Blut und Küsse

Ich habe (mir selbst) eine Fortsetzung versprochen. Hier ist sie.

Aber zuerst: Es war schon ziemlich geil, mal wieder einen Gayclub zu besuchen. (Aber musste es mich dafür wirklich bis nach Vilnius verschlagen?)
Ich muss dazu gleich festhalten: Ich mag weder Lesben- noch Gayclubs. Sie sind düster und langweilig. Düster muss ja scheinbar sein, damit man in den Ecken ungestört herummachen kann. Langweilig. Sowohl die Clubs als auch das Herummachen. Jedenfalls wenn man an Letzterem nicht selbst beteiligt ist. Ich gehe ja auch nicht hin, um irgendwen abzuschleppen. Hell, no! Aber mit Frauen zu lachen und zu trinken, von denen jede Einzelne lesbisch (und meist auch horny) ist, ist schon geil. Auch cool: Nach den üblichen Eingangsfragen nach Namen und Herkunftsort, kommt meist natürlich ganz schnell das „Und was machst du so?“. Natürlich könnte ich eine Menge Unsinn antworten, doch das Wort „Pilotin“ sorgt ganz schnell dafür, dass in kürzester Zeit das Herummachen in den Ecken aufhört und sich eine dicke Traube notgeiler Lesben (und auch einige Schwule) um einen versammelt und man sich vorkommt wie eine Präsidentschaftskandidatin. Das ist cool.
Warum? Weil ich mir dann in aller Ruhe eine Kandidatin aussuchen kann, mit der ich in der folgenden Stunde in einer dunklen Ecke herummachen kann. (Ha!) Diesmal waren es zwei. Warum das so einfach ist? Pilotin = Uniform = Geil! Wir Lesben sind doch so berechenbar!
Das ist eigentlich an solchen Abenden alles, was ich will und ich sage es allen Beteiligten auch vorher: Herummachen, sonst gibt es nichts. Herumknutschen und mit Titten spielen. An meine Möse lasse ich niemals eine, denn ich kann ja nicht wissen, wer sich die Finger wäscht, wer nicht und wo die Grabscherchen vielleicht vorher drinsteckten. Also fällt alles unterhalb der Gürtellinie weg, aber der Rest ist ja schließlich auch nicht zu verachten. (Es ist übrigens auch ganz und gar nicht zu verachten, mit zwei Frauen gleichzeitig „herumzumachen“ – GEILES WORT! – und theoretisch wären ja auch drei möglich: links, rechts und knutschen. Ich muss das mal ausprobieren.)
Aber das geht natürlich alles nur eine gewisse Zeit, vor allem wenn ich ständig damit beschäftigt bin, Finger abzuwehren, die versuchen mir an die Möse zu gehen.
Aber – grosses ABER – die Mädels dort waren toll. Eine der beiden habe ich zwar überhaupt nicht verstanden (Litauisch und Russisch), während die andere genug erotisches Englisch konnte, um die Sache mit Dirty Talk zu würzen. Aber selbst mein rudimentäres Russisch (Da! Da! Da!) reichte, um mir den Tequila von den Nippeln saugen zu lassen. Alles in allem ein positives Erlebnis, auch wenn ich keine Visitenkarten verteilt habe.
Zum Stammgast werde ich ganz sicher auch nicht. Wenn ich ficken will, gehe ich in „normale“ Clubs, Klamottenläden und Straßencafés. In Uniform. (Und wenn ich richtigen Sex und megageile Orgasmen haben will, habe ich ja immer noch meine Dämonin, die zu nichts anderem gemacht worden ist, um die Menschen mit tausend Höhepunkten zu Tode zu ficken.)

Vilnius bei Nacht

Aber jetzt zum eigentlichen Thema: was mich eigentlich nach Vilnius verschlagen hat.

Meine treuen Leser haben sicher den Eintrag „Du bist gefeuert!“ gelesen und wissen, dass ich das Meeting mit meiner Chefin Miranda und meiner Schwester Anik mit ausgestrecktem Mittelfinger verlassen habe. (Eigentlich gar nicht wirklich meine Art, doch ich fühlte mich gerade so proletenhaft.) Tatsächlich wollte ich einfach nur raus und wollte den nächsten Flieger nach LA nehmen, um kurz bei Joana in Bel Air vorbeizuschauen, und dann nach Orcas Island weiterfliegen, wo Mazikeen gerade an der Vergrößerung ihres Bootsstegs arbeitete. Gabby konnte ich hier leider nicht besuchen, weil das Miststück gerade mit ihrer Tochter und ihrem Typ eine verlängerte Hochzeitsreise machte. (Ein anderes Thema … Kotz! Die Moral von der Geschichte: Lass dich niemals mit Heten ein!)

