Weil ich deine Nutte bin

Wir sehen Miriam in den nächsten Tagen wieder, Zumindest ist es angedacht. Scheinbar hat ihr gefallen, was sie mit mir anstellen durfte.

„Warum muss ich eigentlich dafür bezahlen, was Andere kostenlos bekomme?“, hat Gabby mich gefragt.

„Weil ich deine Nutte bin.“

„Logik???“

„Seit wann bin ich logisch?“

Ich denke, die Antwort hat sie überzeugt, denn sie hat nicht weiter nachgefragt.

Außerdem – und das muss ich ihr ja nicht auf die Nase binden – macht Gabby nur Sachen mit mir, die meinem Body gefallen, während Andere keine Rücksicht auf mich nehmen. Das muss bestraft werden, daher muss Gabby für mich zahlen und Miriam darf weiter kostenlos nur an sich selbst denken. Aber wenn Gabby nochmal so blöd fragt, werde ich ihr die nackte Wahrheit um die Ohren hauen.

Es reicht gerade, wenn Joana und Gabby mich als sexuell gleichberechtigt behandeln, das muss ich nicht auch noch von Anderen haben.

Falls das jemand nicht verstehen kann: Dumm gelaufen.

Sexuelle Hemmungslosigkeit

Natürlich ist die Sache eskaliert.

Aber war das wirklich anders zu erwarten? Spätestens nachdem Miriam uns nackt die Tür geöffnet hatte, war alles geklärt gewesen: Sex war unausweichlich geworden.

Und dann die Sache mit der Holzhütte im ersten Stock… (siehe Scheiße, ist das geil)

Was ich nicht erwartet hatte, war dieser Grad sexueller Hemmungslosigkeit von einer Frau, die viele Jahre jünger war als ich!

Nicht, dass ich mich beschweren würde…

„Was ist das eigentlich mit ihr?“, fragt sie Gabby: „Ist sie sowas wie ein Maskottchen?“

Ich schaue Miriam mit weit aufgerissenen Augen an. Das nackte Luder liegt auf dem Indianerteppich und spricht mit Gabby so, als wäre ich nicht im Raum.

Die zuckt nur mit den Schultern.

„Ein Groupie? Ein Sextoy?“

Gabby lacht. Immerhin.

„Hausnutte?“, schlägt Miriam vor.

„Eher“, nickt Gabby.

Aha.

„Ich darf sie doch benutzen, oder?“

„Sei mein Gast“, grinst Gabby: „Bediene dich.“

Ich sitze am Holztisch auf der Bank und starre auf mein Tequilaglas. Hat Gabby eben „Bediene dich“ gesagt? Eigentlich höre ich ziemlich gut.

„Dann wollen wir mal sehen, ob man sie zu irgendwas gebrauchen kann.“

„Ihr spinnt! Ihr spinnt ja alle!“

„Halt die Klappe!“, fahren mir Miriam und Gabby gleichzeitig über den Mund.

Scheiße, ich ziehe Fäden!

Hausnutte

Tammy, die Nutte?

Wieder ein Wochenende fast zu Ende und morgen geht es zurück in den Backofen. Hier auf der Insel herrschen so angenehm kühle Temperaturen. Wie in England in einer hochsommerlichen Hitzeperiode.

So sieht jetzt also mein Leben aus: Aufgeteilt zwischen Arbeitswochen und Wochenenden. Eigentlich wollte ich nie in eine solche Situation geraten. Nicht, dass ich das nicht abstellen könnte. Aber dann würde ich mich zur Nutte für die High Society machen. Und das wird nie passieren. Und sollte es bereits passiert sein, dann immerhin nicht in letzter Konsequenz, denn ich verdiene immer noch mein eigenes Geld.

Wobei – da wir gerade beim Thema sind – Gabby fand den Gedanken mich für jeden Fick einzeln zu bezahlen, gar nicht mal so unspannend. Es war ja nur so eine verrückte, nie wirklich ernst gemeinte Idee, doch sie meinte, das Thema sei schon „irgendwie sexy“. Und: Würde ich damit dann nicht ebenfalls mein eigenes Geld verdienen?

„Wie wär’s? Wollen wir das nicht mal probieren?“

„Warum? Hast du Geld zuviel?“

„Ja.“

Seltsame Gespräche haben wir manchmal. Man meint gerade, sie hätte „J. – Forever“ gelesen und das Buch hätte sie angefixt.

Ich werde mal Preisverhandlungen beginnen.

(Es gibt garantiert Leute, für die muss ich es dazuschreiben: Vorsicht SATIRE!)

