Pause auf Grenadines?

Es ist jetzt 5 Uhr am Morgen. Wir haben St. Vincent erreicht und segeln die Küste Richtung SSO.

Der Wind kommt mit flauen 8 Knoten true von Ost, das heißt wir segeln auf einem bequemen Raumkurs und schaffen lockere 5.5 Knoten.

Wir versuchen gerade die Erlaubnis zu bekommen in einer schicken kleinen Bucht auf der Leeseite von Grenadines für den Tag vor Anker zu gehen um bei karibischem Wetter einen Tag Pause einzulegen.

Wasisnnulos?

Die Airline ist pleite?

Na ja, war ja abzusehen. Hatte Anik ja angekündigt.

Mmh… Mal überlegen… Was kann sie denn? Toxikologisches. Also Gift spucken und so. Bi ist sie auch noch. Also irgendwie hetero und so eine Art seltsame Lesbe auch (ja, im Traum darf ich das denken)!

Dann könnte sie doch…

RICHTIG!

„Zum Sofa?“

„Exakt.

Meine Schwester schickt die halbnackte Frau zum Sofa. Interessant.

Meine Schwester steht auf.

Es wird etwas verschwommen. Sie setzt sich. Wer setzt sich. Anik oder…?

Ein Kondom. Aha. Ein Kondom. Klar.

Momentmal: EIN KONDOM?

WASISNNULOS?

„Kann ich Kakao?“

BITTE? Anik will Kakao? JETZT? Und wie sieht sie überhaupt aus? Und wieso klingt sie so komisch?

„Captain, kann ich Kakao?“

AAAAAH! DAS BALG VON GABBY! WIE KOMMT DAS DENN IN MEINEN TRAUM?!

„Wie heißt das richtig?“

„Kann ich Kakao haben, verdammt, bitte!“

Argnnnn! Verstehe, ich bin wach.

Scheiße!

Grenadines

In etwa 16 Stunden sollten wir die Grenadines erreichen, wobei wir wohl vermutlich mindestens ein bis zwei Tage brauchen werden, bis wir die Inseln passiert haben werden.

Wir werden in dieser Gegend nur tagsüber segeln, da es dort eine Menge kleinere Inseln und Untiefen gibt und wir außerdem aufgrund der Windsituation ständige Wenden fahren müssen. Also auch Zeit für ein wenig Zeit für ein bisschen ankern und Pause machen.

Danach noch Barbados und dann endlich raus in den Südatlantik. Yeah!

Tammy

Nichts wird sich ändern

Wir sind gut in der Zeit.

Mazikeen macht es Spaß, sie ist kaum von Deck wegzubekommen. Ken geht es ähnlich. Die beiden Seeleute machen gute Arbeit und als Koch versteht Bram auch sein Handwerk. Wobei alles ein wenig seemännisch bieder ist. Da vermisse ich Cornelia schon ein wenig. Egal – was er macht, ist hervorragend. Leider ist 90% davon Tier. Was für mich problematisch ist.

Wie auch immer.

Ich bin weniger oft an Deck als die anderen.

Ich pendele zwischen Gabby und Joana. Wir liegen selten alle drei zusammen in einem Bett, weil das kleine Monster meist bei seiner Mutter schläft. Dafür essen wir meistens zusammen. Wenigstens das bekommen wir hin. Auch schon was.

Eigentlich will ich gar nicht pendeln, das gebe ich gerne zu. Ich will nicht von Joana weg und das werde ich auch nicht mehr tun! Der einzige Grund, das ist mir vorhin klar geworden, warum ich überhaupt ab und zu bei Gabby schlafe, ist, dass ich sauer auf Joana bin und es vermutlich die nächsten hundert Jahre sein werde.

Ich will es einfach nicht wahrhaben, dass sie ernstlich erwägt noch einmal offiziell zu heiraten und dann auch noch einen Mann. Noch schlimmer: das auch inoffiziell zu tun und ein echtes Leben mit ihm aufzubauen. Dieses feige Weib!

Wir lieben uns und nur weil ihre elenden Triebe sie zu einem Mann treiben…

Wir könnten uns einen in den Kleiderschrank stellen und von dem könnte sie sich jede Nacht ficken lassen. Wegen mir tagsüber auch noch zweimal, kein Problem! Aber heiraten? Und mit Penis glücklich werden?

Ja, ich gebe zu: Ich bin sauer. Und zwar big time! Wie kann ich das nur ändern?

Ich will nicht sauer sein! Es ist ihr Leben, ihre Entscheidung! Wie kann ich es da nur wagen, sauer zu sein?

Warum ist das so? Eifersüchtig auf einen Penis? Dass ich nicht lache! Es ist… Ich sehe es einfach nicht ein, dass sie uns, sich und mich, auf diese Weise hintergeht! Sie sagt es mir ins Gesicht: Ich bin ihre große Liebe! Ich werde es immer sein! Wir werden so viel Zeit wie eh und je miteinander verbringen! Nichts wird sich ändern zwischen uns!

Ha! Alles wird sich ändern!

Bitch!

Tammy

Nachtgedanken

Eine Nacht wie jeder andere?

Vermutlich. Zuerst Schicht an Deck, dann war Zoe da, jetzt sitze ich wieder im Salon. An Schlaf ist ohnehin nicht zu denken. Also gehe ich mal die Wettermeldungen durch. Könnte ich eigentlich auch lassen, denn in der Karibik ist dauerkaribisches Wetter angesagt. Ausser, dass der Wind hier draußen vermutlich stärker ist, als an den Stränden.

Ich denke darüber nach, wie es wäre, Gabby dauerhaft an Bord zu haben. Ist natürlich Unsinn: Sie ist Schauspielerin, genau wie Joana, und wird genauso viel unterwegs sein wie sie. Wenn das ganze Virentheater erst einmal vorbei sein wird.

Wird es das eigentlich? Einmal vorbei sein? Bedenkt man, dass es in so vielen Orten der Welt noch nicht einmal richtig angefangen hat?

Natürlich wird es irgendwann vorbei sein. Fragt sich nur, wie es dann auf der Welt aussehen wird. Düstere Gedanken…

Ich stehe auf und hangele mich in die Küche. Ob wir wohl genug Milch an Bord haben? Ich höre die kleine Eva, wie sie durch den Flur kommt. Auch so eine Sache: Ein Kind könnte nicht auf einem Boot aufwachsen. Es sei denn, die Welt würde durch einen Virus verwüstet werden.

Haha! Was sind das bloß für Gedanken?

Ich brauche wirklich mal eine richtige Freundin, keine, die ständig in der Welt herumfliegt, Doppelgänger hat und so tut als würde sie Menschen nicht kennen, weil es angeblich ihrer Karriere schaden würde.

„Setz dich und nerv mich nicht.“

Ich muss an die Welt, deine Scheißmutter und Viren denken.

Aber ich muss ihr ja nicht alles verraten. Apropos verraten. Ich hoffe, niemand verrät, was ich im Bett so treibe, sonst bekomme ich nie eine Freundin!

Tammy

Alfons, der Aal und Paul, der Penis

Für mich ist das mega frustrierend: einen Segler mit Motor zu fahren.

Normalerweise würde ich jetzt einfach hier irgendwo in einer gemütlichen Bucht den Anker werfen und warten bis das windlose Theater vorbei ist. Ist irgendwie keine Option diesmal.

Erstens wollen sie hier keine Amerikaner im Moment (auch nicht kanadisch beflaggt) und zweitens will ich die Strecke hinter mich bringen, bevor die ersten Hurrikane im Südatlantik geboren werden. Das kann nämlich schon im Mai passieren und nachdem wir unsere alte Ketsch zurückhaben, wird das Ausweichen wirklich schwer werden. Und mit einem Langkieler wird’s bei Wind auch noch doppelt so spannend. Immerhin sieht es draußen auf dem Atlantik zur Zeit nicht nach Flaute aus.

Also weg hier. Und dann eben auch mit Motor.

Gabby und Eva sitzen neben mir und trösten mich wegen dem Motor. Ich musste Gabby versprechen nicht von „Titten“ zu reden. Als ob ich das könnte. Vor allem, wenn sie mir ständig ihre D-Bomben unter die Nase reibt.

