Blut und Küsse

Ich habe (mir selbst) eine Fortsetzung versprochen. Hier ist sie.

Aber zuerst: Es war schon ziemlich geil, mal wieder einen Gayclub zu besuchen. (Aber musste es mich dafür wirklich bis nach Vilnius verschlagen?)
Ich muss dazu gleich festhalten: Ich mag weder Lesben- noch Gayclubs. Sie sind düster und langweilig. Düster muss ja scheinbar sein, damit man in den Ecken ungestört herummachen kann. Langweilig. Sowohl die Clubs als auch das Herummachen. Jedenfalls wenn man an Letzterem nicht selbst beteiligt ist. Ich gehe ja auch nicht hin, um irgendwen abzuschleppen. Hell, no! Aber mit Frauen zu lachen und zu trinken, von denen jede Einzelne lesbisch (und meist auch horny) ist, ist schon geil. Auch cool: Nach den üblichen Eingangsfragen nach Namen und Herkunftsort, kommt meist natürlich ganz schnell das „Und was machst du so?“. Natürlich könnte ich eine Menge Unsinn antworten, doch das Wort „Pilotin“ sorgt ganz schnell dafür, dass in kürzester Zeit das Herummachen in den Ecken aufhört und sich eine dicke Traube notgeiler Lesben (und auch einige Schwule) um einen versammelt und man sich vorkommt wie eine Präsidentschaftskandidatin. Das ist cool.
Warum? Weil ich mir dann in aller Ruhe eine Kandidatin aussuchen kann, mit der ich in der folgenden Stunde in einer dunklen Ecke herummachen kann. (Ha!) Diesmal waren es zwei. Warum das so einfach ist? Pilotin = Uniform = Geil! Wir Lesben sind doch so berechenbar!
Das ist eigentlich an solchen Abenden alles, was ich will und ich sage es allen Beteiligten auch vorher: Herummachen, sonst gibt es nichts. Herumknutschen und mit Titten spielen. An meine Möse lasse ich niemals eine, denn ich kann ja nicht wissen, wer sich die Finger wäscht, wer nicht und wo die Grabscherchen vielleicht vorher drinsteckten. Also fällt alles unterhalb der Gürtellinie weg, aber der Rest ist ja schließlich auch nicht zu verachten. (Es ist übrigens auch ganz und gar nicht zu verachten, mit zwei Frauen gleichzeitig „herumzumachen“ – GEILES WORT! – und theoretisch wären ja auch drei möglich: links, rechts und knutschen. Ich muss das mal ausprobieren.)
Aber das geht natürlich alles nur eine gewisse Zeit, vor allem wenn ich ständig damit beschäftigt bin, Finger abzuwehren, die versuchen mir an die Möse zu gehen.
Aber – grosses ABER – die Mädels dort waren toll. Eine der beiden habe ich zwar überhaupt nicht verstanden (Litauisch und Russisch), während die andere genug erotisches Englisch konnte, um die Sache mit Dirty Talk zu würzen. Aber selbst mein rudimentäres Russisch (Da! Da! Da!) reichte, um mir den Tequila von den Nippeln saugen zu lassen. Alles in allem ein positives Erlebnis, auch wenn ich keine Visitenkarten verteilt habe.
Zum Stammgast werde ich ganz sicher auch nicht. Wenn ich ficken will, gehe ich in „normale“ Clubs, Klamottenläden und Straßencafés. In Uniform. (Und wenn ich richtigen Sex und megageile Orgasmen haben will, habe ich ja immer noch meine Dämonin, die zu nichts anderem gemacht worden ist, um die Menschen mit tausend Höhepunkten zu Tode zu ficken.)

Vilnius bei Nacht

Aber jetzt zum eigentlichen Thema: was mich eigentlich nach Vilnius verschlagen hat.