Aber um das auch mal zu erwähnen: Ich finde Prostitution nicht nur notwendig, sondern auch absolut legitim! Genau wie bei Abtreibung und sexueller Emanzipation geht es hier einzig und allein um unsere eigenen Körper und was wir damit tun. Niemand hat das Recht uns hineinzureden. (Und jetzt bitte nicht wieder der Blödsinn mit dem Menschenhandel!) Und nein: Ich diskutiere nicht darüber!

Ich bin mir sicher, dass ich mich eher prostuiere, als auf der Straße zu schlafen! Shocking? Go fuck yourself!

Ich setze meine Sexualität ein wo ich will und daran hindern mich weder Gesetze noch abwertende Blicke anderer.

Ob ich es schon getan habe „is everybody’s guess“, wie es so schön auf Englisch heißt. (Etwa „Darüber kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen“. Aber auf Englisch klingt es viel schöner.) Und wer „J. – Forever“ gelesen hat…

Soviel zum Thema „Tammy, die Nutte“

Im Angebot

Es ist schon ziemlich blöd, wenn man nicht weiß, was man glauben soll. Andererseits – weiß man das eigentlich jemals?

Ich bin wieder auf der Insel, diesmal ist auch Mazikeen hier und erzählt uns von ihrem neuen Job. Ich bin nicht überzeugt, dass er ihr so wirklich Spaß macht.

Ken hat mir geschrieben, dass er einen Typen „mit Potential“ kennengelernt hat. Ob er mit dem „Potential“ die Beziehungsfähigkeit der neuen Bekanntschaft oder seinen Schwanz meint, ist schwer zu sagen. (Der von Ken ist auf jeden Fall „beziehungsfähig“.) Ich habe nachgefragt.

Außerdem löchere ich gerade Miranda, was eigentlich an dieser Spritzerei der Schwänze NICHT eklig ist. Ihr Typ sitzt daneben und zählt die Sterne. Ihre Antwort gefällt mir nicht.

Gabby spielt derweil mit ihrem Handy. Sie sagt, sie würde dazu nicht mehr sagen, als dass das Zeug gefährlich sei. Als Mutter wisse sie das. Wie gut, dass Eva schon schläft.

Joana, meine geliebte Joana, fehlt. Sie ist gerade in Bel Air, wo irgendwelche Reporter sie „zu Hause“ besuchen. Der Öffentlichkeit und ihren Freunden und Bekannten ist nämlich weder unser Haus in Palm Springs, noch das hier auf der Insel bekannt. Und so soll es auch so lange wie möglich bleiben. Wobei sie ständig herumnörgelt, dass die Villa in Bel Air sie viel zu viel Geld kostet. Sie ist nicht nur quasi arbeitslos im Moment, sondern auch ein klitzekleines bißchen geizig, wenn es um sie selbst geht.

Gabby hat solche Sorgen natürlich nicht. Gegen sie ist Joana eine Bettlerin. Jeder, der noch in Millionen rechnet (selbst wenn sie dreistellig sind), ist gegen sie ein Bettler. Manchmal lässt sie das durchblicken. Was natürlich nicht unbedingt ein toller Charakterzug ist, mich jedoch jedes verdammte Mal gewaltig anmacht. Elitäre, überhebliche und unverschämte Weiber machen mich nass.

Und was mich angeht – ich bin ziemlich pleite. Ich verdiene in dieser Scheißfirma viel zu wenig. Derzeit kann ich mir nicht mal mehr meine Fixkosten leisten und mache jeden Monat ein Minus von – egal. Auf jeden Fall bin ich pleite. Und ein gut bezahlter Job bei einer großen Airline ist nicht drin, weil es Piloten im Überschuss gibt. Ich würde eine Anstellung als Seniorpilot bekommen – ich habe FV (Fotzenvorteil) – doch vermutlich wäre mein Gehalt nur halb so hoch wie vor dem Virus.

Alles ist zu teuer im Moment. Zumindest erzählte mir das gestern mein Steuerberater.

Deswegen werde ich Joana und Gabby erklären müssen, dass ich meine Anteile am Haus in Palm Springs und der Miete hier auf der Insel nicht mehr bezahlen kann. Was kann ich schließlich für ihre Ansprüche und für ihren Lebensstil? Nicht, dass sie meine Anteile nicht klaglos übernehmen werden, doch mich kotzt das an: Dinge nicht selbst bezahlen zu können, die ich in Anspruch nehme. Außerdem könnte ich mich dafür schlagen, dass ich darauf bestanden hatte, alles selbst zu bezahlen!

