Wie sich die Zeiten ändern

… und mit ihnen augenscheinlich die Umstände.


Wir verkaufen das große Haus in Palm Springs. Das Experiment mit den viereinhalb Weibern unter einem Dach hat nicht besonders gut funktioniert, bzw. nicht sehr lange.
Joana wohnt wieder in Bel Air, Gabby hat geheiratet (Einen Typ!!!) und lebt mit Eva wieder in New York, während Mazikeen mir explizit erklärt hat, zurück in ihr Haus auf Orcas Island zu ziehen. (Schon verständlich: Als Wasserratte kann man sich in der Wüste nicht wohlfühlen.)
Als ich vorgestern die Q400 in unserer Firma abgeholt habe, war ich das erste Mal seit Wochen wieder in dem verlassenen Haus. So etwas ist deprimierend. Nicht, wie sich alles entwickelt hat – das war vorauszusehen und die ganze Sache stellte ohnehin eher ein großes Experiment dar – nein, die verstaubten Räume und unsere Geister, die darin herumschweben produzieren Gänsehaut.


Ich habe den Airliner leer nach Burbank geflogen, bin in ein Taxi und habe meiner Mieterin in LA einen Freundschaftsbesuch abgestattet. Sie hat sich sehr gefreut, was ich erstaunlich finde, wenn eine Vermieterin einen Besuch abstattet. Sie hat mir die Wohnung gezeigt, die wirklich toll aussieht. Über sie kann ich mich ganz und gar nicht beklagen. Nach zwei Milchkaffee in der kleinen Bar des Komplexes, bin ich schließlich weiter Richtung Bel Air.


Joana hat mich fast aufgefressen vor Freude. Wir konnten überhaupt nicht aufhören, uns zu betatschen (vor allem ich sie). Vor allem konnten wir überhaupt nicht aufhören, zu quatschen, was ebenfalls überraschend war, berücksichtigt man, dass wir fast jeden Tag zoomen.
Die Nacht war phantastisch! Wir hatten so viel Sex wie seit langem nicht mehr, und das, obwohl wir dieser Sache eigentlich abgeschworen hatten, nachdem sie mir verkündet hatte, dass sie wieder einen (einigermaßen) regelmäßigen Stecher besaß. (Ja: besaß. Bei Joana geht alles um besitzen. Da zeigt sich nicht nur die Diva, sondern auch die verlassene Frau.) Wir versuchten vor geraumer Zeit, die Benefiz zu streichen und lediglich beste Freundinnen zu bleiben. Hat ja toll funktioniert. Aber wer weiß, wie oft wir uns in Zukunft sehen werden, vor dem Hintergrund, dass Mazikeen mir vor einigen Tagen jetzt „ganz offiziell“ mitgeteilt hatte, dass sie zurück in ihr Haus nach Orcas Island gehen würde, „ob du mir nun endlich fucking sagst, dass du definitiv mitkommst oder nicht“? Was bleibt einer armen Sterblichen schon anderes übrig, als zu nicken, wenn ihr Dämon explizit wird? Dann haben meine Tiere auch wieder ein brauchbares Zuhause und ich muss keine Angst mehr haben, dass Nala von Schlangen gebissen oder Skorpionen gestochen wird. Und dem Kater hängen hoffentlich keine Beine von handtellergroßen Spinnen mehr aus dem Hals.
(Ich darf nur nicht vergessen, meine gesamten Sozial-Media-Profile zu ändern, bevor ich wieder von irgendeiner dieser Arschlochfirmen rausgeworfen werde.)


Das Haus in Palm Springs zu behalten, macht keinen Sinn mehr. Es kostet ein Vermögen und ich kann Hitze kombiniert mit Sand sowieso nicht leiden. Also werde ich mir dort ein kleines Apartment suchen, damit ich für meine Arbeit nicht jedes Mal in ein Hotel ziehen muss. Das kann ich noch viel weniger leiden.
Apropos Arbeit: Ich bin ab 01.12. offiziell wieder 737-Pilotin. Chefpilotin unserer kleinen Airline bin ich ja von Anfang an gewesen, doch nun, da wir stolze Besitzer/Mieter von zwei 737-BCF-Frachtern (einer ab 3. Dezember, einer ab März kommenden Jahres) sowie einer 738 – seit vorgestern – sind, darf ich mich LCC (line check captain) für die 737 NG nennen. Coole Sache. Vor allem gibt es mehr Geld. Jedenfalls bis zum nächsten Virus. Dann darf ich betteln gehen – oder anschaffen, solange meine Optik das noch zulässt. (Bei der Gelegenheit: Hatte ich eigentlich erwähnt, wie geil es ist, seiner Chefin auf dem Notebook beim Masturbieren auf dem Klo zuzuschauen, während man es sich selbst macht? Nein? Ist ein anderes Thema.)
Bessere Bezahlung im Job ist für mich inzwischen wieder wichtig geworden, weil die finanziellen Abkommen mit Gabby und Joana leider nicht mehr existieren und Mazikeen zwar nicht arm ist, doch trotzdem nicht in der Lage wäre, mir jedes Mal wenn sie Sex will, solche Summen auf den Nachttisch zu legen. Alles Schöne im Leben ist vergänglich … *seufz


Mein erster Flug mit einer unserer Dash 8 hatte übrigens gleich abenteuerlich begonnen. Auf dem Leerflug von Palm Springs gab es beim Landeanflug auf Burbank ein gelbes „Master Warning“, das auf einen Fehler in der Pressurization hinwies. Was seltsam ist, weil die Pressurization während dieser Flugphase ja (fast) nicht arbeitet. Am Boden konnten wir nichts finden – also zurück in unsere Werkstatt nach Palm Springs zur Fehlersuche. Es stellte sich heraus, dass der Computer im Bleed-Air-Sytem einen nicht existierenden Fehler anzeigte. Am Ende konnten wir die hochkarätigen Fluggäste dann doch noch von Hollywood nach Denver transportieren. Alle Aufregung umsonst. Andererseits mache ich mir wegen so etwas auch nicht gleich ins Höschen. Dafür kenne ich den Job schon zu lange (und habe schon viel zu viel erlebt).


So, jetzt wird es aber Zeit an einer anderen Sache zu schreiben: An meinem neuen Buch, welches so gerne komplett fertig werden möchte.

Mit Boobs und Popcorn

In jüngster Zeit ist verdammt viel passiert, und damit meine ich diesmal nicht auf der Welt. Okay, da auch. Jede Menge Katastrophen und dann dieser Irrsinn in Afghanistan. Und von den ganzen Querdenker-Idioten will ich gar nicht erst anfangen. Nein, ich meine ganz persönlich.
Joana ist nicht mehr mein Lover, sondern wieder (nur noch?) beste Freundin, diesmal mit Benefiz. Wobei ich mich mit Letzterem etwas schwertue, denke ich darüber nach, wer sich sonst noch in ihrer Möse herumtreibt. Von Gabby ist tatsächlich inzwischen nur noch Eva übriggeblieben. Ihre kleine Tochter – Sieben ist sie inzwischen geworden – habe ich allerdings auch schon eine Weile nicht mehr gesehen. Seitdem diese dämliche „Welt“reise begonnen hat, die mich irgendwie auch schon ankotzt, unter anderem auch, weil ich meine kleine Freundin Kakaofresse nur noch über Zoom sehen kann. Irgendwie auch kein Zustand.
In unser aller Haus in Palm Springs wohnen tatsächlich inzwischen nur noch Joana und ich. Eva wohnt natürlich inzwischen bei ihrer Mutter in NYC. Und Joana und ich – das ist natürlich auch eher ein Witz, denn genaugenommen steht das Haus seit Monaten leer. Ich bin auf der Reise – und mit mir mein Dämon – und Joana logiert seitdem in ihrer Villa in Bel Air. Die meiste Zeit mit ihrem neuen Stecher, wie ich höre. Die Zeit in Palm Springs hat sich erledigt. Mazikeen, mein Dämon, möchte, dass wir zusammen in ihr Haus auf Orcas Island ziehen, wobei ich mich noch nicht entschieden haben. Das hängt von so vielen Umständen, die sich im Moment gerade entwickeln. Was mich am meisten an Mazikeens Anwesen stört, ist, dass man den ganzen Sommer, wegen der ständigen Waldbrände in British Columbia und mittlerweile ja auch in Washington, das Haus nur noch mit Gasmaske verlassen kann, falls man nicht mit Lungenkrebs enden will. Es ist natürlich eine tolle Gegend fürs Segeln, oder überhaupt als Ausgangspunkt für Bootreisen, bedenkt man, dass wir einen ganz privaten Anleger hätten. Was auch Eva gefallen würden. Gabby hätte kein Problem damit, dass die Kleine viel Zeit bei mir/uns verbringen würde. Aber das Privatleben ist natürlich nicht alles.

