Ich liebe gammeln!

Nachdem wir unser nächstes Ziel – Kiritimati (Christmas Island) – erreicht haben, können Joana und Michael entscheiden, ob sie an Bord bleiben wollen. Denn von Cassidy International Airport gibt es Direktflüge nach Honolulu.

Eva bleibt definitiv noch eine Weile. Wir füllen hier unsere Vorräte auf und warten auf die Ankunft eines Privatlehrers, denn die Kleine soll weiter „zur Schule“ gehen. (Auch hier besucht uns ihre Mutter nicht, sie ist mehr am Millionenscheffeln interessiert. Ich weiß nicht, warum ich jemals so verrückt nach dieser Frau war!)

Die nächsten Stationen unserer Reise sind mehr oder weniger unbewohnte Inseln, bzw. Atolle, und wir wollen uns nicht festlegen, wie lange unsere nächsten Etappen dauern werden. Das ist natürlich auch für Joana ein kleines Problem, denn sie hat wie immer Filmprojekte in der Pipeline, obwohl sie einiges bereits abgedreht hat, was in den kommenden beiden Jahren erscheinen soll. Doch Mazikeen und ich weigern uns strikt, uns auch nur ansatzweise festzulegen, wie lange es bis zur nächsten Fluggelegenheit dauern wird. Die Welt nervt uns zu sehr, als dass wir uns freiwillig in die Zivilisation zurück begeben wollen. „Wir haben hier alles was wir brauchen“, behauptet Maze und hebt ihre neuen Spielzeuge, eine Angel und eine Harpune, hoch. Sie darf gerne das Futter beschaffen. (Das ist außerdem enorm dominant und tierisch sexy!) Aber ich liebe gammeln.

Solange in der EU kein Krieg ausbricht, bekommt mich hier auch keiner weg. Die ganze bekloppte Welt existiert hier nicht mehr. (Und keine Russen, yeah!) Apropos Welt: Ken bastelt uns eine herrliche, private Website von unserer Reise mit Bildern von jedem Tag, vom Boot, unseren Landgängen und uns selbst. Bis jetzt sieht das alles ziemlich cool aus. Vor allem die ganze nackte Haut, die er mit Vorliebe verewigt! Das wird einmal eine tolle Erinnerung im Greisenalter und in leicht zensierter Form auch für den Nachwuchs. (Keiner hat Lust irgendwelchen Bälgern zu erklären, warum Ken oder Zoe Penisse im Mund haben. Immerhin stehe ich persönlich den Anblick inzwischen durch.)

Unser nächstes Ziel ist nur eine Tagesreise von hier entfernt: Jarvis Island. Dass die Insel wieder ein Stück Amerika ist, ist weniger interessant als die Tatsache, dass wir erstmals den Äquator überqueren, um sie zu erreichen. Unser Besuch auf der südlichen Halbkugel bleibt aber für’s erste von kurzer Dauer, denn danach geht es wieder zurück nach Norden, wo wir uns Richtung Marshall Islands orientieren werden. Bis es endgültig Richtung Süden geht, werden wohl noch viele Wochen vergehen.

Falls es jemanden interessiert: Es regnet bei 30 Grad. Unser Soft-Top haben wir längst abgebaut und genießen den nächtlichen Regen nackt an Deck. Gerade schläft hier keiner: diese Chance lässt niemand ungenutzt. Morgen wird dann wieder das Sonnensegel zur Verteidigung gegen den Hautkrebs aufgestellt. Besonders fies ist die brutale Sonne, wenn das Boot unterwegs ist. Jeder sucht dann, voll bekleidet, den Schatten der Segel, wobei ich finde, dass es nackt unter Deck, alle Luken geöffnet, dann noch am angenehmsten ist, weil dort ein wenig Durchzug herrscht. Wie bereits berichtet: Die Klimaanlage taugt weniger als nichts. Mazikeen zerbricht sich seit Tagen den Kopf, wie das zu ändern wäre. Ich bin sicher, sie kommt irgendwann mit irgendeiner verrückten Ingenieursleistung und wir sitzen dann unter Deck und frieren! Das einzige Problem dabei: die fehlende Energie dafür. Es geht uns also offensichtlich nicht anders als der übrigen Welt!

Spaß beiseite: Es ist geil hier und ich gebe gerne zu, obwohl mir die Fliegerei natürlich fehlt, dass es die beste Entscheidung war, unsere Weltreise fortzusetzen.

Auch wenn Zoe hier ist. Obwohl ich mich nie an ihre Anwesenheit gewöhnen werde: Ich stehe es durch, komme da was wolle!

Sex, Suff und Rock ’n‘ Roll: Gammeln macht Laune

Ich habe genug von Windmühlen!

Anders als viele Menschen glauben: Ich bin keine Kämpferin. Nicht, wenn es um Kriege geht, die in den sozialen Medien ausgetragen werden. Noch nicht einmal, wenn es um moderne Bücherverbrennungen geht, wie sie derzeit überall in den Staaten stattfinden. Wer mich kennt weiß, dass ich schreibe, was ich will. Er weiß aber auch, dass ich mich nicht daran störe, ob andere es lesen können oder wollen. Meinen Orgasmus erreiche ich beim Schreiben, nicht beim Lesen der Verkaufszahlen.

Ob meine Bücher in Schulbibliotheken stehen dürfen oder nicht, ist mir herzlich egal. Genauso wie die Information, wie vielen Müttern ich auf die geschundenen Füßchen trete. Und wenn die Armee glaubt, Andrea solle auf den Index: bitteschön. Ich schreibe für mich, nicht für andere. Zwar finde ich es erschreckend, wie sehr die Guten unter uns ach so betroffen von meiner Schreibe sind, doch es juckt mich keinesfalls so, als dass ich mich kratzen wollte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass jemand meine Bücher einfach nicht lesen sollte, wenn ihm nicht gefällt, was drinsteht.

Der Witz dabei ist noch: Meine Bücher – und deren Verkaufszahlen – sind viel zu unbedeutend, als dass sich irgendwer daran stören könnte. Es gibt sie ja nicht mal in den Buchläden zu kaufen! (Nicht, dass ich mich bemühen würde, das zu ändern. Wer sie lesen möchte, weiß wo er sie findet.)

Was mich umtreibt, sind andere Dinge: Immer genug Wasser unter dem Kiel zu haben, oder genügend Luft, die über die Tragflächen strömt. Das sind die wichtigen Dinge im Leben. (Oder immer genug Frau in der Möse. Das ist fast noch wichtiger. Fast.)

Egoistisch? Ja, und wie! Wer ist das nicht? Ihr merkt es nur nicht selbst und wenn doch, wollt ihr es nicht wahrhaben!

Und wo sind meine einstigen großen, selbstlosen Ziele?

Klimaschutz, Gleichberechtigung, LGBT-Sichtbarkeit, Trump-Ausräucherung? Und manches Andere mehr?

Puff! Puff! Puff! Puff! Puff! In Luft haben sie sich aufgelöst!

Für wen sollte ich wohl das Klima schützen wollen? Für künftige Generationen etwa? Generationen, die ich als überflüssig und unnötig erachte? Ich will keine Kinder und empfinde Menschen, die welche in diese Welt setzen, als hochgradig egoistisch. Ihr wollt unbedingt Kroppzeug? Dann sorgt gefälligst selbst für eure schöne neue Welt!

Gleichberechtigung? #MeToo? Meine Gleichberechtigung ist ein Stück Stahl in der Handtasche und Geld auf dem Konto.