„TAMMY!“ Der Ruf kam vom anderen Ende des Flurs, während ich auf den Aufzug wartete. Mirandas unverschämt rauchige Stimme war unverkennbar. (Wie ich sie dafür beneide!)
„Fuck off!“
Doch sie ließ sich nicht beirren, setzte die Maske mit dem Logo unserer Airline auf und rannte mir hinterher. (Meine FFP2-Maske war schwarz. Flammen loderten über Mund und Nase. Ein höllisches Geschenk von Mazikeen, logisch.)
„Darf ich BITTE nochmal mit dir reden?“
Scheiß-Aufzug! Wie lange braucht der eigentlich? Ich antwortete nicht, grinste lediglich, was sie vermutlich nicht sehen konnte. Ich hoffte aber, dass die Flammen dadurch etwas höher loderten.
„Was muss ich tun, dass du deine Meinung änderst?“
„Get lost!“
„Ich möchte diese Flieger. Wirklich! Wir brauchen sie!“
„Was muss ich tun, damit du endlich verschwindest?“
„Mit mir reden!“
„Was muss ich tun, damit du NICHT mit mir reden willst?“
„Schlag mich zusammen, dann musst du nicht.“
Ich starrte sie an. Der Aufzug war fast unten angekommen. „Ich schlage keine Frauen. Jedenfalls nicht, bevor sie darum betteln.“
„Bitte schlag mich zusammen. Bitte, bitte!“
Ich zuckte mit den Schultern und verpasste ihr eine, dass sie gegen die hintere Aufzugswand krachte und langsam zu Boden sank. Wer drum bettelt …

Wer drum bettelt …

Hinter mir öffnete sich die Fahrstuhltür. Im Spiegel, vor dem meine Chefin saß, erkannte ich eine ältere Dame in schickem Tweetoutfit und einen älteren Herrn mit Texaskrawatte. Ich drehte mich zu ihnen um und hob entschuldigend die Hände: „Für gewöhnlich ficken wir. Heute ist eine Ausnahme.“ Mit tiefreligiösen, aufgerissenen Augen, packte der Texaner seine Frau am Arm und sie machten einen kollektiven Schritt nach hinten.
„Fühlst du dich jetzt besser?“ Miranda streckte mir eine Hand entgegen.
„Etwas“, entgegnete ich und half ihr aufzustehen. Ihre schicke Airlinemaske färbte sich langsam rot.
„Jetzt schuldest du mir mindestens einen Drink.“
„Soso …“ Scheiße, ich musste grinsen. Ich hoffte, dass meine Augen das nicht verrieten.
Miranda wandte sich an das Texikanerpaar: „Machen Sie Platz! Wir versuchen abzutreiben!“
Scheiße, ich musste losprusten!
„Sie können allerdings auch stehenbleiben und uns auf je 10.000 Dollar verklagen“, fügte Miranda, bezugnehmend auf das neue, widerliche Gesetz in Texas, hinzu.
„Soll ich dir jetzt in den Magen treten?“, fragte ich, laut genug.
„Das sollte funktionieren“, nickte meine (Ex)-Chefin.
Von den betagten Südstaatlern war danach nur noch ein Luftloch übrig.
Was blieb mir übrig als laut zu lachen?
„Du bist ein ganz schönes Arschloch“, stellte Miranda nach einem Moment Herumstehen fest.
Ich bestätigte das.
„Darf ich dir jetzt einen Drink ausgeben, oder nicht?“
„Aus deiner Maske läuft Blut raus.“
„Ich sage ja, dass du ein Arschloch bist.“

