Zwischen den Fronten

Night time. Ich arbeite zusammen mit meinem Schwager in New York an der neuen Webseite.  Nackt. Ich jedenfalls. Es ist eigentlich viel zu heiß zum Arbeiten. (Ich hoffe, dass mein Schwager angezogen bleibt.)

Die Klimaanlage haben wir inzwischen abgeschaltet. Das hat mehrere Gründe: Erstens verbraucht sie viel zu viel Energie, zweitens schafft sie mittlerweile sowieso nur noch 26 Grad und außerdem leckt mir Maze gerne den Schweiß vom Körper. (Keine Panik, liebe Mütter: Liebe gibt es nur wenn das Kind schläft. Gewalt bekommt es allerdings ausreichend in den Nachrichten zu sehen. Wir wollen ja nicht, dass die Kleine denkt, Leben hätte etwas mit Lieben zu tun!)

Wir führen hier gerade eine interessante Diskussion.

Quizfrage: Der Mann meiner Schwester meint, wir sollten den Blog und die Social Media Auftritte endlich auf Likes und Kommentare ausrichten. Ich jedoch meine, dass ich weiterhin schreibe, was ich denke. Wer hat Recht?

Ich habe bis heute nicht verstanden, warum ich Anerkennung von Dummköpfen suchen sollte. Wieso sollte ich mich entweder mit den Gutmenschen oder mit den Ewig Gestrigen solidarisieren, nur damit ich von irgendwelchen unbekannten Hasspredigern bejubelt werde? (In der Tat: Hassen können beide Lager ganz hervorragend.) Wieso sollte ich nicht einfach manches von jener Seite verstehen können, manches von der anderen?

Ich weiß, dass mir meine Gedanken den Hass und den Spott beider Seiten einbringen. Und dass die Grabenkämpfer dann sicherheitshalber alle einen Bogen um mich machen.

Ich weiß aber auch, dass das Leben nicht schwarz oder weiß (grün oder braun, rot oder blau) ist. Und genausowenig bin ich es.

Deshalb, lieber Schwager: In meinem Blog steht auch weiterhin mitnichten das, was „die Leute“ lesen wollen, sondern das, was ich denke. Auch wenn es weder den einen, noch den anderen passt!

Ich vermisse sexy Stewardessen. Wer noch? 😂

Ich gebe auf

Der Kampf gegen die idiotische „Gendersprache“ ist wohl verloren. Irgendwann müssen wir das einsehen. „Wir“, nicht „man“. Oder ist das Wörtchen „man“ doch noch nicht verpönt; haben die grünen Volkserzieher es übersehen?

So oder so: Von den Grünen angezettelt, von den Journalisten verbreitet, ist das Gendern jetzt wohl zum traurigen deutschen Kulturgut geworden. Quo vadis, Feminismus? Quo vadis, Deutschland?

Aber ich verspreche, dass ich meine Leser künftig mit meinem Genöle darüber nicht mehr nerven werde. Oder zumindest nicht mehr so viel. Ich versuche, hauptsächlich darüber zu lachen. Gute Miene zu bösem Spiel zu machen. Ich muss es nicht mögen, ich kann ja versuchen, wegzuhören, oder wegzulesen, zumal mein Leben ja hauptsächlich in Englisch stattfindet. Hier darf man ja noch reden, wie es die Sprache überliefert hat, und muss sich nicht von grünen Journalisten erziehen lassen.

In meinen Posts und Büchern jedenfalls, wird es keine links-grün-feministische Gendersprache geben. Nicht, solange ich noch tippen kann. Und ich bin sicher, dass ich damit meine treuen Fans nicht verschrecken werde. Egal wie oft ZDF-Moderatoren beim Reden Schluckauf bekommen. Immerhin ein kleiner Trost. Aber irgendwann muss man einen Krieg auch als verloren akzeptieren. (Ja, Krieg, das ist es: Die Sternchen-Minderheit gegen den Rest der Deutschen. Aber mit den Journalisten an ihrer Seite, überrennen die Genderterroristen jede Mehrheit.)

