Mit Boobs und Popcorn

In jüngster Zeit ist verdammt viel passiert, und damit meine ich diesmal nicht auf der Welt. Okay, da auch. Jede Menge Katastrophen und dann dieser Irrsinn in Afghanistan. Und von den ganzen Querdenker-Idioten will ich gar nicht erst anfangen. Nein, ich meine ganz persönlich.
Joana ist nicht mehr mein Lover, sondern wieder (nur noch?) beste Freundin, diesmal mit Benefiz. Wobei ich mich mit Letzterem etwas schwertue, denke ich darüber nach, wer sich sonst noch in ihrer Möse herumtreibt. Von Gabby ist tatsächlich inzwischen nur noch Eva übriggeblieben. Ihre kleine Tochter – Sieben ist sie inzwischen geworden – habe ich allerdings auch schon eine Weile nicht mehr gesehen. Seitdem diese dämliche „Welt“reise begonnen hat, die mich irgendwie auch schon ankotzt, unter anderem auch, weil ich meine kleine Freundin Kakaofresse nur noch über Zoom sehen kann. Irgendwie auch kein Zustand.
In unser aller Haus in Palm Springs wohnen tatsächlich inzwischen nur noch Joana und ich. Eva wohnt natürlich inzwischen bei ihrer Mutter in NYC. Und Joana und ich – das ist natürlich auch eher ein Witz, denn genaugenommen steht das Haus seit Monaten leer. Ich bin auf der Reise – und mit mir mein Dämon – und Joana logiert seitdem in ihrer Villa in Bel Air. Die meiste Zeit mit ihrem neuen Stecher, wie ich höre. Die Zeit in Palm Springs hat sich erledigt. Mazikeen, mein Dämon, möchte, dass wir zusammen in ihr Haus auf Orcas Island ziehen, wobei ich mich noch nicht entschieden haben. Das hängt von so vielen Umständen, die sich im Moment gerade entwickeln. Was mich am meisten an Mazikeens Anwesen stört, ist, dass man den ganzen Sommer, wegen der ständigen Waldbrände in British Columbia und mittlerweile ja auch in Washington, das Haus nur noch mit Gasmaske verlassen kann, falls man nicht mit Lungenkrebs enden will. Es ist natürlich eine tolle Gegend fürs Segeln, oder überhaupt als Ausgangspunkt für Bootreisen, bedenkt man, dass wir einen ganz privaten Anleger hätten. Was auch Eva gefallen würden. Gabby hätte kein Problem damit, dass die Kleine viel Zeit bei mir/uns verbringen würde. Aber das Privatleben ist natürlich nicht alles.

Ich schreibe das hier in einer kleinen Bar in Barcelona, Venezuela, unweit vom Genrose A. Anzoategu Airport. Wenn ich die Schreibweise richtig in Erinnerung habe. Ich trinke schrecklich starken Espresso, und das entgegen jeglichem ärztlichen Rat. Aber das Gebräu hilft mir beim Denken. Das wäre bei mir ja nötig, sagen meine Kritiker. Ich drücke ihnen die Daumen, dass es hilft …
Mit meiner Chefin bin ich mittlerweile ernsthaft auf Sie-Oder-Ich-Basis, während Anik, meine Schwester und Hauptanteilseignerin, zu vermitteln versucht. Unsere kleine Airline ist mittlerweile ganz ordentlich gewachsen. Der Frachtbereich boomt, nicht nur auf Grund Aniks genialem Konzept der Kombination mit der Medikamentencharity und ihren guten Kontakten nach Kanada. Mittlerweile werden unsere Flugzeuge größer und meine Chefin – Miranda – hat es irgendwie geschafft, die Medikamentenverteilung mit normalem Aircargo zu kombinieren. Dank Covid-19 und den vielen Onlinekäufen ist Cargo ja inzwischen zum Riesengeschäft geworden. Aber was ich noch viel bemerkenswerter finde, ist, dass Anik und Miranda es geschafft haben, dass sie das Hauptgeschäft unserer pleite gegangen Business-Charter-Airline wieder aufleben lassen konnten! Tatsächlich konnten wir einige kleine Privatjets aufkaufen – hauptsächlich Phenom 300 und verschiedene Citation – und fliegen wieder Hollywood-Promis durch die Gegend. Wobei Joana daran natürlich auch keinen kleinen Anteil hat. Frei nach dem Motto: Hast du einen Promi, hast du alle.