Meine treuen Leser haben sicher den Eintrag „Du bist gefeuert!“ gelesen und wissen, dass ich das Meeting mit meiner Chefin Miranda und meiner Schwester Anik mit ausgestrecktem Mittelfinger verlassen habe. (Eigentlich gar nicht wirklich meine Art, doch ich fühlte mich gerade so proletenhaft.) Tatsächlich wollte ich einfach nur raus und wollte den nächsten Flieger nach LA nehmen, um kurz bei Joana in Bel Air vorbeizuschauen, und dann nach Orcas Island weiterfliegen, wo Mazikeen gerade an der Vergrößerung ihres Bootsstegs arbeitete. Gabby konnte ich hier leider nicht besuchen, weil das Miststück gerade mit ihrer Tochter und ihrem Typ eine verlängerte Hochzeitsreise machte. (Ein anderes Thema … Kotz! Die Moral von der Geschichte: Lass dich niemals mit Heten ein!)

„TAMMY!“ Der Ruf kam vom anderen Ende des Flurs, während ich auf den Aufzug wartete. Mirandas unverschämt rauchige Stimme war unverkennbar. (Wie ich sie dafür beneide!)
„Fuck off!“
Doch sie ließ sich nicht beirren, setzte die Maske mit dem Logo unserer Airline auf und rannte mir hinterher. (Meine FFP2-Maske war schwarz. Flammen loderten über Mund und Nase. Ein höllisches Geschenk von Mazikeen, logisch.)
„Darf ich BITTE nochmal mit dir reden?“
Scheiß-Aufzug! Wie lange braucht der eigentlich? Ich antwortete nicht, grinste lediglich, was sie vermutlich nicht sehen konnte. Ich hoffte aber, dass die Flammen dadurch etwas höher loderten.
„Was muss ich tun, dass du deine Meinung änderst?“
„Get lost!“
„Ich möchte diese Flieger. Wirklich! Wir brauchen sie!“
„Was muss ich tun, damit du endlich verschwindest?“
„Mit mir reden!“
„Was muss ich tun, damit du NICHT mit mir reden willst?“
„Schlag mich zusammen, dann musst du nicht.“
Ich starrte sie an. Der Aufzug war fast unten angekommen. „Ich schlage keine Frauen. Jedenfalls nicht, bevor sie darum betteln.“
„Bitte schlag mich zusammen. Bitte, bitte!“
Ich zuckte mit den Schultern und verpasste ihr eine, dass sie gegen die hintere Aufzugswand krachte und langsam zu Boden sank. Wer drum bettelt …

Wer drum bettelt …

Hinter mir öffnete sich die Fahrstuhltür. Im Spiegel, vor dem meine Chefin saß, erkannte ich eine ältere Dame in schickem Tweetoutfit und einen älteren Herrn mit Texaskrawatte. Ich drehte mich zu ihnen um und hob entschuldigend die Hände: „Für gewöhnlich ficken wir. Heute ist eine Ausnahme.“ Mit tiefreligiösen, aufgerissenen Augen, packte der Texaner seine Frau am Arm und sie machten einen kollektiven Schritt nach hinten.
„Fühlst du dich jetzt besser?“ Miranda streckte mir eine Hand entgegen.
„Etwas“, entgegnete ich und half ihr aufzustehen. Ihre schicke Airlinemaske färbte sich langsam rot.
„Jetzt schuldest du mir mindestens einen Drink.“
„Soso …“ Scheiße, ich musste grinsen. Ich hoffte, dass meine Augen das nicht verrieten.
Miranda wandte sich an das Texikanerpaar: „Machen Sie Platz! Wir versuchen abzutreiben!“
Scheiße, ich musste losprusten!
„Sie können allerdings auch stehenbleiben und uns auf je 10.000 Dollar verklagen“, fügte Miranda, bezugnehmend auf das neue, widerliche Gesetz in Texas, hinzu.
„Soll ich dir jetzt in den Magen treten?“, fragte ich, laut genug.
„Das sollte funktionieren“, nickte meine (Ex)-Chefin.
Von den betagten Südstaatlern war danach nur noch ein Luftloch übrig.
Was blieb mir übrig als laut zu lachen?
„Du bist ein ganz schönes Arschloch“, stellte Miranda nach einem Moment Herumstehen fest.
Ich bestätigte das.
„Darf ich dir jetzt einen Drink ausgeben, oder nicht?“
„Aus deiner Maske läuft Blut raus.“
„Ich sage ja, dass du ein Arschloch bist.“