LGBTXYZ-Rechte? Spätestens seitdem ich nicht mehr weiß, was das eigentlich sein soll, kann ich mich in dieser Bewegung nicht mehr wiederfinden (was vermutlich so manchen Neuankömmling im Buchstabensalat freut). Warum sollte ich mich dem Hass einer Bewegung aussetzen, für die ich einst angetreten war, um Liebe zu verbreiten? Nur weil ich einige der Ziele nicht mehr mittragen will?

Und was Trump und alle, die ihn nicht verhindern wollten, angeht: Geht doch mit den Geistern unter, die ihr gerufen habt!

Schreibt mit Doppelpunkten oder redet mit Schluckauf. Verbreitet ruhig euren neuen Sexismus in der Sprache: Ich rede und schreibe weiter, wie ich es gelernt habe. Und wie es mir gefällt.

Impft euch oder lasst es bleiben – wen stört schon das Schicksal der anderen, richtig? (Das kann ich auch.)

Ich bin kein Don Quixote! Ich hab genug von Windmühlen! Ich gehöre zu denen, die aus ganz egoistischen Gründen aufgegeben haben zu kämpfen. Jetzt sind mal andere dran. Ich bin nicht Gutmensch genug, als dass ich mich bis zum Ende meiner Tage mit Dummköpfen herumschlagen wollte!

Und wenn neunmalkluge Kommentarschreiber glauben, sie wüssten etwas von mir und meiner Motivation: Da ist immer noch die Sache mit dem Baum, dem es egal ist, wenn das Schwein sich an ihm kratzt.

In diesem Sinne wünsche ich eine gute Nacht.

Ich bin kein Don Quixote und Masken trage ich bestenfalls gegen eure Viren

Besser vernarbt als gar nicht tot

Dieser Satz fällt mir immer wieder ein, wenn Zoe in meiner Nähe ist. Er macht nicht viel Sinn, ich weiß, jedenfalls nicht, wenn man ihn aus einem „normalem“ Winkel betrachtet. Ändert man die Perspektive, wird er verständlicher. Mein Blickwinkel hat sich längst geändert, ich bin jedoch nicht sicher, ob alle meine Leser das nachvollziehen können (oder wollen).

Offensichtlich hat mich Zoe zu lange verschont, als dass ich mit ihrer Gegenwart auf dem Boot tatsächlich umgehen könnte. Die vergangenen Tage, bzw. die Nächte, haben mich nicht nur ein wenig mitgenommen. Am schlimmsten ist es, wenn es anfängt hell zu werden, doch ich möchte nicht in Details gehen. Jedenfalls nicht in diese. Das wird schon sie für mich machen, es ist nur eine Frage der Zeit, dessen bin ich sicher. Meine Aufgabe ist jetzt lediglich die Fassung zu bewahren und an den Ort zurückzukehren, an dem ich einst war, an dem ich damit zurechtgekommen bin. Leidlich zurechtgekommen, jedenfalls. Wir Frauen sind ja widerstandsfähig.

Ich bin weder sucht- noch suizidgefährdet. Dafür bin ich der Göttin und meiner Familie sehr dankbar. Das sind Dinge, die in unserer Familie nicht existieren, bzw. keine besonders lange Halbwertszeit haben. Ich habe Zoe Jahrzehnte überlebt und das wird sich auch nicht ändern. Ich frage mich nur wieder und wieder, wieso ich offenbar keine Berechtigung habe, mein Leben zu genießen oder wenigstens ertragen zu können?

Jammern auf hohem Niveau? Ja, das sagen Leute, die nicht wissen, worum es eigentlich geht. Meinetwegen. Sollen sie doch denken was sie wollen. Wer hohes Niveau neidet, hat offensichtlich nicht verstanden, wie leiden funktioniert.* Aber da ich weder Lehrerin noch Erziehungshelfer bin – fuck you, ihr Idioten da draußen! Und nein, ich wünsche euch ganz bestimmt keine Zoe an den Hals. Egal, wie lächerlich ich euch finde!


* (Es ist auch ganz sicher nur eine Frage der Zeit, bis das Miststück meine Leser minutiös in ihrer Telegram-Gruppe über ihr Treiben informiert.)

Strategie dringend gesucht

Über den heutigen Tag möchte ich nicht sprechen. Und über die vorangegangene Nacht schon gar nicht. Zoe treibt mich zum Wahnsinn! So sehr, dass Mazikeen bereits in Mitleidenschaft gezogen wird! Das geht gar nicht! Sie lässt mir nicht mal Zeit, um mich ausreichend um Eva zu kümmern! Die Kleine tut mir echt leid!

Wenn ich nur wüsste, wie ich dieses Miststück Zoe loswerden könnte. Eine längerfristige Strategie würde mir ja schon reichen. Aber nein: Nichts fällt mir ein, gar nichts!

Wir sind jetzt schon den zweiten Tag auf diesem anderen Boot gewesen. Warum komme ich nur gegen dieses Luder nicht an? Immerhin konnte ich durchsetzen, dass wir endlich die Weiterfahrt planen. Gegen den Willen von Joana und ihrem Kerl, denen das Rumgammeln hier gut zu gefallen scheint. Klar, die haben ja auch keine rachesüchtige Ratte an der Backe!

Wer schläft wo und mit wem?

Zehn vor Eins am Morgen. Joana schläft in meinem Bett.

Die Schlafarrangements zu klären, war erstaunlicherweise gar nicht schwer gewesen. Ich war wirklich überrascht, dass Michael das kapiert hat: Joana gehört zu mir und nicht zu ihm, er darf lediglich ab und zu mal ran! Aber das scheint ihm durchaus zu genügen. Ich kann das verstehen: Damals, als ich noch hoffnungslos in den unerreichbaren Filmstar Joana verliebt war, hätte mich ein Küsschen auf die Wange schon zum glücklichsten Mensch der Welt gemacht. Heute erwarte ich ein bisschen mehr: vor allem, dass Joana mir jeden Wunsch von den Augen abliest. Die Zeiten ändern sich eben. Und offenbar ist das hier an Bord auch allen bekannt. Mit Ausnahme von Gernot natürlich. Ich glaube, er hat sich immer noch nicht von dem Schock erholt, als er Joana das erste Mal zu Gesicht bekommen hat. Ich wusste nicht, dass sich sogar Hardcore-Schwule in weibliche Filmstars verlieben …

„Hier schlafen wir …“, habe ich zu Joana gesagt und nach Achtern sie gezeigt.

Ken hat sich an Michael gewandt: „Komm, wir bringen dein Gepäck nach vorn.“

In der Nähe des Bugs, dort wo das Wasser lauter rauscht als die Niagarafälle, haben wir ihn einquartiert. Zugegeben, in der Doppelkabine gibt es ein (sehr schmales) französisches Bett, damit Joana ihn hin und wieder ungestört beglücken kann. Er hat die Kabine für sich alleine, was eher ungewöhnlich ist, denn eine Doppelbelegung ist im Zweischichtbetrieb bei 24/7-Fahrten durchaus normal. Aber wir haben derzeit keine echte Crew, sondern nur uns selbst, das schafft Platz.
Ken und Gernot haben die Kabine gegenüber. Und selbst Eva hat jetzt ein Bunkbett nur für sich! Der Seemann, den Mazikeen jetzt doch noch anheuern möchte, bekommt die sogenannte Skipperkabine ganz vorne, in die man nur durch eine Luke auf Deck hinabsteigen kann.