Für alle Leser, die neu auf meinem Blog sind: Warum schreibe ich „unsere“ Airline? Nun, ich bin zwar nicht der größte Anteilseigner, doch auch nicht der kleinste. Und insofern, habe ich durchaus Mitsprachemöglichkeiten, obwohl mir mein Gesellschaftervertrag das ausdrücklich abspricht. Aber was kann eine Firma schon machen, wenn einer der Besitzer droht sein Kapital zurückzuziehen?
Im Endeffekt kann ich also sehr wohl mitreden, was eigentlich eine ganz nette Situation ist. Was Miranda und mich allerdings auch in diese Sie-Oder-Ich-Situation bringt.

Der Hintergrund: Ihr gefällt nicht, dass ich widerspreche und nicht mache, was sie sagt, mir gefällt nicht, dass sie überhaupt den Mund aufmacht. Vor allem, wenn sie bei Dingen mitreden will, von denen sie keine Ahnung hat. Zum Beispiel beim Thema „Fliegen“ und „Flugzeuge“. Sie mag eine tolle Betriebswirtschaftlerin und Managerin sein, doch von Aviation hat sie nicht die Spur einer Ahnung. Muss sie auch nicht, dafür hat sie ja Leute, die ihr sagen, wie diese ganze Luftfahrtsache funktioniert. Zum Beispiel mich.

Eskaliert ist das alles, als sie angefangen hat, mir vorschreiben zu wollen, mit welchen Flugzeuge ich diese „Welt“reise machen soll. Und ehrlich: Es ist mir scheißegal, welche kleinen Teufel ihr diesen ganzen Unsinn ständig in die Ohren stopfen – mit was ich fliege, ist immer noch meine Sache! Aber natürlich kommen dann ihre betriebswirtschaftlichen und marketingtechnischen Überlegungen – und nochmal ehrlich: Fick dich, Miranda, ich fliege trotzdem, was ich will. Meistens jedenfalls. Wenn ich mich breitschlagen lasse – das ist, was ein paar Mal passiert ist – wird die Sache nach kürzester Zeit unangenehm. Also fliege ich seit einigen Wochen mit meiner einmotorigen Comanche, was Miranda zum Wahnsinn treibt. Natürlich weiß ich auch warum: Wenn ich potentielle Kunden mitnehme, sitzen sie in einem sechzig Jahre alten Flieger ohne jeglichen Komfort und bangen – unnötigerweise – um ihr Leben. Miranda will, dass ich in einem ultramodernen fliegenden Computer sitze, der den Komfort eines BMW X 150 oder wie die Dinger heißen, bietet. Da scheiden sich dann unsere Meinungen. Wenn es um General Aviation geht, können bei mir die Flieger gar nicht alt genug sein. Ich habe viel zu lange 737NG und auch 777 geflogen, um Bordcomputer toll finden zu können. Und wenn ich um die Welt fliegen soll, dann will ich das Gefühl haben, wirklich zu fliegen und nicht einem Computer zuzuschauen, wie das in den großen Airlinern der Fall war.

Aber da kommen wir jetzt zum eigentlichen Thema, nämlich die Anschaffung eines ersten 737-Frachters, wie es Miranda schon seit geraumer Zeit im Kopf herumgegeistert ist. Und Anik natürlich auch. Beide träumen nämlich seit geraumer Zeit von einem richtigen Hub-System, um die Verteilung von Medikamenten effektiver und vor allem kostengünstiger zu machen. Bislang wurden eine, später zwei Kurzstreckenmaschinen vom Typ Dash8 Q400 eingesetzt, um Spenden in Kanada einzusammeln und zum Verteiler in Palm Springs zu bringen. Alte Passagiermaschinen, wohlgemerkt, was für diesen Zweck zwar möglich war – Medikamente wiegen nicht viel und in unseren Mengen nehmen sie auch nicht viel Platz weg – doch dadurch, dass wir keine zusätzliche Fracht mitnehmen konnten, war das auf Dauer nicht gerade wirtschaftlich, vor allem, seitdem ich mich weigerte, weiterhin die Einstellung, Schulung und Kontrolle neuer Piloten zu übernehmen. Dafür musste ein neuer Captain eingestellt werden und Line Check Captains sind teuer. Sehr teuer. Und wie ich hörte, hat Miranda den Aktuellen gerade gefeuert. Warum, weiß ich nicht, doch ich vermute, dass es ihr hinterher, nach einem Blick auf seine Honorarabrechnungen, gar nicht so unrecht gewesen war. Leider steht sie jetzt ohne da, was den mittelfristigen Betrieb der beiden Q400 und der kurzfristig angepeilten zwei 737BCF ernsthaft gefährdet.
Und natürlich komme ich ihr sofort wieder in den Kopf. Zumal ich mich ohnehin weigere, eines ihrer hypermodernen Verteilerflugzeuge zu fliegen, und sie stattdessen Angst haben muss, dass die geplante Marketing“welt“reise dadurch zu einem werbetechnischen Disaster wird.
Nun hat sie mich einmal zu etwas „überredet“, weil sie mir in einem schwachen Moment ihre Finger in die Möse gesteckt hat – ein zweites Mal passiert das nicht. (Weder das Überreden, noch das Ficken.) Aber mit mir hätte sie, nach dem einen oder anderen Auffrischungskurs, einen Check Airman sowohl für die Dash als auch für die 737.