Joana ist unter Deck und backt Kuchen, während Bram, der Koch, schläft. Ich wusste überhaupt nicht, dass sie sowas kann – backen. Und dann bei der Hitze. Eigentlich sollte ich jetzt mit ihr unten sein und ihr das Mehl vom verschwitzten Körper lecken.

Aber neeiiiiin… Hier wird ja verlangt, dass ich aus Kinderbüchern vorlese.

Alfons, der Aal, lebt im Abwasserrohr und frisst Scheiße. Oder so ähnlich.

Wenn der Scheißfisch sich fettgefressen hat und geschlachtet wurde, gehe ich aber runter, verdammt!

Warum schafft man sich nur solche nervigen Killjoys an?!

Da kann ich auch gleich Paul, dem Pipi-Penis und Hans und Heinrich, den Hänge-Hoden, beim Taktwackeln zuschauen.

Das ist auch nicht langweiliger.

Jaja… Ken darf auch mal unten ohne. Wir wollen ja nicht, dass er potentiellen Gay-Partnern als Der-Mit-Dem-Weißen-Riesen gegenübertreten muss.

Eva interessiert sich interessanterweise (Oder erfreulicherweise?) nur für den Aal im Buch. Nicht für den Weißen Riesen.

Sechs Jahre wäre dann aber auch wirklich sehr früh, selbst für ordinäre Nachwuchsschlampen.

Gabby findet diesen Gedankengang nicht witzig. Der Fakt, dass sie ihren Bikinislip trägt, deutet also doch auf ihre Tage hin!

Mist! Das auch noch! Bin mal gespannt, wie die dabei so drauf ist.

Ich sollte mal eine Runde dösen. Direkt nachdem der Aal am letzten Scheißebrocken erstickt ist.

Falls die kleine Schlampe nicht schon wieder Kakao will.

Alles eine Papierfrage

Wir diskutieren, ob wir zum jetzigen Zeitpunkt wirklich in den Golf fahren sollten.

Wirklich zur nordamerikanischen Küste…?

Sollen wir wirklich ein Land betreten, das Trump zum Hotspot einer Pandemie gemacht hat?

Bis wir die Südküste erreicht haben, hat sich vermutlich alles derartig verschlimmert, dass wir den Virus schon bekommen, ohne überhaupt an Land zu gehen. Figurativ gesprochen.

Jetzt allerdings umzudrehen und…

Panamakanal und Pazifik? Südatlantik und Australien? Oder vielleicht sogar Kap Horn?

Alles irgendwie krumm und schief und vor allem für unsere beiden Schauspielerinnen ziemlich kontraproduktiv, denn all das würde wochenlange Isolierung bedeuten – selbst wenn ihre Produktionen wieder starten würden.

„Was ich für die kommenden Wochen extrem bezweifle“, ist mein Argument. „The show must go on“, ist ihres.

Letztlich sind es ihre Jobs, nicht meine.

Aber es ist mein Boot.

Und unser aller Virus.

Aussitzen oder nicht, das ist hier die Frage.

Und dann kommt noch ein weiteres Argument hinzu: Der Klimawandel. In der heutigen Zeit habe ich irgendwie keine Lust die Hurrikan-Saison in der Karibik zu verbringen.

Alles krumm und schief.

Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob wir genug Klopapier an Bord haben.

Ken meinte jedoch, dass wir immer noch den Arsch ins Meer halten können.


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Angebaggert

Kaffee aus einer Thermoskanne – das funktioniert besser.

„Was ist denn hier passiert?“ Gabbys erotische Stimme füllt den Salon.

„Nichts. Ein unverschämter Dämon ist passiert. Nicht der Rede wert.“

Sie umgeht vorsichtig die Scherben.

„Deine Tasse?“

„Chilli-Chai. Sowieso die falsche Uhrzeit.“

Gabby nickt: „Verstehe. Ist da Kaffee drin?“ Sie zeigt auf die Thermoskanne im Flaschenhalter des Tisches.

„Hol dir eine Tasse.“

Nachdem sie versucht hat, sich mir gegenüber zu setzen und feststellen musste, dass es auf einem mit Höchstgeschwindigkeit fahrenden Segler kein Gegenübersitzen gibt, rutscht sie neben mich. Eng genug, dass ich ihre bettfeuchte Haut spüre. Oder ist das einfach nur der übliche Karibik-Schweiß?

„Ich muss dir das ja nochmal sagen: Das war der Wahnsinn gestern!“

Ich zucke mit den Schultern. So etwas höre ich oft, von daher interessiert es mich nicht mehr sonderlich. Maze meint, es läge daran, dass ich kaum etwas anderes als Sex im Kopf hätte und ich daher zu so einer Art Expertin geworden wäre. Meinetwegen. Normalerweise entsteht guter Sex ja nur in einer langjährigen Beziehung. Vermutlich habe ich die Fähigkeit mich sehr schnell auf jemanden einzustellen – was aber niemals wirklich so gut sein kann wie Beziehungssex. Das weiß ich, doch mir reicht es. Wobei – irgendwie ist das gelogen. Mir fehlt so eine Beziehung und richtig guter, offener, ehrlicher Beziehungssex. (Daher der Gedanke an eine dritte Frau.)

Joana ist nicht lesbisch (Wie könnte der Sex jemals wirklich genial sein) und Mazikeen – nun ja, sie ist ein Dämon ohne Seele. Und Sex ohne Seele – fun, aber sonst…?

Wie auch immer: Sex mit mir scheint geil zu sein. Ich würde mich gerne mal ausprobieren, nicht nur vor dem Spiegel!

„Freut mich“, sage ich ungerührt. Es war geil, was aber – ganz ehrlich – nur daran lag, dass bei mir alles zu laufen beginnt, wenn ich nur die Stimme dieser Frau höre. So wie jetzt zum Beispiel wieder.

„Hast du eigentlich an mich gedacht, oder an die Filmcharaktere, die ich spiele?“

„Wie soll ich an dich denken? Ich kenne dich ja gar nicht?“

Gabby schaut mich an. Ihr Mund steht ein klein wenig offen. Aber nur ein klein wenig. „Wow“, sagt sie: „Wow!“

Ich lache.

„Das hat sich auch noch niemand getraut!“

„Was?“, frage ich.

„Mir das so ins Gesicht zu sagen.“

„Du hast doch gefragt.“

Jetzt muss Gabby lachen: „Das stimmt. Aber jeder sonst hätte Angst, dass es das gewesen wäre!“

„Ich bin nicht jeder.“

„Das habe ich bemerkt.“

„Und du auch nicht“, erkläre ich: „Von euch Schauspielerinnen hat sonst niemand den Mut gegen den Mainstream zu schwimmen. In den Medien und sonst auch. Du stehst zu deiner Meinung auch wenn die ganze Welt das anders sieht. Gratuliere.“

„Das tue ich?“ Sie lächelt.

Ich übergehe das, weil ich weiß, dass sie es weiß.

„Aber Blödsinn erzählt hätte ich dir so oder so nicht. Du bist nicht die einzige Tussi auf der Welt.“ Und nach einem kleinen Moment füge ich hinzu: „Aber, zugegeben, die einzige mit einer derart verboten erotischen Stimme.“

„Weisst du, dass sie mir schon als Kind gesagt haben, ich solle nicht so viel reden – wegen der Männer? Kapiert habe ich das wohl erst mit 17 oder 18! Jedenfalls was die Leute damals damit gemeint hatten…“

Ich schüttele den Kopf. Sachen gibt’s…

Eine kleine Weile lassen wir die Ungeheuerlichkeit im Raum stehen, dann wechsele ich das Thema: „Du bist wieder verlobt?“

Sie schaut mich mit ihren übergroßen, verboten grünen Augen an und fängt dann an zu lachen: „Glaub nicht alles was du liest!“

Das tue ich nicht. Bei diesen Schauspielerinnen darf man gar nichts glauben, das weiß ich inzwischen.

„Pseudoverlobung?“

Sie nickt.