Ich überlege ernsthaft, mich – wie bei „J. – Forever“ – zu Gabbys persönlicher Nutte zu machen, doch ich fürchte, sie wird mich nicht pro Fick bezahlen… Bei Joana ist das sowieso nicht drin, weil es ihr ohnehin lieber wäre, wenn sie sich nicht ständig um meine Möse kümmern müsste. Sie ist eben tatsächlich mit Haut und Haaren hetero.

„Mehr arbeiten“, meint meine Schwester: „Damit unsere Firma möglichst schnell Dividenden ausspucken kann.“

Ist natürlich ein schlechter Witz, weil die Airline die nächsten zehn Jahre jeden Cent in Investitionen stecken muss. Und Gehaltserhöhungen reichen nicht.

So ist das also, wenn am Ende vom Geld noch zuviel Monat übrig ist. Und an meine Altersvorsorge gehe ich nicht! Bin ja nicht wahnsinnig.

Jammere ich gerade wegen Kohle? Entweder werde ich gerade krank oder alt!

„Gib mir die Flasche“, sage ich zu Gabby und trinke den Tequila zum ersten Mal in meinem Leben direkt aus der Quelle.

„Was ist los?“ Sie schaut mich besorgt an.

„Was würdest du für einen Fick mit mir bezahlen?“, frage ich.

Nenn mir deinen Preis

Wann frau Sex haben darf

Wann darf frau Sex haben?

Hundertprozentig politisch korrekt ist nach wie vor ausschließlich „aus Liebe“. (Das Thema „nur in der Ehe“ ist ja mittlerweile immerhin vom Tisch.)

Wobei das Wörtchen „Liebe“ nach wie vor undefiniert bleibt. Da macht man ja mittlerweile den Rundumschlag von jugendlicher Schwärmerei über Ein-Jahres-Beziehungen bishin zur klassischen Shakespeare-Variante. Wobei an letztere sowieso nur Hollywood-Produzenten und ihre Bankkonten ernsthaft glauben. Abgesehen von pubertierenden Mädchen, meine ich.

Mittlerweile – Tinder sei Dank – haben sich auch One-Night-Stands als halbwegs gesellschaftlich akzeptabel eingeschlichen. Zumindest in manchen Teilen der Bevölkerung (den Kondomen sei Dank).

Frau darf durchaus auch einmal an die eigene, rein sexuelle Befriedigung denken und ist nicht mehr nur noch auf das schon länger anerkannte vibrierende Plastik angewiesen. Oder auf den Dildo mit Saugnapf.

Doch da hört es dann auch schon auf.

Denn immer noch diktiert uns die Gesellschaft für was oder wen wir die Beine breit machen dürfen.

Es gibt nach wie vor sexuelle No-goes. Zum Beispiel wenn wir beruflich weiterkommen möchten. Das inkludiert nicht nur das typische „mit dem Chef ins Bett steigen“, sondern auch die Außendienstlerin, die ihren Sex einsetzt um Aufträge zu bekommen (was viel öfter vorkommt als „man“ weiß).

Beides diskriminiert nämlich Männern und schafft Frauen einen „UNFAIREN“ Vorteil! Wenn ich sowas höre, knickt mir regelmäßig die Klitoris weg: Frauen beschaffen sich „unfaire Vorteile“ gegenüber Männern? Dazu muss ich wirklich nichts mehr sagen. Außer vielleicht: ECHT JETZT?

Wenn ich auf berufliches Fortkommen angewiesen wäre und keine chronische Abneigung gegen Männergesichter hätte, würde ich mich ganz sicher an die Spitze vögeln! Meine Fotze gehört mir und es geht die Leute einen Scheiß an, was ich damit mache. Auch wenn ich dafür „Schlampe“ und/oder „Hure“ genannt werde: Jede Bezeichnung die zeigt, dass ich mich nicht von gesellschaftlichen Normen einzwängen lasse, trage ich mit Stolz!

Es gibt Frauen, die heiraten reiche alte Männer. Weiß jeder. Und zwar in der Regel nicht, weil sie auf faltige Männerärsche stehen. (Es gibt Ausnahmen, aber die sind nicht mehr als diesen Satz wert.) Vor diese „Erbschleicherinnen“ ziehe ich den Hut. Denn die bringen es irgendwie fertig über Jahre hinweg einen Viagraschwanz zu blasen – und sich ansonsten in eine gesellschaftliche Ausstellungsvitrine stellen zu lassen – ohne sich von öffentlichem Getuschel beeindrucken zu lassen. Die ausstehende Belohnung lässt sie durchhalten. Der Ehemann bekommt seine Genugtuung allerdings von Anfang an: Feste Titten und ein hübsches, botoxfreies Gesicht an seiner Seite. Na ja, er hat ja (manchmal) auch hart für seine Kohle gearbeitet, wofür er sich schließlich kaufen darf was er will.