Ich schreibe das hier in einer kleinen Bar in Barcelona, Venezuela, unweit vom Genrose A. Anzoategu Airport. Wenn ich die Schreibweise richtig in Erinnerung habe. Ich trinke schrecklich starken Espresso, und das entgegen jeglichem ärztlichen Rat. Aber das Gebräu hilft mir beim Denken. Das wäre bei mir ja nötig, sagen meine Kritiker. Ich drücke ihnen die Daumen, dass es hilft …
Mit meiner Chefin bin ich mittlerweile ernsthaft auf Sie-Oder-Ich-Basis, während Anik, meine Schwester und Hauptanteilseignerin, zu vermitteln versucht. Unsere kleine Airline ist mittlerweile ganz ordentlich gewachsen. Der Frachtbereich boomt, nicht nur auf Grund Aniks genialem Konzept der Kombination mit der Medikamentencharity und ihren guten Kontakten nach Kanada. Mittlerweile werden unsere Flugzeuge größer und meine Chefin – Miranda – hat es irgendwie geschafft, die Medikamentenverteilung mit normalem Aircargo zu kombinieren. Dank Covid-19 und den vielen Onlinekäufen ist Cargo ja inzwischen zum Riesengeschäft geworden. Aber was ich noch viel bemerkenswerter finde, ist, dass Anik und Miranda es geschafft haben, dass sie das Hauptgeschäft unserer pleite gegangen Business-Charter-Airline wieder aufleben lassen konnten! Tatsächlich konnten wir einige kleine Privatjets aufkaufen – hauptsächlich Phenom 300 und verschiedene Citation – und fliegen wieder Hollywood-Promis durch die Gegend. Wobei Joana daran natürlich auch keinen kleinen Anteil hat. Frei nach dem Motto: Hast du einen Promi, hast du alle.

Für alle Leser, die neu auf meinem Blog sind: Warum schreibe ich „unsere“ Airline? Nun, ich bin zwar nicht der größte Anteilseigner, doch auch nicht der kleinste. Und insofern, habe ich durchaus Mitsprachemöglichkeiten, obwohl mir mein Gesellschaftervertrag das ausdrücklich abspricht. Aber was kann eine Firma schon machen, wenn einer der Besitzer droht sein Kapital zurückzuziehen?
Im Endeffekt kann ich also sehr wohl mitreden, was eigentlich eine ganz nette Situation ist. Was Miranda und mich allerdings auch in diese Sie-Oder-Ich-Situation bringt.

Der Hintergrund: Ihr gefällt nicht, dass ich widerspreche und nicht mache, was sie sagt, mir gefällt nicht, dass sie überhaupt den Mund aufmacht. Vor allem, wenn sie bei Dingen mitreden will, von denen sie keine Ahnung hat. Zum Beispiel beim Thema „Fliegen“ und „Flugzeuge“. Sie mag eine tolle Betriebswirtschaftlerin und Managerin sein, doch von Aviation hat sie nicht die Spur einer Ahnung. Muss sie auch nicht, dafür hat sie ja Leute, die ihr sagen, wie diese ganze Luftfahrtsache funktioniert. Zum Beispiel mich.

Eskaliert ist das alles, als sie angefangen hat, mir vorschreiben zu wollen, mit welchen Flugzeuge ich diese „Welt“reise machen soll. Und ehrlich: Es ist mir scheißegal, welche kleinen Teufel ihr diesen ganzen Unsinn ständig in die Ohren stopfen – mit was ich fliege, ist immer noch meine Sache! Aber natürlich kommen dann ihre betriebswirtschaftlichen und marketingtechnischen Überlegungen – und nochmal ehrlich: Fick dich, Miranda, ich fliege trotzdem, was ich will. Meistens jedenfalls. Wenn ich mich breitschlagen lasse – das ist, was ein paar Mal passiert ist – wird die Sache nach kürzester Zeit unangenehm. Also fliege ich seit einigen Wochen mit meiner einmotorigen Comanche, was Miranda zum Wahnsinn treibt. Natürlich weiß ich auch warum: Wenn ich potentielle Kunden mitnehme, sitzen sie in einem sechzig Jahre alten Flieger ohne jeglichen Komfort und bangen – unnötigerweise – um ihr Leben. Miranda will, dass ich in einem ultramodernen fliegenden Computer sitze, der den Komfort eines BMW X 150 oder wie die Dinger heißen, bietet. Da scheiden sich dann unsere Meinungen. Wenn es um General Aviation geht, können bei mir die Flieger gar nicht alt genug sein. Ich habe viel zu lange 737NG und auch 777 geflogen, um Bordcomputer toll finden zu können. Und wenn ich um die Welt fliegen soll, dann will ich das Gefühl haben, wirklich zu fliegen und nicht einem Computer zuzuschauen, wie das in den großen Airlinern der Fall war.

Aber da kommen wir jetzt zum eigentlichen Thema, nämlich die Anschaffung eines ersten 737-Frachters, wie es Miranda schon seit geraumer Zeit im Kopf herumgegeistert ist. Und Anik natürlich auch. Beide träumen nämlich seit geraumer Zeit von einem richtigen Hub-System, um die Verteilung von Medikamenten effektiver und vor allem kostengünstiger zu machen. Bislang wurden eine, später zwei Kurzstreckenmaschinen vom Typ Dash8 Q400 eingesetzt, um Spenden in Kanada einzusammeln und zum Verteiler in Palm Springs zu bringen. Alte Passagiermaschinen, wohlgemerkt, was für diesen Zweck zwar möglich war – Medikamente wiegen nicht viel und in unseren Mengen nehmen sie auch nicht viel Platz weg – doch dadurch, dass wir keine zusätzliche Fracht mitnehmen konnten, war das auf Dauer nicht gerade wirtschaftlich, vor allem, seitdem ich mich weigerte, weiterhin die Einstellung, Schulung und Kontrolle neuer Piloten zu übernehmen. Dafür musste ein neuer Captain eingestellt werden und Line Check Captains sind teuer. Sehr teuer. Und wie ich hörte, hat Miranda den Aktuellen gerade gefeuert. Warum, weiß ich nicht, doch ich vermute, dass es ihr hinterher, nach einem Blick auf seine Honorarabrechnungen, gar nicht so unrecht gewesen war. Leider steht sie jetzt ohne da, was den mittelfristigen Betrieb der beiden Q400 und der kurzfristig angepeilten zwei 737BCF ernsthaft gefährdet.
Und natürlich komme ich ihr sofort wieder in den Kopf. Zumal ich mich ohnehin weigere, eines ihrer hypermodernen Verteilerflugzeuge zu fliegen, und sie stattdessen Angst haben muss, dass die geplante Marketing“welt“reise dadurch zu einem werbetechnischen Disaster wird.
Nun hat sie mich einmal zu etwas „überredet“, weil sie mir in einem schwachen Moment ihre Finger in die Möse gesteckt hat – ein zweites Mal passiert das nicht. (Weder das Überreden, noch das Ficken.) Aber mit mir hätte sie, nach dem einen oder anderen Auffrischungskurs, einen Check Airman sowohl für die Dash als auch für die 737.

Merkt man mir eigentlich meinen derzeitigen Frustrationszustand an?

Ja, ich ärgere mich tatsächlich gewaltig, dass ich meine kleine, (fast) heile Bootswelt verlassen habe, um in die Luft zurückzukehren. Und dass ich so viel Geld in diese elende Airline investiert habe. Das mit der Fliegerei hat nämlich einen gewaltigen Nachteil: Man muss zu viel Zeit auf dem Boden und zwischen Menschen verbringen. Auf einer Yacht kann man nämlich so tun, als ginge einem der ganze Scheiß, den die Arschlöcher um einen herum verzapfen nichts an. An Land ist das eindeutig schwieriger. Vor allem, wenn politisch gesehen, um einen herum alles vor die Hunde geht. Leute wie Trump, Johnson und Gauland tauchen auf, verbreiten Hass und Rassismus auf der Welt, während Feminismus-Terroristinnen kreischend außer Rand und Band geraten. Und dann dieser Virus … Und dieser Klimawandel … Ich bin zur falschen Zeit an Land gekommen. Mazikeen meint dazu, ich wäre doch nun in meinem Leben wirklich genug geflogen und es wäre Zeit erwachsen zu werden, zurück aufs Wasser zu gehen und sich nicht mehr mit dem Scheiß, den Andere verzapfen, abzugeben. Sie hat leicht reden, sie ist ein Höllenwesen und muss sich deshalb nicht über menschengemachten Scheiß aufregen.
Im Prinzip gebe ich ihr ja durchaus recht: Wenn die Dumpfbacken dieser Welt nicht kapieren, dass Rassismus keine Lösung, sondern die Ursache des Problems ist, wenn Feministinnen nicht verstehen, dass Gendern Sexismus ist, wenn die Menschheit kein Interesse hat, sich vor der Klimakatastrophe zu retten und Virusleugner und Impfgegner sich selbst und Andere töten – alles nicht mein Problem. Ich kann mich jederzeit mit meinen Lieben auf ein Boot zurückziehen und aus der Ferne, mit einer Tüte Popcorn in der einen Hand und einer Titte in der anderen, zuschauen. Und es zwingt mich ja auch keiner, die Gendersprache zu benutzen.
Warum das alles nicht mein Problem ist? Weil ich nicht lange genug lebe, um die wirklich ernsten Konsequenzen mittragen zu müssen. Und weil ich weit weg sein werde, wenn sich die Katastrophen nähern. „Gesunder Egoismus“, nennt Mazikeen das. Und was geht mich das an, wenn künftige Generationen unsere Rücksichtslosigkeit ertragen müssen? Niemand zwingt die Menschen, Nachwuchs in diese sterbende Welt zu setzen. Ich tue es nicht, Andere tun es nicht und wenn Leute Kinder bekommen, müssen sie schließlich wissen, dass sie Nachwuchs nur aus Egoismus produzieren. Weil Babys so süß sind und sie glauben, dass zwei Menschen mit Hund und Katze keine Familie sind. Ihr Pech. Ich weiß schon, warum ich Eltern nicht leiden kann. Und ich habe mir fest vorgenommen, keine mehr zu ficken. Dass auf den Ozeanen ein paar mehr Stürme blasen als früher, macht die ganze Sache nur spannender. Und was sollte ich gegen wärmeres Wasser haben. Was die Verschmutzung angeht: Der ganze Plastikmüll landet in größeren Mengen sowieso hauptsächlich an den Stränden und baden kann ich auch vom Boot aus.