„Presse oder Freier?“

„Beides irgendwie. Aber hauptsächlich letzteres. Du glaubst gar nicht, wie oft ich angebaggert werde. Ununterbrochen eigentlich. Und es nervt so dermaßen, das kannst du mir glauben!“

„Das glaube ich dir aufs Wort!“ An dieser Frau konnte kein Schwanz ohne Erektion vorbeilaufen. Ausgeschlossen! Vermutlich auch keine Frau.

Bei dem Gedanken fiel mir wieder auf, wie praktisch es doch war, dass wir uns in der Karibik befanden, sonst wäre der sich immer weiter ausbreitende Fleck unter mir garantiert schon aufgefallen!

„Dann erzähle ich doch lieber Geschichten und lasse mich ab und zu fotografieren, aber halte mir damit die Typen vom Hals.“

Ja. Ich weiß wie es funktioniert.

„Aber hetero bist du schon?“

Gabby zuckte mit den Schultern: „Ich weiß nicht was ich bin. Ich habe so gut wie nie Sex.“

BITTE?!?

„Ich habe nie Interesse an Sex gehabt. Irgendwie nicht mein Ding.“

Bin ich hier auf dem falschen Boot gelandet? Oder träume ich das gerade und gleich frisst sich der weiße Hai durch den Rumpf und frisst mich auf?


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Steven-King-Film

Es ist stockfinster. Neumond.

Wir treiben wie eine halbvolle Flasche im Wasser. Mit Sturmfock und Besan halten wir lediglich die Richtung und schleichen weiter nach Westen. Wir hatten gestern beschlossen, das Boot auch noch die Nacht ohne Krängung im Wasser treiben zu lassen, um allen ein wenig Erholung zu gönnen. Zumal es keinen Grund zur Eile gibt, denn wir kommen gut voran und das Wetter bleibt laut Vorhersage stabil.

Mazikeen sitzt neben dem Ruder, Bram, der Koch, schläft unter der Fock an Deck.

Ich habe meinen Kopf auf Mazikeens Schulter gelegt und versuche meiner Gedanken Herr zu werden.

„Du solltest wirklich schlafen gehen, Tam, du kannst nicht jede Nacht durchmachen. Am Tag schläfst du ja auch nicht!“

„Da unten ist es mir zu stickig.“

„Lügnerin!“

„Aber es könnte!“

Ich rutsche ein wenig zur Seite und lege meinen Kopf in ihren Schoß: „Warum bin ich wie ich bin?“

„Woher soll ich das wissen? Ich bin nur ein Dämon.“

Stimmt. Hatte ich vergessen.

Mazikeens feuchte Haut ist pures Salz. Offenbar schwitzen Dämonen auch. Ich lecke ein wenig von ihrem Schweiß von ihren Oberschenkeln.

„Du hast Angst vor Zoe“, stellt sie fest.

„Ich will nicht wieder mit dem Balg am Tisch sitzen müssen, weil es nicht schlafen kann!“

„Du hast Angst vor Zoe“, wiederholt Mazikeen.

„Ausserdem weiß ich nicht wo ich schlafen soll.“

„Wie wäre es mit deinem Bett? Bei Joana?“

„Du weißt, dass Zoe mich rausholen wird!“

„Es kommt der Punkt, da wirst du dich dem stellen müssen…“

„Du bist ein Dämon! Wenn ich schlaue Sprüche will, wende ich mich an die Simpsons!“

Ich greife ihr zwischen die geschlossenen Beine an die nackte Möse. Sie ist platschnass.

„Hey! Finger weg!“ Mazikeen packt meine Hand und verdreht das Gelenk bis es kurz davor ist zu brechen.

„Schon gut, schon gut!“, kapituliere ich. Maze lässt sich nicht anfassen. Sie fasst an. Auch so ein Dämonending. Auch gut, denke ich.

„Fick mich!“, sage ich. Das geht auch.

„Nope.“

Wie bitte???

„Hast du gerade ’nein‘ gesagt?“

„Dein Gehör funktioniert jedenfalls.“

„Seit wann darf ein Dämon widersprechen?“

„Seitdem ein kleines Kind neben uns steht.“

WIE BITTE?

„EVA?!“ Ich springe auf.

„Ich kann nicht schlafen…“ Die kleine Nervensäge reibt sich die Augen und zieht eine Schnute. Sie hält ihren Teddy umklammert.

Im flackernden Licht der Bordlaternen wirkt das irgendwie wie eine Szene aus einem Steven-King-Film. Ich schaue sicherheitshalber zweimal hin. Vielleicht hält sie ja ein langes Messer hinter dem Bär versteckt?

„Wo ist denn deine Mutter?“

„Die schläft.“

Klar, die habe ich ja müde gefickt.

„Kann ich einen Kakao?“

Ich hab’s geahnt…


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Siebeneinhalb

Ich schätze, dass wir gegen Zehn die Anker lichten können.

Bis dahin dürften Joana, Gabby und ihr Nachwuchs an Bord sein. Nein, nicht ihr Nachwuchs, sondern Eva. *augenverdreh

Ich muss einfach versuchen die Bälger als Menschen anzusehen und ihnen Namen zu geben, bzw. sie zu benutzen. Mazikeen meint, bei ihr hätte das geholfen. Kinder wären jetzt nicht mehr ganz so übel für sie. Früher hätte sie immer den unbändigen Wunsch gehegt, sie mit bloßen Händen zu erwürgen. Heute hätte es sich dahingehend reduziert, dass sie nur noch den Wunsch hatte, sie in einen Kerker zu sperren und den Schlüssel wegzuwerfen.

Der Pilot unserer Maschine hatte sich jedenfalls gemeldet und den Touchdown für 0855 Ortszeit angekündigt.

Mazikeen war gerade unterwegs und holte unsere neuen Besatzungsmitglieder in der Marina ab. Den holländischen Koch Bram und den norwegischen Seemann Elias. Laut Zeugnissen sollte Bram wirklich ein verkappter Sternekoch sein. In seinen Unterlagen steht, dass er liebend gerne sein eigenes Restaurant gehabt hätte. Doch die Liebe zum Meer hatte gewonnen. Bei Elias stand schlicht „Seemann“. Mazikeen fand die Aussage recht brauchbar. Warum auch nicht? Es war ein Seemann gefragt und er war einer. Passte. Oder?

Mazikeen lieferte in der Marina noch ein letztes Mal unseren Müll ab. (Auch so eine Sache, die die Leute gerne vergessen: Nicht alles an Bord kann man einfach im Meer entsorgen. Zum Beispiel auf keinen Fall Damenhygieneartikel. Oder „den vollgebluteten Mist“, wie ich den Dreck gerne nenne, der sich bei so vielen Weibern an Bord natürlich häuft. Seehunde mit blutigen Slipeinlagen auf der Schnauze sind nicht mehr sonderlich fotogen.)

Keine Sauereien bitte!

Sobald Maze zurück ist, machen wir fliegenden Wechsel und ich hole meine beiden Diven Joana und Gabby und ihren Nachwu…, äh, Eva ab. Wir liegen nicht weit vor Kingstown, die einfache Tour mit unserem kleinen Williams dauert nicht länger als 10 Minuten. Das große Schlauchboot benutzen wir nur, wenn wir wirklich eine Menge Proviant bunkern müssen, oder Übungen für den Notfall halten.

Es ist jetzt voller geworden an Bord. Die Passagiere Joana, Gabby und – Eva. Die neuen Seeleute Bram und Elias, mein Freund Ken, die Dämonin Mazikeen und ich. Ein wenig Platz hätten wir schon noch, doch mir ist das hier wirklich voll genug. Und wer weiß – vielleicht finde ich ja doch noch mein drittes Weib? Online vielleicht? Wäre doch mal ganz witzig – zur Abwechslung.

Für sie müsste sich ja dann auch noch ein Plätzchen finden. Abgesehen davon, kann jederzeit auch noch jemand von der Familie auftauchen – vorzugsweise Anik und ihr Mann, mein Bruder und sein Weib oder gar diverse Eltern von uns?

Nein, über solche Katastrophen will ich jetzt nicht weiter nachdenken. Sieben Leute – siebeneinhalb, das Balg eingerechnet – reichen fürs Erste. Und mit fünf seetüchtigen Seeleuten unter ihnen, schaffen wir auch eine Non-Stop-Golf-Durchquerung. Und zwar vor dem ersten Hurricane der Saison.