Wobei wir beim käuflichen Sex angelangt wären. War da nicht was mit „freier Berufswahl“?

Anrüchig? Wenn Männer dem Boss in den Arsch kriechen, ist das auch nicht gerade geruchsfrei. Und bitteschön: Wie viele Männer sind ernsthaft noch nie zu einer Prostituierten gegangen – und wenn es nur war um zu erfahren, wie es ist!

Wenn Frauen Sex für Aufträge oder berufliches Weiterkommen anbieten – warum eigentlich immer diesen Umweg nehmen? Warum dann nicht gleich Sex gegen harte Währung?

Abgesehen davon, dass eine meiner wirklich guten Freundinnen in einem Bordell arbeitet (ja, als „Nutte“), hätte ich auch für mich kein Problem damit, wenn ich dadurch mehr Zeit für mein imaginäres Kind hätte, oder statt H&M D&G tragen könnte. Mein Job, meine Ausbildung und meine Familie machen das unnötig. Und natürlich verbaut mir auch die Sache mit den Männergesichtern diese Berufswahl. (Und etwas, auf das ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte.)

Außerdem ist es auch nichts für mich, den ganzen Tag bewegungsarm und halb- oder ganz nackt in einem Schaufenster zu sitzen oder zigmal am Tag Sperma zu schlucken (macht dick). Ja, letzteres ist heute tatsächlich schon Standard. Diese Sache mit dem „All you can fuck“ in den großen Clubs klingt zwar spannend, doch irgendwie habe ich auch keine Lust mir den ganzen Tag Fettcreme in die Möse zu schmieren. Außerdem soll mehrmals täglicher Arschfick den Schließmuskel ausleiern lassen.

Weiteres und Genaueres zu dem Thema gibt es übrigens mehr als ausführlich in meinem jüngsten Roman „J. – Forever“.

Alles in allem tauge ich also nicht viel als hauptberufliche Prostituierte, was aber hier auch gar nicht das Thema ist. Andere taugen dazu – oder machen den Job zumindest – und das ist, was zählt. Wenn eine Frau das machen will – bitte sehr! Und deswegen ist sie nicht weniger wert als andere Frauen oder jeder Mann.

UND ES IST GANZ ALLEIN IHRE SACHE!

Wir erinnern uns: Mein Körper gehört mir!

Wo ist denn jetzt der Unterschied?

„Liebe machen“ für ein Jahr, bis der Nächste kommt. Sich jeden Samstag von einen Typen ficken lassen, der einen sexuell nicht mehr interessiert, nur weil man mit ihm verheiratet ist. In den Swingerclub gehen, weil es dem Ehemann gefällt. Jeden Samstag sich von einem Tinderfremden nageln lassen, den man gerade mal einen Kaffee lang kennt, nur weil einem die Möse überläuft? Für Aufträge die Beine breit machen. Sich „hochschlafen“. Einen reichen, alten Sack heiraten und ihm ein paar Jahre lang den Schwanz blasen und auf ihm herumhüpfen, damit man seine Kohle erbt. Einen Chefarzt heiraten um bei den Freundinnen angeben zu können. Zwischendurch Hobbynutte spielen, weil man gerne ein neues Outfit hätte. Als Prostituierte arbeiten, weil die Kohle stimmt.

Alles sehr unterschiedliche Motive. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Die Frau hat sich dafür entschieden und es ist nunmal ihre Entscheidung und es ist ihr gutes Recht zu entscheiden, was sie machen möchte.

Nichts davon ist kriminell und niemand hat das Recht, eine Frau für ihre Entscheidungen zu verdammen!

ES IST IHR EIGENER KÖRPER!

Und was mich selbst angeht: Ich tanze nackt in Clubs, von mir gibt es tausende von Nacktfotos und jede Menge Privatpornos (Privat heißt: NUR für meinen engsten Kreis im realen Leben), ich ficke wann, wen und wie ich will. Dass ich eine Lesbe bin, tut nichts zur Sache. Und wenn ich deswegen eine Schlampe, Hure oder Nutte bin – so sei es. Ich empfinde nichts davon als Schimpfwort.

Tatsächlich nicht.

In meinem jüngsten Roman gibt es eine ganze Menge zum Thema „Prostitution“ zu lesen

PS: Liebe Edelmenschen, erspart mir eure eigenen Meinungen, ich diskutiere nicht. Gar nicht. Dies ist mein Tagebuch und euer Gerede interessiert mich nicht. Schreibt das doch bitte in euren eigenen Blog oder tobt euch in Social Media Gruppen aus. Ich bin sicher, viele ehrliche Menschen und noch viel mehr Heuchler interessieren sich für das, was ihr zu sagen habt. Und das Frauen ausgebeutet und ins Sexbusiness gezwungen werden, das weiß ich selbst. Aber das ist NICHT Thema dieses Tagebucheintrags.