Merkt man mir eigentlich meinen derzeitigen Frustrationszustand an?

Ja, ich ärgere mich tatsächlich gewaltig, dass ich meine kleine, (fast) heile Bootswelt verlassen habe, um in die Luft zurückzukehren. Und dass ich so viel Geld in diese elende Airline investiert habe. Das mit der Fliegerei hat nämlich einen gewaltigen Nachteil: Man muss zu viel Zeit auf dem Boden und zwischen Menschen verbringen. Auf einer Yacht kann man nämlich so tun, als ginge einem der ganze Scheiß, den die Arschlöcher um einen herum verzapfen nichts an. An Land ist das eindeutig schwieriger. Vor allem, wenn politisch gesehen, um einen herum alles vor die Hunde geht. Leute wie Trump, Johnson und Gauland tauchen auf, verbreiten Hass und Rassismus auf der Welt, während Feminismus-Terroristinnen kreischend außer Rand und Band geraten. Und dann dieser Virus … Und dieser Klimawandel … Ich bin zur falschen Zeit an Land gekommen. Mazikeen meint dazu, ich wäre doch nun in meinem Leben wirklich genug geflogen und es wäre Zeit erwachsen zu werden, zurück aufs Wasser zu gehen und sich nicht mehr mit dem Scheiß, den Andere verzapfen, abzugeben. Sie hat leicht reden, sie ist ein Höllenwesen und muss sich deshalb nicht über menschengemachten Scheiß aufregen.
Im Prinzip gebe ich ihr ja durchaus recht: Wenn die Dumpfbacken dieser Welt nicht kapieren, dass Rassismus keine Lösung, sondern die Ursache des Problems ist, wenn Feministinnen nicht verstehen, dass Gendern Sexismus ist, wenn die Menschheit kein Interesse hat, sich vor der Klimakatastrophe zu retten und Virusleugner und Impfgegner sich selbst und Andere töten – alles nicht mein Problem. Ich kann mich jederzeit mit meinen Lieben auf ein Boot zurückziehen und aus der Ferne, mit einer Tüte Popcorn in der einen Hand und einer Titte in der anderen, zuschauen. Und es zwingt mich ja auch keiner, die Gendersprache zu benutzen.
Warum das alles nicht mein Problem ist? Weil ich nicht lange genug lebe, um die wirklich ernsten Konsequenzen mittragen zu müssen. Und weil ich weit weg sein werde, wenn sich die Katastrophen nähern. „Gesunder Egoismus“, nennt Mazikeen das. Und was geht mich das an, wenn künftige Generationen unsere Rücksichtslosigkeit ertragen müssen? Niemand zwingt die Menschen, Nachwuchs in diese sterbende Welt zu setzen. Ich tue es nicht, Andere tun es nicht und wenn Leute Kinder bekommen, müssen sie schließlich wissen, dass sie Nachwuchs nur aus Egoismus produzieren. Weil Babys so süß sind und sie glauben, dass zwei Menschen mit Hund und Katze keine Familie sind. Ihr Pech. Ich weiß schon, warum ich Eltern nicht leiden kann. Und ich habe mir fest vorgenommen, keine mehr zu ficken. Dass auf den Ozeanen ein paar mehr Stürme blasen als früher, macht die ganze Sache nur spannender. Und was sollte ich gegen wärmeres Wasser haben. Was die Verschmutzung angeht: Der ganze Plastikmüll landet in größeren Mengen sowieso hauptsächlich an den Stränden und baden kann ich auch vom Boot aus.

Ich habe meine Tage. Merkt man das?

Was sie will, was ich will

Gestern saßen Joana und ich am Pool zusammen und haben über unsere Prioritäten im Leben philosophiert. Dabei mussten wir feststellen – nicht, dass wir es nicht ohnehin gewusst hätten – dass sie nicht weiter auseinanderliegen könnten.

Ich glaube, die einzig wirkliche Gemeinsamkeit liegt darin, dass wir den jeweils Anderen brauchen. Wobei das mit dem „brauchen“ natürlich auch so eine Sache ist: Wir benötigen die körperliche und seelische Nähe, die intimen Gespräche, die Geheimnisse, die wir uns gegenseitig anvertrauen. Und die Hilfestellungen im Leben und das gewachsene grenzenlose Vertrauen. Abgesehen davon – Fehlanzeige. Jede von uns macht ihr eigenes Ding.