Jetzt noch ein Kaffee, dann in die Klamotten springen und fertigmachen zum Landgang.


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Digitales Leid

Gabby und Joana landen um Neun.

Die kleine Eva auch.

Noch sieben Stunden und die Ruhe hier ist vorbei. Göttin hilf!

Im Morgengrauen bereiten wir das Boot vor, um sofort verschwinden zu können.

Sofern bis dahin auch die neuen Seeleute eingetroffen sind.

Einfach weg hier so schnell es geht. Unsere gesamte Reiseplanung können wir ja komplett in die Tonne stopfen.

Inselhüpfen ist nicht mehr drin, weil wir davon ausgehen, dass sich viele kleine Staaten komplett abschotten werden. Momentan ist unsere beste Option, Kurs auf die Staaten zu nehmen, weil wir alle amerikanische Staatsbürger sind, bzw. eine Green Card besitzen.

Maze und ich haben viele Möglichkeiten diskutiert, doch für uns scheint wirklich nur die eine zu bleiben: Ab nach Norden in den Golf und an die amerikanische Südküste.

Uns bliebe noch der Panamakanal (für viel, viel Geld), denn noch ist er offen. Rüber in den Pazifik zur Westküste und nach Hawaii. Los Angeles oder die Bay Area sind in der Regel eine bessere Wahl als die zerklüftete Küste mit den Fanatikern der Südstaaten.

Nur, ganz ehrlich, was passiert wenn irgendwelche Bekloppten den Kanal dichtmachen und alle, die gerade drin sind, festsetzen? Die Chance ist gering, doch ich will keine Pferde kotzen sehen!

Ausserdem – wie sicher wird der Pazifik sein? Schon jetzt gibt es Anzeichen erhöhter Piratenaktivität im indonesischen Raum und ich möchte mir wirklich die Chance offenhalten, nach Europa zu segeln. Wenn das Theater dort einmal ein Ende gefunden hat.

Und die vielen kleinen Inselstaaten im Pazifik werden nicht anders handeln, als die in der Karibik: Tür zu, abschließen und Schlüssel wegwerfen.

Und hier über den Atlantik kann ich Europa und auch Australien erreichen. Und Südamerika, wenn z. B. Argentinien oder Chile es schaffen, die Sache unter Kontrolle zu halten.

Nein, der Atlantik scheint derzeit die bessere Wahl zu sein.

Maze, ich und der immer noch hustende Ken sitzen an Deck und genießen ein paar warme Schauer. Wie hatten wir uns auf die verdammte Karibikrundreise gefreut! Aber meckern dürfen wir nicht: Uns geht es verdammt gut, verglichen mit anderen.

Maze und ich sind nackt, wie meist, wenn keine Gefahr besteht, dass prüde Behörden uns Ärger machen. Es ist zu dunkel für ordinäre Ferngläser.

Ken hingegen hat sich eingepackt und trägt sogar einen Schal. Er will „diese verfickte Grippe“ endlich loswerden.

Kann ich verstehen. Klingt nicht lustig.

Ich bin müde. Irgendwie sogar zu müde für alles, inklusive Rumfummeln. Zu müde für alles was Spaß macht.

Ich lese zu viel Nachrichten. Das macht müde in dieser Zeit.

Ich will Sex, doch mein Kopf ist gerade in Italien, Spanien und der UK, wo gerade die Welt untergeht.

Die Welt ist digital geworden und damit irgendwie auch das Leid.


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Karibische Quarantäne

Das Meer sieht eigentlich aus wie immer.

Grünlich-blaue Karibik-Sauce. Sonne ist auch da und Lust auf Sex.

Eigentlich alles wie immer.

Dass sich die Welt verändert hat – davon ist hier nur wenig zu merke.

Nur bei Landgängen zu Behörden, Banken, zum Postabholen oder um neue Vorräte zu bunkern.

Krieg gibt es hier draußen nicht. Auch keine Flüchtlinge oder Hungersnöte. Und auch keine amerikanischen, britischen oder deutschen Nazis. Trump ist weit, Johnson ist weit, die Front Nationale ist weit, die AfD ist weit.

Weit draußen begegnet einem hin und wieder mal ein Kriegsschiff, um das man dann große Bögen fahren muss, weil sie gerne drohen einem aus dem Wasser zu blasen. Ansonsten nur Wale und Delphine. Der Rest ist und bleibt Wasser.

Viren gibt es hier draußen auch, doch die betreffen uns nicht. Die gehören in die maritime Welt und beißen bestenfalls Fische. Und Viren, die uns betreffen könnten, die bleiben an Land. Jedenfalls wenn wir vorsichtig sind.

Was wir früher nicht sein mussten: vorsichtig sein. Aber wer musste das schon?

Da mussten wir am Strand nur Angst vor portugiesischen Galeeren oder Seewespen haben. (Bzw. in Australien vor allem und jedem was sich bewegen konnte.)

Apropos: Schon mal jemanden erlebt, der von einer Seewespe erwischt wurde? Oder von einer portugiesischen Galeere (Floating Terror)?

Holy Moly! Da würde ich aber zehnmal hintereinander COVID-19 bevorzugen. Ernsthaft jetzt!

Trotzdem ist es hier draußen auf dem Meer besser. Viel besser. In karibischer Quarantäne.

Und der Pool ist auch größer!

Es gibt immer Orte, an denen die Dinge besser sind. Aber es gibt auch immer Orte, an denen sie schlechter sind.

Der Pool ist größer

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Virenarme Zone

Ich werde versuchen, dieses Tagebuch weitestgehend virenfrei zu halten.

Was nicht immer funktionieren wird, weil natürlich auch meine Lieben und ich – wie jeder andere auf der Welt – von dem Thema COVID-19 betroffen ist. Der eine mehr, der andere weniger.

Ich versuche jedoch mein Tagebuch so gut es geht virusfrei zu halten, weil wir alle auch unsere Rückzugsräume brauchen, in denen die Welt etwas rosiger und bunter aussieht als da draußen, wo der Alltag uns mit tristen Grautönen traktiert.

Ausserdem: Was gibt es zu sagen, was nicht ununterbrochen gesagt wird? Sei es von regulären Medien, in Chaträumen, auf Facebook, Twitter und Co. oder auf den einschlägigen Webseiten von Verschwörungstheoretikern.

Wen interessiert es da noch, was ich dazu denke?

Im übrigen halte ich meinen Kopf ebenfalls so gut wie möglich virusfrei. So gut wie möglich. Sich gänzlich vor der Welt verschließen geht natürlich nicht, bzw. wäre eine ziemlich fatale Politik.

Genug geschwatzt: Mein Tagebuch bleibt virusarm und spricht weiter hauptsächlich von Sommer, Sonne, Sex und was so dazugehört.

Offen. Ehrlich. Knallhart. Rotzfrech und – ja – auch pornografisch. Irgendwer muss ja.

Wer mit meiner Sprache nicht umgehen kann – es gibt Autoren, die machen viele Sternchen, wenn sie f***** meinen.

Lest die.

An meinen Mund kommen nur Futter, Wasser, Seife und Weiber. Reihenfolge beliebig

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Und sie bluten doch

Mir ist schlecht.

Nachdem man anderen versehentlich den Ellbogen ins Gesicht geknallt und sie dabei fast ertränkt hat, darf es einem schon einmal schlecht sein, richtig?

Vom Steg ins Boot gesprungen, umgedreht und – BÄNG!

Dann PLATSCH!

Dämonenbad.

Erst als ich sie wieder aus der Karibik gefischt hatte, haben wir das Blut gesehen.

Dämonenblut.

Und sie bluten doch!

Ausserdem hat Maze ein Gesicht gemacht, als hätte ihr Boss ihr gerade seinen Dreizack in den Bauch gerammt.

Und dann hat es einen Moment so ausgesehen, als würde ich zum Dämonenopfer werden: „Was, genau, habe ich dir nochmal zum Thema ‚Vom Steg ins Beiboot springen‘ gesagt?“

Äh… Ja… Nun…

Also Sanitäter, Nasenverband und ab aufs Schiff.