Die Nutte von Beverly Hills

Fast wäre es eben schon wieder politisch geworden, doch ich konnte es gerade noch vermeiden.

Dass mich die Politik mal kreuzweise kann, liegt daran, dass Joana mich gerade informiert hat, wer mich kennenlernen möchte.

Ernsthaft?

Langsam bekomme ich das Gefühl, dass Joana mich loswerden will. Die Alternative wäre, dass sie Gefallen an dem Gedanken findet, meine Zuhälterin zu werden.

Ich komme mir sowieso schon wie die Nutte von Beverly Hills vor.

Klar habe ich mit der Frau bei einem meiner Dash-Flüge gesprochen. Klar bin ich scharf auf das Weib – aber ganz ehrlich: Mit Joana und Gabby und Mazikeen habe ich sowieso schon alle Finger voll zu tun. Da brauche ich nicht noch eine weitere Schauspielerin und ihre Starallüren.

„Sie möchte dich kennenlernen“, meint Joana. „Von Sex habe ich nichts gesagt.“

„Sie wollen alle ficken“, entgegne ich. „Warum sonst sollten sie sich mit einer Sterblichen abgeben wollen?“

„Du gehörst längst zum Clan“, lächelt Joana.

Alles gelogen. Die Tussi hat mich in meiner Pilotenuniform gesehen und deshalb sind ihr die Schamlippen aufgeklappt. Das ist alles. Von wegen „Clan“.

In Schauspielerkreisen bin ich bestenfalls ein lesbisches Groupie, das man gerne mal herumreicht.

Cooler Gedanke, eigentlich!

Liebe, Sex, Verzweiflung

Prostitution ist quasi der rote Faden in meinem jüngsten Roman “J. – Forever”. Aber auch die verrückte Liebesgeschichte zwischen J. und mir.

Ich glaube, Verzweiflung ist das Hauptgefühl in diesem Buch. Und Selbstzerstörung und Hoffnungslosigkeit.

Es stellt sich heraus, dass Freundschaften das Leben ein wenig erträglicher machen.

Doch was nützen Freundschaften, wenn das Leben in den Wahnsinn führt? Eine ganze Menge, wie sich herausstellt.

Sex und Erotik

Anik, meine Schwester, ist übrigens diejenige, die früher (und heute manchmal auch noch) den ganzen Heterokram für mich schreibt, es sei denn, er hat mit Zoe zu tun – aber das ist ein anderes Thema.

Sie hat auch ein wenig bei meinem aktuellen Roman J.-Forevrer geholfen, immer dort, wo es um Gefühle bei diesem komischen Thema ging. Kommt ja nicht sooo oft vor.

Der Rest – na ja, der Rest der Heterosachen – sind eigene Erfahrungen, die ich mit Frauen aus der Szene gemacht habe, mit denen ich so manches gelebt habe um sie, um es, zu verstehen.

Versuche ich eigentlich mit der Fixierung auf gerade dieses Thema, Zoe aus meinem Leben zu verbannen? Kann das sein?

Ich wüsste nicht, wie das funktionieren sollte, denn ich lebe es ja nicht, ich träume es ja bestenfalls oder lasse es von Anik schreiben. Weil ich es nicht verstehe. Das heteromechanische. Das gefühlsmäßige beim mechanischen.

Komische Sache.

Sich so für Sex und Erotik zu interessieren und nicht zu wissen, wie das andere Geschlecht Dinge empfindet… Warum Männer zu den Nutten gehen, zum Beispiel. Warum Frauen diesen Job machen können. Wie Männer den Sex empfinden. Den echten und den gekauften.

Wenigstens bin ich in der glücklichen Lage ein paar Nutten „Freundinnen“ nennen zu dürfen und eine Bi-Schwester zu haben, die einen supernetten Typen hat, der mich nicht ausstehen kann und mir nicht an die Wäsche will, weil er schon weiß wie ich aussehe, weil er meinen Twin geheiratet hat. Mit dem ich mich stundenlang über „Männersachen“ unterhalten kann, weil Anik ihm sonst die Blowjobs und ihre kleine Sklawin streicht. (Weshalb er auch mein persönlicher kleiner Arbeitssklawe wurde, was meine Schwester wiederum nicht weiß.)

Weshalb ihm andererseits schon wieder einer abgeht, nicht wahr, Süßer? (WAG DICH NICHT!)

Komplizierte Welt.