Joanas Hauptaugenmerk liegt zweifelsfrei auf ihrem Aussehen. Etwas, das mir völlig abgeht. An zweiter Stelle folgt, wie Andere sie sehen, wie sie sich in der Öffentlichkeit und vor allem bei ihren Fans präsentiert. Beides hängt natürlich ein wenig zusammen. Und natürlich ist da noch das Schauspielern, etwas, das sie für alle Ewigkeit machen möchte. Die Suche nach dem Traummann hingegen, hat sie inzwischen aufgegeben; sie macht sich keine Illusionen mehr; sie gibt sich mit dem zufrieden, was sie bekommen kann.

„Meine große Liebe bist du, Tammy, und das weißt du“, sagt sie und – ja – da hat sie Recht. Sie hat nie einen Hehl daraus gemacht. Ich kann es nachfühlen, denn auch Joana ist die größte Liebe meines Lebens – und auch ich muss mich arrangieren. (Das Thema Mazikeen spreche ich an dieser Stelle nicht an, das scheint etwas ganz Anderes zu sein, wenn ich so darüber nachdenke.)
Im Prinzip war das schon fast Joanas komplette Prioritätenliste. Sie hat noch ein paar Hobbys, denen sie viel Zeit widmet, doch die kann ich hier nicht niederschreiben, weil dann einige Menschen sofort wüssten, von wem ich hier rede. Und das würde ihre zweitgrößte Angst wahr werden lassen: dass ihre Zuschauer sie anders sehen könnten als Joana es sich wünscht. An der Beziehung zu ihren Fans arbeitet sie unablässig an allen Fronten. (Also bleibt die lesbische Freundin unter Verschluss.)

Und wie ist das bei mir?

Meine Liste ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn man einmal davon absieht, dass ich alles daran setze, mein Leben nicht von meiner Krankheit bestimmen zu lassen, habe ich – im Gegensatz zu Joana – nicht die geringste Intention, etwas für die Nachwelt zu hinterlassen. Meine Bücher schreibe ich ganz für mich alleine – vielleicht passen sie deshalb auch in keine Schablone – und es ist mir völlig Schnuppe, wie viele Menschen von mir hören oder sich irgendwann einmal an mich erinnern können. Ich lebe für mich. Punkt.

Meine Prioritäten sind flexibel und die Liste scheint sich mit dem Älterwerden zu verändern. Das trifft vermutlich auf die meisten Menschen zu; ich erwähne es an dieser Stelle nur, weil es einen weiteren Unterschied zu Joana darstellt.

Am deutlichsten macht sich das beim Thema Sex bemerkbar: Nicht, dass ich dazu keine Lust mehr hätte, doch von der Spitze meiner Hitliste hat er sich längst verabschiedet. Ich muss jedoch zugeben, dass es wohl erst in den vergangenen paar Jahren passiert ist. Das Fliegen und das Segeln sind unmerklich an der körperlichen Befriedigung vorbeigeschlichen. Auch das ist ein bedeutender Unterschied zu Joana: Bei ihr hat das Thema nie eine solch wichtige Bedeutung gehabt! Auch sie hat Spaß daran – wobei bei ihr die Themen leider Penisse und knackige kleine Ärsche sind – doch für meine Lieblingsschauspielerin war es nie eine Frage gewesen, an welcher Stelle Sex rangiert: immer nur auf einer Position unter „ferner liefen“. Immerhin ist er da noch immer: Das Überschreiten ihres fünfzigsten Lebensjahres hat nichts daran geändert. Ich frage mich, wie das dann bei mir sein wird. Wer weiß das schon?

Fakt ist, ich bräuchte derzeit, außer einem Flugzeug und/oder einem Boot, nicht viel mehr als einen geladenen Vibrator und ein paar warmen Gedanken. Vielleicht noch mein Motorrad, um zum Flughafen zu fahren. Und was ist mit dem Schreiben? Ja, das ist auch ganz nett: so als Hobby nebenbei. Was jetzt nicht heißt, dass ich in absehbarer Zeit damit aufhören würde. Aber es gehört eben nicht in die Spitzengruppe. Nicht annähernd.

Seltsam für eine Autorin? Vielleicht. Seltsam für mich? Nein.

Und was gibt sonst noch? Die Menschen und Tiere in meiner Nähe – natürlich! Aber bei wem ist das nicht so? Ich denke, das hat nicht wirklich etwas mit den eigenen Prioritäten im Leben zu tun. Vielleicht bei Menschen, denen auch eine eigene, neu gegründete Familie wichtig ist. Dazu gehöre ich nicht. Was nicht heißt, dass mir meine Verwandten nichts bedeuten würden – das wäre schlimm. Nur eine eigene muss ich nicht haben. Mir reicht das Flugzeug. Das plärrt wenigstens nicht bei jedem Scheiß!

