Warum…?

Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, dass wir jetzt ein bisschen quatschen und dann gemeinsam in ihr Hotel laufen, oder fahren würden, doch da hatte ich mich getäuscht.

„Hier.“ Chris/Mazikeen kritzelt etwas auf eine Serviette.

„Was ist das?“, will ich wissen, obwohl es eigentlich ziemlich eindeutig aussieht.

„In einer halben Stunde“, sagt sie ohne besondere Emotion, steht auf und – geht.

Ooooookayyyyy…, denke ich. Krass!

Auf dem Zettel stehen Name und Anschrift eines Hotels. Ihres Hotels, wie ich annehme, denn eine Zimmernummer steht dabei.

Es kostet mich eine Taxifahrt quer durch die Stadt. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig. Besonders arm darf man bei ihr nicht sein; im Bus hätte ich das niemals geschafft.

„Pünktlich. Freut mich.“

Interessante Begrüßung.

„Ich gebe mein Bestes“, entgegne ich.

„Stell dich an die Wand“, sagt sie.

Es verwirrt mich.

„Kann ich bitte dein Badezimmer…“

„Stell dich an die Wand!“

Es kommt trocken, emotionslos und es lässt keinen Widerspruch zu.

Schade, denke ich: Ein wenig Frischmachen wäre jetzt wirklich nicht verkehrt. Oder vielleicht ein kleiner Drink zum Eingewöhnen? Doch ich mache, was sie sagt.

„Rücken zur Wand.“

Was gibt das denn jetzt?

„Warum…?“, versuche ich zu fragen, meinen Rücken gegen die Wand gelehnt.

„Pst!“ Sie drückt mir einen Finger auf die Lippen, das Zeichen, dass ich den Mund halten soll.

Wirkt.

„Du machst was ich sage. Ich kann diese unnütze Fragerei nicht leiden.“

Aha, denke ich. Wer will beim Sex schon wissen, mit wem er es zu tun hat…

Tammy

Eine echte und stolze Lesbe

Apropos Schokoladentorte…

Das Blöde bei der Sache war, dass ich Joana ständig nackt sah. Das war schon ewig so. Im Prinzip schon seit wir das erste Mal in einem Zimmer, bzw. in einem Bett geschlafen hatten. Was schon ein paar Wochen nachdem wir uns kennengelernt hatten der Fall war.

Ich weiß das wie heute: Sie hatte mich nach New York zu einem Film Screening eingeladen und wir schliefen in einer Suite im Times Square Edition (wenn ich nicht irre).

Sie hatte mich gefragt, ob ich nicht bei ihr schlafen wollte und welche echte und stolze Lesbe würde da schon nein sagen?

Zumal sie prinzipiell nackt schläft.

Ich glaube, sie hatte damals den Begriff lesbisch noch nicht so richtig verstanden.

Das war meine erste Nacht, die ich, ohne Magen-Darm-Virus, mehr im Bad als im Bett verbracht habe.

Zumal sie prinzipiell nackt schläft


Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon

Flucht nach vorne

Scheiße!

Wie kam ich denn da jetzt wieder raus?!

Flucht nach vorne.

„Blablabla…“, sagte ich – und zwar mit heraushängender Zunge, den Kopf in den Nacken gelegt.

„Bitte?“ Joana schaute mich entsetzt an und selbst ihre beiden kleiderschrankartigen Bodyguards, die am Nachbartisch halbe Kühe frassen, waren aufmerksam geworden.

„Hast du mal auf die Uhr geschaut?“, fragte ich.

Joana schaute verstört nach: „Zehn nach Zwölf, wieso?“

„ZEHN NACH ZWÖLF? Du sitzt hier, mitten in der Nacht, säufst grüne Kotze und erzählst einer Lesbe was von stinkenden Schwänzen?! Bist du wahnsinnig?“

Genaugenommen hatte ich sogar recht: War die wahnsinnig?

Grüne Kotze

„Was? Bitte?“ Joana starrte mich völlig verstört an: „Ich erzähle dir hier gerade…“, stammelte sie.

Okay, Tammy. Schock hat funktioniert. Und wie jetzt weiter?

„…dass ich nicht mehr ein noch aus weiß…“

Tammy, beeile dich! Lass dir was einfallen!

„…dass mein Leben…“

Okay, jetzt:

„Hier sitzt eine Lesbe vor dir, die schon ewig hoffnungslos in dich verliebt ist und du redest von deinem Ex? Und von seinem Schwanz?“

„Äh, ja aber…“

Weiter, Tammy, weiter!

„Eine Lesbe, die dich niemals wird besitzen können, weil du auf Männer…“ Und ich schüttelte mich theatralisch. „…stehst? Findest du nicht, es wird Zeit, die Vergangenheit endlich loszulassen um herauszufinden, was die Zukunft für dich bereithält?“

Was für eine unsägliche, schwachsinnige Schmalzscheiße! Runterfahren, Tammy, runterfahren!