Hihi…

Tammy

Vergewaltigung funktioniert anders

Ich bin mir nicht ganz sicher, warum manche Frauen sagen, dass die Arbeit als Prostituierte einer Vergewaltigung gleichkäme.

Zugegeben: Du bekommst im Puff gesagt – in diesem speziellen – dass du dich für jeden auf den Rücken zu legen und die Beine breitzumachen hast, weil es im Eintrittspreis enthalten sei. Jeweils zwei Minuten in diesem Fall, damit die Männer die ganzen Frauen („Damen“ genannt) erst einmal durchvögeln können, bis die „Herren“ so geil sind, dass sie auf jeden Fall mit einer aufs Zimmer gehen.

In die Möse ficken übrigens nur, Arsch kommt später.

„Im Eintrittspreis enthalten“ bedeutet natürlich: Der Puff kassiert die Kohle und die Mädels sehen nichts davon.

Am ersten Abend lege ich mich sechsmal hintereinander im Minutenabstand hin, bevor ich den ersten überzeugen kann, mich richtig zu ficken.

Man achte auf die Bedeutung des Satzes: „ich IHN überzeugen kann, MICH richtig zu ficken“. Einen von den sechs Widerlingen konnte ich davon überzeugen, dass ich seinen widerlichen Schwanz ohne Kondom in den Mund nehmen und nach allen Regeln der Kunst blasen darf. Was ekelhaft ist. Widerlich. Zum Kotzen.

Nicht, dass ich das früher nicht getan hätte, bei meinen Liebhabern. (Ich nenne sie nicht „Partner“, weil sich bei jedem einzelnen herausgestellt hatte, dass er ein Arschloch war und nebenbei noch mindestens eine andere gefickt hat).

Aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob du es bei deinen Liebhabern tust, die du gut oder cool findest oder in die du sogar ein klein bisschen verknallt bist. Dann hast du es auch überlebt, wenn beim Blowjob am Schluss ein wenig von dem Zeug in deinem Gesicht gelandet ist.

Hier jedoch – ich will gar nicht daran denken!

Ich bekomme 20 für die halbe Stunde. Der Freier zahlt 40. ALLES inklusive. So am Arsch sind die Preise.

Als mir das Arschloch auf der Couch bei seinem „Erklärungsfick“ die Konditionen genannt hat, bin ich fast gestorben.

Der Freier darf mich ficken. Wohin er will. Tatsächlich wohin er will: „Du hast drei Löcher, die werden benutzt!“, hieß das im Jargon des Zuhälters.

Dass ich beim Ficken auf ein Kondom bestehe, macht meine Arbeit nicht leichter, denn ohne Kondom bei allem ist heute schon fast Standard. Selbst beim Arschfick. Die Welt ist verrückt geworden!

Blasen geht NUR ohne. Anders bekommst du gar nichts. Wie sollte das auch gehen, wenn er dir in den Mund wichsen will und du das Zeug unterschlucken musst?

Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Das Widerlichste sind die ekligen, haarigen Visagen, die ein paar Zentimeter über deinem Gesicht stöhnen (und dir manchmal sogar ins Gesicht sabbern) und das dumme Gehabe und die ekelhaften Sprüche von denen sie glauben, sie wären intelligent.

Oder wenn ihre fleischigen Zungenlappen dir kreuz und quer über die Fotze sabbern und du so tun musst, als hättest du gerade den geilsten Multiorgasmus der Welt, weil sie die besten Sabberer der Welt sind.

WÄÄÄÄÄÄHHHH!!!

Damit sie wiederkommen.

Stammkunden heißt das Zauberwort.

Weniger „All you can fuck“, mehr Geldverdienen.

Aber Vergewaltigung?

Vergewaltigung kenne ich. Die funktioniert anders. Und damit verdienst du auch kein Geld. Vergewaltigung tötet dich. So einfach ist das.

Ich kenne Nutten, die arbeiten tagsüber bei D&G und nachts im Puff. D&G-Klamotten plus Louis-Vuitton-Schuhe sind teuer. Und das 3er-Cabrio vor der Tür auch. Eine andere fährt Stadtbus und bringt als Alleinverdienerin zwei Kinder durchs College. Es macht beiden ganz und gar keinen Spaß.

Doch die eine liebt Luxus und die andere wird es lieben, ihren Sohn als M.D. mit eigener Praxis und ihre Tochter als Anwältin in einer großen Anwalts-Firma zu sehen. Einzelfälle?

Vielleicht.

Ich habe eine Nichte und einen Neffen und eine kranke Mutter und als Nutte zu arbeiten ist ekelhaft.

Träume ich jedenfalls… Und ich habe mir vorgenommen jetzt aufzuwachen. Vielleicht kommt Kakaofresse ja auch gleich. Weil sie ihren Kakao haben will. Dann muss ich aufstehen.