Ich habe meine Tage. Merkt man das?

Für was Dämonen Vibratoren brauchen

Das ist eines der Dinge, die einem kirre machen können: Dauersommer. Oder besser: Dauerofen. So wie hier in Palm Springs.

Ich will mich ja wirklich nicht über den Sommer beklagen, doch hier geht es dann doch ein wenig zu weit! Es ist so heiß, dass selbst das Motorradfahren nur noch eine Tortur ist – selbst in Jeans und T-Shirt!
Und nein, ich habe mir meinen Wohnort nicht wirklich selbst ausgesucht: Anik war der Meinung, sie müsse unsere Firma hier ansiedeln. Was blieb mir übrig? Jeden Morgen und Abend eine Stunde von Burbank/Hollywood aus über die Wüste zu fliegen, war schließlich auch keine Lösung. Und vor allem viel zu teuer.

Ich darf mich natürlich nur leise beklagen, schließlich ist Joana nur wegen mir auch in diesen Brutofen gezogen, und das, obwohl sie eine phantastische Villa in Bel Air besitzt. Und Gabby kam sogar aus New York (wobei die wirklich selbst daran schuld ist, eingeladen habe ich sie nämlich nicht).

Langer Rede kurzer Sinn: Wie sehne ich mich nach Winter und nach den Bergen von Norwegen. (Und nach dem Meer, aber das ist ein anderes Thema.) Aber gut, ich will ja nicht meckern: Über den Wolken ist es auch ganz nett. Zumindest ist es nicht so heiß wie am Boden.

Und da ich gerade von „über den Wolken“ spreche: Morgen früh geht es tatsächlich los. Zuerst natürlich mit dem Langweilerflug nach Burbank. Eine Stunde nur Wüste unter uns. Ob wir direkt weiterfliegen, ist noch nicht ganz raus, doch ich bezweifle es. Joana ist übrigens bei diesem einen Flug noch dabei, denn sie übernachtet zwei Tage in Bel Air. Sollten wir nicht gleich weiterfliegen, bleibe ich dann natürlich noch eine Nacht bei ihr.

Ich muss zugeben, ich bin schon ein wenig nervös; es ist schon ein kleines Abenteuer, was uns da bevorsteht. Nicht etwa wegen der Flüge in den Staaten und in Europa, sondern hauptsächlich, weil wir es mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun haben werden, und an Orte kommen, von denen wir zuvor nie gehört hat. Das gleiche gilt für die einzelnen Staaten hier: Nach einigen davon hat es mich noch nie verschlagen, das ist schon irgendwie spannend. Und natürlich habe ich auch Europa noch nie in dieser Ausgiebigkeit kennenlernen können. Was das Ganze aber noch aufregender macht, ist die kleine Chance, dass es uns vielleicht doch noch nach Asien und in den Pazifikraum verschlagen könnte.
Was übrigens alles nicht heißt, dass wir non-stop unterwegs sein werden. Es wird Pausen geben, ganz klar. Aber soweit sind wir noch nicht – es hat ja noch nicht einmal begonnen!

Mazikeen wird übrigens meine Mieterin in Los Angeles treffen und im Apartment nach dem rechten sehen, der Termin war schon länger vereinbart. (Schon geil, wenn man eine eigene Dämonin hat, die einem die nervigen Dinge des Alltags abnimmt!) Ist es doch eine der lästigen Pflichten eines Vermieters, seine Wohnung im Auge zu behalten. Aber ich schätze, den Mietern gefällt das mindestens genauso wenig wie mir …

Aber ich bin abgeschweift. Von was eigentlich? Ich fürchte, dieser Eintrag hat irgendwie gar kein wirkliches Thema und noch nicht mal einen roten Faden. Aber müssen Tagebucheinträge so etwas wirklich haben? Ich kann doch auch einfach aufschreiben, was mir durch den Kopf geht, oder etwa nicht?
Zum Beispiel, dass mir der gestrige Abend mit Zoe fast den Rest gegeben hat. Es war wirklich übel – kaum-zu-beschreiben-übel. Ich bin gespannt, wie sie das alles machen wird, wenn ich unterwegs bin. Aber ich fürchte, sie wird auch dann Wege finden, um mich zu quälen. Andererseits – übler als gestern kann es wohl kaum werden.
Es gibt mir jedoch immer wieder zu denken, dass diese Dinge ihr auch noch Spaß zu machen scheinen … Allerdings weiß ich, dass das nur so ausschaut.

Wer verstehen will, was ich meine, der sollte sehr aufmerksam „J. – Forever“ lesen. Falls es jemanden interessiert und er sich in menschliche Abgründe stürzen will.

Bei der Gelegenheit: Ein neues Buch in dieser Art ist in Arbeit, ich hoffe, der Gedanke gefällt denjenigen, die sich „J. – Forever“ zugelegt haben …
Zuerst werde ich aber wohl doch noch die deutsche Übersetzung von „She Doesn’t Do Girlfriend“ fertig bekommen. Ich muss mich eben ein wenig zusammenreißen, damit ich täglich ein paar Absätze zu Papier bringe. Ich hasse Übersetzungen! Vor allem vom Englischen ins Deutsche … In Englisch klingt alles so viel besser und sprachliche Möglichkeiten gibt es in der Regel auch mehr. Zumindest bilde ich mir das ein. Aber ich werde es zu Ende bringen, zumal mir das Buch wirklich gut gefällt. Ich hoffe nur, während der Hotelstopps werde ich tatsächlich so viel Zeit haben, wie ich es mir vorstelle. Meistens bleiben wir ja nicht nur einen Tag und ich bin sicher, dass ich kaum mehr als eine Nacht durch die Gegend ziehen werde – zumal das in dieser Scheiß-Pandemie ja ohnehin kaum möglich ist. Wir werden sehen.

Was das Nervigste an so einer Reise mit einem kleinen Flugzeug ist: Wenn du Passagiere mitnehmen musst, bleibt für eigenes Gepäck kaum Gewicht übrig. Was für mich bleibt, ist eine zusätzliche Stoffhose, eine Bluse, ein Shirt, etwas Unterwäsche, mein Handy und mein Kopfhörer, den ich mir nicht nehmen lassen. Natürlich noch ein wenig Sexspielzeug, das Maze und ich uns teilweise teilen. Für mein Notebook bekommt Mazikeen eine Hose, ein Shirt und einen Dildo weniger.

Ich frage mich sowieso, wofür Dämonen Vibratoren brauchen.

Viel Kleidung werden wir wohl nicht dabeihaben (aber größere Titten)

Durchgeschwitzt

„Also, raus mit der Sprache: Was braucht es, damit du den Flug machst?“ Miranda schaute nicht von den Papieren auf ihrem Schreibtisch auf. Ihr Büro war stickig; sie drehte die Klimaanlage nie besonders hoch. In dem Raum, in dem sie arbeitete, mussten es deutlich über 30 Grad sein. Draußen dampfte der Asphalt.

Ja, was brauchte es, damit ich den Flug mache?

„Warum ist es bei dir immer so heiß? Eine Klimaanlage kann man reparieren, weißt du?“, fragte ich, statt einer Antwort.

„Die Klimaanlage funktioniert einwandfrei“, entgegnete meine Chefin: „Die Hitze bringt meine Gäste ein wenig aus dem Konzept.“

Genau wie dein durchgeschwitztes Shirt mit dem durchgeschwitzten BH, dachte ich. Und den steifen Nippeln.

„Und das ist weshalb hilfreich?“, wollte ich wissen.

„Ich bekomme was ich will, ohne dass es Stunden meiner Zeit kostet.“

Ja, das ist Miranda! Ich musste grinsen. Aber nur innerlich.

„Also?“, hakte sie nach.

„Sex“, grinste ich. Wenn sie es schon wissen will…

„Gibt es irgendwas, was du von mir tatsächlich bekommen kannst?“ Sie fragte es so beiläufig, als hätte ich einen bescheuerten Witz gemacht – und schaute IMMER NOCH NICHT von ihren Papieren auf. Langsam fing sie an, mir damit auf die Nerven zu gehen, schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass sie versuchte, mich mit ihren Fingern zu etwas zu überreden. Aber das schien sie vergessen zu haben. Vermutlich mit Absicht. Ich entschied mich, die Sache nicht auf den Tisch zu bringen, und bat sie stattdessen, mir erneut zu erklären, warum es unbedingt ich sein musste.

„Du bist eine Frau“, erklärte sie.