„Wenn du weiter wegen diesem Typen rumjammerst, kannst du soviel grüne Kotze saufen wie du willst und scheißt trotzdem nur weiter braune Kacke!“

Und jetzt wieder ein bisschen Schleimspur, Tammy.

„Und wenn ein Feigling DICH verlässt, NUR weil du keine Kinder willst…“

Okay, kurz überlegen: Zuckerbrot oder Peitsche?

Was gibt es da eigentlich zu überlegen?

„…dann hättest du ihm besser den stinkenden Schwanz abgeschnitten und ihm das Ding in den Arsch geschoben!“

Und jetzt noch ein bisschen Hoffnung:

„Und jetzt sitzt hier ein verliebtes Mädchen vor dir, das dich zur Freundin haben möchte, Sex oder nicht…“ (SEUFZ) „…und immer für dich da sein wird. Und, zur Göttin, was werden wir Spaß haben! Sobald du aufhörst über stinkende Schwänze von Jammerlappen zu reden!“

So, das sollte reichen!

Diese ganz bestimmte, eigene Form

„Diese Maze“, fragte Joana während sie ihren Smoothie wieder zurück auf den Tisch stellte: „Sie ist deine – Partnerin?“

Sie machte eine kleine Denkpause vor dem Wort Partnerin, während ich angewidert auf die grüne Brühe starrte, die sie da trank.

„Dieses – Zeug da… Was ist da so drin?“. Ich machte eine kleine Pause vor Zeug.

„Sellerie, Spi…“, fing sie an.

„Wir sind Lover, ja.“ Ich unterbrach sie, weil ich keine Lust hatte schon morgens um kurz vor 12 zu kotzen.

„Wie wäre es mit Kaffee?“, schob ich zur Sicherheit nach, nur um sicher zu gehen, dass sie nicht mit ihrer Aufzählung fortfuhr.

Joana schüttelte den Kopf: „Nicht gut für den Magen. Schon gar nicht ohne Grundlage.“

Ich nickte: „Verstehe ich. Wenn ich kann, nehme ich morgens auch erst einmal einen kleinen Scotch, dann schmeckt das Zeug danach nicht so nach Kaffee. Aber wenn ich arbeiten muss, geht das leider nicht.“ Ich seufzte und blickte über die Stadt. Von der Hotelterrasse aus sah LA ein wenig wie aus dem Cockpit kurz vor der Landung aus.

„Was fliegst du eigentlich?“, wollte sie wissen.

„Flugzeug“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Was war das hier? Ein Einstellungsgespräch?

Joana lachte. Ich mochte ihr Lachen. Ich mochte auch ihr Fluchen und ihre Schmerzensschreie. Sie hatte einen kleinen Verband um den Unterarm. Jemand hatte sie gebissen.

Was für ein Flugzeug? Teufel, Tammy, wie kann jemand nur morgens schon so schräg drauf sein?“ Und sie lachte wieder.

Morgens. Immerhin waren wir tageszeitkompatibel.

„Businessjets. Embraer, Citations, Hawkers, Beeches…“ Ich zählte die ganze Palette auf, ob ich sie nun fliegen durfte oder nicht um damit hoffentlich jede weitere Nachfrage obsolet zu machen. Dann fragte ich sie ob es nicht traurig sei, nicht in normale Cafés gehen zu können. Ich hatte wirklich keine Lust Kerosin zu reden. Das musste ich ständig ertragen, weil auch den anderen Piloten für gewöhnlich nichts besseres einfiel. Vermutlich weil sie zu kleine Pimmel hatten oder sowas.

Zu kleine Pimmel?

Sie sagte mir, dass das mit den Cafés schon ginge, doch dass sie dann eben die ganzen Paparazzi ertragen und blablabla… Das Gespräch ging mir auf die Nerven. Ich beschloß nicht mehr wirklich zuzuhören und überlegte, während sie von Bodyguards und Sonnenbrillen redete, ob es zu früh für einen Scotch war. Ab und zu nickte ich freundlich, offenbar an den richtigen Stellen, denn sie redete immer weiter.

Eigentlich hätte ich ja an ihren Lippen hängen müssen, doch – ganz ehrlich – wenn ich mir ihre Filme anschaute, musste ich wenigstens keinen Smalltalk ertragen.

Ich weiß auch nicht was es war: Eigentlich hätte ich ihr jedes Wort von den Lippen reißen, es küssen, daran lutschen und es mir an oder in eine angenehme Stelle drücken oder schieben müssen, so sehr war ich mein Leben lang – und immer noch – in diese Frau verliebt. Doch jetzt gerade war sie eine von den vielen Heteros, deren langweiliges Gelaber mir die Milch im Kaffee sauer werden ließen. Daher die Überlegung bezüglich des Whisys.