Die Mastercabin liegt achtern und ist mit Abstand die größte von allen. Das Bett, das Maze für uns eingebaut hat, hat wahrlich königliche Ausmaßen und ist mit zwei Metern annähernd so breit wie lang (die Miss Brendan hat aber auch einen ziemlich breiten Arsch). Das einzige, was ein wenig stört ist, dass der Besanmast durch die Matratze geht. Ernsthaft!
Zu zweit schafft man es aber locker auf einer Seite davon nebeneinander zu liegen zumal der Mast eher am Fußende steht. Aber man kann ihn herrlich für Spielchen missbrauchen! Aber das ist ein anderes Thema.
Auf jeden Fall ist unser Bett groß genug für drei. Wobei das unterwegs weniger nötig ist, weil Maze und ich meistens getrennte Schichten haben. Vor Anker brauchen wir allerdings den Platz.

„Du weißt schon, dass ich auch mal Zeit für Michael haben muss?“, fragt Joana.

Ja, ich kann es mir denken. Manchmal scheint sie mich echt für blöd zu halten!

„Warum?“, habe ich gefragt.

Joana hat nur die Augen verdreht.

Jedenfalls schläft Joana bei Maze und mir. Und zwar die ganze Zeit. Was sie mit diesem Typ macht, während ich anderweitig beschäftigt bin, kann mir egal sein. Hauptsache sie stinkt nicht nach Penis.

„Würdest du bitte aufhören, dich gegenüber Michael wie ein Arschloch zu benehmen?“, fragt Joana.

„Tue ich das?“

„Ja.“

„Okay, ich gehe gleich runter und biete ihm meinen Körper an.“

„Unterstehe dich!“

„Das traust du mir zu?“

„Ich traue dir alles zu, du kleine Hexe!“

So sieht mich meine beste Freundin? Ich bin entsetzt!

Wie geil faulenzen ist!

35°. Ein paar Wölkchen. Der Wind hat etwas nachgelassen. Übertreibung!

Das Meer hat sich etwas beruhigt, zumal wir uns auch ein Stück dichter ans Atoll getraut haben. Einfahren werden wir nicht, das ist mir zu riskant. Die Einheimischen sagen zwar, das wäre auch mit unserem Zweimaster drin, doch better safe than sorry.

Wir haben unseren schwimmenden Pool ausgepackt. Das Ding ist die Lachnummer für jeden hier. Natürlich ist das Schwimmen auch im offenen Meer möglich, doch Angsthase Gernot hat Schiss vor allem, was unter Wasser lauern könnte. Was tut man nicht alles für seinen schwulen Schiffskoch!

Mazikeen sonnt sich inzwischen auf dem Surfbrett. Lesben sind eben doch eine Evolutionsstufe weiter. Ich persönlich ziehe den Außenborder vor, das ist mehr ladylike.

Seitdem wir hier vor Tabiteuea liegen, weiß ich wieder wie geil faulenzen ist!

Lesben sind eben doch eine Evolutionsstufe weiter

Erster Tag im Paradies

Geschafft! Nach Wochen auf See haben wir wieder festen Boden unter den Füßen!

Mazikeen und ich sind als erste an Land, während Ken sich um die Zollformalitäten gekümmert hat. Behörden. Es ist doch immer das Gleiche, ob Vereinigte Staaten oder Winzrepublik. Aber das Wetter ist geil. Und heiß!

30 Grad und ein wolkenloser Himmel. Weißer Sandstrand. Strahlend blaues Wasser. Wenn hier nicht so viel Ungeziefer herumrennen und der Wind uns nicht so um die Ohren blasen würde, könnte man sich so tatsächlich das Paradies vorstellen.

Apropos Paradies: Ich habe euch jetzt etwas voraus, nämlich Zeit. 11 Stunden, um genau zu sein. Auf der Fahrt hierher haben wir nämlich einen ganzen Tag verloren, es ist Sonntag, 19 Uhr, während es in Deutschland gerade mal 8 Uhr am Morgen ist. Warum? Weil die Line Islands mehr oder weniger auf der International Date Line liegen und der Kalender hier einen Hüpfer macht. Unfair: Da unsere Reise uns nur Richtung Westen führt, werden wir den gestohlenen Tag auch nicht mehr zurückbekommen.

Joana und Eva sind noch nicht angekommen, das macht aber nichts, wir haben Zeit zu warten. Ein paar Tage ohne rauschende Wellen und ohne Schräglage werden uns gut tun. (Ob sie ihren Typ dabeihaben wird, hat sie mir immer noch nicht verraten. Ich fürchte aber schon – warum sonst würde sie sich zu diesem Thema ausschweigen?)

Aber jetzt gibt es erst einmal ein richtiges Abendessen, ohne dass wir unsere Teller festhalten müssen! Nackt an Deck. (Unser kurzer Strandbesuch hat leider im Bikini stattgefunden. Oben oder gar unten ohne ist ja meistens nicht gerne gesehen. Warum auch immer.) Mondlicht, Sternenhimmel und himmlische Ruhe. Leider immer noch unterm Soft-top, weil der Wind uns sonst den Spaß verderben würde.

Mazikeen, Ken, Gernot, ich – und ja: Zoe. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Die Reise hätte so schön werden können!

Sonst noch Fragen?

Die Sache mit der Altersdiskriminierung will mir einfach nicht aus dem Kopf!

Welche Altersdiskriminierung?

Genau. Das ist der Punkt.

Wenn sich jemand anmaßt, über die Beziehung Anderer zu philosophieren oder gar urteilen zu können, nur weil zwischen den Personen ein Altersunterschied besteht, der größer als der erwartete ist – das ist Altersdiskriminierung!

Wenn eine 25-jährige (oder ein 25-jähriger) sich in eine 70-jährige Person verliebt – was geht uns das an? NICHTS! Hört endlich auf von euch auf andere zu schließen! Zum Beispiel das Geld oder den Status des Älteren oder den Body des Jüngeren besitzen zu wollen. Alles, was diese Einmischungen signalisieren – wenn auch noch so versteckt – ist Neid. Purer, simpler, grasgrüner Neid.

Und jetzt erzählt mir bitte nicht, ihr würdet als 50-jähriger niemals freudig die knackfrische 25 Jahre jüngere Frau ins Bett heben (falls es die alten Knochen noch zulassen). Oder als Twen die Kreditkarte des älteren Partners überglücklich zum Schuh-Shopping ausführen. Heuchler, wer das bestreitet! Ich schätze, bei euch wäre das natürlich altersunabhängige Liebe, richtig?

Mein Schwager, der 23 Jahre älter als meine Schwester ist, hat eine Tochter, die gerade mal drei Jahre jünger als seine Frau ist. Als die ihren neuen Freund vorstellt, entblödet dieser sich nicht zu fragen, was denn „das Geheimnis“ meines damals 48-jährigen Schwagers sei. Ganz offen. In dieser Viererrunde!

Dazu fällt mir dann nichts mehr ein.

Ihm schon: „Platinkarten, fetter Benz und Riesenschwanz“.

Meine Schwester Anik hat zustimmend genickt: „Ausserdem fickt er gut. Sonst noch Fragen?“

(Muss ich noch erwähnen, dass meine Schwester diejenige in der Beziehung ist, die das Geld und den Benz mitgebracht hat?)

26 Grad und kein bißchen Sonne

Heute erreichen wir den 10. Breitengrad und bis zum Äquator sind es dann nur noch 600 Meilen (500 bis zu unserem Etappenziel). Was sich in den Temperaturen bemerkbar macht: Unter dem Soft-top und unter Deck brauche ich keine Klamotten und schon gar kein Neopren mehr, denn 26 Grad bei bewölktem Himmel Tag und Nacht reichen für wetterbasiertes Glücklichsein. Und der Wind hat uns auch nicht verlassen. Die achterliche 22-Knoten-Brise bläst uns mit sagenhaften 7,5 bis 8 Knoten nach Südwesten. Manchmal passt eben einfach alles.