Schließlich landeten wir auf dem Damenklo. ‚Frisch machen‘, wie Miranda das nannte. Während ich pinkele, wischte sie sich das Blut aus dem Gesicht. Sie winselte wie ein junger Hund, wenn sie ihre aufgeplatzte Lippe berührte: „Danke, dass ich alle Zähne behalten durfte“, erklärte sie sarkastisch.
Ich nickte freundlich: „Das war doch das Mindeste, was ich für dich tun konnte.“
„Bar?“, fragt sie, als sie fertig war.
Ich schüttelte den Kopf: „Keine Chance. Du blutest den ganzen Tresen voll. Das ist peinlich.“
Sie verdrehte die Augen.
In diesem Moment kam jemand zur Tür herein: „Raus!“, wurde sie angefaucht. Miranda kann fauchen. Interessant.
„Wir verlieren die Branche, wenn wir nicht aufrüsten. Die großen Airlines warten nur darauf, mit gecharterten Studioflügen Werbung machen zu können.“ Mit ‚Branche‘ meinte Miranda die Hollywoodstudios.
Ich zuckte mit den Schultern: „Eure Bombardiers sind doch voll.“ Ich setzte ganz bewusst die zweite Person Plural ein, um mich von der Firma zu distanzieren. Schließlich hatte sie mich gefeuert und ich war drauf und dran, mein Kapital abzuziehen.
„Sie sind zu klein. Und die Reichweite ist nicht da.“
„Warum?“
„Wir brauchen mindestens 130-180 Plätze und eine interkontinentale Reichweite.“
„Wie bitte? Interkontinental?“
„Immer mehr Drehorte sind in Europa, das weißt du.“
„Bisher haben die Studios es auch ohne 737 über den Teich geschafft.“
„Ohne UNSERE 737. Mit Linienmaschinen und Frachtcharter. Uns geht ein Riesengeschäft verloren. Und wir stehen kurz davor, die ganze Branche zu verlieren. Das erste Studio haben wir schon abgeben müssen. Ich möchte es zurückbekommen.“

Eine 737-800 NG auf dem Taxiway

Wieder öffnet sich die Tür: „RAUS!“
„Nicht überzeugend.“ Ich schüttelte den Kopf.
„Wie blöd muss man sein, um das nicht zu kapieren?“
„Vermutlich so blöd wie ich“, nickte ich.
„Was können wir denn deiner Meinung nach sonst tun?“, fragte Miranda.
„Nichts. Ihr habt kein Geld für so eine Aufrüstung. Und die Banken werde euch etwas husten. Vor allem jetzt, wo ich aussteige. 737 – so ein Schwachsinn!“
„Du musst ja nicht aussteigen.“ Ihre Lippe blutete immer noch ein bisschen. „Du kannst jede 737 fliegen!“
„Ich kann es aber auch lassen.“
„Ich weiß, du hasst es, mit Airliner Linienverkehr zu fliegen. Wie sagst du immer? ‚Busfahren für Studierte‘. Das ist aber kein Linienverkehr. Das ist Charter und das weißt du. Fast rund um die Welt. Mit einem Standbein in Europa.“
„Das auch noch? Nicht nur FAA, sondern auch noch EASA? Na danke …“
„Seit wann siehst du alles nur noch negativ?“
„Seit ich dich kennengelernt habe.“
„Ist es, weil ich nicht mit dir schlafen will? Eine Frau, die NICHT mit dir ins Bett will, das darf es in deinen Augen wohl nicht geben?“
Ich erinnerte mich an die eine Sache, bei der sie mich in ihrem Büro für ein paar Momente fickte, um das zu bekommen, was sie wollte. Diese Frau war echt das Letzte! „Du willst NICHT? Echt nicht? Was haben dann deine Finger in meiner Fotze gemacht?“
„Dich überzeugen.“ Miranda grinste.
„Hast du jetzt auch vor, mich zu ficken, damit du bekommst, was du willst?“
„Wenn es sein muss …“
„Eine Manager-Nutte. Nett …“ Ich schüttelte den Kopf.
„Darf ich dich an dein jüngstes Buch erinnern?“
J.–Forever? „Was ist damit?“
„Angeblich empfindest du doch Prostitution als ein legitimes Mittel zum Zweck?“

MOMENT MAL!

Wieso konnte die Frau dieses Buch lesen? Es ist doch nur auf Deutsch erschienen?