Okay, genug damit. Krieg beendet, weiterziehen. Als Flüchtling (Flüchtlingin?), sozusagen. Aber über ultrafeministische Dummköpfe (Dummköpfinnen?) werde ich mich auch weiterhin amüsieren.

Und mal so nebenbei: Wer das Gendern nicht gut findet, wählt deswegen noch lange keine AfD (zumal ich in Deutschland ohnehin nicht wählen darf.) Er ist deswegen auch kein Rassist oder Antifeminist, kein Abtreibungsgegner, kein Klimawandel-Leugner, er ist nicht homophob oder gar Trump-Fan. Er findet lediglich, dass das Gendern falsch, lächerlich, völlig überzogen, sprachterroristisch und sexistisch ist.

Und wählt vermutlich nie mehr die Grünen.

Sex heilt alles

Mein Tagebuch wird gerade böse vernachlässigt. Woran liegt das?

Zum Einen daran, dass ich gerade böse hornig bin und kaum etwas anderes im Kopf habe als Sex. Und wer den ganzen Tag fliegt oder vögelt, hat keine Zeit für Dinge, die die Welt bedeuten. Halt! Jetzt habe ich etwas durcheinandergebracht. Scheiß-Hormone.
Und dann die Nachrichten: kaum zu ertragen, doch hinschauen oder hinhören muss man trotzdem. Auch wenn ich deutsche Medien möglichst umgehe, komme ich bei dieser Unwettersache kaum drumherum. Meine Twittertimeline kann sich davor nicht retten. Aber nein: Ich werde jetzt nicht auch noch meinen Kommentar hinzufügen, das machen Andere und das in ermüdend gleicher Weise. Und natürlich grünpolitisch korrekt mit Sternchen. Und zwar alle Parteien. Wenn das nicht einschläfernd ist, dann weiß ich es auch nicht… Immerhin gibt es noch die New York Times, die gendert erstens nicht und hat ohnehin die besseren Artikel. Selbst aus Deutschland. Das sollte zu denken geben. (Tut es aber meistens nicht.)

Ich bin in Bar Harbor, hatte ich das schon erwähnt? Nein? Dann tue ich es hiermit. Bar Harbor an der Atlantikküste von Maine. Nur falls es jemanden interessiert. Ist aber eher unwichtig. Küsten sind irgendwie überall gleich. Viele Wolken und prinzipiell nass.

Außerdem: Wenn ich nicht gerade ficke oder masturbiere, muss ich ständig an die Dinge denken, die mich so aufregen. Zum Beispiel daran, dass ich mein Leben lang grün gewählt habe – selbst wenn ich nie Allem zustimmen konnte, doch dass ich bei der nächsten Wahl zum ersten Mal definitiv eine andere Farbe ankreuzen würde. Das tut weh. Ein Lichtblick: Ich kann in Deutschland nicht wählen und die Grünen in England sind immer noch eine Protestpartei. Immerhin.
Vielleicht sollten sich die deutschen Grünen mal darüber Gedanken machen, dass es in der Politik nicht darum geht, Anderen die eigene Meinung aufzuzwingen, sondern darum, gesellschaftlichen Konsens zu finden, um eigene Positionen zu Allgemeingut zu machen. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass viele Menschen einfach zu jung sind, um das zu verstehen. (Aber das sind nur meine zwei Cent.) Jedenfalls besiegt man das Establishment nicht damit, ein eigenes aufzubauen.

Das ist nämlich mein eigentliches (Kopf)Problem: Ich ärgere mich im Moment einfach zu sehr über Dinge, die ich eigentlich ignorieren sollte. Kennt ihr das?

Tatsächlich sollte ja in diesem Blog Politik (fast) nichts verloren habe. Also reiß dich gefälligst zusammen, Tammy, und benutze lieber einen Sandsack! Mein Dämon meint allerdings, wenn ich so weitermache, würden die Boxstudios uns nicht mehr reinlassen, weil ich deren Sandsäcke ruiniere. Ja, schon schlimm, wenn man seine politische Heimat verliert.