Schließlich landeten wir auf dem Damenklo. ‚Frisch machen‘, wie Miranda das nannte. Während ich pinkele, wischte sie sich das Blut aus dem Gesicht. Sie winselte wie ein junger Hund, wenn sie ihre aufgeplatzte Lippe berührte: „Danke, dass ich alle Zähne behalten durfte“, erklärte sie sarkastisch.
Ich nickte freundlich: „Das war doch das Mindeste, was ich für dich tun konnte.“
„Bar?“, fragt sie, als sie fertig war.
Ich schüttelte den Kopf: „Keine Chance. Du blutest den ganzen Tresen voll. Das ist peinlich.“
Sie verdrehte die Augen.
In diesem Moment kam jemand zur Tür herein: „Raus!“, wurde sie angefaucht. Miranda kann fauchen. Interessant.
„Wir verlieren die Branche, wenn wir nicht aufrüsten. Die großen Airlines warten nur darauf, mit gecharterten Studioflügen Werbung machen zu können.“ Mit ‚Branche‘ meinte Miranda die Hollywoodstudios.
Ich zuckte mit den Schultern: „Eure Bombardiers sind doch voll.“ Ich setzte ganz bewusst die zweite Person Plural ein, um mich von der Firma zu distanzieren. Schließlich hatte sie mich gefeuert und ich war drauf und dran, mein Kapital abzuziehen.
„Sie sind zu klein. Und die Reichweite ist nicht da.“
„Warum?“
„Wir brauchen mindestens 130-180 Plätze und eine interkontinentale Reichweite.“
„Wie bitte? Interkontinental?“
„Immer mehr Drehorte sind in Europa, das weißt du.“
„Bisher haben die Studios es auch ohne 737 über den Teich geschafft.“
„Ohne UNSERE 737. Mit Linienmaschinen und Frachtcharter. Uns geht ein Riesengeschäft verloren. Und wir stehen kurz davor, die ganze Branche zu verlieren. Das erste Studio haben wir schon abgeben müssen. Ich möchte es zurückbekommen.“

Eine 737-800 NG auf dem Taxiway

Wieder öffnet sich die Tür: „RAUS!“
„Nicht überzeugend.“ Ich schüttelte den Kopf.
„Wie blöd muss man sein, um das nicht zu kapieren?“
„Vermutlich so blöd wie ich“, nickte ich.
„Was können wir denn deiner Meinung nach sonst tun?“, fragte Miranda.
„Nichts. Ihr habt kein Geld für so eine Aufrüstung. Und die Banken werde euch etwas husten. Vor allem jetzt, wo ich aussteige. 737 – so ein Schwachsinn!“
„Du musst ja nicht aussteigen.“ Ihre Lippe blutete immer noch ein bisschen. „Du kannst jede 737 fliegen!“
„Ich kann es aber auch lassen.“
„Ich weiß, du hasst es, mit Airliner Linienverkehr zu fliegen. Wie sagst du immer? ‚Busfahren für Studierte‘. Das ist aber kein Linienverkehr. Das ist Charter und das weißt du. Fast rund um die Welt. Mit einem Standbein in Europa.“
„Das auch noch? Nicht nur FAA, sondern auch noch EASA? Na danke …“
„Seit wann siehst du alles nur noch negativ?“
„Seit ich dich kennengelernt habe.“
„Ist es, weil ich nicht mit dir schlafen will? Eine Frau, die NICHT mit dir ins Bett will, das darf es in deinen Augen wohl nicht geben?“
Ich erinnerte mich an die eine Sache, bei der sie mich in ihrem Büro für ein paar Momente fickte, um das zu bekommen, was sie wollte. Diese Frau war echt das Letzte! „Du willst NICHT? Echt nicht? Was haben dann deine Finger in meiner Fotze gemacht?“
„Dich überzeugen.“ Miranda grinste.
„Hast du jetzt auch vor, mich zu ficken, damit du bekommst, was du willst?“
„Wenn es sein muss …“
„Eine Manager-Nutte. Nett …“ Ich schüttelte den Kopf.
„Darf ich dich an dein jüngstes Buch erinnern?“
J.–Forever? „Was ist damit?“
„Angeblich empfindest du doch Prostitution als ein legitimes Mittel zum Zweck?“