„Was du nicht sagst…“

„Du kannst sehr freundlich sein.“

Die spinnt.

„Du bist die beste Pilotin, die wir haben.“

„Ich bin der beste Pilot östlich der Rockys. Mindestens!“, korrigierte ich sie grinsend.

Sie seufzte, schüttelte leicht genervt den Kopf und kritzelte irgendwas auf einem Blatt Papier. Machte sie das eigentlich nur, um mich durcheinander zu bringen? Das wäre typisch für sie!

„Außerdem bist du Mitbesitzerin der Firma. Das wertet potentielle Kunden auf.“

Ich schüttelte den Kopf. Sowas ging mir am Arsch vorbei.

Jetzt schaute Miranda das erste Mal zu mir hoch: „Und bei dir kann ich mich wenigstens darauf verlassen, dass du nicht versuchst, die Leute mit irgendwelchen riskanten Manövern zu beeindrucken.“

„Wie kommst du denn darauf?“, frage ich erstaunt. Natürlich hatte sie Recht: Beim Fliegen ging man keine unnötigen Risiken ein. Jedenfalls nicht, wenn man Passagiere an Bord hatte.

Sie ging nicht auf meine Gegenfrage ein: „Also? Was braucht es, damit du den Flug machst?“

„Zeig mir deine Titten!“

Heiß hier

What’s up in California?

Heute haben wir endlich wieder Nacktfotos gemacht. Im Freien. Mitten in der Stadt.

Natürlich nicht so, dass es jemand gesehen hat, darin sind wir inzwischen ziemlich gut geworden. Ich kann es mir nicht leisten, dass sich meine Titten kreuz und quer durch das Internet arbeiten. Zuhause ja, heimlich in der Öffentlichkeit ja, im Nackttanz-Käfig im Club ja – aber das war es mehr oder weniger auch schon. Frau muss es ja nicht übertreiben!

Endlich mal wieder ein paar Innenstadt-Nacktfotos gemacht!

Morgen Abend ist es dann wieder so weit: Der erste Abend mit Zoe seit – ich weiß nicht, es ist lange her, doch für mich fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen. Na ja, ich sollte nicht darüber nachdenken, ich brauche meine positive Einstellung zum Leben noch für ein paar Jahrzehnte. Hoffe ich.

Apropos „brauchen“: Miranda, Anik und ich haben entschieden, dass die Weltreise abgesagt oder zumindest für einige Jahre verschoben wird. Stattdessen werden wir eine kombinierte Europa/Nordamerika-Rundreise machen und dabei unsere wichtigsten Kunden, bzw. Repräsentanten besuchen. Und zwar vermutlich mit meiner Diamond, um zu zeigen, wie sparsam und vielseitig das Flugzeug ist. (Ja, mit meiner, was bedeutet, dass ich die Reise machen werde.)

Miranda und meine Schwester bestehen darauf, dass es ein Flugzeugtyp sein muss, den wir aktuell oder in der Zukunft in unserer Flotte einsetzen wollen. Keine Rede mehr davon, dass wir mit einem Oldtimer fliegen werden, um Aufsehen und Interesse der Medien zu erzeugen. Alles wird still und leise ablaufen. Dafür werden wir die Familienangehörigen unserer Kunden einladen, damit sie auf einzelnen Etappen dabei sein können. Also werde ich Kindermädchen spielen müssen. Aber ich gebe zu, dass die Sache interessanter ist, als mit der Dash immer nur zwischen Hollywood-Burbank, Denver und Houston hin und her zu fliegen.

Eine Diamond DA62

Natürlich hängt die ganze Sache auch von der aktuellen Corona-Lage ab. Wir sind uns jedoch einig, dass wir so schnell wie möglich starten wollen, was sich für mich ziemlich gut trifft, da ich ja durch die Trennung von Gabby und den neuen Dauerfreund von Joana mehr Zeit für andere Sachen als Sex habe. Außerdem hoffe ich (SEHR!), dass sich dadurch die Zoe-Geschichte wieder bessert.

Bei uns in Kalifornien wird jetzt übrigens darüber gesprochen, eventuell im Juni wieder alles zu öffnen. Und zwar komplett. Wäre das nicht traumhaft? Aber wir wollen uns mal nicht zu früh freuen, so viel habe ich in dieser elenden Pandemie schon gelernt. Trotzdem…
Aber ich kann mich tatsächlich nicht beklagen, denn wir können wieder in Cafés sitzen. Mittlerweile sogar wieder drinnen. Und einkaufen gehen. Alles ein wenig beschränkt, doch ohne Reservierungen und das alles. Und zwar rund um die Uhr. Es fühlt sich alles schon ein wenig normaler als noch vor ein paar Wochen an.

Die Cafés sind wieder rund um die Uhr geöffnet

Wobei sich das natürlich auch ganz schnell wieder ändern kann. Aber immerhin klappt das Impfen in Kalifornien besser als in vielen anderen Staaten. Hier gibt es nicht ganz so viele Idioten. Und ab dem Fünfzehnten können auch wir uns endlich auch impfen lassen, denn dann sind alle ab 16 berechtigt. Und mit der Impfstoffversorgung läuft es auch gar nicht mal so schlecht. (Was natürlich daran liegt, dass die USA der Welt die Impfstoffe klaut, genauso wie die Briten das mit den übrigen Europäern machen.)
Also werde ich mich bald in Mazikeens Porsche setzen können und in einen Impf-Drive-In fahren. Motorräder sind dort nicht so gern gesehen (was ich übrigens als diskriminierend empfinde).

Mit dem Auto zum Impfen. Motorräder müssen leider draußen bleiben

Habe ich jetzt ernsthaft seitenweise über den Covid-Scheiß geschrieben? Eigentlich wollte ich doch nur sagen, wie geil das Wetter zur Zeit ist…

Wie auch immer…

Gibt es heute noch etwas Interessantes? Ach ja, Ken hat angerufen. Er hat jetzt das Kommando über dreißig Seeleute einer Megayacht eines Arabers. Ihm fehlen aber die Segel, sagt er. Und ich. Ich gebe zu, er fehlt mir auch. Jede anständige Lesbe hat Anspruch auf mindestens einen jederzeit greifbaren schwulen Freund, finde ich. Aber immerhin ist er auf dem Weg in die Karibik und wird uns wohl in ein paar Wochen besuchen kommen. (Vermutlich bin ich dann jedoch auf „Welt“reise. Manchmal passen die Dinge auch wirklich perfekt. Grrr…)

Die kleine Eva ist übrigens immer noch bei mir, denn Mama dreht gerade in London und das wird wohl noch ein paar Tage dauern. Gabby und ich haben uns übrigens geeinigt, dass die Kleine künftig immer bei mir sein wird, wenn ihre Rabenmutter auf längeren Drehs ist. Außerdem zusätzlich an mindestens einem Wochenende im Monat. Und ich erwäge, sie mit auf die Reise zu nehmen. Gabby hat prinzipiell nichts dagegen, solange sie ihre Tochter ebenfalls zwischendurch sehen kann.
Mit der Schule ist das kein Problem, weil Eva ihren Privatlehrer und die Privatschule ohnehin meistens nur online sieht. Corona hat in diesem Bereich einiges bewegt. Immerhin auch mal was Positives, wenn man es dann so nennen will.
Unter Kontaktarmut leidet das kleine Biest übrigens nicht, weil Eva sowohl in New York wie auch hier ein paar Freunde hat, die sie regelmäßig sehen kann. Alle aus Familien, die aufgrund der Pandemie sehr vorsichtig sind mit wem sich ihre Kinder treffen.

Einzelheiten für das alles haben Gabby und ich jedoch noch nicht besprochen, doch immerhin gibt es keine großen Meinungsverschiedenheiten, was Eva angeht. Gabby weiß genau, wie sehr das kleine Kakao-Monster an mir hängt. Was ich absolut nicht verstehen kann.

Sei’s drum.

Ich denke, jetzt habe ich mich und alle Anderen, die das hier lesen, genug gelangweilt. Aber ein Tagebuch ist nun einmal ein Tagebuch.


Schon krass

Pool. Cool.

Hier haben wir heute 27°, während in Deutschland minus 10 Grad herrschen.

Schon krass.

Nachher starten Eva und ich zu einem Rundflug über die Berge. Sie ist ein wenig motzig, weil sie nicht vorne sitzen darf, obwohl sonst niemand mitfliegt.

Gabby hat mich gewarnt, dass sie ihre Tochter nach dem Flug verhören wird, um herauszufinden, ob ich mit irgendwelchen Kunstflugaktionen angeben wollte. Als ob… Mit einer Diamond… Tsts…

Und mal ehrlich: Als ob ich sowas mit einer Sechsjährigen an Bord machen würde! Ich kann meinen Kopf gar nicht so schnell schütteln, wie ich mich über so eine Idee aufrege!

Schon krass.

Appelle-moi

Vancouver International Airport, gelegen auf der Insel Sea Island, hat als größter Flughafen von British Columbia und zweitgrößter von Kanada, trotz der aktuellen Viruslage, offenbar immer noch einigermaßen Betrieb. Vor allem im Cargo- und im privaten Bereich. Diesmal musste ich sogar einmal durchstarten und in eine Warteschleife über der Strait Of Georgia gehen.