Was einen nicht daran hindert, tot zu sein.

Tammy

So eine Art Vorstellungsgespräch

Boah, krass! Ich liege da wie eine Leiche.

Warum ich mir kurz vorher noch Vaselinezeug reingeschmiert habe, weiß ich nicht. Wenn ich gewusst hätte, dass ich gefickt werden würde, hätte ich mich ganz sicher auch rasiert. Ausserdem: Wer glaubt schon daran, dass er bei – zugegeben: so einer ART – Vorstellungsgespräch gefickt werden würde...

Früher, als ich noch Humor hatte, hätte ich noch hinzugefügt, dass wir ja hier nicht in Hollywood sind.

Aber erstens sind wir nicht in Hollywood, sondern in Hannover und zweitens habe ich meinen Humor längst gegen Hunger und Angst eingetauscht. Angeblich ist der Virus weg. Der Job ist es ganz bestimmt. Was geblieben ist, sind jede Menge Schulden und die Privatinsolvenz. Da kennen die nix. Virus hin, Antikörper her. Irgendwo sagt schon wieder jemand, dass die gar nicht unbedingt etwas nutzen. Die Antikörper.

Ich habe aufgegeben zuzuhören.

Ich habe andere Sorgen. Meine Mutter zum Beispiel. Die nicht mehr laufen kann. Und nicht mehr richtig denken kann. Und deshalb nicht mehr richtig auf meine Nichte und meinen Neffen aufpassen kann. Um die muss ich nämlich auch aufpassen, seit meine Schwester OD’d hat und der Vater sowieso nie im Bild war. Deshalb habe ich die Sache mit meinem Politikstudium auch an den Nagel gehängt.

Und jetzt liege ich da, steif und starr wie eine Leiche, lasse mich von einem Arschloch ficken, der das nicht macht, weil er mir zeigen will, wie das in diesem Puff funktioniert, sondern weil er mich ficken will.

Weil er mich vergewaltigen will – um es auf Deutsch zu sagen.

Und bald werde ich eine von denen sein, die mit „All you can fuck“ gemeint sind.

Tammy

Denken unerwünscht

Der Mann steht vom Schreibtisch auf, während die Frau zum Sofa geht.

Aha. Es ist wieder ein Mann. Wenigstens ist DAS geklärt. Für den Moment jedenfalls.

„Warum, genau, willst du hier arbeiten?“

„Ich brauche Geld.“

„Das brauchen alle. Glaubst du, hier verdienst du Reichtümer? Heutzutage?“

„Hauptsache ich verdiene irgendwas.“

Du verkaufst dich aber ganz schön billig, Mädchen!

Der Mann stellt sich genau vor sie: „Mach meine Hosen auf.“

„Ihre Hosen?“

„Siehst du noch jemanden?“

„Ich dachte…“

„Du fängst ja schon wieder an zu denken!“

Ich weiß ja, es ist ein Traum, aber kann ich dem Typ nicht trotzdem irgendwie in die Fresse treten?

„Hol ihn raus!“

Und dann setze ich mich hin.

„Die Eier auch. Bevor du das auch noch fragen musst.“

Sie ist vorsichtig und holt meine Eier einzeln raus.

Momentmal… MEINE. EIER. EINZELN. RAUS? Bin ich jetzt etwa…? Habe ich jetzt etwa…? Ich schaue hinunter… AAAAAAAAHH!

„Captain?“

„WAS?!“

„Warum schreist du so?“

„Hä?“

„Kann ich Kakao?“

Kakaofresse?

„Oh Baby, tonnenweise, Tag und Nacht! Weißt du eigentlich wie lieb ich dich habe?“ Und ich schnappe das nachtsabbernde Balg und drücke es ganz fest an mich.

Aber erst nachdem ich kurz geprüft habe, ob bei mir da unten wirklich noch alles in Ordnung ist!

Tammy

Was wichtiger ist

Und gerade als Mann/Frau erklären will, WARUM die Hosen runter müssen:

„Captain, kann ich Kakao?“

Rrrrrrrrr…

„Das heißt ‚Kann ich Kakao HABEN, verdammt! Hast du das denn immer noch nicht begriffen? Und ausserdem heißt das BITTE! Grrrrr!“

„Kann ich Kakao HABEN, verdammt, BITTE, grrrrr!“

Ich geb’s auf…

Tammy

Ich hasse Kinder!

Ich meine… Was ist wichtiger: Mein Schlaf und wie es mit der Nutte weitergeht oder dass das kleine Biest mitten in der Nacht Kakao saufen kann?!