Und was ist nun der langen Rede kurzer Sinn: Jeder Mensch ist anders und jeder hat ein Recht darauf, so akzeptiert zu werden, wie er ist. Und noch wichtiger: Auch Menschen, bei denen die Prioritätenlisten nicht ansatzweise deckungsgleich sind, können sich lieben.

So wie Joana und ich.

Und was sind eure Prioritäten?

Einbahnstraße Feminismus

Und wieder erwischt mich ein „feministischer“ Ausdruck kalt: FLINTA

„Der Begriff FLINTA steht für Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans und agender Menschen. Dadurch werden alle betroffenen Menschen eingeschlossen.“ Soweit das „Feministische Forum Oldenburg“.

Krass! Ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll! Woraus man nun ableiten könnte, dass ich besser nicht über das Thema „Feminismus“ schreiben sollte. Oder gerade deswegen?

Nehmen wir uns doch einmal die Begriffe einzeln vor: F steht für Frauen. Soweit so unklar. Warum unklar? Ist der Begriff „Frauen“ etwa nicht eindeutig definiert? Oder was genau bedeutet er hier? Als Frau geboren? Zur Frau gemacht? Oder alle, die sich als Frau fühlen? Schließt das auch die biologisch als Junge geborenen Kinder ein, die sich als Mädchen fühlen? Denn das „M“ vermisse ich irgendwie.

Aber weiter: Der Begriff „Lesbe“ ist ja nun recht einfach. Oder doch nicht? Schließt er jetzt all die Frauen ein, die sich, auf welche Weise auch immer, zu anderen Frauen hingezogen fühlen? Und – siehe oben. Also doch nicht so ganz einfach.

Jetzt komme ich zum „i“. Da wird’s schwierig, denn ich habe keine Ahnung, was „inter“ bedeuten könnte. Ich könnte es jetzt googeln, doch das ist irgendwie genau der Punkt: Sollte ich es nicht einfach wissen – als gestandene Feministin? Was ist „inter“? Interracial? Oder Frauen zwischen Stühlen? Keine Ahnung.

„Nichtbinäre“. Fuck! Schon wieder so ein Ausdruck. Was ist das? Neudeutsch für „bisexuell“? Binär… Mmh… Gibt es auch hexadezimale weibliche Wesen? Gehören sie zur Gruppe „Frauen“ oder… What the fuck ist „nichtbinär“?

„Trans“. Vermutlich Transsexuelle. Menschen, die ihr Geschlecht wechseln (lassen), nehme ich an. In welche Richtung wechseln? Und müssen Pipimann oder Fotze schon umgearbeitet sein?

Bei „agender“ erwischt es mich dann eiskalt: Ich habe nicht die Spur einer Ahnung und selbst meine Vermutung lässt mich am Kopf kratzen: Menschen OHNE Geschlecht? Biologisch-körperlich oder geistig-seelisch oder …

Ich habe keine Ahnung und nenne mich Feministin? Schande über mich! Und was überhaupt hat das alles mit Frauen zu tun (abgesehen von den ersten beiden Begriffen)? Oder gar mit Feminismus? Vermutlich hat mein IQ an dieser Stelle eine tiefe Delle. (So wie bei der Frage, wo der Begriff nun alle Männer einschließt, denn angeblich sind das doch auch „Menschen“? Nein? Oder sind die nicht „betroffen“? Ich bin verwirrt.)

Für mich hat Feminismus in erster Linie damit zu tun, dass ich jedem Typ aufs Maul hauen kann, der mir unerlaubt an die Titten grabscht oder auf den Arsch haut. Andererseits hat das weniger mit Feminismus zu tun, als mit Kampfsport.

Gender pay gap – ja, dass es so etwas gibt, da kann ich durchaus zustimmen. Da sollte man ansetzen. Aber nicht weil Frauen mehr Teilzeitarbeit machen. Dazu komme ich noch.

Aber ob nun ich oder der Typ die Hausarbeit macht (falls ich einen hätte, WÜRDE er die Dumpfarbeit machen) – ist das nicht irgendwie die Sache jeder einzelnen Frau? Und wenn sie zu blöd ist, um das durchzusetzen – sie weiß ja nun, wo der Staubsauger steht.

Quotenregelung? Ja, manchmal könnte das durchaus Sinn machen, doch ich bin nicht sicher, ob das überall der Fall ist. Und wenn schon Quote: Warum dann nicht auch in der Krankenpflege und bei der Gebäudereinigung? Ach so: Quote ist ja eine Einbahnstraße. Oder nicht? Alles nicht so einfach.