„Willst du mir jetzt weismachen, dass du Deutsch lesen kannst?“
„Ich kann es nicht nur lesen, sondern auch sprechen und verstehen. Du schreibst wirklich interessante Bücher. Auf Deutsch. Deine englischen Titel sind allerdings miserabel.“

Jetzt erwischte sie mich eiskalt: Sie ANTWORTETE mir AUF DEUTSCH! Zwar mit ziemlich amerikanischem Akzent, doch grammatisch richtig, vollkommen verständlich und – fließend.
„DU SPRICHST DEUTSCH?“, blökte ich auf Dummdeutsch.
Miranda zuckte mit den Schultern: „Und Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch und ein wenig Norwegisch. Schlimm?“
„Warum?“ Diese Frage war noch dümmer als die von eben. Aber das war zu entschuldigen, wenn man von einer Sekunde auf die andere erfuhr, dass die Ex-Chefin SIEBEN (7) Sprachen fließend beherrschte! Und man selbst – ich wollte nicht darüber nachdenken.
„Es hilft beim Business. Aber das war nicht unser Thema.“
Sie erwischte mich mit dieser Sprachgenie-Eröffnung so eiskalt, dass ich vergessen hatte, was das Thema war.
„Du stehst auf Nutten. Zumindest kann man das aus J.–Forever herauslesen.“
„Ich brauche einen Drink.“
„Zur Bar?“, lächelte Miranda.
Ich konnte nur noch dümmlich nicken.

Fortsetzung folgt.

The Big One

Eigentlich herrscht zurzeit das beste Wetter: Tagsüber bis 24°, Sonne, ein paar Wolken, und der geheizte Pool dampft munter vor sich hin. Was will frau mehr?

Den Scheiß-Virus endlich loswerden, ich weiß.

Dabei kann ich mich noch nicht einmal wirklich beschweren: Die Maskenpflicht trifft mich selten. Wenn ich an einem Flugplatz ankomme, und die Maschine entgegennehme, wenn ich mich mit der Crew bespreche, oder mit Flughafenpersonal. Das war es aber auch fast schon.

Im Cockpit tragen wir natürlich keine Masken. (Wofür wir uns täglich selbst testen müssen, oder in unserer Firma getestet werden.) Das Flugzeug verlasse ich nur, wenn es unbedingt sein muss, ansonsten lege ich mich im vorderen Bereich schlafen. An manchen Tagen schaffe ich es sogar das Flugzeug überhaupt nicht zu verlassen, dann erledigen mein Copilot und die Crew alles, was zu tun ist.

Ich kann diese Masken nicht ausstehen! Aber wer kann das schon?

In der übrigen Zeit verlasse ich unser Haus bzw. unser Grundstück gar nicht. Dort gibt es ja alles, was ich brauche.

Aber wenn ich ehrlich sein soll: Ich vermisse die Bars und Cafés und Restaurants und ganz besonders auch das Shopping. Internetshops sind kein Ersatz. Gar keiner.

Aber wem sage ich das? Alle kennen das. Ich versuche mir immer wieder vorzustellen, wie es Menschen gehen muss, die mit Kindern während einer Ausgangssperre in einer Dreizimmerwohnung leben müssen. Der Horror!

Nichtsdestoweniger, dieser Virus ist er: the big one. Der, vor dem alle Angst hatten. Der, der die Grippe, und ihre Abermillionen von Toten, Anfang des 20. Jahrhunderts überflügelt. Das sollten die Menschen, die darunter leiden müssen, niemals vergessen. Wären wir in der gleichen Situation wie 1918 – will heißen, mit der gleichen medizinischen Versorgung und unter gleichen Lebensumständen – würde jetzt auf der ganzen Welt alles zusammenbrechen. Wir können froh sein, dass selbst die ärmsten Länder heute in der Lage sind, gegen diesen Virus anzukämpfen. Und vor allem, dass die nötige Vernunft vorhanden ist, es auch konsequent zu tun.

Dieser Mist wird irgendwann vorbei sein, Mutationen hin, Mutationen her. Je mehr Vernunft der Einzelne zeigt, desto schneller haben wir es hinter uns.

Und niemand hindert uns ja auch daran, Sex zu haben. Man stelle sich nur einmal vor, dass wir das auch nicht mehr dürften …

Maskenpflicht mal anders

Und dann gibt es da noch meine Bücher:
https://tinyurl.com/y38cg4ur

Meine guten Vorsätze

In 2021 ist alles anders.