Vancouver

Anders als ich es in den Staaten erlebe, scheinen die Menschen sich hier der Virengefahr durchaus bewusster zu sein. Wo ich auch auf dem Flughafen hinschaue – ich kann natürlich nur vom Cargobereich sprechen – halten sich die Leute mehr oder weniger an die Vorschriften, bzw. die Empfehlungen. Kanada eben.

Ich habe mich – todmüde – direkt in einen Business-Class-Sitz begeben und bin eingeschlafen. Auf der Stelle. Krass!

Mein Co hat sich um alles gekümmert. Unsere Leute sind schon ziemlich gut, was vermutlich daran liegt, dass wir sie anständig bezahlen und behandeln.

Die Maschine wird heute gewaltig mit Medikamenten zugeknallt – ich wusste gar nicht, dass Pillen so viel wiegen! Na gut, ein paar Leute haben wir auch eingesammelt. Was uns zum Tankstopp in Redding zwingt, weil der Weg nach Palm Springs für unsere brave Q400 dann doch ein bisschen weit ist. Ein regionaler Airliner wie die Dash8 ist eben doch keine 737. Morgen geht es dann weiter nach Houston, weil die Texaner offensichtlich die sind, die am meisten Bedarf an billiger Medizin haben. Vermutlich weil sie sich vehement gegen staatliche Krankenversorgung wehren… Versteh‘ einer die Amis…

Aber was ich eigentlich sagen wollte – ich weiß auch nicht, warum ich das ganze Drumherum schreibe – ich mag kanadische Weiber. Ich mag den Dialekt und da sie nicht nur von Briten sondern auch von Franzosen abstammen, ist der Großteil gar nicht mal so hässlich. Und die Freiwilligen, die hier die Medikamente bringen, sind scheinbar sexuell auch ziemlich aufgeschlossen. Wie soll ich mir sonst erklären, dass ich beim Aufwachen ein schickes Passfoto mit einer Telefonnummer und „Appelle-moi“ auf meiner Armlehnenablage gefunden habe. Ich habe es dann meinem FO gezeigt und der meinte, es sei eine von den Studentinnen gewesen, die die Kisten geschleppt haben.

Sagte ich schon, dass ich Kanadier mag?

Call me

Weg hier – aber wohin?

Ich gebe mir selbst und den Vereinigten Staaten noch bis Jahresende, dann verschwinde ich von hier, falls sich die Dinge nicht grundlegend ändern – ich muss mir das alles nicht noch länger antun.

Das habe ich heute auch meiner Schwester mitgeteilt, die an der Ostküste, in der Nähe von Providence, lebt. Was ihr natürlich überhaupt nicht passt. Aber ich bin es ja gewohnt, mich mit ihr anzulegen. Sie versteht einfach nicht, dass es mich nie lange an einem Ort hält. Dabei will ich doch einfach nur meine Ruhe haben. Und nicht, wohin ich komme, Rotmützen oder sonstige Rassisten sehen muss. Ist das zuviel verlangt und wirklich so schwer zu kapieren?

Es wird übrigens ganz sicher die nächsten Jahre mit diesen hirnamputierten religiösen Fanatikern und Waffennarren so weitergehen. Und darauf habe ich wirklich keinen Bock.

Die logischen Alternativen wären Europa und Kanada. Letzteres hätte den Vorteil, dass Joana und Gabby ganz sicher nichts dagegen hätten – wenn auch murrend – mit mir zu kommen. (Zumindest bei Joana weiß ich das genau.)

Parry Sound an den großen Seen wäre eine tolle Sache. Die Gegend kenne ich, weil hier unsere erste Firma für eine Weile ein Headquarter hatte. Es ist phantastisch dort. Und es ist Kanada. Nichts mehr mit Rotmützen. Da wäre ich dann auch nicht weit von Toronto entfernt – weniger als eine Stunde – und bis zu den großen Städten an der Ostküste wären es auch nur drei. Und segeln auf den großen Seen macht einen Riesenspaß und groß bedeutet „groß“! Um nach Chicago zu kommen, braucht man auf einer Segelyacht 4-5 Tage! Weiterer Vorteil gegenüber der Wüste: Heiße Sommer aber ziemlich kalte Winter. Schnee an Weihnachten. Hach…

Noch besser: Ich könnte weiter für unsere Firma fliegen und auch meine beiden Flugzeuge behalten: Sie von Palm Springs an die Seen zu überführen ist keine große Sache. Macht eher Spaß.

Mazikeen hat mir ein tolles Angebot aus Squamish/Kanada, eine Viertelstunde Flugzeit von Vancouver entfernt, geschickt. Ein tolles Haus mit großem Grundstück, am Ende eines Fjords mit freiem Zugang zum Pazifik. Außerdem ist Mazikeens Haus (Oder soll ich Anwesen sagen?) gerade mal eine halbe Stunde entfernt. (Aber in den USA.) Maze würde es lieben, wenn ich dorthin ziehen würde. Ich wäre am Fuß der Rocky Mountains und könnte auch hier meine Flugzeuge behalten.

Was nicht für Europa gilt, denn über den Atlantik kommen meine beiden Flieger nicht. Jedenfalls nicht ohne Riesenaufwand. Meine Texan müsste ich verkaufen (noch eine Schiffsüberführung kann ich mir nicht leisten) und vermutlich wäre es auch das Beste, meine Bonanza loszuwerden und in Europa eine neue (gebrauchte) zu kaufen, statt einen aufwendigen Flug über den gesamten nordamerikanischen Kontinent, Grönland und Island zu wagen.

Für Europa spricht, dass es mein Zuhause ist. Als britische und deutsche Staatsbürgerin stehen mir enorme Möglichkeiten offen. Hauptmanko: Ich müsste über kurz oder lang, einen Job finden. Piloten sind ja derzeit nicht besonders gefragt. Nicht ganz so einfach, selbst als senior pilot, fürchte ich. Unsere Firma ist ja nur in Nordamerika aktiv.

Außerdem: WOHIN in Europa?

Mein Vater hat mich eingeladen. Aber wieder in dem Haus auf seinem Grundstück in Notodden leben? Außerdem: Ich brauche Wasser um mich herum. Ich will segeln. Hier sind wir wenigstens jedes Wochenende auf Santa Catalina Island und damit am Pazifik.

Die Insel Gotland in der Ostsee wäre eine Möglichkeit. Da stehen ganz nette Grundstücke und Häuser zum Verkauf. Aber Ostsee? Kalt? Und vor allem ist Gotland weitab von irgendwelchen Fluggesellschaften.

Auf Sardinien habe ich auch ein paar hübsche Dinge gefunden. Weniger als eine Stunde nach Rom. Aber Mittelmeer? Heutzutage? Außerdem kann ich kein Italienisch und englischsprechende Römer versteht kein Mensch.

Dann wäre da noch Spanien. Ich liebe nicht nur die Sprache, sondern kann sie auch ein wenig radebrechen. Häuser? Es gibt tolle Gelegenheiten – nur leider nicht an den Küsten, denn die sind mittlerweile eine Katastrophe.

Die UK kommt nicht in Frage: Ich lebe nicht in einem Brexitland. Dort fliegen wäre allerdings toll, denn ich vermisse England und die Lebensweise dort. Alles was ich nicht vermisse sind Brexiteers.

Deutschland? Never! EVER! Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Aber das überzeugendste Argument gegen Europa ist, dass ich meine Mädels einen Großteil vom Jahr nicht zu sehen bekommen würde. Trotzdem will ich es nicht ganz ausschließen.

Alles, was (mal wieder) bleibt, ist Kanada. Es sei denn, mir fällt noch was Schlaues ein.

Abwarten.

Squamish, Canada

Tagebuch-Update

Morgen, Freitag, wird nicht geflogen. Jedenfalls nicht beruflich.

Joana und ich fliegen nach Palm Springs – das Wochenende auf der Insel fällt diesmal aus, da der Motor meines Fliegers ein paarmal Schluckauf hatte und deswegen für Freitag und Samstag erst einmal Werkstatt angesagt ist. Zur Sicherheit. Und in meine T6 passen nur zwei Leute. (Außerdem traut sich sowieso niemand außer mir…)

Mazikeen ist vorhin schon mit dem Auto angekommen und vielleicht schafft es sogar Ken? Er hat eine neue Flamme und will ihn uns unbedingt vorstellen. Nun ja…

Meine Chefin fliegt übers Wochenende zu ihren Eltern. Schade.

Das Leben in Hollywood liegt übrigens immer noch weitestgehend brach. Ein paar Produktionsfirmen versuchen sich mit Outdoordrehs in Minimalbesetzung durchzuschlagen, oder sie sammeln Orte für ihre Location-Datenbanken. (Das ist dann das Hauptklientel unserer Airline, abgesehen vom Medikamententransport.)

Gabby behauptet übrigens, dass man die meiste Zeit des Tages mit Testen statt mit Dreharbeiten beschäftigt wäre. Die Tester würden quasi ohne Pausen durcharbeiten.

Sie hat die meisten Gigs zur Zeit, weshalb sie ständig an die Ostküste fliegt. Sie chartert dafür meist unsere Embraer 300, die wir nur durch ihren Umsatz anmieten konnten. Wenn Gabby nicht drinsitzt, bringt sie uns einigen Executive-Umsatz von Studiobossen, die sich ignoranter- und idiotischerweise nicht in eine Turboprop („Propellerflugzeug“, lol) trauen.