Und was ist mit dem Thema Teilzeitjobs für Frauen? Nehmt sie den Frauen ruhig weg, und zwingt sie in die Vollzeit – vielleicht werden dann auch weniger Kinder produziert, weil die Frauen sich dann nicht mehr darum kümmern können, und in den Restaurants wird es wieder ruhiger.

Und was, zum Henker, haben garantierte KITA-Plätze mit Feminismus zu tun? Ich dachte, Männer sollen sich auch um die Kinder kümmern? Wieso betrifft das also nur die Frauen? Weil die Mütter sich um die Kinder kümmern – ich dachte, genau das soll geändert werden. Ich bin zu blöd, ich erkenne es immer mehr.

Männer sollen sich also mehr um die Kinder kümmern? Wo ist das ein Feminismusproblem? Wenn Frau nicht Frau genug ist, ihrem Mann auf die Füße zu treten, dann muss sie eben selbst ran. Sie hätte die Bälger ja nicht bekommen müssen.

Und die ungeplanten Kinder, weil der Mann dauergeil ist? Beine geschlossen halten, löst das Problem. (Siehe auch Kampfsport.)

Oder das leidige Thema „Arbeit und Kind unter einen Hut bringen“ – dafür fehlt mir jedes Verständnis. Jede Frau kann schließlich selbst entscheiden, was sie will (siehe oben): Arbeit und/oder Kind. Jede Frau hat ein Recht darauf, Kinder zu bekommen? Logisch. Aber es ist ein Recht und keine Pflicht. Was letztlich bedeutet, dass ich es als Frau, die sich für den Job entscheidet, überhaupt nicht einsehe, dass eine Mutter, obwohl sie deutlich weniger arbeitet als ich, mir bei der Arbeit nicht nur gleichgestellt wird, sondern noch dazu Privilegien bekommt. Das wird sie nicht und bevorzugt wird sie auch nicht? Und ich soll jetzt auch noch fordern, dass ich noch mehr hintenanstehen soll?
Was ist, wenn meine biologische Uhr etwas anders tickt? Wenn meine Familie aus Mann oder Frau, drei Hunden und 5 Katzen besteht? Ist meine Familie dann weniger wert, nur weil kein Schulkind dabei ist? Warum bekomme ich nicht ebenfalls fünf Krankheitstage, wenn ich meinen Partner pflegen muss, der einen Unfall oder eine schwere Krankheit hatte?

Und jetzt bitte nicht das Rententhema. Oder der Fortbestand der Menschheit. Keine Frau bekommt deswegen Kinder. Wer das sagt, lügt. Statt als Nichtmutter mehr Steuern zahlen zu müssen, würde ich das ersparte Steuergeld auch für meine Rente verwenden, versprochen. Dafür muss ich nicht auch noch beim Urlaubnehmen hintenanstehen. Und der Fortbestand der Menschheit? Wie war das mit der Überbevölkerung? Weder die Deutschen, noch die Amerikaner sterben aus. (Bei Letzteren bin ich mir nicht sicher, ob das nicht sogar wünschenswert wäre. Zumindest bei knapp der Hälfte.) An den Grenzen stehen Hunderttausende, die scharf darauf wären, die Rente und den Fortbestand zu sichern.

Wieso muss Feminismus eine Einbahnstraße sein?

Es gibt noch viele andere Bereiche, die man durchaus kontrovers diskutieren kann, ohne deswegen die Frauen, die eine andere Meinung haben, gleich zu verdammen.

Wobei ich bei einem meiner Lieblingsthemen angelangt bin: #MeToo.

Männer haben die Macht, Frauen zu unterdrücken, sie auszunutzen und sie zu Dingen zu zwingen, die sie nicht möchten? Mit mir macht das keiner – hat nicht, wird nicht. Und wenn er es versucht, dann hat er ein Problem. Oder ich, weil ich vielleicht den Job nicht bekomme. Eine Andere bekommt ihn, diejenige, die brav mitmacht. Aber wenn keine mitmacht, haben solche Männer ein Problem.

Ganz sicher bin ich niemand, der sich einer besseren Zukunft für „das schwache Geschlecht“ in den Weg stellen will, im Gegenteil, und der nicht weiß, wie sehr Frauen in der Vergangenheit unterdrückt wurden. Ich bin durchaus der Meinung, dass auch Frauen, die keinen Kampfsport betreiben, nachts im Minirock und Highheels durch die Gegend laufen dürfen, ohne vergewaltigt zu werden. Ich überlege nur, ob die Forderungen, die der Feminismus stellt, immer so realitätsnah sind.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es hier um ein ganz anderes „Problem“ geht – und jetzt kommt das böse Wort: `“Boys will be boys“, und das wird sich auch nicht ändern. Genau wie Girls immer Girls bleiben werden, so sind wir gestrickt. Die Männer müssen „erzogen“ werden? Ernsthaft? Das geht? Vielleicht mit den Intelligenteren oder mit denen, die mehr Skrupel haben. Aber mit den Jungs vor der Trinkhalle oder mit denen, deren Ego so groß ist, dass es nicht mehr in ihren Kopf passt?