MOMENT MAL!

Wieso konnte die Frau dieses Buch lesen? Es ist doch nur auf Deutsch erschienen?

„Willst du mir jetzt weismachen, dass du Deutsch lesen kannst?“
„Ich kann es nicht nur lesen, sondern auch sprechen und verstehen. Du schreibst wirklich interessante Bücher. Auf Deutsch. Deine englischen Titel sind allerdings miserabel.“

Jetzt erwischte sie mich eiskalt: Sie ANTWORTETE mir AUF DEUTSCH! Zwar mit ziemlich amerikanischem Akzent, doch grammatisch richtig, vollkommen verständlich und – fließend.
„DU SPRICHST DEUTSCH?“, blökte ich auf Dummdeutsch.
Miranda zuckte mit den Schultern: „Und Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch und ein wenig Norwegisch. Schlimm?“
„Warum?“ Diese Frage war noch dümmer als die von eben. Aber das war zu entschuldigen, wenn man von einer Sekunde auf die andere erfuhr, dass die Ex-Chefin SIEBEN (7) Sprachen fließend beherrschte! Und man selbst – ich wollte nicht darüber nachdenken.
„Es hilft beim Business. Aber das war nicht unser Thema.“
Sie erwischte mich mit dieser Sprachgenie-Eröffnung so eiskalt, dass ich vergessen hatte, was das Thema war.
„Du stehst auf Nutten. Zumindest kann man das aus J.–Forever herauslesen.“
„Ich brauche einen Drink.“
„Zur Bar?“, lächelte Miranda.
Ich konnte nur noch dümmlich nicken.

Fortsetzung folgt.

Fass mich nicht an!

Nach ein paar Ruhetagen in Kelowna wartete eine dicke Überraschung, in Gestalt eines ziemlich aufregenden Fliegers, auf mich. Eine 66 Jahre alte DHC-3 Turbine Otter! Gemietet zwar nur, und nur für insgesamt drei Flüge – es wurden fünf daraus – aber die Überraschung meiner Schwester war perfekt! Sie erschien nämlich unangekündigt und saß plötzlich an der Bar neben mir. Typisch Anik. Die gemietete Turbine Otter war ihr kleines Mitbringsel. Ich bin vor Freude fast vom Barhocker gefallen!
Den nächsten Tag haben Anik und ich ganz alleine beim Shopping verbracht. In identischer Kleidung – die gab es gleich im ersten Laden – wie in alten Zeiten und in allerbester Stimmung. Die Firma und unsere Streits darüber, haben wir für den Moment einfach hinter uns gelassen!

Zwillingsspaß

Weiter ging es dann einen Tag darauf. Während meine Schwester die Diamond übernahm und direkt zum geplanten Rückgabeflughafen startete, kletterten Joana, Mazikeen, ein Passagier und ich in diesen herrlichen Oldtimer. Der Besitzer der Maschine war auch dabei und nahm auf dem Copiloten-Sitz Platz. Zwar habe ich ein Type Rating, eine Flugzeugmusterberechtigung, die auch die Turbinenversion der DHC-3 umfasst – ich habe keine Ahnung warum und woher – doch ich habe so eine Maschine noch nie geflogen. Glaube ich zumindest – ich scheine alt zu werden. Oder dement. Schöner Mist.