Egal: Sex heilt alles.

Herzchen im Schulheft und Blowjobtraining

Natürlich weiß ich, was Thüringen ist. Dachte ich zumindest. Was ich nicht wusste, war, dass Politiker dort ihre (Wieder)Wahl mit einer Skrupellosigkeit betreiben, die in modernen Gesellschaften ihresgleichen sucht.

Aber eins nach dem anderen.

Ich habe in den vergangenen Tagen in Ketchikan/Alaska und jetzt in Kenai/Alaska meine ersten Schwimmversuche mit Wasserflugzeugen gemacht. Das war es, was mich so beschäftigt hat, dass ich weder Zeit zum Schreiben, noch zum Ficken hatte. Ich weiß, Letzteres interessiert manche Leute nicht, mich schon. Und es aufzuschreiben gehört nun mal zu meiner Natur. (Für die Empörten: Ihr wisst, wo das „X“ ist.)
Was ich beim Seepferdchen für Piloten feststellen musste: Wasserflugzeuge sind angsteinflößend. Das ist alles Andere als witzig! Ich dachte, dass die Fliegerei mit den großen Schwimmern meine natürliche Evolution darstellen würde – was liegt für eine passionierte Hochseeseglerin und Berufspilotin näher als beides zu kombinieren? Weit gefehlt: Nur Schiffe und Boote gehören ins Wasser, und alles, was fliegen kann, braucht in der übrigen Zeit festen Boden unter den Rädern.
Apropos Räder: Unter ein Flugzeug gehören Fahrwerke und keine Auftriebskörper! Das ist ja sowas von unnatürlich! Und es sieht auch irgendwie übel missgebildet aus.
Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht aufgebe, und es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich kapiere, wie man ein Flugzeug auf einem See landet, ohne sich dreimal zu überschlagen!

1: De Havilland Canada DHC-3 Otter floatplane [7]
Wasserflugzeuge: Einfach den Fluglehrer leben lassen

Um das gleich klarzustellen: Meine US-Wasserflugzeugberechtigung (seaplan rating) habe ich jetzt natürlich. So etwas zu bekommen, ist nicht besonders schwer. Alles, was man dazu braucht, ist eine private oder kommerzielle Fluglizenz. In manchen Ländern gehört noch ein Bootsführerschein dazu, was in meinen Augen absolut Sinn macht! Für die meisten Piloten reichen in der Regel ein paar Stunden Zeit aus – für mich ein paar Stunden mehr. Man sollte sich bei der mündlichen Prüfung nicht besonders dämlich anstellen, während der Flugstunden nicht zu viele Flieger zerstören, und der Fluglehrer sollte die Sache auch überleben. Das war’s schon.
Was aber alles nicht bedeutet, dass man die späteren Soloflüge wirklich überlebt. Das habe ich in Kenai – weit oben in Alaska – erlebt: Ich konnte froh sein, dass ich die clevere Idee hatte, für meinen ersten – und vermutlich vorläufig letzten – Soloflug mit Schwimmern, für den Fall der Fälle, einen Trainer zu engagieren. Ich muss feststellen, wer wie ich, seit zwei Jahrzehnten Flugzeuge mit Rädern geflogen hat, kann sich nur schwer merken, dass man so ein Kufenteil nicht gleich nach dem Start nach oben ziehen sollte, wie es bei richtigen Fliegern gemacht wird, sondern erst einmal eine Weile übers Wasser fliegen sollte, bis die Geschwindigkeit passt. Wobei – merken kann ich mir das schon, aber meinen Automatismus abzuschalten, damit habe ich ein Problem. Wie gesagt: Bei meinem ersten „Solo“flug einen Fluglehrer mitzunehmen, war eine klasse Idee. Ich bin eben schlau.