Dämonen leiden lautlos.


X X X X X X X X X X


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Zurück ins Wasser

Ja, wow! DER Film war wirklich mal wieder geil!

Ich bin wirklich begeistert! Nicht so sehr von der Handlung. Die Handlungen der Filme in den vergangenen Jahren ist mir viel zu politisch korrekt geworden. Sowas nimmt einem den ganzen Spaß.

Nein, von Joana und ihrem Können! Aber bin ich das nicht immer?

Aber in diesem Umfeld natürlich…

Und ich muss heute zurück. Es ist noch nicht ganz klar, ob mit einer unserer Maschinen oder Linie. Ich versuche Linie – anständig wie ich bin. Aber zur Zeit fällt ja ein Flug nach dem anderen aus. Und dann diese ganze Securitygeschichte jetzt zusätzlich mit dem Viruskram bei Linie…

Jaja… Privilegien…

Get lost!

Mal sehen.

Joana will mich nicht weglassen, doch mir bleibt gar nichts anderes übrig. Wenn wir uns nicht jetzt auf den Weg machen, geraten wir in die Hurricane Saison. Und darauf hat niemand Lust.

Wir haben jetzt noch 70 Tage für die Bahamas und die Golfküste, bevor wir Richtung Süden unterwegs sein sollten. Und danach müssen wir uns richten.

Ich hoffe sehr Joana zwischendurch doch noch zu sehen. (Und nicht nur mit Joanas Anwälten wegen ihren Scheißsteuern…)

Aber wenn ich so an ihr Schedule für die kommenden Monate denke… Von wegen langsamer machen!

Wenigstens scheint sie auf dem Weg der Besserung zu sein, sie hat heute Nacht weniger Leute entlassen.

(Von ihrem Personal nimmt das aber sowieso keiner mehr ernst.)

Guess what: Anik schickt einen Flieger…


X X X X X X X X X X


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Gelber Schleim

Wie oft kann eine Frau nur krank sein?

Ich meine, hallo? Erst war es ein Virus und jetzt bakteriell? Also rein mit den Antibiotika!

Oh ja, die sind nötig, sonst wird gestorben. Ehrlich!

Ich überlebe das hier nicht!

Wie gut, dass wir das Zeug an Bord haben. Joana hat das öfter und laut ihrem Arzt sind es genau die richtigen um sie vor einer Lungenentzündung zu bewahren.

Und ich liege wieder neben einer Frau, die dieses Mal gelben Schleim aus der Nase absondert und mache es mir selbst.

Ken fängt auch schon an zu husten. Ist der einzige an Bord, der weder eine Dämonin ist, noch ich und damit bis heute Abend den Scheiß auch hat.

WIE GEHT SOWAS MITTEN IN DER KARIBIK?

Immerhin konnten sie gestern shoppen gehen und das Boot stinkt jetzt nach Parfümerie statt nach Krankenhaus.

Auch schon was.

Quarantäneboot

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Relaxing day

Ken geht morgen mit Joana an Land. Shoppen.

Mir ist nicht so ganz klar, warum Joana nicht versteht, warum ich lieber auf dem Boot bleibe. Im übrigen werde ich das ja nicht. Auf dem Boot bleiben, meine ich.

Ich werde die beiden an Land bringen und dann, vom Beiboot aus, ein wenig die Küste aus der Nähe betrachten. Von Stellen aus, die unser Segler nicht erreichen kann.

Alleine. Und rumgammeln.

Da Joana keine Klamotten mitbringen darf, wird sie mit Ken die örtlichen Parfümerien abklappern und mit tausend Fläschchen und Tiegeln zurückkommen. Ich darf gar nicht an den Gestank denken…

Barbados soll irgendwie toll sein. Sagen alle. Dummerweise sagt Zoe das auch. Das hat mich dann gänzlich überzeugt auf dem Wasser oder einem einsamen Strand zu bleiben!

Denn wenn Zoe das sagt…

Joana versucht mich mit Berühmtheiten unter Menschen zu locken und fragt, ob sie Rihanna anrufen soll. Ob ich dann mit ihr an Land käme…?

Rihanna. Als ob ich mich jemals für Rihanna erwärmen könnte! Ist ja nun gar nicht mein Typ! Weder „musikalisch“ noch sonst irgendwie. Das sollte sie eigentlich wissen…

Jetzt erst mal wieder raus aus dem Bett und die Wache übernehmen. 5 Uhr UTC und 1 Uhr Ortszeit. Tablettenzeit.

Ostfriesentee, dann Kaffee. Same procedure as every day – wie nur die Deutschen sagen. Weil nur die Deutschen diesen blöden Kurzfilm kennen. Kein Engländer schaut jemals so einen Quatsch. Nur so nebenbei…

Joana schläft. Maze ist alleine an Deck. Mal schauen, was sie so treibt. Vielleicht kann ich ja mit treiben?

Heute wird relaxed. Alleine.

Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

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Fische futtern

Joana fühlt sich nicht wohl.

Eigentlich kann man schon eher von Panik sprechen, was aber verständlich ist, weil sie seit Tagen nichts anderes sieht als Wasser. Und wenn man bedenkt, dass wir noch nicht mal die Hälfte geschafft haben und dass uns, kurz vor Hamilton, noch ein Sturm erwartet…

Die derzeitige Idee allerdings ist, nach Südwesten zu drehen und direkten Kurs auf Trinidad zu nehmen. Das allerdings würde weitere 10-14 Tage offene See und Gejammer von Joana bedeuten, mit mehr Flautezonen als uns lieb ist.

Allerdings weit weniger Chancen auf Stürme.

Wir würden uns dann auf der Ostseite der karibischen Inseln hocharbeiten, den Golf umrunden und über die Caymans nach Cuba segeln. Dann an der Westseite der Inseln herunter, bis wir schließlich in Guyana das erste Mal brasilianischen Boden betreten würden. (Venezuela werden wie bei der politischen Lage dort definitiv umgehen.)

Brasilien, Uruguay, Argentinien und das Kap. Am Ende – mit Blick auf die chilenischen Anden – endlich in den offenen Pazifik!

Das wäre die eine, die ziemlich kalte Möglichkeit um die Südspitze des Kontinents, knapp an der Antarktis vorbei. Oder wir nehmen den Panamakanal und… Überlegungen über Überlegungen…

Ich weiß, man plant eine Reiseroute eigentlich Monate oder gar Jahre im Voraus… Aber bin ich man?

Doch für mich war Planung immer gähnend langweilig und ich nehme lieber das, was mir die Göttin jeden einzelnen Tag vor die Füße wirft.

Apropos Langeweile…

Langweile ich gerade irgendwen?

Macht nichts, ich langweile mich auch gerade und ich dachte, das muss ich ja nicht alleine machen.

Und jetzt krieche ich wieder zu Joana und versuche ihr erneut klarzumachen, dass es auch für sie irgendwo hinter dieser Wasserwüste noch ein Fitzelchen bewohnbares Land gibt.

Ausserdem kann man sich im Zweifel durchaus auch jahrelang von Fischen ernähren!

Fischers Fritze fischt frische Fische


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J. – Forever

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Blog exklusiv: Wer braucht schon Mehl zum Backen

Was ich nicht vermisse sind diese elenden Aufbackbrötchen.

Ob zu Hause oder vom Bäcker: alles der gleiche Müll. Wenn man hier zum Bäcker geht, dann landet man geschmacksmässig im 20. Jahrhundert. Mitte des zwanzigsten, behaupten einige, was ich – der Göttin sei Dank – nicht beurteilen kann, denn sonst würde ich den Fraß von heute ja gar nicht mehr anrühren!

Es liegt daran, dass die Bäcker hier in der Karibik in der Regel noch das tun, was sie tun sollten: backen. Ohne „auf“. Ihnen bringt man noch bei was Mehl ist und welche Funktion es beim Backen hat.

Und – oh Wunder, ich bin erschüttert – sie wissen sogar, dass man Brötchen auch mit Reis-, Mais- und Buchweizenmehl backen kann, und wie man es macht, dass sie hinterher sogar wie Brötchen schmecken! Das sollten sie mal Schär und Konsorten verraten!