Joana hingegen verdient ein klein wenig nebenbei, indem sie viele Fotoshoots und Homestories in ihrem Haus in Bel Air akzeptiert. Was ihr zudem einiges an neuer Publicity – und damit potentielle neue Filmrollen nach der Pandemie beschert (… und mich immer wieder zwingt in Bel Air zu übernachten und mich vor Reportern zu verstecken).

Nicht, dass jemand glaubt, dass mich das nicht zur Weißglut treiben würde, doch, wie schon beschrieben, ist es Joanas Entscheidung, wie sie leben möchte. Und mich zwingt ja niemand bei ihr zu sein. Das ist etwas, was ich möchte, also muss ich auch die Umstände akzeptieren. Geben und nehmen.

Um Eva kümmern wir uns abwechselnd und legen unsere Termine so, dass immer eine von uns mit ihr zusammensein kann. „Spart mir die Nanny“, grinst Gabby. Fakt ist, dass keine von uns das Kind zu einem Babysitter abschieben will.

Außerdem sind da ja noch unsere Hunde und Katzen, die ebenfalls ihren Aufpasser brauchen.

Was alles den Akkus meiner Vibratoren nicht gerade zugute kommt. Jede Woche mindesten ein oder zwei Nächte „Tammy allein zu Haus“. Okay, zugegeben: Die Dinger hängen ohnehin dauernd an ihren Ladegeräten.

Wir schaffen es übrigens immer noch, unser Anwesen in Palm Springs vor den Medien geheim zu halten. Leider bedeutet das, dass Eva Privatunterricht bekommen muss und nur sehr eingeschränkten Kontakt zu Gleichaltrigen hat. (Kinder von „Leidensgenossen“, deren Eltern sich ebenfalls in Palm Springs „verstecken“.) Wie gut, dass viele Häuser hier hinter dichten, mehr als mannshohen Büschenversteckt sind. Was übrigens auch das Nacktschwimmen der Celebrities einfacher gestaltet.

Das Problem mit meinen Ausgaben habe ich weitestgehend in den Griff bekommen. Wie, verrate ich nicht. Es ist „unmoralisch“ und widerspricht dem heute gängigen politisch korrekten, restriktiven, Frauen diskriminierenden Feminismus. Außerdem hebe ich mir das für einen Eintrag auf, den ich garantiert irgendwann ins Handy tippen werde, wenn ich mich gerade mal wieder besonders über die ignoranten, eingebildeten, selbst beweihräuchernden, arroganten  Twitter-Emanzen aufrege.

Ja, das ist soweit das Roundup.

Vielleicht sollte ich noch anmerken, dass Miranda und ich uns im Moment einigermaßen vertragen. Sie verlangt nicht mehr so oft, dass ich arbeiten soll und hält sich mehr an meine Wachzeiten.

Auch Chefs können lernen.

Von Nachtflügen und Blowjobs

Morgen darf ich mal wieder früh aufstehen. Grrrr…

Früh heißt: Vier Uhr! Es sei denn, ich bereite den Flug nach Telluride jetzt noch vor, dann spare ich mir eine Stunde. Aber eigentlich mache ich sowas am liebsten am Morgen bei Tee und Kaffee.

Ach ja: Ich bin in Bel Air, da Joana hier immer noch festhängt und ein Nachtflug (von Palm Springs nach Burbank-Hollywood mit meiner Bonanza) schwierig ist. Außerdem bräuchte ich dann gleich gar nicht mehr zu schlafen.

Joana hatte übrigens tatsächlich Sex mit dem Typen, das hat sie mir vorhin erzählt. „Ich hatte mal wieder einen Schwanz nötig.“

Seltsame Bedürfnisse haben Hetero-Frauen, ehrlich! Ist für mich nur schwer nachvollziehbar. Etwas drin haben zu wollen, ist eine Sache, aber muss es unbedingt ein Schwanz sein? Für Joana ist es allerdings der Blowjob, den sie „vor allem unbedingt ab und zu haben muss“. Na ja, jeder das ihre… Ich selbst habe ja ebenfalls Dinge, die mir wichtig sind.

Trotzdem werde ich sie heute nicht mehr küssen – man weiß ja nie…

„Von deinen Bedürfnissen wollen wir hier mal gar nicht erst anfangen“, lacht sie.

Da hat sie vermutlich Recht. Was ich „brauche“ ist vermutlich fünf Stufen verrückter als einen Schwanz ablecken zu wollen.

Wem jetzt schlecht geworden ist, bei dem entschuldige ich mich ausdrücklich. In der Apotheke gibt es Mittel, die den Magen beruhigen.

Im Spagat am Strand

22 Uhr: 32 Grad. Morgen Mittag sollen es wieder 42° werden. Gefühlte 55.

Regen gibt es hier scheinbar nur in Form von Rasensprengern. Ich jedenfalls habe noch keinen erlebt. Angeblich soll im Februar eine kleine Wolke vorbeifliegen. Mal abwarten. Aber angeblich erhöht die nur die Luftfeuchtigkeit um 1 Prozent.

Mir, als Deutsch-Engländerin, ist das alles höchst suspekt. Dass es kein Wetter gibt, meine ich. Gar keins.

Wenn da nicht die Wochenenden in Santa Catalina und meine vielen Flüge in normalere Gegenden wären, würden mich hier keine zehn Pferde halten. Aber angeblich ist das trockene „Klima“ ja gut für unsere Flugzeuge. Spart Wartungskosten? Von wegen! Denn die sind ja ohnehin von der Flugaufsicht vorgeschrieben und richten sich nach Flugstunden. Ich glaube, meine Schwester will mich, mit der Entscheidung für diese Sandhölle hier, für den Crash unserer vorherigen Firma bestrafen.

Außerdem leben hier nur Rentner aus Hollywood und deren mexikanische Hausangestellte. Vermutlich weil die Trockenheit hier konserviert und die Hitze mumifiziert. Es geht die Rede, dass hier mehr Oscars in den Vitrinen stehen, als in Beverly Hills.

In normalen Zeiten könne man hier aber ganz schicke Touristinnen von der Ostküste oder von den großen Seen aufreissen, heißt es, doch das mit den normalen Zeiten hat sich ja nun auch erledigt.

Wenn ich hier morgens brottrocken aufwache, liegt dass nicht etwa an der sich vielleicht ankündigenden Menopause – Bewahre! – sondern am Wüstensand. Der saugt fotzentechnisch jede Feuchtigkeit auf, wenn man sich nicht ununterbrochen mit Pornos oder heißen Gedanken füttert. Beides kann ich, der Göttin sei Dank, ziemlich gut.

Trotzdem: Der Körper ist hier 24 Stunden am Tag mit einer Schweißschicht überzogen und die Möse fühlt sich an, als hätte man eine Stunde lang im Spagat am Sandstrand gesessen. Wenn ich mal für ein paar Minuten nicht an Sex denke, bekomme ich das Gefühl als schmirgele ich mir da was auf.

Da ich gerade beim Thema bin: Vor ein paar Jahren hatte ich mal meine Psychiaterin gefragt, ob ich eigentlich sowas wie eine Nymphomanin bin. Sie hat den Kopf geschüttelt und gemeint, sie sähe bei mir durchaus klinische Züge, doch für die eigentliche Diagnose würden ihr die Bindungsangst und die ständigen Wechsel der Sexualpartnerinnen fehlen. Ich habe sie daraufhin auf einen Drink eingeladen.

Wie gesagt, das war vor ein paar Jahren; Dinge ändern sich. (Wenigstens ist dieses Krankheitsbild nicht überall als solches anerkannt.)

Ich werde Zoe mal fragen, ob sie sich als Nymphomanin versteht.

Wie bin ich denn jetzt vom Wüstenklima auf Nymphomanie gekommen? Egal.

Auf jeden Fall bin ich mal wieder überhaupt nicht müde.

Morgen kommt uns die Tussi besuchen, die Joana angekündigt hat. Ich verstehe übrigens nicht, warum sie hier ständig neue Frauen für mich anschleppt. „Ich bin 51“, stöhnt sie daraufhin nur.

Hä?

Wachhund

Mein Dämon flattert tatsächlich nach San Diego! Sowas von unfair!

Wenigstens verspricht sie, an Wochenenden bei uns zu sein. Das schafft sie sogar locker mit dem Auto. Mit dem Scheiß-Tesla, den sie Joana abgekauft hat, weil ich mich weigere das Ding von diesem Gangster zu bewegen.

Ich frage mich, was ich eigentlich alles boykottieren müsste, ohne es zu wissen: wahrscheinlich drei Viertel aller amerikanischen Produkte. Kauf europäisch, fick amerikanisch, lautet momentan meine Devise.

(Wieso gilt eigentlich Klartext als „ordinär“? Vor allem, wenn ein Weib ihn benutzt?)