Wie dem auch sei … Ich bin jetzt also auch eine zertifizierte Wasserfliegerin, habe aber, nach meinem haarsträubenden ersten Soloflugerlebnis, keine wirklichen Intentionen, meine neu gewonnenen „Fähigkeiten“ auch umzusetzen. Frau will ja noch ein bisschen leben.

Nach diesen, eher frustrierenden Erlebnissen, geht es also mit der geplanten Reise weiter. Grob heißt das: weiter nach Westen. Geplant sind Zwischenlandungen auf den Aleuten und auf dem Saint Paul Island. Danach geht es weiter nach Norden, wieder Richtung Festland. Ich bin sehr auf das Wetter am Polarkreis gespannt. Hier jedenfalls, in der Nähe von Anchorage, Alaskas größter Stadt, ist alles ruhig, wenige Wolken und kaum Wind. Perfekt.

Und was hat das nun alles mit Thüringen zu tun?

Nichts.

Ich habe mich lediglich darüber aufgeregt, dass grüne Politiker vor nichts zurückschrecken, um im Landtag zu bleiben. Noch nicht einmal davor, 14-jährige Kinder wählen lassen zu wollen.
Ernsthaft! In ihrem Wahlprogramm fordern sie das Wahlrecht für vorpubertierende Kinder. Für Mädchen, die zusammen mit ihren Freundinnen Bananen in ihre Kehlen schieben, um für das Deep Throating trainiert zu sein und für Jungs, die gemeinsam Weitwichsen spielen. Für Kinder, die sich per WhatsApp unterhalten, obwohl sie nebeneinandersitzen. Für Mädchen, die aussehen, als wären sie in Mamas Farbtopf gefallen, und ihr Taschengeld sparen, um Lady Gagas überteuerte Kosmetik zu kaufen, weil Lady Gaga doch so toll ist. Und die in den Konzerten der Boybands so laut kreischen, dass sie die nächste Woche in der Schule der Lehrerin nur noch flüsternd antworten können. (In der Zwischenzeit malen sie Herzchen ins Schulheft: „Ich liebe ihn so sehr, für immer und ewig!“) Wahlrecht für Jungs, die den Mädchen erklären, dass sie Blowjobs wie Süßigkeiten verteilen müssen, weil sie sonst uncool wären. Wahlrecht für Kinder, die um Neun ins Bett müssen!

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Wahlrecht für Kinder: Warum nicht gleich für 8-Jährige?

Ja, ich weiß, angeblich geht es doch in der Klimapolitik genau um diese Zielgruppe. Kinder sollen ein Mitspracherecht haben, weil sie diejenigen sind, die unseren Planeten erben.

Ja, ich bin mir ganz sicher, dass 14-jährige genau verstehen, wo der Zusammenhang zwischen Klimapolitik, Rohstoffen, Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer liegt. Ich bin mir sicher, sie verstehen Verträge und wissen, wie wichtig die Kreditfähigkeit von Staaten ist und welcher Zusammenhang zwischen funktionierenden Intensivstationen, Übersterblichkeit und Coronaviren besteht. Sie verstehen natürlich auch, wie schwierig internationale Beziehungen sein können, und dass manche Staaten sich einen Rattenarsch dafür interessieren, ob im Gröninger Gymnasium 14-jährige im Unterricht dem Lehrer zeigen müssen, dass sie schon wissen, was Carbon-Emissionen sind. Damit sie eine gute Note für Beteiligung bekommen. Ich weiß natürlich auch, dass sie Staaten wie China, dem Iran oder Nordkorea Konzepte präsentieren können, damit sich die ganze Welt wieder vertragen und das Klima retten kann. Und dass Waffen komplett überflüssig sind.

Aber ja: Es geht „nur“ um Kommunal- und Landespolitik. Dafür muss man nur wissen, ob Pimkie gerade die mega-ultra-kurzen Hotpants im Angebot hat, über denen sie dann nur so lange einen langen Rock tragen, bis Mama außer Sichtweite ist. Und wo es die kostenlosen Pornos zu sehen gibt, bei denen man nur per Klick bestätigen muss, dass man 18 Jahre alt ist. Und los geht das Rekordwichsen.