Und was ist mit den Frauen, die ihre eigene Sexualität ausnutzen, um von den Männern das zu bekommen, was sie wollen? Zum Beispiel viel Geld? Wenn wir Frauen unsere Macht ausnutzen, ist das etwas Anderes?

Oh ja, das ist es. Aber im Endeffekt ist es doch wieder das Gleiche: Jeder auf seine Weise.

Für mich ist diese ganze #MeToo-Geschichte von der Idee her nicht verkehrt, doch gnadenlos überzogen und eine Einbahnstraße, die nirgendwohin führt. Wer bestraft die Frau, die den 75jährigen wegen der kommenden Erbschaft heiratet oder diejenige, die ein Kind bekommt, um sich den Arzt oder Firmenboss zu sichern?

Wir Frauen sind nicht unbedingt besser, nur anders.

Und jetzt tötet mich.

Aber bevor ihr das tut, erklärt mir doch bitte, was FLINTA bedeutet. Damit ich nicht dumm sterben muss.

Frauenprobleme

Home Sweet Home

Zurück in Palm Springs.

Wurde auch Zeit, wirklich! Sonst hätte ich auch gleich auf meinem Boot bleiben können. Oder weiter Triple Seven fliegen, da war ich auch nicht weniger oft zu Hause.

Aber, wow, das ist tatsächlich so etwas wie „nach Hause kommen“, wenn ich vom Flugplatz aus direkt zu Joana, Gabby und Eva fahre. Und zwar nicht in ein Hotel, sondern in ein richtiges Haus an einer richtigen Straße in der richtige Menschen wohnen!

Etwas außerhalb, zugegeben, doch das muss sein, wie ich weiß. Auch die Mauer drumherum und blablabla, doch ich weiß ja, dass dieser ganze Scheiß zu Joana wie auch zu Gabby gehört. Ist eben sowas wie Klein-Bel-Air in der Wüste hier. Das bin ich ja gewöhnt.

Vollkommen neu jedoch ist, dass Joana und Gabby sich zusammentun und gemeinsam ein Haus kaufen, in dem neben drei Lovern auch noch ein Kind wohnen soll – Eva.

Das ist tatsächlich mal eine echte Überraschung!

„Unter der Woche hier und an Wochenende Catalina – klingt das gut?“, fragt Joana stolz.

„Und Bel Air? Und New York?“, frage ich verwirrt.

„Je nachdem wer wo arbeiten muss“, erklärt Gabby, „nutzt dann entweder meine Wohnung in der Stadt oder Joanas Haus in Bel Air.“

„Viel besser als Hotels“, nickt Joana: „Ausserdem sind Immobilien wichtig.“

Klar, wenn man so viel Kohle hat…, denke ich. Aber mir soll es natürlich recht sein!

„Und das habt ihr gekauft, weil…?“, will ich wissen.

„… du ja jetzt hier arbeiten wirst. Wir möchten nicht dauernd so lange getrennt sein.“

Süß.

Aber irgendwie klingt das, als hätte ich jetzt so einen 9-bis-5-Job. Oder habe ich das jetzt etwa? Wozu habe ich denn dann eigentlich meiner Mieterin in LA gekündigt?

„Das war vorschnell“, nickt Joana.

Das finde ich eigentlich gar nicht; ich hatte mich wirklich auf meine eigene kleine Wohnung gefreut! Na ja, mal sehen.

Aber irgendwie ist es typisch für die beiden: sie sind es gewohnt, Dinge nach eigenem Gutdünken zu tun. Wer das Geld hat… Aber ich will mich ja nicht beschweren. Sie viel öfter zu sehen ist ja ganz in meinem Sinne.

Aber wann ist eigentlich Gabby ernsthaft mein Lover geworden? So richtig, meine ich? Es fühlt sich an als hätte sie auch das ganz alleine entschieden. Nicht, dass ich mich beschweren würde…

Aber – echt jetzt mal – soll das wirklich heißen, dass eine sechsjährige Kakaofresse jetzt zu meinem Lebensumfeld gehört? Dass ich sie jeden Tag ertragen muss?

Ernsthaft?

Ich und ein Kind unter dem selben Dach?

Ich brauche Tequila!

Laune

Nachdem Joana und Gabby nach Stunden noch keinen Weg zueinander gefunden haben, endeten Maze und ich im Salon, wo wir uns anhören müssen, auf was sich die beiden geeinigt hatten.

Ich sage bewusst „anhören müssen“, weil dieses ganze Theater mir mittlerweile wirklich extrem auf die Nerven geht.