Da kann ich dann auch schon einmal eine halbe Stunde den Krieg in Europa vergessen.

Eine halbe Stunde – mehr ist nicht drin. Ich bin eben nun einmal ein Nachrichten-Junkie und das scheint sich auch nicht ändern zu lassen, so oft ich es auch versuche! Die deutschen Medien sind nicht mein Problem, die sind nicht nur schlecht, ungenau und parteiisch, sondern gehen mir auch durch ihre ununterbrochenen Versuche den Leser zu erziehen, auf die Nerven. Das letzte Mal, als ich nachschaute, waren Nachrichten noch dazu da, Menschen zu informieren, nicht nach dem Vorbild der Journalisten zu formen. Aber egal: Wozu gibt es englischsprachige Länder? Dort bekommt man wirkliche Informationen und muss dabei keine Schulstunde von Leuten ertragen, die weder informiert noch eloquent sind, für die Rechtschreibung unwichtig ist, und die altersmäßig fast meine Kinder sein könnten!

Habe ich mich jetzt tatsächlich wieder einen ganzen Absatz lang über unfähige und prätentiöse deutsche Journalisten aufgeregt? Sorry. Sei’s drum…

Ich werde mir jetzt erst einmal ein wenig Katie Melua antun, das beruhigt mich meistens. Wieso macht die Frau eigentlich so herrlich gemütliche Musik, obwohl sie selbst solch ein Adrenalin-Junkie ist? ( https://tammysdiary.blog/tammy-und-musik/ )

Lass mich mit Möpsen in Ruhe!

Es ist amtlich: In ein paar Tagen werde ich Joana wiedersehen! Und Eva! Krasse Sache!

Ob Joanas Freund dabei sein wird, ist noch nicht raus. Ich zittere noch, wobei ich mich frage, in welche Richtung ich zittere: Will ich ihn kennenlernen, will ich ihn gar auf dem Boot haben oder doch eher nicht? (Der Fakt, dass auch er ein – einigermaßen – erfolgreicher Schauspieler ist, interessiert dabei nicht, auch wenn ich ihn schon in einer Serie gesehen habe: Meine Starverrücktheit reduziert sich auf weibliche Schauspieler und Sänger. Mick Jagger und Harrison Ford bekämen von mir bestenfalls einen nackt servierten Kaffee. Der Sternenkrieger gerne mit Milch, weil er ebenfalls Pilot ist.)

Da ich gerade von Milch sprechen: Wenn ich meine Titten mit denen von Gaga und Joana vergleiche, kann ich mich nicht beschweren. Zugegeben, Joana spielt altersmäßig nicht mehr in meiner Liga, doch beide haben keine Hemmungen ihre Brüste im Originalzustand zu belassen und sie gelegentlich freudig ungestützt zu präsentieren. Warum sollte also ich zum verhassten BH greifen? Nur weil ich eine verarmte Pilotin und kein Superstar bin?

Ken zu diesem Thema: „Lass mich mit deinen Möpsen in Ruhe!“

Schwanzlutscher!

Wenn mich etwas ärgert, ist es mein Arsch! Vergleiche ich alte Nacktfotos mit denen, die Mazikeen gestern von mir am Kreuz gemacht hat – ja, so etwas Ähnliches haben wir hier – könnte ich platzen! Warum kann unsereins nicht einfach jugendlich straff in den Sarg springen?! Sei’s drum, ich selbst muss ja lediglich draufsitzen. Und wie ich immer sage: Was interessieren mich die schnöden Gedanken Anderer, solange sie mich damit verschonen?

Egal… Eines jedenfalls steht fest: Joanas Typ hat nichts in unserem Bett verloren, unsere Titten bleiben unter sich!

Wonach ich mich am meisten beim nächsten Landgang sehne: An einer richtigen Bar zu sitzen und gemütlich ein Fläschchen Tequila zu trinken. Und mit einer fremden Tussi herumzuknutschen bis eine von uns anfängt zu kotzen. 
Love you, darling
Ich liebe Mazikeen, das steht völlig ausser Frage. Inzwischen bin ich mir aber auch sicher, dass meine sexuellen Vagabundenzeiten vorbei sind. Was nicht heißt, dass ich deswegen anderen Frauen abgeschworen habe. Ich kann mir lediglich nicht mehr vorstellen, immer wieder längere Zeit von meinem Dämon getrennt zu sein. 

Lügen und lieben

„Ich habe Angst“, sagt Joana: „Jetzt habe ich den gesamten Kalten Krieg überlebt, ohne dass mir der Himmel auf den Kopf gefallen ist, und jetzt bekomme ich Angst!“

„Ich bin mir sicher, sie werden alleine schon für deine letzten beiden Filme ganz Bel Air einäschern“, entgegne ich und bereue es gleich wieder. Jede begnadete Schauspielerin hat bei ihrer Rollenauswahl schon mal in die Scheiße gegriffen. (Allerdings hat Joana sich gleich darin gesuhlt.)

„Sehr witzig. Ich habe wirklich Angst.“

Ich glaube es ihr; ich kann es an ihrer Stimme erkennen, bilde ich mir ein.

„Das tut mir leid. Aber da wo du wohnst, hätte ich das auch. Möchtet ihr für eine Weile nach Orcas ziehen?“ Ich bezweifle jedoch, dass eine Insel zwischen Seattle und Vancouver sehr viel sicherer ist. Vielleicht verpufft man dort nicht in der ersten Sekunde oder wird vom eigenen Haus erschlagen, sondern kotzt sich erst ein paar Tage später zu Tode, doch ob Keramikurne oder Teakholzsarg – wen interessiert das dann noch? Das Ergebnis gibt sich nichts. Hier draußen haben wir immerhin eine reelle Chance die Zeit bis zur Menopause sinnvoll nutzen, und uns langsam ins nasse Grab ficken.

„Möchtet ihr zu uns kommen?“, frage ich schließlich mit zusammengebissenen Zähnen. Ich habe das Gefühl als müsse ich meine Kiefer gewaltsam voneinander befreien. „Für die Hunde wird es allerdings ein wenig eng, fürchte ich“.

Ich muss an meine eigene Hündin denken, die jetzt wieder mal bei Anik lebt. (Es ist kaum zu glauben, doch der Boxer kann uns auseinanderhalten! Es sei der Geruch, behauptet meine Schwester, Hunde mögen kein Dior.)

„Warum machst du so einen Vorschlag, obwohl du ihn nicht ernst meinst?“, fragt Joana.

„Weil ich dich liebe, du Verräter! Was bleibt mir übrig?“

„Du könntest ihr zum Beispiel sagen, dass sie den Arsch zu Hause lassen soll“, flüstert Mazikeen und stellt einen neu gefüllten Kaffeebecher in einen der Getränkehalter des Tisches.

„Ich meine es so“, füge ich bekräftigend hinzu. Meinem Dämon zeige ich den Mittelfinger.

Bumm

„Du würdest uns beide an Bord akzeptieren?“, fragt Joana erstaunt.

Ich wechsele vom Mittel- zum Zeigefinger und strecke ihn Mazikeen warnend entgegen: „Kein Wort!“, drohe ich flüsternd.