Ich gebe zu, dass es verantwortungsbewusste 14-Jährige gibt. Und ich akzeptiere, dass Horden von Erwachsenen existieren, die so ungebildet sind, dass sie nicht wissen, wie die Bundeskanzlerin heißt. (Und wenn doch, dann haben sie per Facebook die passenden Vorschläge, sie zu beseitigen.) Ja, diese ignoranten Dumpfbacken dürfen wählen gehen. Warum?
Weil man es in einer Demokratie nicht verhindern kann (genauso wenig wie deren ständige Reproduziererei). Was wir jedoch verhindern können, ist, dass (vor)pubertierende Schulkinder, die sich noch mit Herzchen in Schulheften und Akne herumschlagen, wählen dürfen.
Ja, es geht um deren Zukunft. Aber die Zukunft der Kinder existiert auch in ein paar Jahren noch – ohne Wahlurnen mit Trittleiter. Und dann können sie sich aufs Sofa begeben, die Bierflasche öffnen, die Sportschau einschalten, und während sie sich am Sack kraulen, in aller Ruhe die Wahlunterlagen ausfüllen. Ob sie dann tatsächlich noch wählen werden – keine Ahnung.

Eines jedoch weiß ich: Politiker, die Kinder zur Wahlurne schicken wollen, weil sie so leicht vor den grünen Karren zu spannen sind, sind weniger kurzsichtig als machtgeil.

Und solche Leute habe ich mal gewählt …

Wählt uns, liebe Kinder!

Wie bunt ist bunt?

Ich kann mir nicht helfen, doch ich fand die Frau schon ziemlich cool.

Sie war zwischen 50 und 60 Jahre alt, also laut heutiger Definition mitten im Leben stehend. Ihre Aussage bei der Umfrage fand ich ziemlich beeindruckend: „Früher gab es nur zwei Geschlechter, heute, glaube ich, schon drei. Ich schätze, in den nächsten Jahren kommen wohl noch ein paar dazu.“

Ich musste so lachen.

Nicht etwa über die Frau, oder über ihren Gedanken, sondern dass es jemand so perfekt auf den Punkt bringt und ich die Gesichter so vieler Buchstabensammler aus der ehemals noch übersichtlichen LGBT-Gemeinde quasi vor mir sehen kann. Ich selbst habe, offenbar genauso wie die befragte Frau, längst aufgegeben, dabei noch durchzublicken. Obwohl es ja eigentlich ganz einfach sein sollte, wie unlängst jemand meinen Artikel „Einbahnstraße Feminismus“ kommentierte: „Selbst ich als CIS-Mann verstehe das. Es ist ganz sicher keine Raketenwissenschaft.“ Nein, ist es nicht, denn Raketenwissenschaften verstehe ich als Pilotin zumindest ansatzweise. Aber was, zum Teufel, ist ein CIS-Mann?*

In das einst so klar umrissene LGBT, drängen immer mehr Queer-Gruppen und verlangen eine Beteiligung an der Überschrift, die sich dadurch mittlerweile wie ein Randgruppen-Alphabet liest. Ich möchte mich jetzt lieber nicht über den Sinn und Unsinn von unverständlichem Buchstabensalat auslassen, sondern eher über das nachdenken, was die mutige Frau in der Umfrage so treffend auf den Punkt gebracht hat: Brauchen wir das alles wirklich? Was kommt als Nächstes? Ein „F“ für Fetischist, ein „M“ für Masochist, ein „S“ für Sadist, ein „P“ für Polyliebhaber, ein weiteres für Pferdchen, ein „F“ für Fußfetischist? (Vorschlag: Wenn sich die Buchstaben wiederholen, hängen wir einfach eine Zahl dran.)
Ein dummer Witz? Mitnichten, denn das alles sind Menschen, die so oft sagen, „Hier stehe ich und kann nicht anders“. Schon einmal gehört? Haben diese Gruppen keinen Buchstaben verdient? Sind Masochisten (M) oder Subs (S) etwa weniger wert als Nonbinäre (N) oder Agender (A)? Ich vögele in der Regel auch durch die Gegend, und lebe selten mit nur einer Frau zusammen, ich brauche aber deswegen keinen eigenen Buchstaben. Und schon gar kein eigenes Geschlecht.