Vorsatz: Mehr Sex
Status: Ich arbeite daran

Vorsatz: Weniger Arbeit
Status: Abwarten

Vorsatz: Mehr tanzen
Status: Allein geht’s

Vorsatz: Weniger essen
Status: Öm…

Vorsatz: Weniger Maske
Status: Ach Scheiße…

Vorsatz: Mehr Pornos drehen
Status: Bleibt abzuwarten

Vorsatz: Öfter nackt
Status: Solange meine Titten es erlauben

Vorsatz: Weniger Frauenvielfalt
Status: Wenn die aber doch alle angerannt kommen…

Vorsatz: Mehr BDSM
Status: Wann, bitte?

Mehr BDSM

Vorsatz: Mehr schreiben
Status: Ab morgen

Vorsatz: Wieder öfter segeln
Status: Bleibt abzuwarten

Vorsatz: Weniger Politik
Status: Trump macht’s wieder möglich

Vorsatz: Weniger Alkohol
Status: Tequila versteckt, leider wiedergefunden

Vorsatz: Öfter masturbieren
Status: Verrate ich nicht

Vorsatz: Weniger Sexspielzeug kaufen
Status: Bis jetzt klappt’s noch nicht

Vorsatz: Mehr Vorsätze ausdenken
Status: Ideen? Irgendjemand?

Ich werde ruhiger

Wieso muss ich mich eigentlich ständig aufregen? Ich hatte eigentlich gehofft, das passiert mir nur noch online, wenn ich versehentlich Dummkommentare von Couchhandy-Proleten lese?

Nein, das funktioniert auch immer noch „live“! Eigentlich hatte ich gehofft, mit 37 endlich raus aus der brodelnden Adrenalinsuppe zu sein, doch offenbar ist nach wie vor kein Tellerrand in Sicht. Da ich jedoch meine spätpubertierenden Gothklamotten an jüngere Generationen, die noch in der Identitätskrise stecken, verschenkt habe, glauben die Leute mir nur nicht mehr, dass ich wirklich zuschlagen würde. Damit liegen sie nur insofern richtig, dass ich heutzutage, aufgrund häufiger Verspannungen im Rücken, öfter an die kleine Automatik in meiner Handtasche denke, als an mein jahrzehntelanges Kampfsporttraining.

Worüber ich mich besonders aufrege – ach was, ich rege mich über viel zu viel auf! Nicht nur über rote Mützen. Es heißt, man solle sich nicht über Pick-up-Aufkleber-Terroristen und Heiligenschein-Horror-Hirnis aufregen. Oder zumindest ab einem gewissenen Alter nicht mehr – aber wie kann ich nicht?

Vor allem, wenn sie einen auf der Straße anrempeln – 2 Meter Abstand? Hallooo?! – und einem dann anblöken, man solle gefälligst besser aufpassen? Ein bärtiger Riese mit Schultern, breit wie der Mindestabstand, rempelt einer 163cm-Tussi fast das alternde Hirn aus dem Schädel und grölt ihr dann sein Alkohol-Virusluft-Gemisch in die Maske?

Wie soll sie dann nicht ihre gute Erziehung vergessen und ihn mit geübtem Drehtritt in einen strategisch günstig platzierten Mülleimer befördern?

WIE, frage ich!?

Schwarzmalerei

Wie mir das alles auf die Nerven geht! Wem geht das noch so?

Keine Partys, keine Feiern und keine Cafés! Das ist doch kein Leben!

Ich versteh’s ja und ich halte mich auch an die Regeln, doch der Wunsch auszubrechen wird immer größer. Das geht natürlich allen so. Aber wenn man bedenkt, wie gut ich es habe: Riesenhaus, Riesengarten, Familie mit vier Personen plus persönlichem Dämon, ein Stall voll Hunde, Katze, Sonne, Pool, Flugzeug, in Kürze wieder ein Boot – ich habe eigentlich gar keinen Grund mich zu beschweren.

Trotzdem…

Wie auch immer. Wann ist der Spuk endlich vorbei? Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, den ganzen Quertreibern sei Dank. Ich hoffe sie wohnen alle in Ein-Zimmer-Apartments ohne Balkon im 7. Stock!

Und möglichst mit Wohnungskater und dreckigem Katzenklo.

Ich könnte Mazikeens Vorschlag folgen und mich tatsächlich wieder auf Weltreise begeben. Diesmal auf einer größeren Yacht mit der ganzen Familie. Plus ausgewählte Gäste. Auf See kann keiner etwas dagegen sagen, da könnten wir Party machen, soviel wir wollen. Nachteil: Wer weiß, ob uns wieder jemand an Land lassen würde!