„Wenn der Typ dich glücklich macht, was soll ich da sagen? Und, wer weiß, vielleicht ergibt sich ja auch eine Gelegenheit ihn heimlich an die Haie zu verfüttern.“

„Das traue ich eher Maze zu“, lacht Joana. Dann wechselt sie das Thema: „Weißt du, dass Gabby gefragt hat, ob du wohl Eva für eine Weile nehmen würdest?“

Dich hat sie das gefragt?“

„Sie traut sich nicht.“

„Weil sie mich nicht zur Hochzeit eingeladen hat?“

„Sie hat ein schlechtes Gewissen.“

„Sollte sie“, nicke ich. Es ist eine Sache, wenn Joana, die Hetero-Frau, die ich schon mein ganzes Leben lang liebe, jetzt wieder mit einem Mann zusammen ist, eine ganz andere jedoch, wenn meine Hetero-Mistress mich für einen Typ sitzen lässt. Das geht mir dann eher am Arsch vorbei. Manchen fällt es schwer das zu begreifen. Joana kapiert es. Sie hat in ihrem Leben zweimal die Shakespear’sche Liebe erfahren. Einer ihrer Romeos bin ich. Der andere – ein verficktes, gewissenloses Superarschloch, das ihr Jahre ihres Lebens gestohlen hat! Aber das ist ein anderes Thema. (Mazikeen meint dazu übrigens nur, dass ich selbst schuld wäre, wenn ich die Finger nicht von Weibern lasse, die sich lebendige Schwänze in die Fotze stecken. Ja, ja, bla, bla, bla…)

„Ich habe Gabby gesagt, dass für Eva immer Platz auf eurem Boot ist.“

„Ich hasse Kinder!“, lüge ich.

„Deine Brüste werden immer hübscher!“, lügt Joana.

„Mir kommt kein Balg aufs Boot!“, lügt Mazikeen.

„Ich liebe euch.“

Letzteres ist die Wahrheit.

Wo die Liebe hinfällt

Wendekreis des Krebses

Here we go: Wir haben den nördlichen Wendekreis erreicht (Wendekreis des Krebses).

Der Wind ist weiter abgeflaut, aber trotzdem machen wir erstaunliche 4-5 Knoten! Wir haben die Zone erreicht, in der die Tages- und Nachttemperaturen kaum noch voneinander abweichen. Um die 20 Grad sind es derzeit, Tendenz schnell steigend, je weiter wir uns dem Äquator nähern. Auf einem fahrenden Boot reicht das natürlich nicht, um die warmen Klamotten loszuwerfen. Merke: Unter Segeln ist der gefühlte Wind deutlich stärker als der tatsächliche. Aber immerhin macht Neopren keinen Sinn mehr. (Außer natürlich, wenn man auf verschwitzten Sex steht!)

Wir konnten jetzt auch den hinteren Teil des Softtops entfernen und langsam fängt es an, sich frühlingshaft anzufühlen. „Warte nur ab, wie schnell du dir den Winter zurückwünschst!“ Vermutlich hat Mazikeen Recht: Die Äquatorhitze wird unser Blut kochen lassen: Ich sehe es schon kommen! Da kann man nur hoffen, dass unsere Klimaanlage dem gewachsen ist. Bei solchen Aussagen kann mein Dämon nur grinsen, was bedeutet: Willst du mich beleidigen? Was Maze einbaut und wartet, hält für die Ewigkeit. (Fingers crossed!)

Wie dem auch sei: Es wird wärmer.

Noch 24 Stunden am Wind Richtung Süden, bevor wir auf Raumkurs zu unserem ersten Etappenziel gehen. Was die Moral angeht: An Bord herrscht Aufbruchsstimmung und alle sind wir froh, die sogenannte „Zivilisation“ hinter sich gelassen zu haben.

Wer kann uns das auch verdenken?

(Vermutlich der Rest der Welt? I don’t fucking care!)

Wie Schwule funktionieren

Mitternacht ist vorbei.

Es macht tatsächlich Spaß, mit Ken durch die Nacht zu segeln.

Ich habe den Autopilot abgeschaltet und Ken hält die Lady Brendan händisch auf Kurs, weshalb ich alle halbe Stunde in den Sturm muss, um mich um die Segel zu kümmern. Doch der Wind lässt nach. Wir erwarten ganz nettes Wetter für die kommenden beiden Tage.

Über den Krieg sprechen wir bislang kaum. Ein kurzer Einwurf hin und wieder, die meiste Zeit reden wir von Liebe und Sex. Vor allem Ersteres, was ich nicht gewohnt bin. Kens eigentliches Lieblingsthema sind Muskeln und Schwänze. Und mein Body, seltsamerweise.

„Den hätte ich gerne“, behauptet er: „Plus Schwanz.“

Das habe ich ihm noch nie geglaubt. Wirklich nicht. Schwule funktionieren so nicht, kontere ich für gewöhnlich seine diesbezüglichen Komplimente.

„Woher willst ausgerechnet du wissen, wie Schwule funktionieren?“

Er jedenfalls würde so funktionieren. Wie das bei Anderen ist, wisse er nicht. Würde ich denn nie dazulernen und „mit deinen dummen Verallgemeinerungen aufhören“?

„Du fickst ja auch gern Weiberärsche“, entgegne ich indigniert.

„Zur Not. Eure Arschlöcher sind unästhetisch.“

Manchmal habe ich wirklich Lust, ihm eine reinzuhauen.

Hormonelle Nächte

Dem Einen oder Anderen ist es bereits aufgefallen: Mein Tagebuch füllt sich wieder. Wie kommt’s?

Es sind diese einsamen Nächte an Deck, wenn das ganze Boot schläft und ich mit mir alleine bin. Dann kommen die Gedanken und die Reflektion. Egal ob Windstille oder Sturm, egal ob Wellen oder stiller Ozean: Das Leben reduziert sich auf mich und die Unendlichkeit. Oder besser: Auf die Tastatur und die Unendlichkeit.

Im Alltag fehlt die Muße. Da sind zu viele Menschen und das zu fast jeder Zeit. Das ist auf dem Pazifik anders. Da stoppt die Zeit. Unendliche Einsamkeit. Und zwar nicht nur für eine Stunde beim Joggen, sondern für eine ganze Nacht.

Aber damit mich jetzt niemand falsch versteht: Es geht hier nicht um tiefgreifende, philosophische Erkenntnisse. So etwas gehört für mich auf die Rückseite von Kalenderblättchen. Ich habe lange aufgehört an Seelen, menschliche Größe und humanitäre Werte zu glauben.

Alles Bullshit!

Wir sind Tiere: Wir wollen fressen, herrschen und ficken. Das war’s. Liebe ist keine Illusion, sie ist der Wunschgedanke einer Spezies von skrupellosen und brutalen Affenartigen, deren Individuen sich einbilden, etwas Besseres zu sein.

Nicht mehr, nicht weniger.

Wie wir sie lieben, unsere Kämpferinnen. Beim Gedanken von ihnen gefickt zu werden, läuft uns die Möse aus. Natürlich muss sie uns lieben – unsere Wunschträume brauchen Futter.

Und wo lässt das Mazikeen und mich? Genau mittendrin. Dort wo auch jede Andere von Euch ihr hilfloses Leben fristet: im Strudel der eigenen Hormone und nicht etwa als einsame Gutmenschen inmitten von verirrten Seelen.

Und wenn ihr bis jetzt noch keine Leichen vergraben habt – keine Bange, die kommen noch. Nicht etwa, weil ihr im Laufe eures Lebens zu hormongesteuerten egoistischen Tieren mutiert, sondern weil ihr nach und nach feststellen werdet, dass ihr es immer gewesen seid.

Oh ja, ich liebe diese einsamen Nächte weit draußen auf dem Ozean. Die Wellen, der Wind, die Sterne und der Autopilot.

Und natürlich meine Hormone. Und das, was sie aus mir machen.