„RMF“ für rauchende, masochistische Fetischistin

Ich kapier’s nicht. Ich, als (ehemalige) Grünen-Wählerin in England, kapier’s nicht! Daher kommt übrigens auch das „ehemalige“. Wer heutzutage „grün“ ist, muss auch die Buchstaben verstehen – und wenn schon nicht verstehen, dann doch wenigstens akzeptieren. Und natürlich auch den ganzen Terror-Feminismus, den die einst bunte Quotenpartei propagiert… Wer da nicht mitzieht, oder in Deutschland gar das generische Maskulinum benutzt, ist – zumindest macht es zwischenzeitlich diesen Eindruck – nicht einfach anderer Meinung, sondern ist ein äußerst unliebsamer Zeitgenosse, ein Gegner gar. Nein, für mich hat die Farbe Grün heute einfach zu viel Ähnlichkeit mit Braun bekommen. Nicht, dass das bei anderen „fortschrittlichen“ Parteien anders wäre…

Wen wundert da eigentlich noch der wild wuchernde Populismus? Wenn ich, als bekennende Feministin, nicht mehr sagen darf, dass Männer und Frauen verdammt verschieden sind, wenn ich nicht mehr anzweifeln darf, ob es Sinn macht, wenn Frauen nachts im kurzen Kleidchen durch einsame, dunkle Hinterhofstraßen wandern, oder ich feststelle, dass ich kein Problem damit habe, dass mir ein Mann auf den Arsch haut, wenn er auch die anschließende Ohrfeige aushält, dann stimmt in dieser Gesellschaft tatsächlich Einiges nicht.
Und angehende Schauspielerinnen, die sich ficken lassen, um einen Job zu bekommen, nur um danach… Nein, den Kommentar spare ich mir an dieser Stelle, dazu komme ich in einem anderen Eintrag, das sind zu viele Baustellen auf einmal.

Warum soll Frauen mehr geglaubt werden als Männern?

Ich wäre gar keine Feministin, wird geschrieben. Ich wäre vielmehr eine reaktionäre Sklavin des Patriarchats. Wow! Wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt, werden meine Geschlechtsgenossinnen (und -genossen?) gerne zu Fremdwortspezialistinnen.

Aber sind Sternchen in Wörtern und Schauspielerinnen, die sich an die Spitze ficken, wirklich wichtiger, als dass Frauen nach einem Herzanfall erst eine Stunde später ins Krankenhaus kommen, weil ihre Symptome andere sind und es kaum jemand weiß? Dass Medikamentendosierungen in den Packungsbeilagen auf Männer abgestimmt sind und den unterschiedlichen Körperfettanteil von Frauen nicht in Rechnung stellen? Dass weibliche Dummys bei Crashtests in der Regel auf den Beifahrersitz gesetzt werden, und Frauen dadurch bei Unfällen als Fahrerin häufiger sterben? Dass die Schlangen vor Frauenklos länger sind, weil ihnen für die naturbedingte Sitzpinkelei nur der gleiche Raum als Männern eingeräumt wird und nicht etwa, weil sie mehr Zeit brauchen? Dass Bürotemperaturen auf den durchschnittlichen Männerkörper abgestimmt sind? Und so weiter und so fort.
Ja, ja, ich weiß: Zuerst die zugrunde liegenden historischen Ursachen behandeln und nicht die Symptome… Blablabla… Ich fühle mich in keiner Weise gesamtgesellschaftlich weniger beachtet, die Zeiten sind vorbei, ich stehe nur nicht gerne in langen Schlangen am Weiberklo an! Und dass mir jetzt bloß keiner mit Unisexklos kommt, wir sind hier nicht bei Ally McBeal!
Es wird lediglich Zeit, die althergebrachten Rollenungerechtigkeiten abzuschaffen. Und dafür brauchen wir Handlungen und keine Sternchen. Und schon gar keine grünen oder roten Politiker, die sich anhören, als würden sie sich bei jedem dritten Satz am Doppelpunkt verschlucken.