Ich meckere schon wieder, richtig? Dann werde ich auch langsam wach!

Waschen ist retro

Äh ja… „Sexspielchen ausgeartet“, würde ich mal sagen!

Und das auf dem Boot!

Das war kein „Spielchen“ mehr, das war schon eine ausgewachsene Endrunde! Teufel nochmal! Ich bin nicht sicher, ob ich es schaffe, in den nächsten 14 Tagen nochmal etwas in meine Möse zu bekommen! Oder in meinen Arsch. (Keine dummen Witze jetzt, das ist eklig!)

Es ist – WIEVIEL Uhr? HALB SECHS? Ich. Habe. Nicht. Ge. Schla. Fen! Und wir legen nachher ab!

Egal. Es gibt Wichtigeres als Schlafen.

Zum Beispiel, diese GEILEN weißen Puma-Turnschuhe mit der schwarzen Front, die sich Anik gekauft hat. Was mich daran erinnert, dass ich UNBEDINGT wieder shoppen gehen muss, sobald sich eine Gelegenheit bietet.

Anyway…

Es heißt, Abaco sei unter Wasser viel schöner als über Wasser. Mmh? Kann ich nicht beurteilen. Unter Wasser bekommt man mich nur unter der Dusche und dann auch nur weil Waschen am Waschbecken so retro ist. Und so kompliziert.

Schwimmen ist okay, aber auch nur wenn keine Viecher an meinen Zehen herumknabbern. Oder überhaupt irgendwo im Umkreis von 5 Meilen existieren.

Wer mich bereits kennt, weiß um meine Abneigung gegen alles was Fühler oder mehr als 4 Beine hat. Oder gar keine.

Ich jedenfalls finde es hier gar nicht so schlecht. Es gibt sicherlich schönere Fleckchen in der Karibik, doch wir haben ja auch keinen vierwöchigen Urlaub hier gemacht, sondern einen Tag in der Jerry Bay festgemacht um uns ganz brav einen von Joanas dämlichen Vorschlägen anzuschauen. Und abzulehnen. Und in Ruhe Sex zu haben.

(Palmen, Sandstrände, Riffe, Sonnenauf- und untergänge und sowas gibt es hier auch. Nur so als Ehrenrettung für Abaco.)

Und ich werde hier in der Karibik schon ganz bestimmt kein Boot mit über 3 Meter Tiefgang fahren, wenn es die Hälfte auch tut! Was ist daran eigentlich nicht zu kapieren?

Soll sie doch ihre Kosmetikerin fragen, was der Unterschied ist!

Blog exklusiv: Gute Taten sind nicht einfach

Wenn alles gutgeht, erreichen wir morgen Früh die Südspitze der Insel Abaco.

Das ist eines der schönen Dinge der Karibik: Es gibt viele kleine und größere Inseln, von denen die meisten in ein oder zwei Segeltagen erreichbar sind.

Ich habe schon vorgeschlagen, dass wir morgen mal wieder alle zusammen frühstücken. Dann kann ich Harakiri aus ihrem Elend befreien. Es fällt mir ja schwer, doch es muss wohl sein. Gute Taten sind eben oft nicht einfach.

Mit Joana gibt es nachher wieder Videosex. Auf ihren Wunsch einen Dreier mit Maze. Sachen gibt es…

Maze meinte, ich solle unbedingt aufpassen, dass ich nicht anfange zu zwitschern…

Nervst du mich, nerv‘ ich dich

Das Wetter ist schon fast wieder urlaubskatalog-karibisch. Warm, kaum Wind, kaum Wellen. Relaxing. Wir relaxen uns also die letzten 40 Meilen nach Nassau.

Die einen mit Tee, die anderen mit Rum – wie sich das gehört. Na ja, zugegeben: Rum ist hier eigentlich weniger gefragt, doch es passt gerade so schön ins Bild.

Joana heult mir immer noch was vor, Maze flucht vor sich hin und Ken schüttelt ununterbrochen den Kopf: „Weiber!“

Er hat wohl Recht. Aber wir sind eben so. Man muss uns einfach lieben.

Wenn man übrigens Ken fragt, wie ich ins Bild passe, dann würde er sagen: „Die? Die zickt rum!“

Fair enough.

Aber wie lautet die alte Weisheit noch gleich:

„Zicken lassen sich am besten ficken“

Okay, stammt nicht vom Bauern, sondern von mir, was es aber nicht weniger richtig macht.

Ich gebe zu, wenn sie mir alle auf die Nerven gehen, dann sorge ich dafür, dass ich ihnen noch viel mehr auf die Nerven gehe. Soviel dann zum Thema „urlaubskatalog-karibisch“.

Vorhin habe ich erst einmal erklärt, dass das Abendessen ja wohl das letzte sei, dass Maze nicht so viel trinken soll – SIE hat kein Problem mit Alkohol – dass Ken gefälligst nicht so schmatzen soll und dass Harakiri und Tine beim Ficken durchaus etwas leiser sein könnten.

Mit letzterem habe ich mir natürlich ins eigene Knie geschossen, doch die entsetzten Blicke waren es wert.

Maze hätte mir am liebsten eine gefeuert, kann sie aber nicht, weil das meine Autorität untergraben würde.

Alles in allem also ein typisch langweiliges karibisch-relaxtes Abendessen.

Maze kümmert sich dann gleich noch um die alte Bauernweisheit.

Läufige Bitches

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich mich bei sexy Harakiri einmischen sollte.

Tine und Harakiri klingen so frischverliebt. Zumindest beim Ficken. Den Rest scheinen sie ja vor uns verheimlichen zu wollen. Den Lesbenpart.

Ist das alles kompliziert…

Ach was, ich werde morgen einfach mal den Holzhammer auspacken. Das funktioniert immer und macht Spaß.

Der Sturm kam früher als gedacht. Soviel MAL WIEDER zum Wetterbericht. Die Karibik ist ziemlich unberechenbar. Das hat Ken vorher schon gesagt. Der Scheiß-Wind würde Joana vermutlich in allem bestätigen und ich gebe zu, es ist schon eine ganz schöne Aufgabe sich bei so einem Wetter um so viel Tuch kümmern zu müssen. Und das bei ein Boot mit so wenig Tiefgang. Da bekommst du schon bei 30-35 Knoten Wind Probleme halbwegs dem Kurs zu folgen. Vor allem, wenn auch noch die Dünung ungünstig kommt!

So oder so: es würde ihr gerade mal nicht gefallen! Bzw. hätte ihr nicht gefallen, denn das Wetter hat sich einigermaßen beruhigt und erst am Dienstag frischt es wieder auf. ANGEBLICH! Bis dahin liegen wir aber längst in der Goodman Bay.

Anyway…

Ein Tag ohne Sex. Wie machen die Leute das? Ich meine – Masturbieren eingerechnet. Wenn man so zu gar nichts kommt? Ich rede jetzt nicht vom ganzen Monat, sondern von den beiden Wochen nach der Periode in denen die Hormone uns zu läufigen Bitches machen. (Ich nehme mal das englische Wort. Das deutsche provoziert noch mehr Kreischerei von den Frauen, die behaupten, unsere Triebe und Launen wären ohne Pille steuerbar… Weil wir ja keine Tiere sind… WUFF!)

Wenn ich jedenfalls in den beiden hormonflutenden Wochen bin, brauche ich Frauen oder Batterien. Oder beides.

Langer Rede kurzer Sinn: Bei mir ist gerade Tsunami. (Was nicht heißt, dass zu anderen Zeiten gar nichts geht… Aber da sieht es dann eher so aus wie bei den armen Weibern, die die Pille nehmen. Langweilige Mitte.)

So… Wo genau ist jetzt Maze?

MAZE! MAZIKEEN! WO BIST DU? MAZE!

Vor allem, wenn sie im Recht ist…

Joana kann schon ziemlich nervig sein – vor allem, wenn sie glaubt, dass sie im Recht ist.

Leider glauben diese Diven, dass sie alles wissen. Vor allem sind sie gut im Sich-Das-Einreden.