Sonnenaufgänge im Pazifik

23.30 Uhr

Ich liebe diese Zeiten, wenn ich mit meinem Kaffee in der Küche stehe. Ich weiß dann, dass ich mich bald in den Neoprenanzug quetschen muss und mich kurz danach mit Schwimmweste, Handschuhen und Mütze den Elementen stellen muss! Dann schmecken mein „Morgen“kaffee und mein „Morgen“tee am besten. (Frisch gemahlenen Kaffee mit Milch, danach eine Tasse Ostfriesentee mit Sahne. Feste Nahrung kann ich frühestens vier Stunden nach dem Aufstehen zu mir nehmen.)

Ich weiß überhaupt nicht, wie ich so lange Zeit ohne das Segeln auskommen konnte! Eigentlich ist das schon fast schlimmer als fehlender Sex! Insofern bin ich Mazikeen für ihre Intervention schon dankbar. Ich bin gar nicht mehr so sicher, dass das Fliegen bei mir noch den Spitzenplatz einnimmt.

Ich bin gestern übrigens fast meine gesamte Schicht alleine gesegelt und habe ein weiteres Buch von Nevil Shute gelesen. (Danke, Autopilot.) Erst im richtigen Morgengrauen sind dann die ersten aus ihren Löchern gekrochen. Klar, jeder will die Sonnenaufgänge im Pazifik sehen. Fast jeder. Maze lässt sich davon in der Regel nicht beeindrucken. Ich vermute, dass mein Dämon mehr der Untergangstyp ist.

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Ich mag es, tagsüber zu schlafen. Das gibt mir so ein Gefühl des Faulenzens. Außerdem kann man dann ohne große Umstände im Hellen ficken. Das war überhaupt so eine Umstellung: Mittlerweile ist es ja Maze, die bestimmt, wann ich Orgasmen haben darf (mal vom täglichen Masturbieren abgesehen). Das ist ein völlig neues, durchaus interessantes Lebensgefühl!

Überhaupt, masturbieren: Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das Einschlafen ohne Selbstbefriedigung funktionieren soll! Oder das Aufwachen. Manche Menschen können beides angeblich auch ohne. Ich finde das komisch!

Morgens und abends. Wichtig!

05.29 Uhr

Sonnenaufgang. Und alle sind sie wieder an Deck.

Inzwischen hat der Wind gedreht (Nordnordwest, yaih!) und die Ketsch läuft phantastische 7.3 Knoten unter vollen Segeln bei halbem Wind! Das macht Laune. Sobald es richtig hell ist, macht Gernot Frühstück an Deck. (10° unterm Softtop ist bei unseren Klamotten erträglich. Aber es wird Zeit, dass wir in wärmere Gefilde kommen, da habe ich wirklich Lust drauf.)

Ansonsten wünsche ich mir, dass ich das Putin-Arschloch in die Finger bekomme!

Wo ich mich herumtreibe

Endlich mal wieder zu Hause. In meinem Orcas-Zuhause. Bei mir weiß man ja nie so genau wovon ich eigentlich rede, stimmt's?

Tatsächlich ist Orcas Island schon seit einigen Jahren mein Zuhause. Alles Andere ist und war ein Zwischenspiel.
Das Haus - die Häuser - hier gehören schon mindestens 10 oder 15 Jahre Mazikeen. Ich habe vergessen wie lange. Aber seit wir das erste Mal zusammen waren, gehört es angeblich auch mir. Forever, wie sie behauptet. Natürlich nicht auf dem Papier. Nur per Ring quasi. Ich muss jedoch zugeben, dass, selbst als ich mich von ihr getrennt hatte, sie es nie in Frage gestellt hat. Außerdem bietet sie mir immer wieder an, es per Notar auf uns beide zu schreiben. Mache ich nicht. Was ich besitzen will, das kaufe ich selbst. (Zumindest meistens.)
Außerdem: Es ist zwar wunderschön hier, doch Orcas liegt - gerade noch so eben - in den USA. Und hier will ich nicht dauerhaft wohnen, jedenfalls nicht, wenn ich es vermeiden kann.

Als die Sache mit Joana noch intimer war - das war etwas Anderes. Aus der Zeit stammt ja noch mein Apartment in LA, das ich vermietet habe. Außerdem habe ich in Palm Springs Miete bezahlt, als wir noch diese Großfamilie waren, die sich dann ja leider in Hetero-Beziehungen aufgelöst hat. Ich habe mich noch eine Weile daran geklammert, weil unsere Airline dort ihre Büros hat. Seit ich einen anderen Vertrag habe, ist das nicht mehr wirklich nötig. Für die paar Monate im Jahr ist es nicht nötig, dort ein Riesenhaus zu besitzen oder zu mieten. Da tut es dann auch das Apartment in LA habe ich entschieden. Meine Mieterin dort zieht ohnehin in einem Monat aus. Praktisch.

Für das restliche Jahr wird mein Domizil aber tatsächlich Norwegen werden. Ich mag Land und Leute und mit Englisch kommt man dort wunderbar zurecht. Außerdem möchte ich in der Nähe von Daddy bleiben. Und so wie sich die Sache momentan entwickelt, scheint meine Firma ja tatsächlich ein oder zwei Flugzeuge hier zu stationieren, um kleinere europäische Drehorte direkt anfliegen zu können.

Mein Dämon ist natürlich dabei. Sie muss ja nicht arbeiten. Außerdem haben es ihr die norwegischen Fjorde angetan und hier gibt es auch genug Bootsfirmen, die einen guten Ingenieur gebrauchen können.

Daddy hat vor einigen Jahren das Nachbargrundstück gekauft und in weiser Voraussicht ein kleines Haus darauf gebaut. Für mich, wie er behauptet. Ich bin mir dessen nicht sicher, doch Mazikeen und ich sind froh, dass es da ist und wir es nutzen können so lange wir wollen.

Das ist also die Lage zur Zeit. Maze und ich bleiben noch ein paar Tage hier auf der Insel - sie will noch ein paar Sachen auf ihrem Boot fertigstellen - dann geht es zurück nach Europa. Wird auch Zeit. Seitdem die Republikaner in diesem Land immer mehr am Rad drehen und der Größenwahnsinn der Menschen immer größer wird, ist es kaum noch zu ertragen.
Auf dem Rückweg werde ich noch kurz bei Joana in Bel Air vorbeischauen und mich bei meiner Mieterin in LA bedanken, die sich wirklich toll um das Apartment gekümmert hat. Was ich dann mit dem Apartment anfangen werde, muss ich mir noch überlegen. Es hängt auch davon ab, wieviel Zeit ich demnächst in den Staaten verbringen muss. Eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Verkaufen kann ich es leider vorerst nicht. (Das ist ein anderes Thema und betrifft Joana und die IRS. *seufz)

Das war also der Rundumschlag für alle, die sich dafür interessieren, wo ich mich herumtreibe. Ich weiß ja, dass es Menschen gibt, die es interessiert. Alle Anderen können ja weglesen.