Im Übrigen ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns die nächste Pandemie trifft, denn die potentiellen Kandidaten häufen sich. Der Klimakrise sei Dank. Niemand braucht zu denken, dass mit der Ausrottung von Covid-19 alles erledigt ist.

Hollywood kann schon mal die Drehbücher über Apokalypsen-Szenarien aus den Kellern holen.

Wow, male ich heute schwarz! Liegt wohl daran, dass ich morgen wieder arbeiten muss.

Ich muss ins Bett, ich brauche Sex.

Maskenlos ist das neue Oben ohne

Das Virus geht mir echt auf den Keks. Immer mehr! (Immer öfter übrigens auch.)

Für morgen haben wir spontane Fotos geplant, auf denen ich halb-, zwei Drittel- oder ganz nackt durch die Straßen von Hollywood laufe.

Eigentlich ist das ziemlich easy going – mit einem Fotografen und zwei von uns, die Wache stehen.

Hose runter in Hauseingängen, z.B. oder Teleaufnahmen in leeren Seitenstraßen, oben ohne mit unscharfen Menschengruppen im Hintergrund. Im Rock breitbeinig in der Fußgängerzone auf einer Bank sitzen – sowas eben. Wer hat das noch nicht gemacht?

Leider kommen uns jetzt die Scheiß-Masken in die Quere. Es ist ja nicht nur so, dass ich gerne mein eigenes Gesicht auf meinem eigenen Körper sehen möchte, sondern hier sind auch jede Menge andere Menschen mit diesen elenden Stofffetzen vor Mund und Nase unterwegs.

Klar, sie helfen gegen die Virenverbreitung, doch sie versauen uns auch die Fotos!

Möglichkeit: Für den Stoff in der Fresse packt jede Fußgängerin zum Ausgleich eine Titte aus. Aber wer macht das schon? Und will man wirklich die Möpse von jeder Passantin sehen?

Okay, war ein dummer Witz. (Aber das Bild stelle ich mir schon krass cool vor.)

Zurück zu meinen eigenen Bildern: Auch wenn Maskenfotos gerade die grosse Masche sind – mir gefallen sie nicht.

Leider gibt es wenig Alternativen. Man könnte sich natürlich auch mit nacktem Mund in dunklen, einsamen Ecken fotografieren lassen.

Maskenlos ist das neue Oben ohne.

Nicht mehr Titten sondern Nasen zeigen.

Ich finde es doof. Was interessieren mich eure Fressen, wenn ich eure Möpse sehen könnte?

Schweife ich ab? Schon irgendwie.

Es geht ja um meine nackte Haut und nicht um eure.

Natürlich gibt es in Hollywood (noch) keine Maskenpflicht im Freien. Doch man hat das Gefühl, es gäbe sie. Die Menschen hier sind im Schnitt etwas intelligenter, deswegen sieht man hier so gut wie nie die roten Mützchen und noch viel seltener die Dumpfbackenjüngersymbole von Q. Deshalb gehören die bunten Masken hier schon zum guten Ton. Ich habe das Gefühl, hier wird man eher schief angeschaut, wenn man die Maske weglässt als Shirt und BH. Vielleicht sollte ich genau das ausnutzen?

Der Punkt ist, einer Exhibitionistin hilft es nicht wirklich, die Maske wegzulassen – die Kleidung muss es sein.

Maskenlos macht mich nicht an, es macht mir Angst. Bei Tittenfrei ist es umgekehrt.

Also was tun? Ich weiß es noch nicht. Sex- und Pornofotos mit Maske jedenfalls, finde ich doof.

Vielleicht drehe ich mich einfach um und zeige diesmal nur meinen nackten Arsch.

„Dann sind die Bilder auch besser ausgefüllt“, meint Joana.

Grummel.

Jetzt gehe ich schlafen. Vorher muss ich allerdings noch Joanas Hand in einen Eimer mit lauwarmem Wasser hängen.

Was interessieren mich eure Fressen, wenn ich eure Möpse sehen könnte?

Don’t SHOOT me, BLOW me

Gestern Nacht hatte Eva einen Übernachtungsgast.

(Zwischenfrage: Wie nennen feministische Sprachterroristen eigentlich einen weiblichen Übernachtungsgast? Übernachtungsgästin?)