In etwa genauso, wie es mir auf die Nerven geht, dass sich mittlerweile jeder zweite Artikel in der Presse um diese Verschwörungsspinner dreht (und man ihnen dadurch auch noch eine Bühne gibt) die versuchen die ganzen Anstrengungen zu untergraben, die die Regierungen machen, um endlich wieder zum Normalzustand zurückkehren zu können. (Eigentlich geht es mir gar nicht wirklich auf die Nerven – es macht mich wütend.) Ich will diese Virussache und diesen elenden Lockdown endlich vom Tisch haben und ihn nicht durch demonstrierende Dummköpfe verlängert bekommen. Aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Post.

Anik ist (vorübergehend) in ihren alten Job zurückgekehrt „um meinen Beitrag zu leisten“. In Wirklichkeit macht sie das, weil sie Langeweile hat. Und weil sie öfter mit unseren Eltern und unserem Bruder spricht als ich. Ähem…

Dass sie mir damit Angst macht, interessiert sie nicht. Klar.

Aber auch das gehört in einen anderen Post.

Jetzt sitzen Maze, Joana, Gabby und ich erst einmal zusammen im Salon. Ein Thema nach dem anderen.

Joana ist diejenige, die spricht, obwohl das Meiste und das Wichtigste Gabbys Tochter betrifft:

Eva soll keinen Streit und Ärger mitbekommen und Joana und Gabby werden, bis zu unserem nächsten Stopp, versuchen nicht mehr zu streiten. Bevor Gabby dann von Bord geht – im Prinzip also wollen sie sich wie Erwachsene benehmen.

Immerhin.

Wie ich dabei ins Bild passe, sagt Joana nicht. Ich nehme an, sie geht davon aus, dass ich mich von Gabby fernhalte.

Ein Punkt also, der noch zu klären wäre, denn ich habe nicht vor, mich von irgendwem fernzuhalten.

Wäre ja noch schöner!

Ich glaube, ich bin einfach schlecht gelaunt, weil ich jetzt einen Familienrundruf machen muss, um mich virenmässig mal auf den neuesten Stand zu bringen. Zumindest hat Mom das angeordnet.

WIE MIR DIESES THEMA AUF DIE NERVEN GEHT!

Privatnummer?

„Danke für die Kohle“, sagte ich, „aber die 5 Dollar fürs Telefon hätte ich auch noch selbst aufgebracht. Was willst du von mir?“

Ich hatte es doch sowieso versaut. Warum sollte ich jetzt noch herumschleimen?

Oder?

„Ich wollte nur keine Schulden hinterlassen.“

Hatte sie nicht. Der neue Helm hatte nur 469 gekostet. Sonderangebot. Also eigentlich hatte ich sogar etwas gut gemacht. Zuzüglich Fahrtkosten.

„Oh, die Diva ist ja persönlich am Telefon!“

„Ist ja auch meine Telefonnummer.“

„Wenn das deine private Telefonnummer wäre, hättest du dich auch selbst gemeldet.“

„Ich gebe doch nicht jedem meine richtige Privatnummer!“

„In meine Küche marschieren und sich einen Kaffee machen aber mir die falsche Telefonnummer geben!“

„Bin ich am Telefon oder nicht?“

„Ja. Nach dem fröhlichen Rätselraten!“

„Sonst könnte ja jeder…“

„Lass mich raten – die Nummer ist für zweitklassige Bekannte und die weitläufige Familie…“

„Wie schon gesagt, ich…“

„Die Nummer kannst du behalten!“

„Ich…“

„Wenn du was von mir willst, benutz meine Klingel!“

Und dann habe ich aufgelegt und mich betrunken.

Die Nummer kannst du behalten

Der Punkt war, das versuchte ich mir zumindest einzureden, dass niemand mich als zweitklassige Bekannte einstufen durfte. In Wirklichkeit aber war ich von der ganzen Situation komplett überfordert gewesen – und, ganz ehrlich, so von dieser Frau angetan, dass ich austrat, statt mich der Situation hinzugeben. Ich machte einfach alles falsch und das machte ich mit Absicht. Weil ich Angst hatte. Angst davor ein Spielzeug zu sein – zu werden – oder was auch immer. Die Frau war einfach fünfzig Wolken über mir. Ich wollte unbedingt, dass sie dort blieb, doch ich hatte auch panische Angst von einer Beziehung – auch einer platonischen – in der sie mir von oben Brotkrumen zuwarf.

Ich war vielleicht ein Groupie, doch bestenfalls für eine Nacht. Und da diese Nacht bereits passiert war – ob mit oder ohne Sex…

„Maze“, sagte ich am Telefon: „Hast du Zeit? Kannst du rüberkommen? Ich muss dir was erzählen!“