Zu meiner Arbeitssituation äußere ich mich ein anderes Mal.
Orcas Island

Ein Auszug aus Alisha und Elena, Second Edition. Die 2nd Edition veröffentliche ich im Kurzgeschichten-Sammelband (E-Book und Taschenbuch):


Sie macht es langsam. So behutsam und gleichmäßig, dass ich mir einbilden kann zu wissen, wie weit der Penis ist, wie tief er in mir steckt. Was natürlich Unsinn ist. Ich spüre nur den kurzen Schmerz am Ende, den Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Alles Andere ist Erlösung. Und Erregung. Und dabei ist mir klar, dass es noch nicht ernsthaft begonnen hat. Sie macht es nur, um meinen Arsch an den Durchmesser zu gewöhnen und vermutlich mein Rektum ein wenig auszuweiten, damit ich den tatsächlichen Fick besser ertragen kann. Oder damit ich ihn problemloser genießen kann? Wer weiß …

1st Edition

Dieser Tag wollte überhaupt nicht enden! Und jetzt bekomme ich auch noch eine Einladung ins Personalbüro. Ob die wohl meine Texte lesen? Oder wollen die mir, wie damals in Dubai, sagen, ich soll nicht so lesbisch aussehen? 

Wer kennt eigentlich J. Forever noch nicht?

Fragen

Endlich Feierabend! Und morgen frei. Eigentlich müsste ich das ja feiern, doch vor meinem geistigen Auge schwirren die Knöpfchen…

Außerdem leide ich unter chronischem Sexentzug. Soll ich mir vielleicht doch eine Stewardess suchen und ihr einen Rasierer schenken? Oder einfach die Masturbationsfrequenz erhöhen? Wie oft darf frau am Tag ohne in die Hölle zu kommen? Fragen über Fragen…

Frauen in Jeans

Sie sind mein großer Faible: Jeans. Besser gesagt: Frauen in Jeans. Sie machen mich fertig: Heiße Weiber in diesen 70er-/80er-Jahre-Hosen, weit geschnittener blauer Stoff mit einem Arsch zum Reinbeißen. Sie beeinflussen meinen Alltag, jedenfalls den beim Arbeiten. Und so habe ich – tatsächlich in Absprache mit meiner Chefin – die neue Uniform unserer Stewardessen eingeführt. (Ich weiß: Mittlerweile heißt das geschlechtsneutral „flight attendants“ oder „cabin crew“, doch das geht mir am Arsch vorbei. Man muss nicht jeden Scheiß mitmachen. Und ein politisch nicht korrekter Ausdruck mehr oder weniger, hilft meiner Reputation auch nicht. Merke: Nicht die politische Korrektheit zählt, sondern Leistung und Können, ihr Arschlöcher!)

Auf unseren Dash 8 kümmern sich in der Regel vier Stewardessen um die Passagiere, also die doppelte Anzahl als üblich. In der Regel besteht die cabin crew natürlich aus Männlein und Weiblein, doch jeder weiß, dass ich in meinem Flieger nur Frauen hinter mir akzeptiere. Natürlich gibt es keine Dienstanweisung oder Ähnliches, doch ich habe es seinerzeit geschafft, die männliche Stewardessen-Variante in ganz wenigen Flügen hinauszuekeln. Heute macht jeder Steward einen großen Bogen um mich. Die Disposition hat es aufgeben für meine Flüge Schwanzträger einzuteilen.

Frauen in heißen Jeans: Einfach das Oberteil wegdenken!

Männer akzeptiere ich nur in meinem Cockpit. Sexistisch? Aber sowas von! Nein, ernsthaft jetzt: Dass ich Typen neben mir akzeptiere hat zwei Gründe: Zum einen quatschen Männer nicht so viel und zum anderen fliegt für uns zurzeit keine Frau. Was wiederum nicht an mir liegt, sondern daran, dass es erstens zu wenig Pilotinnen gibt und ich zweitens angeblich höhere Ansprüche an das weibliche Geschlecht stellen würde.

Was ist falsch daran, von Frauen mehr zu erwarten? Männliche Nullnummern kann ich ertragen, weil das dem statistischen Durchschnitt entspricht; Weiber die nichts taugen, beleidigen mein Selbstverständnis. Dazu kommen meine Erfahrungen aus kritischeren Situationen, in denen die meisten meiner stehend pinkelnden Co-Piloten der Meinung waren, mir zu sagen, was ich tun sollte, die Frauen hingegen einfach schweigend ihren Job machten. (Was für den Laien vermutlich für die Frauen spricht, doch so funktioniert das nicht: Vom zweiten Piloten wird erwartet, dass er sich mit eigenen Beobachtungen und Ideen einbringt, auch insistierend. Einen Airliner zu fliegen ist ein Teamjob und nichts für Mauerblümchen. Unter anderem deswegen wurden bislang die meisten Weiber von mir nach Trainingsflügen negativer bewertet als ihre männlichen Kollegen.)

Frau, halt die Beine zusammen!

Aber zurück zu den Jeans. Die Uniformen unserer cabin crew bestehen bei den Mädels neuerdings aus 70er-Jahre-Jeans, schwarzen Arbeitsstiefeln und weißem Hemd mit unserem Logo. Das ist möglichst genauf auf der linken Titte platziert, das Namenschildchen direkt darunter. (Ja, das gilt auch für Männer – minus der Titte.) So kommt es, dass fast jede unserer Frauen einen knackigen Arsch hat und die Passagiere einen netten Anblick. Okay, letzteres ist eine Übertreibung. Nicht, weil wir hauptsächlich sexy Weiber beschäftigen, wir versuchen das zwar, doch gleichzeitig gibt es bei uns keine Altersdiskrimierung. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich beim Sojamilch-Komplex akzeptiere: Es gibt keinen – nicht einen einzigen – Grund, Menschen wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht zu beschäftigen. Vielleicht verlieren Arsch und Titten nach und nach gegen die Schwerkraft und wir müssen das Airline-Logo bei den älteren Damen tiefer anbringen, doch ihre Erfahrungs- und Leistungskurve zeigt deutlich nach oben. Das gleicht sich aus.

Apropos Kurve: Die Zufriedenheit unserer Passagiere hat sich, seit den neuen sexy Uniformen, weiter gesteigert – was zeigt, dass ich Recht hatte.

Aber jetzt zum eigentlichen Thema dieses Eintrags: Es ist bei uns üblich, dass der Captain – das wäre in der Regel ich – die Passagiere persönlich begrüßt, während sich der Copilot sich um die meisten Preflight-Prozeduren kümmert. Auf unseren Q400 ist das kein Hexenwerk, weil wir nicht mehr als 70 Fluggäste transportieren.

Echt jetzt?

Mein Problem: Frauen in Jeans machen mich fertig, sexuell gesprochen. Es sind weniger die Weiber der Filmcrews – zwar tragen auch die meisten von ihnen Jeans, doch die Studios legen bei den Weibern hinter den Kulissen leider gar keinen Wert auf die Optik, sondern beurteilen nur die Leistung (ja, das gibt’s). Von daher ist selten eine Tussi dabei, die meinen Flüssigkeitshaushalt beeinflusst.

Leider sind meistens auch Schauspielerinnen an Bord. Nicht unbedingt die Megafrauen aus der ersten Liga der Branche – die fliegen mit unseren kleinen Privatjets – aber die meisten der kommenden Film- und Serienstars sind genauso atemberaubend sexy. Jedenfalls wenn sie privat unterwegs sind. Denn dann sind bei ihnen Jeans angesagt. Bei solchen Weibern wird mein Hals trocken, weil alles Flüssige nach unten stürzt. Das ist auch der Grund, warum ich neuerdings meinen FO die Begrüßung machen lasse. Männer haben solche Probleme nicht. Wenn die mit einem Ständer in der Hose die Leute begrüßen müssen, ist das nicht weiter schlimm. Sie können immer noch ein Tablet oder Ähnliches davorhalten. Ich jedoch muss den ganzen Flug in der Soße sitzen oder von vorneherein eine fette Slipeinlage tragen, was ich nicht leiden kann.