Gegen 11 habe ich meinen Kopf durch die Tür gesteckt: „Wenn das Gegickel nicht sofort aufhört, lege ich eure Puppen zur letzten Ruhe!“

Das haben sie verstanden.

Ihre Freundin hat geheult, während Eva die Augen verdreht hat. Manchmal habe ich ja das Gefühl, dass Gabbys Tochter mich nicht richtig ernst nimmt. Ich habe mir vorgenommen, beim nächsten Augenrollen eine ihrer Barbies rituell zu köpfen. Ob Martell auch Mini-Guillotinen anbietet?

Ernsthaft: Warum finden Mütter es toll, wenn sie ihre Brut aus dem Kinderzimmer hören können?

Ich bin ohnehin für Coronaübernachtungen über Zoom. Dann kann ich wenigstens um 10 den Stecker ziehen. Aber die Promikinder hier werden ja so oft getestet, dass sich dabei sogar ihre Polypen zurückbilden.

Aber was ganz anderes: Ich habe von einer Freundin gehört, dass irgendwo in Deutschland Bordelle wieder geöffnet werden. Soweit so fraglich. Aber der Hammer: Sex nur mit Maske und Blowjobs sind nicht erlaubt. Ich habe vor Lachen beinahe einen Zahn verschluckt. Wer denkt sich denn sowas aus? Warum macht man denn nicht einfach ein kleines Loch in die Maske. Mit Klappe. Muss ja nur ein Penis durch. Deutsche Beamte sind echt einfallslos!

Hier ist Prostitution ja generell verboten. Automatische Waffen sind erlaubt. Ich bin für eine Kampagne wie „Don’t SHOOT me, BLOW me!“ Mit einem Bild von einer Maske, aus der ein Penis wächst. Aber mit Gummi. Schon allein der Ästhetik wegen.

Für mich persönlich ist das ja nichts. Ich halte mich lieber an eine anständige Wurst (gerne vegetarisch), da kann man wenigstens reinbeißen. Ich gebe aber gerne zu, dass die allermeisten Frauen sich hin und wieder auch anderweitig den Mund stopfen lassen.

(Auf „J. – Forever“ möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.)

Aber zurück ins unschuldige Kinderzimmer.

„Ich werde Richterin“, hat Eva gesagt: „Und dann mache ich ein Gesetz.“

„Was für ein Gesetz?“

„Wegen Barbies totmachen!“

Kinder sind schon ziemlich doof, oder?

Barbiemassaker

Trump im Krankenhaus

Soso – es läuft nicht so toll für den Maskenverweigerer.

Die Verschwörungsspinner haben einen Verbündeten verloren.

Meine sonstigen Gedanken zu diesem Thema behalte ich für mich. Ich kann mich ja einigermaßen beherrschen.

Von Covidioten und Covidgangstern

Ich kann Leute nicht leiden, die Witze über Krankheiten machen, schon gar nicht, wenn es sich um tödliche handelt. Motto: Mir doch scheißegal!

Und ich kann Leute nicht leiden, die behaupten es gäbe keinen Virus, wenn ich in den Krankenhäusern und Notaufnahmen in Kalifornien und Texas mit eigenen Augen sehen muss, was den Menschen Schreckliches passiert. Deren Motto: Was ich nicht sehen kann, gibt’s nicht.

Ja, in den Krankenhäusern und Notaufnahmen, weil wir – und damit ich – bezahlbare Medikamente anliefern, die irgendwer gespendet hat und bei der Gelegenheit gleich auch noch Schutzkleidung für Ärzte und Pfleger mitbringen.

Was ich auch nicht leiden kann, sind Leute, die so wenig Hirn besitzen, dass sie glauben, dass Menschen durch Impfungen kollektiv krank werden oder ihnen gar Mikrochips in die Blutbahn gespritzt werden. Motto: Ich schaue Akte X, weil dort endlich mal die Wahrheit gesagt wird.

Und da gibt es auch noch solche, die keine Masken tragen wollen, weil sie ja gesund sind. Auch ein Fall von fortgeschrittener Dummheit oder im Zweifel chronischer Rücksichtslosigkeit. Motto: Liebe dich selbst statt deinen Nächsten.