Genaugenommen entwickeln sich grüne und rote Parteien tatsächlich zu dem, was ihre rechten Kontrahenten ihnen vorwerfen: Sie werden zu Ausschlussparteien. Wer nicht mit der Parteilinie übereinstimmt, wird angefeindet, verleumdet und er/sie/es wird mundtot gemacht. Wobei sich mir dann immer die Frage stellt: Wer legt eigentlich die „Parteilinie“ fest und wer gibt grünen und roten Aktivisten das Recht, ihre eigenen Ansichten als die Vollendung von Frauen- und Minoritätenrechten zu reklamieren und ihre politische und gesellschaftliche Umsetzung mit Mobmentalität zu betreiben?

In dieser Hinsicht sind grün-rote und schwarz-braune Aktivisten und Sympathisanten kaum noch voneinander zu unterscheiden. Sei es in Europa oder den USA. Dass sich im grün-roten Morast mehr scheinbar intelligente Frauen sammeln als im schwarz-braunen Sumpf, macht die Sache für mich nicht akzeptabler: Es ist vollkommen egal, wer im Endeffekt dafür verantwortlich ist, dass Stimmen unterdrückt und Menschen und Meinungen mundtot gemacht werden; die Ergebnisse sind immer gleich: Hetze, Ausgrenzung und Verfolgung.
Die sozialen Medien machen das heute besonders einfach.

Ohne Worte

Für mich jedenfalls sind Frauen und Männer so unterschiedlich wie zwei Geschlechter nur sein können – und das nicht nur in optischer Hinsicht. Ich wehre mich gegen jede Form von Gleichmacherei und ich habe nicht vor, mich dem grün-roten Feminismusdiktat zu unterwerfen und mich von Leuten erziehen zu lassen, denen ich jegliche Kompetenz in Geschlechterfragen** abspreche, weil sie die Realitäten der Gesellschaft längst aus den Augen verloren haben. Als Frau, die Frauen liebt (das L in LGBTxyz) und als Frau, die im Leben „ihren Mann“ steht (das P in Pilotin und das A in Autorin), unterwerfe ich mich weder linkem noch rechtem Meinungsdiktat. Wer Beschimpfungen und Ausgrenzungen als Mittel des politischen Diskurses betreibt, der verspielt damit sein Recht als Demokrat*** ernst genommen zu werden.

In den sozialen Medien stelle ich mich solchen Diskussionen längst nicht mehr. Aus Prinzip antworte ich nicht mehr auf hämische Kommentare oder aggressive Nachrichten. Ich schreibe meine Blog-/Tagebucheinträge und wer sie nicht lesen mag, der muss es nicht und wer meint, sich in hässlichen Anfeindungen echauffieren zu müssen, hat jede Möglichkeit dazu.
Ich jedenfalls diskutiere meine Äußerungen nur noch im richtigen Leben mit richtigen Menschen und auch nur mit solchen, die immer noch an den bunten Idealen der 70er, 80er und 90er festhalten und andere Ansichten und Ideen respektieren.

Was jetzt nicht bedeutet, dass mir ein Typ ungestraft an den Arsch fassen darf!

Meine Titten gehören mir. Frauen sind völlig anders als Männer und doch so gleich. Wir brauchen keine Sternchen und keine neuen Buchstaben – wir brauchen grüne und rote Parteien, die sich endlich wieder auf ihren ehemaligen Grundwert der Diversität besinnen.

* Vorsicht: Ironie bzw. Sarkasmus. Heute muss man so etwas ja leider erklären, wenn es nicht irgendwelchen Parteilinien entspricht
** Solchen „Geschlechterfragen“ werde ich mich in späteren Einträgen eingehender widmen
*** Vorsicht: generisches Maskulinum!