Maze platzt gleich, es fehlt nicht mehr viel. Das ist nämlich die eine Sache, mit der Joana sie zum Wahnsinn treibt: wenn sie glaubt, sich in Dingen auszukennen, nur weil sie sich bei sogenannten „Experten“ erkundigt habt.

Boote und Schiffe sind in ihren Augen „sicher“, wenn sie möglichst modern und teuer sind. Bei so etwas geht unsereins die Wände hoch. Bis oben hin.

Nun war Joana ja nun schon einmal mit mir auf einen modernen 50“-Yacht unterwegs gewesen und glaubt, dass Boote heute so aussehen müssen. Nur war damals schönes Wetter gewesen. Sie hat keine Vorstellung, was so ein Ding macht, wenn es erst einmal anfängt zu blasen! Und… ach, was rege ich mich schon wieder auf…

Ich glaube, wenn sie hier wäre, würde ich ihr im Moment anbieten, sie über Bord zu werfen. Ja, ich bin so impulsiv. Maze nicht. Sie würde es einfach machen.

Okay, ich kann verstehen, dass sie mit uns allein sein möchte, dass sie endlich einmal tun kann was sie möchte, ohne ständig über die Schulter schauen zu müssen – doch kann man nicht vernünftig darüber reden? Ohne dass sie sich einbildet, schneller Fahrrad fahren zu können als dieser… dieser… Jetzt habe ich seinen Namen vergessen.

Göttin, wie ich dieses Weib liebe!

Warum muss sie eigentlich am Wochenende zu dieser Scheiß-Verleihung, wenn sie doch nicht nominiert ist? Kann sie da überhaupt…? Ich gebe ja zu, dass ich mich zu wenig für diesen Schauspielkram interessiere. Ich würde ja – wenn sie mich mitnehmen würde. Das alte Thema. Ich glaube, mein Desinteresse ist meine Rache dafür.

Was immer noch nichts am Thema ändert.

Sie möchte mit uns unterwegs sein, wenn diese elende Award-Season vorbei ist. Aber nach ihren Bedingungen. Klar, es geht ja immer nach ihren Bedingungen.

Nachtrag: Wir haben am Rand der Bank geankert und segeln in der zweiten Nachthälfte raus aufs offene Meer. Also alles im grünen Bereich.

Langsam bekommen wir wirklich Übung im Ankern der Ketsch. Wobei ich mich wundere, dass wir hier überhaupt einen Stein gefunden haben, an dem wir uns festkrallen konnten.

Anyway…

Mir fehlen meine Tiere. Der gelegentliche Delphin (Gelegentlich? Wieviele von den Viechern gibt es eigentlich auf der Welt?) hilft da auch nicht weiter.

Der gelegentliche Delphin?

Ansonsten – mir geht es nicht so toll. Die Meds wirken seltsamerweise gerade nicht so, wie ich es gewohnt bin. Trotz Extradosen. Macht Angst. Aber auch das wird besser. Es ist immer wieder besser geworden. Auf jeden Fall ist momentan an Wassersport und Ähnliches nicht zu denken, ich bin ja froh, wenn ich duschen kann.

Nochmal anyway…

Hier ist es 23:40 (04:41 UTC). Zeit für einen zweiten Tee und dann einen Kaffee, wenn wir um 1 Uhr los wollen. Warum so früh? Wir wollen versuchen nicht im dicksten Wetter in Nassau anzukommen.

Und der Tee schmeckt auch Scheiße zur Zeit…

Ich soll mir doch mal die Umgangssprache abgewöhnen, sagt Joana.

„Fuck you!“, sage ich.

Ist doch wahr…

Depressionen

Solange ich meine Tabletten habe, geht es mir eigentlich verdammt gut.

Das mit den Meds ist natürlich ein verdammter einschränkender Mist. Immer mit einem Bein im Knast stehen, weil man Angst haben muss, dass die Behörden einmal den Vorrat finden und sich einen Dreck um die Rezepte scheren. Weil sie eben ihre eigenen Scheiß-Gesetze haben und so ein Grenzfall wie meiner dort nicht vorkommt. Und dann lande ich in einem fremden Land in einem Dreckloch-Knast und ohne meine Meds innerhalb von ein paar Stunden festgekettet an ein Krankenhausbett, weil ich vor Schmerzen durchdrehe.

Weil ich dann vor Schmerzen durchdrehe…

Das Krasse ist ja noch: ich müsste in jedem verdammten Land extra zu einem Arzt rennen, weil man so viele Meds nicht einführen darf.

Und sie per Post zu verschicken ist natürlich auch verboten und vom Flieger brauchen wir erst gar nicht anfangen.

Was bleibt ist, sie in einem Land ohne Rezeptpflicht zu kaufen oder einen Arzt zu bestechen. Letzteres ist meistens nicht besonders schwer und auch nicht sonderlich teuer, wenn man sich ein wenig umhört.

Bevor man mir die Meds wegnimmt, vergifte ich mich. Diese Möglichkeit liegt nämlich aus genau diesem Grund griffbereit.

Die Alternative wäre nicht mehr unterwegs zu sein. Aber dann kann ich auch gleich die Giftkapsel schlucken.

Was Menschen alles für einen Scheiß haben können!

Morgens, mittags, abends: Bin ich Meisterin im Tablettenschlucken?

Was ist das bloß für ein Tag heute? Eigentlich hatte ich mich doch auf das Schwimmen nachher gefreut? Klar: Insomnia als Nebenwirkung. Plus böse Gedanken.

Und zu wissen, dass das heute doch nichts wird mit dem Schwimmen. Keine Chance ins Wasser zu gehen, zu viele Meds und trotzdem noch Probleme.

Heute Nacht habe ich so eine gefeuert bekommen, dass Maze vor Schreck aus dem Bett gesprungen ist. Und sie kennt das ja eigentlich. Mir hat noch minutenlang danach das Gesicht wehgetan UND DAS WAR NOCH NICHT MAL EIN ANFALL! Grrrrrr… Ich werde dann immer so furchtbar wütend!

Und für was sorgt dieser? Depressionen! Genau! Ausserdem sind diese Scheiß-Depris weitere Nebenwirkungen der Tabletten. Neben tausend anderen.

DESWEGEN schreibe ich diesen Scheiß hier. Wer es nicht lesen will, muss ja nicht: Es ist MEIN Tagebuch!

Okay, die anderen sollen ruhig schwimmen gehen. Ich kann ja nicht jedes Mal andere verprügeln wenn es mir nicht gut geht. Wird ja langweilig.

Ausserdem will ich ihnen ja nicht den Tag vermiesen. Nur unsere Neuen werden schön blöd schauen, denn die wissen ja nichts von meinen Problemen. (Ich will das nicht Krankheit nennen. Es ist nur dieser bescheuerte Nerv, der meint, er müsse mich ärgern! Deshalb werde ich auch wütend statt zur verzweifeln.)

Maze wird nicht ins Wasser gehen. Sie weicht mir nie von der Seite wenn es mir nicht gut geht. Früher dachte ich, dass mich das nervt, heute weiß ich, dass sie es macht, weil es ihr auch schlecht geht und sie sich dann wohler fühlt. Dann funktioniert das auch für mich.

Also werde ich mich ausziehen, die Wärme genießen und schreiben; das nächste Buch schreibt sich nicht von alleine.

Keine Sau hier

Das karibische Gefühl. Voll da.

Das Wasser hat schon diese geile hellblaue Farbe. Jetzt fehlen nur noch die Strände. Wir mussten nämlich erst einmal im seichten Wasser vor Anker gehen.

Flaute. Na ja, nicht ganz, aber schon ein wenig.

Aber geil: Herrliches Wetter, glasklares Wasser und keine Sau hier außer uns.

Und wenn Ken noch einmal das Wort „Motor“ sagt, verpetze ich ihn bei Maze und dann kriegt er eine rein. So einfach ist das.

Ich bin Vollblutseglerin, „Motor“ entspricht nicht meinen Community Guidelines.

Keine Sau hier außer uns

Wir haben das erste Mal an Deck der Anny gegessen. Ist ein wenig beengt und improvisiert, aber – hey – sie ist ein altes Boot!