Apropos ordinär: Heute Mittag haben Gabby und ich uns die Seele aus dem Leib gefickt, nachdem sie mir eröffnet hat, welches Spiel sie für mich gerade organisieren. Dass allein der Gedanke an solche Dinge mich zum Überlaufen bringt…

Bei der Gelegenheit: Wenn ich gewusst hätte, dass Palm Springs eine der Kriminalitätshochburgen der Staaten ist, hätten mich keine zehn Pferde hierher gebracht! Hier gibt es 87% – ich muss das wiederholen: SIE.BEN.UND.ACHT.ZIG PROZENT – mehr Morde, Raubüberfälle, Körperverletzungen und Vergewaltigungen als im amerikanischen Durchschnitt! Es gibt kaum ein Gebiet in den Staaten, in denen mehr Verbrechen begangen werden. Soviel zum Thema „Idylle“.

Wer hier keinen Bodyguard mit sich herumschleppt, selbst einer ist oder den schwarzen Gürtel hat, muss verrückt sein hier auf die Straße zu gehen! Vor allem als Frau.

Da hier 1 von 177 überfallen, vergewaltigt oder ermordet wird (oder alles nacheinander), halte ich mich maximal in Gruppen von 176 auf. Sicherheitshalber.

Die Häuser hier haben Alarmanlagen, die genauso teuer sind, wie das Anwesen, das sie beschützen sollen. Wer es sich leisten kann, lässt eigene Wachleute mit blutrünstigen Hunden das Gelände bewachen. Anders als zum Beispiel in Bel Air, sind hier weniger die Wohngebiete als Ganzes bewacht, sondern die Anwesen selbst liegen hinter meterhohen Zäunen. Natürlich nur in den Gebieten, in denen die Superreichen wohnen. Der gewöhnliche Millionär kann sich hier sowieso nur eine Dreizimmerwohnung leisten.

Es hat schon seinen Grund, warum ich weniger gerne in Wüsten, als auf Inseln wohne.

So, und jetzt krabbele ich zu Joana ins Bett. Ficken.

Alleine schon um alle zu ärgern, die mich als ordinär bezeichnen!

Heteroweiber

Die Wettergöttin möchte nach wie vor ihre Menschen gut durch. Scheint zu funktionieren. Wer hier auf die Straße geht, wird innerhalb von zehn Sekunden zum Hummer.

Ich werde mich nachher in meine Bonanza setzen und nach Catalina fliegen. Dort gibt es wenigstens Wasser. Mal sehen, ob ich es schnell genug nach oben schaffe, bevor mich die Hitze bewusstlos macht.

Immerhin scheint Miranda endlich begriffen zu haben, dass der Laden mir gehört, in dem sie sich als meine Chefin aufspielt. Ist sie zwar, gewisserweise, doch nur gewisserweise. Ist kompliziert.

Auf jeden Fall haben wir sie (und ihren Mann…) fürs Wochenende auf die Insel eingeladen. Sie kennt Catalina Island noch nicht. Gabby ist happy, Fremdenführerin spielen zu dürfen. Als ob sie die Insel wirklich kennen würde… Ich zwar auch nicht, ich will aber auch niemanden durch die Gegend schleppen. Jedenfalls kein Heteropärchen.

Auf meine Frage, wieso sie mir neulich die Finger in die Möse gesteckt hat, habe ich von Miranda immer noch keine richtige Antwort bekommen: Um mich ruhigzustellen… Am Arsch! Dazu hat sie viel zu sehr verträumt ausgesehen, als sie mir ihre Hand unter den Slip geschoben hat. Auf jeden Fall werde ich das Thema weiterverfolgen. Aber nicht, wenn sie ihren Mann herumschleppt.

Von dem hat sie uns allerdings noch nichts erzählt. Was er so treibt, zum Beispiel, ob sie zusammenwohnen, warum sie mit einem Typen verheiratet ist, ob es bis zur Scheidung noch lange dauert. Sowas eben. Ich muss sie wohl fragen.

Es ist für eine normale Frau echt schwer zu verstehen, warum es Heteros gibt. Vielleicht aufgrund eines traumatischen Erlebnisses in der Kindheit? Ob eine bessere psychologische Betreuung helfen würde, aus diesen Heteroweibern normale Frauen zu machen?

Fragen über Fragen…

Warm heute

46° im Schatten heute Mittag und wehe man wagt sich in die Sonne! Ist doch nicht mehr nochmal. Und jetzt weht auch noch heißer Wüstensand ums Haus!

Während ich das schreibe (Mitternacht) haben wir immer noch knapp 40 Grad und rund 195 Prozent Luftfeuchtigkeit! Wie das allerdings möglich ist, wenn brottrockener Wüstensand einem die Haut abschmirgelt, ist mir auch nicht so ganz klar.

Kein Wunder, dass halb Kalifornien in Flammen steht! Immerhin bleibt uns dieses Schicksal hier draußen in der Wüste erspart.

Natürlich sind wir alle nackt. Die Klimaanlage haben wir auf 32 Grad eingestellt und wenn wir vom (teilweise überdachten) Pool hineingehen, haben wir das Gefühl in einen Kühlschrank zu laufen.

Aber wir sind nicht nur nackt, sondern auch nass. Überall meine ich, nicht nur unten. Der Schweiß läuft so extrem, dass wir mit dem Trinken nicht mehr nachkommen.

Wenn ich zum Flughafen fahre, begegnet mir überhaupt niemand. Und wenn, dann sind das Leute in Bikini oder Badehose. Und wenn man bedenkt, dass drei Viertel der Bevölkerung aus Rentnern zwischen 75 und 100 besteht… Die hangeln sich von Schatten zu Schatten, bewaffnet mit grossen Sonnenhüten und Wasserflaschen.

Die Bonanza steht im Hangar und ein Schlauch aus der Klimaanlage hängt durch das kleine Fenster ins Cockpit. Sobald man den Flieger aus der Halle gezogen hat, wärmt sich das Cockpit innerhalb von gefühlten 30 Sekunden auf Höllenstandardtemperatur auf. Und der Bonanza-Backhofen hat noch nicht mal Umluft, sondern arbeitet ausschließlich mit Ober-Unterhitze: Glühender Beton von unten und Grill von oben.

Auf den Rücksitzen stehen drei (3!) Miniklimageräte, damit man den Weg bis zur Startbahn schafft, ohne von der Hitze ohnmächtig zu werden. Nicht, dass die Akkudinger viel bringen würden, doch immerhin halten sie die Temperatur um gemütliche 50 Grad und verhindern die ansonsten unausweichliche Bewusstlosigkeit.

Ein kleiner, alter Flieger, wie meine V-Tail-Bonanza, hat keine eigene Klimaanlage und außerdem dauert es ewig, bis man auf Flughöhen geklettert ist, in denen Temperaturen herrschen, die das Überleben von Menschen ermöglichen.

Ich fliege derzeit im Mini und Bikinioberteil und ansonsten unten ohne. Und barfuß. Wobei man aufpassen muss, dass man sich an den Pedalen nicht die Fußsohlen verbrennt. Mein Oberteil entferne ich spätestens mit Einschalten des Autopiloten. Außerdem sind alle Vorgänge zugezogen. (Soweit es die Umstände erlauben.)

Ich überlege, wer auf die schwachsinnige Idee gekommen ist, in die Wüste zu ziehen. Doch sobald unsere platschnassen Körper sich berühren, weiß ich: Schweißgebadeter Sex ist jede Hitze wert.

Wer liebt wen?

Palm Springs. Joana ist zu Hause, Gabby jedoch hat Gespräche in Hollywood, ihre Tochter hat sie uns freundlicherweise dagelassen. Was dazu geführt hat, dass Joana hauptsächlich ein Auge für das Kind hat und ich weitestgehend abgemeldet bin.

Auch gut. Erstens habe ich gerade eine Menge Dinge im Kopf und zweitens kann ich es mir durchaus selbst machen, vielen Dank. Mittlerweile bekomme ich ja immer mehr Übung darin.

Am Samstag fliegen wir nach Catalina. Über’s Wochenende. Joana liebt den Aussichtspool und die Kleine ist auch ganz scharf drauf. Wegen mir. Solange ich dafür fliegen kann… Ich bin ein Junkie, ich weiß, und es wird immer schlimmer. Allerdings habe ich schon fast Panik bei dem Gedanken, was passiert, wenn meine Krankheit wieder schlimmer wird und ich am Boden bleiben muss.

„Die habe ich auch, ganz ehrlich!“, meint Joana: „Du wirst nämlich unerträglich, wenn du nichts Verrücktes machen kannst.“

Pah! Sie ist seit dem Scheißvirus ein völlig anderer Mensch, weil sie nicht arbeiten darf. Die Schauspielerei ist ihr Leben, meines ist das Fliegen. Die Seglerei ist meine Ersatzhandlung. Was ihre ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Das Spazierengehen mit dem Hund ist es jedenfalls nicht.

Das Angebot der Kalifornier mit der 737 steht noch. Ich habe noch ein paar Tage, um mich zu entscheiden. Die brauche ich auch, fürchte ich. Beide Maschinen, die Dash und die 737, gehören zu meinen Favoriten. Jedenfalls in dieser Größenordnung. Für die Kalifornier müsste ich auf Abruf fliegen, was mit meinem derzeitigen Job nicht besonders gut zu vereinbaren ist. Aber sie möchten unbedingt, dass wir uns zusammensetzen. So etwas schadet ja nicht, oder?