Na ja, im Moment habe ich diese Probleme nicht, sondern sitze seit zwei Wochen bei herrlichen Minustemparaturen vor dem Ofen und editiere mein neues Buch. Zwischendurch geht’s mit meinem Motorrad zum Flughafen, wo ich im Hangar oder im Büro mit alten Bekannten Kerosin rede. Am Freitag werde ich wohl meine kleine alte 200er Kawasaki Moto-Cross-Maschine in Daddys Garage ausgraben, denn ab dann soll es schneien. Da ist dann etwas Leichteres als die 800er angesagt, ich will ja nicht auf meinen Titten durch die Gegend rutschen. Ich hoffe, mein Dämon und ich bekommen das kleine Biest zum Laufen.

Wie lange ich hier in Norwegen bleibe, ist unklar und es kommt drauf an, wieviel Arbeit uns an Weihnachten erwartet. Alles kommt drauf an, inwieweit die Studios ihre eigenen Kulissen für die bunte Weihnachtswelt für die 22er und 23er Filme benutzen, oder ihre Szenen doch lieber in Amerikas Städten drehen. Unsere 737 sind jedenfalls für Drehs in Europa ausgebucht.

So viel also zur aktuellen Lage. Und hier noch ein Tipp zur Vorbereitung auf mein neues Buch. Wer mehr politisch nicht Korrektes lesen möchte: J. – Forever. Als E-Book oder Taschenbuch.

Wie sich die Zeiten ändern

… und mit ihnen augenscheinlich die Umstände.


Wir verkaufen das große Haus in Palm Springs. Das Experiment mit den viereinhalb Weibern unter einem Dach hat nicht besonders gut funktioniert, bzw. nicht sehr lange.
Joana wohnt wieder in Bel Air, Gabby hat geheiratet (Einen Typ!!!) und lebt mit Eva wieder in New York, während Mazikeen mir explizit erklärt hat, zurück in ihr Haus auf Orcas Island zu ziehen. (Schon verständlich: Als Wasserratte kann man sich in der Wüste nicht wohlfühlen.)
Als ich vorgestern die Q400 in unserer Firma abgeholt habe, war ich das erste Mal seit Wochen wieder in dem verlassenen Haus. So etwas ist deprimierend. Nicht, wie sich alles entwickelt hat – das war vorauszusehen und die ganze Sache stellte ohnehin eher ein großes Experiment dar – nein, die verstaubten Räume und unsere Geister, die darin herumschweben produzieren Gänsehaut.


Ich habe den Airliner leer nach Burbank geflogen, bin in ein Taxi und habe meiner Mieterin in LA einen Freundschaftsbesuch abgestattet. Sie hat sich sehr gefreut, was ich erstaunlich finde, wenn eine Vermieterin einen Besuch abstattet. Sie hat mir die Wohnung gezeigt, die wirklich toll aussieht. Über sie kann ich mich ganz und gar nicht beklagen. Nach zwei Milchkaffee in der kleinen Bar des Komplexes, bin ich schließlich weiter Richtung Bel Air.


Joana hat mich fast aufgefressen vor Freude. Wir konnten überhaupt nicht aufhören, uns zu betatschen (vor allem ich sie). Vor allem konnten wir überhaupt nicht aufhören, zu quatschen, was ebenfalls überraschend war, berücksichtigt man, dass wir fast jeden Tag zoomen.
Die Nacht war phantastisch! Wir hatten so viel Sex wie seit langem nicht mehr, und das, obwohl wir dieser Sache eigentlich abgeschworen hatten, nachdem sie mir verkündet hatte, dass sie wieder einen (einigermaßen) regelmäßigen Stecher besaß. (Ja: besaß. Bei Joana geht alles um besitzen. Da zeigt sich nicht nur die Diva, sondern auch die verlassene Frau.) Wir versuchten vor geraumer Zeit, die Benefiz zu streichen und lediglich beste Freundinnen zu bleiben. Hat ja toll funktioniert. Aber wer weiß, wie oft wir uns in Zukunft sehen werden, vor dem Hintergrund, dass Mazikeen mir vor einigen Tagen jetzt „ganz offiziell“ mitgeteilt hatte, dass sie zurück in ihr Haus nach Orcas Island gehen würde, „ob du mir nun endlich fucking sagst, dass du definitiv mitkommst oder nicht“? Was bleibt einer armen Sterblichen schon anderes übrig, als zu nicken, wenn ihr Dämon explizit wird? Dann haben meine Tiere auch wieder ein brauchbares Zuhause und ich muss keine Angst mehr haben, dass Nala von Schlangen gebissen oder Skorpionen gestochen wird. Und dem Kater hängen hoffentlich keine Beine von handtellergroßen Spinnen mehr aus dem Hals.
(Ich darf nur nicht vergessen, meine gesamten Sozial-Media-Profile zu ändern, bevor ich wieder von irgendeiner dieser Arschlochfirmen rausgeworfen werde.)


Das Haus in Palm Springs zu behalten, macht keinen Sinn mehr. Es kostet ein Vermögen und ich kann Hitze kombiniert mit Sand sowieso nicht leiden. Also werde ich mir dort ein kleines Apartment suchen, damit ich für meine Arbeit nicht jedes Mal in ein Hotel ziehen muss. Das kann ich noch viel weniger leiden.
Apropos Arbeit: Ich bin ab 01.12. offiziell wieder 737-Pilotin. Chefpilotin unserer kleinen Airline bin ich ja von Anfang an gewesen, doch nun, da wir stolze Besitzer/Mieter von zwei 737-BCF-Frachtern (einer ab 3. Dezember, einer ab März kommenden Jahres) sowie einer 738 – seit vorgestern – sind, darf ich mich LCC (line check captain) für die 737 NG nennen. Coole Sache. Vor allem gibt es mehr Geld. Jedenfalls bis zum nächsten Virus. Dann darf ich betteln gehen – oder anschaffen, solange meine Optik das noch zulässt. (Bei der Gelegenheit: Hatte ich eigentlich erwähnt, wie geil es ist, seiner Chefin auf dem Notebook beim Masturbieren auf dem Klo zuzuschauen, während man es sich selbst macht? Nein? Ist ein anderes Thema.)
Bessere Bezahlung im Job ist für mich inzwischen wieder wichtig geworden, weil die finanziellen Abkommen mit Gabby und Joana leider nicht mehr existieren und Mazikeen zwar nicht arm ist, doch trotzdem nicht in der Lage wäre, mir jedes Mal wenn sie Sex will, solche Summen auf den Nachttisch zu legen. Alles Schöne im Leben ist vergänglich … *seufz


Mein erster Flug mit einer unserer Dash 8 hatte übrigens gleich abenteuerlich begonnen. Auf dem Leerflug von Palm Springs gab es beim Landeanflug auf Burbank ein gelbes „Master Warning“, das auf einen Fehler in der Pressurization hinwies. Was seltsam ist, weil die Pressurization während dieser Flugphase ja (fast) nicht arbeitet. Am Boden konnten wir nichts finden – also zurück in unsere Werkstatt nach Palm Springs zur Fehlersuche. Es stellte sich heraus, dass der Computer im Bleed-Air-Sytem einen nicht existierenden Fehler anzeigte. Am Ende konnten wir die hochkarätigen Fluggäste dann doch noch von Hollywood nach Denver transportieren. Alle Aufregung umsonst. Andererseits mache ich mir wegen so etwas auch nicht gleich ins Höschen. Dafür kenne ich den Job schon zu lange (und habe schon viel zu viel erlebt).


So, jetzt wird es aber Zeit an einer anderen Sache zu schreiben: An meinem neuen Buch, welches so gerne komplett fertig werden möchte.