Immerhin betrachtete ich die meiste Zeit ihr T-Shirt, unter dem, wenn sie die grüne Kotze ansetzte, die Titten ein wenig wackelten. Der Ausblick schlug LA im Sonnenschein um Längen.

Und dann, als ich zufällig einmal für einen kurzen Moment weiter nach oben schaute, bemerkte ich, dass ihre Augen nass geworden waren. Scheiße! Was hatte ich verpasst? Ich musste mich unbedingt wieder ins Gespräch einblenden!

„Ich verstehe“, nickte ich. Verstehen war immer gut. Mit Verstehen konnte man nie etwas falsch machen.

„Es ist schön, dass du mich verstehst. Dass einem so ein ganz bestimmter Penis fehlen kann. Diese ganz bestimmte, eigene Form, die Größe und der besondere Geruch. Jeder ist anders, weißt du?“

Scheiße!

An die Wand genagelt

Wir kreuzen mit 4 Knoten mit Genua II und Besan am Wind.

Das Großsegel ist komplett gerefft, damit es uns nicht unter Wasser fegt, denn der echte Wind bläst immer noch mit bis zu 30 Knoten. Unsere Ketsch ist schon ein wenig special.

(Randbemerkung: Wem die Segelrederei nicht passt – das hier ist mein Tagebuch und ich schreibe was ich will! Außerdem: Wo Kür ist, ist auch Pflicht! Hehe!)

Joana meinte, es sei schade, dass wir schon ausgelaufen seien, denn sie hätte sich extra umgeschaut und in Nassau stünden „ein paar wirklich schöne Alternativen zu unserem Boot zur Verfügung“.

Sie kapiert’s nicht, oder? Wie gerne hätte ich ihr gesagt, sie solle sich eine schlanke 50-Fuß-Luxusyacht nehmen und sie sich dahin schieben, wo sie’s am liebsten hat. Aber das sagt man nicht zu einer Diva. Sie würde es glatt fertigbringen eine Woche lang nicht mehr mit mir zu reden. Und dann müsste ich mir eine Woche lang jeden Tag heulend etwas langes, dickes, vorgeheiztes, vibrierendes dahin schieben, wo ich’s am liebsten habe weil sie mir so fehlen würde. Vermutlich mehrfach.

Auch Scheiße.

Also habe ich einfach nichts dazu gesagt. Beziehungsweise habe es auf das Wetter geschoben. Und auf Zoe. Letzteres versteht sie natürlich. Irgendeinen Vorteil muss diese ganze Zoe-Katastrophe ja haben. So habe ich wenigstens hin und wieder eine Ausrede: „Wenn ich auch nur einen Tag länger in Nassau geblieben wäre, wäre das Miststück wieder aufgekreuzt und du weißt ja, was dann passiert wäre.“ Da hat sie sich seufzend ihrem Schicksal ergeben.

Tammy-Diva 1:0.

Ach ja: Wenn wir es schaffen, wollen Maze, Ken und ich am Wochenende in ein Hotel gehen und ein kleines Spiel spielen. Sowas ist ja hier an Bord fast unmöglich, weil es so eng ist und hier so viele Leute herumhängen. Ich soll mir überlegen, wie ich es gerne haben möchte. Weil diesmal ich die Hauptperson bin. Ich freue mich sehr drauf.

Als ich Joana vor einigen Jahren mal von unseren Spielchen erzählt habe – Chris/Maze und ich machten das schon damals ziemlich regelmäßig – meinte sie nur, es sei „ein verdammter Mist, dass ich nicht lesbisch bin und keine Lust habe mit dir zu vögeln“.

Tja, dein Pech, liebste beste Freundin. Ich hätte dich schon damals an jede Wand genagelt!

„Ich hoffe, da gibt es auch Hotels ohne Kakerlaken“, grummelte Ken. Er hat irgendwie schlechte Laune, seit er von Joanas Versuchen erfahren hat, uns ein anderes Boot anzudrehen – und die Besatzung auf sich selbst, Maze und mich zu reduzieren. Er hatte natürlich sofort kapiert, dass „das Weib mich nicht an Bord haben will, wenn sie ihre Startitten auspackt“.

So ähnlich stimmt das ja wohl auch.

Ich habe dazu nichts gesagt. Ich muss ja nicht zu allem etwas sagen. Ich bevorzuge es Probleme dann anzugehen wenn sie anstehen und nicht hundert Jahre vorher. Gibt weniger graue Haare.

Ich habe übrigens gehört, wie Ken Maze zugeflüstert hat, ob sie mich nicht davon abhalten könne, Harakiri bloßzustellen. Maze hat ihn gefragt, ob er nicht dem Wind befehlen könne aufzuhören zu blasen.

Das ist mein Mädchen!