Ist doch wahr…!

Chicago. Was denn sonst?

„Wenn du deine Hosen nicht runterziehst, rufe ich die nächste rein.“

Sie beeilt sich den Gürtel ihrer Jeans zu öffnen.

(Mein Traum wird plastischer. Interessant!)

„Darf ich etwas fragen?“

„Mach’s kurz.“

„Ziehen alle Mädchen…? Ich meine, müssen das alle machen?“

(Was ist denn jetzt los? Die ganze Zeit war das doch eine Frau hinter dem Schreibtisch, jetzt ist es ein Mann? Träume ich? Ach ja, stimmt ja – ich träume! Da passieren komische Sachen.)

„Runter. Richtig runter mit der Hose. Bis auf die Knie! Und das Höschen auch!“

„Das Höschen?“

„Natürlich das Höschen auch! Was denn sonst?! Meinst du vielleicht, ich will mir rosa Baumwolle betrachten? Und ja, jede Nutte muss. Und wenn du den Betrieb noch weiter aufhältst, kannst du wieder gehen!“

(Jetzt ist es wieder eine Frau! Ja, was denn nun? Nervt!)

Tammy / Titelfoto: ebenfalls Tammy

(Und das ständige Aufwachen auch!)

Dirty Talk?

Gabby liegt lang ausgestreckt auf der Bank, halb auf der Sitzfläche, halb auf der Lehne. Wir machen nach wie vor ordentlich Fahrt und das Boot heelt dementsprechend.

„Fuck! Mein Arsch“, jammert sie. Gabby hat mitlerweile richtiges Englisch gelernt umd benutzt keine poshen Ausdrücke wie „Po“, „Hintern“ oder „Kehrseite“ mehr. Ich hätte es aber auch nicht mehr sehr viel länger ausgehalten: Wir sind hier auf See und nicht im Buckingham Palace!

„Wundgefickt?“, grinse ich.

„Aber sowas von…!“

„Neulingsschicksal“, lächele ich: „Wird besser mit der Zeit.“

„Währenddessen ist es ja verdammt cool… Hätte ich ja wirklich nicht gedacht, du…“

Pause.

„‚Schlampe‘ ist okay“, lächele ich.

„Das wollte ich gar nicht sagen!“, protestiert Gabby. Sie redet in eines der Sitzkissen hinein, denn sie liegt auf dem Bauch: „Mir ist nur kein Wort eingefallen.“

„Deswegen wollte ich dir ja helfen. Schlampe mag ich. Hure oder Bitch, Miststück und ähnliches ist auch okay. Manchmal stehe ich auch auf Nutte. Dreckig ist geil!“

„Ich habe aber beim Ficken gar keinen Dirty Talk gehört“, wundert sich Gabby.

Sie sagt „ficken“! Yeah!

Ich nicke: „Beim Sex klingt sowas für mich irgendwie gezwungen, ich weiß auch nicht. Aber wenn du drauf stehst…“

„Nein, nein! Gar nicht mein Ding!“, beeilt Gabby sich zu versichern: „Ich dachte nur, du vielleicht…?“

„Nope.“ Dann muss ich überlegen, während Gabby einen Finger zwischen ihre Arschbacken schiebt und ein wenig reibt, und füge hinzu: „Ich stehe nur drauf, wenn mich manche Leute aus meinem direkten Umfeld in manchen Situationen so bezeichnen. Gar nicht unbedingt beim Ficken.“

„Okayyy?“

„Wenn du jetzt, zum Beispiel, ‚du Nutte‘ zu mit sagen würdest, weil ich dich dazu gebracht habe, bestimmte Dinge zu tun. Huuuh. Das käme gut!“

Einen Moment ist Stille.

Schließlich richtet sie sich ein wenig auf und zeigt auf die Tube Gleitcreme, die in einem der Flaschenhalter steckt: „Würdest du das bitte mal wegräumen, Baby? Ich möchte das nicht erklären müssen, falls Eva hereinkommt. Es ist doch ihre Kakaozeit, oder?“

„Klar.“

„Warte!“ Sie hält mein Handgelenk fest, als ich danach greife.

„Ja?“

„Mach mir noch ein bisschen auf den Arsch.“

Echt jetzt?

„Okay.“

„Und jetzt steck deinen Finger nochmal rein. Und zwar ganz tief. Und beweg ihn dort nochmal einen Moment.“

Okay… Die ist echt auf den Geschmack gekommen!

Mein Finger rutscht rein wie nichts.

Und als ich anfange ihn zu bewegen, stöhnt sie leise auf: „Du bist so ein elendes Dreckstück, weißt du das?“

Ja, ich weiß, denke ich.

Tammy