Was meine eigene Firma betrifft, habe ich jetzt eine Woche frei. Wenn nichts dazwischenkommt. Ich werde mich also erst einmal in Catalina an den Pool legen, nachdenken und schreiben. Mal sehen, ob ich das länger als 48 Stunden aushalte. Joana jedenfalls tippt nur auf maximal 36.

Wann ist die denn eigentlich so unmöglich geworden?

„Soll Palm Springs denn jetzt eigentlich unser eigenes Zuhause werden? Das von dir und mir? So richtig?“

„Vergiss Gabby nicht“, lächelt Joana.

„Was hat Gabby denn damit zu tun?“

„Sie lebt auch hier. Willst du sie nicht?“

Manchmal gibt sie mir echt Rätsel auf.

„Es gibt dich und mich, Joana, dich und mich. Und das war es.“

„Nochmal: Und Gabby?“

„Was soll denn mit Gabby sein? Wir ficken. Punkt.“

Joana nickt nachdenklich: „Und Mazikeen? Was ist mit Mazikeen?“

„Was soll mit Mazikeen sein? Sie will in San Diego arbeiten. Und sie hat nichts mit dir und mir zu tun.“

„War sie nicht immer deine große Liebe?“

„DU bist meine große Liebe! Mazikeen ist meine Vertraute. So eine Art beste Freundin mit Benefiz. Ab und zu.“

„Ich dachte, WIR sind beste Freundinnen mit Benefiz?“

„Joana, du wirfst aber auch immer alles durcheinander! Du bist meine große Liebe. Meine EINZIGE große Liebe!“

„Kann ich nicht einfach deine beste Freundin mit Benefiz sein?“

Ich schüttele den Kopf: „So funktioniert das nicht! Du kannst es dir nicht einfach aussuchen!“

„Aber ich liebe dich nur als meine beste Freundin, Tammy. Mit Benefiz.“

„Und warum bin ich dann deine Alleinerbin?“

„Ach, lass mich in Ruhe! Kommst du jetzt endlich ins Bett?“

Home Sweet Home

Zurück in Palm Springs.

Wurde auch Zeit, wirklich! Sonst hätte ich auch gleich auf meinem Boot bleiben können. Oder weiter Triple Seven fliegen, da war ich auch nicht weniger oft zu Hause.

Aber, wow, das ist tatsächlich so etwas wie „nach Hause kommen“, wenn ich vom Flugplatz aus direkt zu Joana, Gabby und Eva fahre. Und zwar nicht in ein Hotel, sondern in ein richtiges Haus an einer richtigen Straße in der richtige Menschen wohnen!

Etwas außerhalb, zugegeben, doch das muss sein, wie ich weiß. Auch die Mauer drumherum und blablabla, doch ich weiß ja, dass dieser ganze Scheiß zu Joana wie auch zu Gabby gehört. Ist eben sowas wie Klein-Bel-Air in der Wüste hier. Das bin ich ja gewöhnt.

Vollkommen neu jedoch ist, dass Joana und Gabby sich zusammentun und gemeinsam ein Haus kaufen, in dem neben drei Lovern auch noch ein Kind wohnen soll – Eva.

Das ist tatsächlich mal eine echte Überraschung!

„Unter der Woche hier und an Wochenende Catalina – klingt das gut?“, fragt Joana stolz.

„Und Bel Air? Und New York?“, frage ich verwirrt.

„Je nachdem wer wo arbeiten muss“, erklärt Gabby, „nutzt dann entweder meine Wohnung in der Stadt oder Joanas Haus in Bel Air.“

„Viel besser als Hotels“, nickt Joana: „Ausserdem sind Immobilien wichtig.“

Klar, wenn man so viel Kohle hat…, denke ich. Aber mir soll es natürlich recht sein!

„Und das habt ihr gekauft, weil…?“, will ich wissen.

„… du ja jetzt hier arbeiten wirst. Wir möchten nicht dauernd so lange getrennt sein.“

Süß.

Aber irgendwie klingt das, als hätte ich jetzt so einen 9-bis-5-Job. Oder habe ich das jetzt etwa? Wozu habe ich denn dann eigentlich meiner Mieterin in LA gekündigt?

„Das war vorschnell“, nickt Joana.

Das finde ich eigentlich gar nicht; ich hatte mich wirklich auf meine eigene kleine Wohnung gefreut! Na ja, mal sehen.

Aber irgendwie ist es typisch für die beiden: sie sind es gewohnt, Dinge nach eigenem Gutdünken zu tun. Wer das Geld hat… Aber ich will mich ja nicht beschweren. Sie viel öfter zu sehen ist ja ganz in meinem Sinne.

Aber wann ist eigentlich Gabby ernsthaft mein Lover geworden? So richtig, meine ich? Es fühlt sich an als hätte sie auch das ganz alleine entschieden. Nicht, dass ich mich beschweren würde…

Aber – echt jetzt mal – soll das wirklich heißen, dass eine sechsjährige Kakaofresse jetzt zu meinem Lebensumfeld gehört? Dass ich sie jeden Tag ertragen muss?

Ernsthaft?

Ich und ein Kind unter dem selben Dach?

Ich brauche Tequila!

Hinten wie vorne?

Interessanterweise beschweren sich Mitleser am meisten über meine „ordinäre Sprache“ und doch haben meine Einträge mit genau dieser Sprache mit großem Abstand die meisten Klicks und Likes.

Was schließe ich daraus? Menschen sind nicht „hinten wie vorne“…

Aber egal, anderes Thema, ich schreibe ohnehin was ich will.

Palm Springs. Herrlich hier. Zumindest optisch. Es liegt übrigens in der kalifornischen Wüste, nicht etwa am Pazifikstrand!

Es ist so schweineheiß! Nicht deutschlandheiß oder so, sondern mit Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad im Schatten!!! Jeden Tag!!! So wie heute. 45 Grad im Schatten sind für den Nachmittag gemeldet! Ohne Klimaanlage stirbt hier die Menschheit aus.

Hier werde ich mich jetzt also desöfteren herumtreiben, weil sich hier dann doch die Firma angesiedelt hat. Anik und Miranda scheinen sich nicht wirklich einig gewesen zu sein. Egal.

Ein Gebäude gibt es noch nicht. Miranda ist noch auf der Suche, so treffe ich sie erst einmal in einem Café. Ich werde das auch für die Zukunft vorschlagen – ist doch viel gemütlicher als dieser ganze Firmenmist. Bei der Gelegenheit stellt sich auch gleich noch eine Pilotin vor. Bin gespannt. Heute ist ja jeder zweite Pilot arbeitslos. Aber sich die Richtigen rauszusuchen wird nicht einfach werden. Bewerbungen gibt es jedenfalls jede Menge.

Miranda meint, ich solle mir doch zwei oder drei Tage Zeit nehmen und Gespräche mit den vorab von ihr ausgewählten Kandidaten führen.

Ich kann es aber auch lassen.

„Das klingt nach Arbeit“, habe ich geantwortet: „Und arbeiten werde ich erst ab Oktober. Und dann auch nicht im Akkord!“

„Und wie stellst du dir vor, wie wir das machen sollen? Du hast selbst gesagt, du willst das Personal für Flugzeuge und Werkstatt selbst aussuchen?“

„Ja, aber nicht alle auf einmal!“

„Wir brauchen Piloten!“

„Und ich brauche meine Ruhe!“

Dass das aber auch keiner versteht!

Air Museum am Flughafen von Palm Springs

Frag deinen CEO

„Und was mache ich jetzt mit dem Zeug?“

„KSFF, da warten sie schon drauf.“

„Spokane? Wer wartet da?“

„Deine Shorts.“

„Wieso meine? Was habe ich damit zu tun?“

„Du bist die Chefpilotin, falls du dich erinnerst.“

„AB OKTOBER!“

„Sei nicht so kleinlich. Flieg hin, dann lernst du gleich die Crew der Shorts kennen.“

Mmh… Die nervt…

„Wer bezahlt mir eigentlich die Kosten?“

„Gib deine Flugstunden deinem Buchhalter.“

„Ich habe einen Buchhalter?“

„In Palm Springs. Ich schicke dir die Kontaktdaten.“

Aha.

„Ist dort jetzt der Firmensitz? Hast du dich entschieden?“

„Ja.“

Irgendwie ist meine Schwester nicht sonderlich gesprächig. Angeblich rennt sie von einem Meeting zum anderen und angeblich ist das meine Schuld, weil ich mich ja „mehr einbringen“ könnte. Aha. Dabei fange ich doch erst im Oktober an!

„Wir haben ja noch nicht mal besprochen, was eigentlich meine Aufgaben sind…“, gebe ich zu bedenken.

„Frag deinen CEO.“

„Ich habe einen CEO?“

„In Palm Springs.“

„Aha.“

„Und wie heißt er?“

„Miranda Cox.“

„Miranda Cox?“

„Sagte ich das nicht gerade?“

„Und sie ist dann meine Chefin?“

„Ja.“

„Mmh…? Sagtest du nicht, dass die Firma mir gehört?“

„Uns. Was nichts damit zu tun hat, dass sie der Direktor ist.“

Dieses System werde ich nie kapieren! Aber wer will das schon?

„Und nach Spokane habe ich dann wieder meine Ruhe?“

Und da legt Anik auf. Ich kann sie nicht leiden!

Squamish, Canada