsächlich nicht ansatzweise so groß wie ihre Villa in Bel Air. Wenn man den großen Park dahinter außer Acht ließ, war es schon fast ein ganz normales Haus. Ich war überrascht.

„Bleiben wir ein paar Tage?“, fragte sie.

Eine verdammt gute Idee! Mazikeen war nach Orcas geflogen und Eva und Gabby waren auf dem Weg nach New York. Irgendwie fühlte ich mich einsam.

Ich kochte uns Spaghetti mit Soße. Beides hatte ich in der Speisekammer gefunden. Das Haus war picobello sauber und Kühlschrank und Gefriertruhe waren gefüllt. Ich erfuhr, dass ein Rentnerehepaar aus der Nachbarschaft sich um Haus und Garten kümmerte, wenn es leer stand.

Ich könnte mich jetzt wirklich ein paar Tage an den Pool legen und abends mit Joana Filme schauen. Mit Cocktails und Snacks auf Teppichen und Sofas herumlümmeln. Warum nicht?

Das Wetter genießen und den Boden unter meinen Füßen, der ausnahmsweise mal nicht hin und her schwankte.

Jedes Mal, wenn ein kleines Flugzeug zur Landung auf dem kleinen Flughafen ansetzte oder ein anderes startete, dachte ich daran, dass ich hoffentlich bald selbst wieder in einem Cockpit sitzen würde. Es schien mir, als wäre das schon Jahrhunderte her!

„Klar, bleiben wir! Das wird genial!“, freute ich mich.

Und dachte an mein Telefonat mit meiner Schwester, die blöde Kuh! Von wegen frei bis Oktober! War ja irgendwie klar: Wenn sie jemanden einspannen konnte, dann tat sie das auch! Die paar Tage, die ich jetzt allein mit Joana auf Catalina verbringen würde, waren auch genau das: ein paar Tage!

Mit der Fähre auf die Insel