Nachdem Maze uns so eine geniale Badeplattform gebaut hat, werden wir wohl morgen mal ein wenig im Karibikwasser schwimmen. Hier ist es im Allgemeinen nur so um die 3 bis 4 Meter tief – Haie lauern nur in den Gräben, habe ich gelernt. Hier haben sie Angst, dass sie Haue bekommen.

Auch so ein Vorteil unserer Ketsch: Mit diesem Boot kann man in Pfützen segeln. Mit anderen, selbst mit viel kleineren, kämen wir hier gar nicht hin.

Genaugenommen weiß ich gar nicht, ob man hier überhaupt segeln darf. Aber schön ist es. Und da die Welt sowieso untergeht… Aber solange man nicht den MOTOR anmacht – nicht wahr, Ken?

Männer! Feige und faul!

Und beim Masturbieren machen sie auch alles dreckig!

Hochgradig sexistisch

24 Grad, Vollmond, kaum Wind. Herrlich hier draußen!

Noch einen Tag bis Miami. Autopilot ist an und ich sitze mit meiner Schwimmweste zusammen mit Ken an Luv. Wir schauen zu, wie sich das Steuerrad bewegt und fachsimpeln darüber wie erstaunlich flott sich unsere Anny doch vor dem Wind bewegt.

4 Stunden später.

Es hat sich inzwischen doch schon etwas relativiert. Der Wind nimmt mehr und mehr ab und wir überlegen direkten Kurs auf die Bahamas zu nehmen und uns Miami zu schenken. Ich kann die Staaten sowieso nicht leiden. Wenn der Wind so bleibt und wir Richtung Norden drehen, könnten wir heute Nachmittag versuchen in der Little Bahama Bank zu ankern. Oder weiter in Richtung der östlichen Inseln schleichen.

Ken hat die Diskussion über den Motor mit mir inzwischen aufgegeben. Er weiß ja, dass ich jetzt Mazikeen als Leibwächterin habe. Und die wird ungemütlich wenn ich sauer werde.

Ich würde wirklich gerne mal hier herumschwimmen. Ob man das haimäßig kann? Keine Ahnung, muss mal unsere Biologinnen fragen. Ich könnte ja mal ein paar mehr Tabletten einwerfen, reinspringen und wenn ich die Orientierung verliere, mich von Maze retten lassen!

Aber das Wetter ist wirklich geil. Die Sonne könnte mal aufgehen, ich will meine Klamotten loswerden. Ken grummelt zwar immer wenn jemand seine Schwimmwesten auszieht, aber – hallo – ich sitze doch nicht Tag und Nacht mit dem Ding an Deck herum. Jedenfalls nicht, wenn wir nachher mit Schubkarrengeschwindigkeit in der heißen Sonne herumschippern.

Oben ohne ist doch das Geilste

Überhaupt: Oben ohne ist doch das Geilste!

Ich habe sowieso nie verstanden, warum Männer oben ohne rumlaufen dürfen und Frauen nicht. Weil bei uns was herunterhängt? (Jaja: oder sich nach vorne wölbt. Besser?) Wenn das der Punkt ist, dann dürften wir aber zumindest unten ohne rumlaufen. Da wölbt sich nichts und hängt auch nichts.

Nach dieser Theorie wären also Männer unten mit und Frauen oben mit aber unten ohne. Das wäre gerecht.

Oder eben Frauen und Männer oben ohne. Passt dann auch wieder.

Aber Männer nur unten mit und Frauen unten UND oben mit? Das ist doch mal wieder hochgradig sexistisch!

(Nein, nein: Wir einigen uns nicht auf ein Ei und eine Titte!)

Paparazzifutter

Mir ist noch nicht ganz klar, wie Joana sich einen Urlaub vorstellt, bei dem wir sie alle paar Tage an einem anderen Flugplatz absetzen sollen. Aber das wird sie mir sicher noch erklären.

Und dass sie es nicht akzeptieren kann, dass sie die Einzige ist, die an Bord jederzeit angezogen bleiben muss, nur weil Fremde auf dem Schiff sind… Ja… Shit happens, oder so. Es kann ja nun keiner etwas dazu, dass sie ein Problem mit Paparazzi und Hochglanzmagazinen hat.

Ich jedenfalls bin kein Paparazzifutter und kann an- und ausziehen was ich will. Jedenfalls auf meinem Boot.

Paparazzifutter

Wir müssen darüber nochmal reden!

Na, da bin ich ja mal gespannt, was ihr dazu einfällt. Mir fällt dazu jedenfalls nichts weiter ein, als dass ich ganz bestimmt nicht wegen ihr ununterbrochen mit Bikini herumlaufen werde! Bei aller Liebe…

Außerdem findet sie unser altes Schiff viel zu gefährlich. Mmh…? Joana als Bootsexpertin? Ich muss mal in meinen Kalender schauen, ob sie auch ihre Tage hat!

Dance With The Devil

In sechs Tagen sollten wir dann in deutlich wärmeren Gefilden sein. Darauf freue ich mich wirklich.

Ich wundere mich immer wieder, warum Menschen freiwillig in kälteren Gegenden wohnen.

Obwohl – habe ich in Orcas ja auch. Vielleicht ist es die Liebe zu Jahreszeiten? Oder weil wir glauben, dass wir keine andere Wahl hätten?

Natürlich haben wir eine andere Wahl. Jeder hat eine andere Wahl. Spätestens nach der Ausbildung hat jeder die Wahl. Die Menschen sind nur zu feige oder zu faul Risiken einzugehen. Oder es gefällt ihnen da wo sie sind. Dann sollten sie sich aber auch nicht beschweren.

Wie komme ich denn jetzt eigentlich darauf?

Egal.

Auf jeden Fall will ich ins Warme. Erst einmal. Florida, Karibik, Golf von Mexiko, Mittelamerika, Südamerikas. Für’s erste.

Chris ist oben und hat alles im Griff. Ich kann aber auch nicht schlafen. Nicht mehr, jedenfalls.

Hat alles im Griff… Wie sexy…

Ich habe von der Nacht mit Joana und ihr geträumt. So echt träumen? Gibt’s das? Es war fast so, als hätte ich es nochmal erlebt, nur etwas verrückter. Ich glaube, in meinem Traum war Joana wirklich lesbisch. Mit Haut und Haaren. Obwohl da auch noch ein Typ aufgetaucht ist. Keine Ahnung was der für eine Rolle gespielt hat.

Träume…

Chris erinnert mich in Auftreten (und sogar ein wenig im Aussehen und ganz bestimmt in ihrer Klamottenwahl) an diesen Dämon Mazikeen in Lucifer. Vermutlich haben sie die Figur nach ihr modeliert.

Wenn Chris Mazikeen ist, wer ist dann Lucifer?

Auf jeden Fall ist sie schon gewaltig sexy. Ich überlege, ob ich sie künftig Maze nennen soll. Chris hat gegenüber Joana allerdings den großen Nachteil, dass sie nicht mein Jugendschwarm und weltberühmt ist. Da kommt mein verrückter Faible für Stars wieder durch. Das ist, als wenn man pizzaverrückt ist, und bekommt jetzt gesagt: in Zukunft nur noch Spaghetti Bolognese. Oder so.

Ich bin unmöglich, ich weiß.

Go fuck yourself!

Nachsatz: Auf die Spaghetti will ich nun auch nicht verzichten…

Ich muss jedoch auch sagen, dass Joana wirklich megageil, megasexy, megasüß, megalieb und überhaupt mega ist.

Nur leider eben nicht so 100 Prozent lesbisch. Eher gar nicht. Wir machen nur rum, weil sie weiß, dass ich es brauche. Schon ein bisschen armselig. Von mir. Eigentlich müsste ich ja sagen „lass mal“ und müsste mich mit ihr als allerbester Freundin der Welt zufrieden geben. Andererseits – es ist nunmal Joana. Es sind ihre Titten. Es ist ihre Möse. Und sie zu küssen ist der Himmel auf Erde.

Bei Maze – äh, Chris – ist es eher die Hölle. In a good way.

Ich schreibe Unsinn, heute Nacht.

Muss die Vorfreude auf das schöne Wetter sein.