Oder die ganzen Megagläubigen, die sich unablässig beschweren, dass sie ihren religiösen Arsch mal für eine Weile nicht an dem von Anderen reiben können? Motto: Gott, Allah oder wer auch immer, ist zu faul aus dem Gotteshaus herauszukommen.

Und wie war denn das mit den Leuten, die es nicht mal schaffen zwei Wochen zu Hause zu bleiben oder mal eine Weile ohne Partys auskommen? Wie schwach kann man eigentlich sein?

Aber am meisten hasse ich diejenigen, die diesen ganzen Schwachsinn der Covidioten nicht glauben, sich aber mit einem Mikrophon vor die Unbedarften stellen um mit irgendeinem Dreck, den sie verkaufen, Geld zu verdienen. Motto: Idioten kann man alles andrehen.

Ich glaube, Bill Gates gibt mir da recht, er hat es ja auch geschafft der ganzen Welt dieses dämliche Windows zu verkaufen und reiche Menschen sind ja sowieso von Grund auf schlecht, richtig? Also ein perfektes Opfer für die dümmste Verschwörungstheorie von allen…

Nein, das Thema regt mich immer mehr auf, je öfter ich mit eigenen Augen sehe, wie die Menschen in den Krankenhäusern buchstäblich erbärmlich verrecken und wie Ärzte und Pfleger sich in Doppelschichten sprichwörtlich den Arsch aufreißen um Leiden zu lindern oder Leben zu erhalten.

Wie müssen die sich wohl fühlen, wenn sie Witze über Covid-19 lesen?

Ich rufe meinen großen Bruder!

Ich muss gestehen, hier in Nordamerika ist es nicht ganz so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zumindest läuft dann doch nicht jeder Depp mit einer Knarre herum. Jedenfalls nicht, wo ich mich meist herumtreibe: auf Flugplätzen.

Was anders ist gegenüber früher, dass hier – klar – ein großer Teil der Leute mit Masken herumrennt. Nicht alle, bewahre, doch es gibt eine Menge Menschen, die ihre „persönliche Freiheit“ über das Leben der anderen Stellen. Meistens sind es nicht die intelligentestens. Aber gerade das ist ja das Schlimme, denn ansprechen solltest du diese Dummköpfe nicht – man schaut ganz schnell in die Mündung einer Waffe oder auf ein überdimensioniertes Messer. Idioten eben.

Aber das ist eigentlich gar nicht mein Thema.

Es ist unfassbar, wie glücklich es mich macht, wieder mit Aviation zu tun zu haben! Auf Flugplätzen herumhängen, Flugzeuge besichtigen, mit Kollegen sprechen – und natürlich wieder selbst fliegen.

Im Moment ist es ganz krass, denn ich sitze alle paar Stunden in einem anderen Flugzeugtyp – etwas, was man eigentlich ganz und gar nicht tun sollte. Immerhin fliege ich nur Maschinen, für die ich entweder ein Type Rating (Befähigungsnachweis?) besitze, oder die klein genug sind, dass man dafür kein Rating braucht.

Gestern hat es mich dann tatsächlich bis nach Dallas verschlagen, wo ich gerade in einem Hotel „frühstücke“. Eine Tasse Kaffee und dann wieder los zum Airport.

Heute steht etwas ganz besonderes an, denn heute versucht mir ein Verkäufer eine Q400 anzudrehen, eine Maschine, die ich jahrelang für eine Air-Canada-Tochter geflogen habe. Das Teil ist natürlich, selbst fürchterlich gebraucht, noch viiiiiel zu groß und viiiiiel zu teuer für uns – abgesehen davon, dass ich gar nicht wüsste, was wir damit machen sollten. Außer vielleicht sie zu bewundern. Doch er möchte mich vom Gegenteil überzeugen. Ich lasse mich überraschen. Wenn da ein Testflug drin ist… Doch ich möchte bezweifeln, dass er soviel Geld investieren wird. Egal, ein Spaß wird das so oder so. Außerdem: man weiß ja nie, so wie die Branche derzeit am Boden liegt.

Zumal, meiner Erfahrung nach, männliche Verkäufer ihre „Urtriebe“ meist nicht im Griff haben und Pilotinnen als so eine Art Kleinkind mit Flugzeughobby begreifen. Es mag ja vielleicht in meinem Fall zutreffen, doch wenn er das heraushängen lässt, schicke ich meinen großen Bruder.

Bombardier Dash 8 Q400 nach dem Start