Die Verwundete

Göttin sein 25 Jahren.

Joana ist ein Thema für sich. Eine Diva wie sie im Buche steht, mit mehr Ticks als fünf weitere von ihrer Sorte zusammen.

Gleichzeitig ist sie die ehrlichste, schelmischste und positiv verrückteste von allen. Und die selbstloseste – wenn man sie lässt.

Allerdings hat natürlich auch sie ihre Dämonen und ich muss zugeben, dass die gar nicht so ohne sind.

Sehen wir mal davon ab, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann, nein, halt: gerade dieser Fakt hat ja ihre Dämonen erst in die Welt gebracht! Wenn jemand aus einem solchen Grund die Liebe seines Lebens verliert, ist das schon ein harter Schlag. Ich meine wirklich den TRAUMPARTNER, den sie so abgöttisch liebte, verliert. (Ich kann das zwar nicht verstehen und leiden kann ich den Typ auch nicht, aber ich bin ja auch nur eine Lesbe, richtig?)

Nein, mit ihren Partnern hatte sie kein Glück und alles führt Joana auf diese Kindersache zurück. Womit sie sicher Recht hat.

„Ich habe ihm von Anfang an gesagt, dass Kinder für mich nicht in Frage kommen. Was ist daran nicht zu verstehen?“, fragt sie.

Entweder glaubte er, sie noch überzeugen zu können (er kannte ja die echten Fakten nicht) oder er wollte sie einfach nur für eine Weile besitzen.

Doch ich glaube nicht, dass Letzteres der Fall war: Dafür hätte er sie nicht heiraten müssen, das hatte dieses arrogante Arschloch gar nicht nötig. Abgesehen davon, dass er sich sowieso heimlich durch die Liste der hundert geilsten Schauspielerinnen fickt. Das zumindest behauptet Gabby, die ihn hat abblitzen lassen. Man muss sich das nur mal vorstellen: Der Arsch verlässt Joana und baggert deren Freundin an, während er längst mit einer anderen der Top 100 verheiratet ist. Wichser!

Aber warum Joana auf ihre Beziehungskatastrophe reduzieren? Vermutlich, weil mir die Angelegenheit seit der Gabby-Eva-Geschichte ständig im Kopf herumgeht. Schlimm!

Ausserdem habe ich gesehen, wie sehr diese Sache sie immer noch beschäftigt, selbst noch nach ihren nachfolgenden – ebenfalls gescheiterten – Beziehungen.

Bei mir heult sie sich wegen all dem aus. Vermutlich nicht wegen wirklich allem, denn dass sie keine Kinder bekommen kann – dass hatte sie ja nur Gabby verraten und nicht mir. Vermutlich, weil sie das Thema einfach vergessen wollte, mutmaßt ihre heutige Hassfreundin. (Oder vielleicht auch, weil doch noch eine Spur Vorsicht mir gegenüber vorhanden ist?)

Über so etwas denke ich nicht nach. Jeder hat Dinge, die er dem einen, aber nicht dem anderen, erzählt. Ich glaube, das ist auch gar nicht so verkehrt. Ein paar Sachen weiß Ken von mir, die weder Mazikeen noch Joana kennen. (Wobei ich mir bei meinem Dämon natürlich nicht sicher sein kann.)

Ansonsten kann ich Joana eigentlich gar nicht beschreiben, abgesehen vom Äußeren – blond, blau-kontaktlinste Augen und blablabla – und das ist mir bei ihr noch nicht mal wichtig.

Das war es in den ersten Jahren, als ich sie noch aus der Ferne angehimmelt habe: als Traumfrau im kleinen Fernsehkasten oder auf der großen Leinwand im Kino. Heute, mit über 50, sieht sie allerdings noch mindestens genauso sexy aus wie früher, das gebe ich gerne zu. Aber nachdem ich sie im echten Leben kennengelernt hatte, trat ihr preisgekröntes Aussehen ganz schnell in den Hintergrund. Sie ist einfach ein herzensguter Mensch – ganz im Gegensatz zu mir – und ich muss zugeben, dass mich das fasziniert. Genauer gesagt ist es wahrscheinlich der Fakt, dass sie so viel mehr Güte ausstrahlt als jede andere Frau, die ich kenne. Dabei stehe ich doch eigentlich viel mehr auf böse Mädchen!

Umso krasser finde ich ihre derzeitige Unnachgiebigkeit mit Gabby.

Aber Maze sagt ja, ich soll sie in Ruhe lassen, was ja heißen soll, dass sich ihre Wut legen würde. Mazikeen weiß in der Regel alles besser, ich meine, sie weiß TATSÄCHLICH immer alles besser.

Also abwarten.

Und sie lieben. Abgöttisch.

Gegen Windmühlen kämpfen

Wie lange konnte ich Zoe jetzt aus dem Weg gehen?

Drei Monate? Vier? Ich fühle mich fast wie neugeboren. Meistens.

Ich weiß jedoch auch, dass ich ihr nicht auf ewig entkommen kann. Sie ist da. Sie wird immer da sein.

Joana sagt das auch.

Maze allerdings will das nicht wahrhaben. Ich werde dich einfach keine Sekunde aus den Augen lassen, sagt sie. Wenn das so einfach wäre.

Sie weiß natürlich ganz genau, dass das so nicht funktioniert.

In meinem Kopf ist sie sowieso, da kann niemand etwas daran ändern. Das heißt, ich habe es versucht, immer wieder, es hat nur leider nichts gebracht. Und ich kann – will – meine Zeit nicht damit verplempern es wieder und wieder zu versuchen. Wo ich doch genau weiß, dass sie jedesmal wiederkommen wird. Forever.

Es ist alles eine Frage der Akzeptanz, glaube ich. Was ich nicht ändern kann, akzeptiere ich eben. Ich habe keine Lust mein Leben damit zu verschwenden gegen Windmühlen zu kämpfen. Vor allem dann nicht, wenn ich weiß, dass es Windmühlen sind!

Solange es nur mich betrifft, kann ich damit leben.

Warum sollte ich gegen Windmühlen kämpfen?

Ich bin sehr froh, dass ich in J. – Forever über Zoe und mich geschrieben habe. Es wurde Zeit. Ich bin sicher, es gibt eine Menge Leser, die es nicht begriffen haben, aber auch einige, die zwischen den Zeilen gelesen haben. (Was, ganz ehrlich, doch wirklich nicht so schwer sein konnte!)

So jedenfalls waren die Reaktionen. Es ist auch nicht weiter wichtig, weil ich es für mich geschrieben habe. It’s out there now. Aus mir. Das war der Punkt.

Was auch immer jetzt noch passiert.

Wozu sind Dämonen da?

Zoe schreit.

Ich frage mich immer wieder wie es sein kann, dass sie so schnell Wind davon bekommt. Dass sie so schnell ihre Chancen wittert. Diesmal nicht, Baby, diesmal nicht! Maze ist bei mir. Jede Sekunde, kapierst du das nicht?

Maze? Wach auf! Hilf mir! Du kannst jetzt nicht schlafen! Wozu sind Dämonen denn da?

HALT MICH FEST! FASS MICH AN!

Zoe wittert ihre Chance