Für alle, die es wissen möchten: Eine De Havilland Canada DHC-3 ist ein altes einmotoriges Flugzeug, in diesem Fall für 7 Passagiere plus kommerzielle Fracht eingerichtet. Die Original-Sternmotoren-Flieger wurden von 1951 bis 1967 gebaut, später gab es Umbauten von diversen Drittherstellern, die statt des alten Sternmotors, moderne, leistungsstarke Pratt & Whitney PT6A-Turbinen verbauten, womit das Flugzeug nun deutlich mehr Ladung transportieren kann. So wie diese hier.

66 Jahre und kein bisschen leise

Wie auch immer. Ich war dankbar, dass der Besitzer ein Fluglehrer war, denn so konnte ich wirklich lernen, die Maschine von Grund auf zu beherrschen, was mir in Alaska helfen wird, eine Flugmusterberechtigung für die Wasserflugzeugvariante zu erwerben. Wasserflugzeug? Genau! So etwas habe ich nämlich noch nie geflogen. Es hat mich immer interessiert, doch irgendwie hat es nie gepasst. Jetzt habe ich mir fest vorgenommen, es zu probieren! Von meinem Fluglehrer habe ich bereits wertvolle Tipps bekommen und auch Adressen von Flugschulen, die er dafür wärmstens empfiehlt. Und da der Typ – abzüglich seiner sexistischen Bemerkungen – nicht nur wirklich sympathisch ist, sondern auch sein Handwerk versteht, werde ich seinen Empfehlungen wohl folgen. Er jedenfalls schwärmte von der Wasserfliegerei. Vor allem in British Columbia und „ach, eigentlich überall in Kanada“. Unnötig zu erwähnen, dass er selbst ein Wasserflugzeug besitzt (eine DHC-2 Beaver).

Ab ins Wasser!


Es ist übrigens so ein richtiger, braungebrannter Frauenheld, fährt Ski mit und ohne Wasser, besitzt ein mächtiges Snowmobil, ein kleines Segelboot, zwei Huskys, verbringt seine Urlaube auf Berggipfeln und legt gerne Pilotinnen in Shorts die Hand auf das Bein. Vorzugsweise im Landeanflug, wenn sie sich nicht wehren können. Aber wozu hat man eine Dämonin? Mazikeen hatte sich, offenbar in weiser Voraussicht, direkt hinter ihn gesetzt. Sie entledigte sich in Rekordzeit ihres Gurtes und würgte ihn so lange, bis die Sonnenbräune zur Gänze sein Gesicht verlassen hatte.
„Du kannst jetzt aufhören“, habe ich ihr dann empfohlen, während ich die letzten Landeklappen nach unten pumpte: „Der kommt erst nach der Landung wieder zu Bewusstsein.“
So war es dann auch. Ich muss aber zugeben, dass er die Sache mit Humor nahm, was ihn eigentlich noch sympathischer machte. „Hast du immer einen persönlichen Schutzengel dabei?“, lachte er später an der Hotelbar.
Beim Wörtchen „Engel“ begann mein Dämon zu knurren und Anik antwortete an meiner Stelle: „Sei froh, dass Maze da war. Tammy hätte dir nämlich nach der Landung mindestens fünf Finger gebrochen. Und zwar jeden einzeln.“
Das stimmt. Wer mich begrabscht, während ich mich nicht wehren kann, kann seine Hand für die nächsten Wochen abschreiben. In diesem Fall hätte ich ihm wohl danach auch noch den Arm gebrochen. Nur zur Sicherheit.
„Hat sich aber gelohnt. Dein Bein fühlt sich gut an. Da fragt man sich, wie das mit deinem hübschen Hintern ist.“
Immerhin hat er „hübsch“ gesagt. „Ich stehe auf scharfe Pilotinnen, sorry“, fügt er grinsend hinzu.
„Ich auch“, grinste ich zurück.
Da hat er es dann endlich kapiert: „Du bist eine Lesbe?“
„Blitzmerker.“
„Oh, sorry.“
„Warum? Habe ich jetzt keinen hübschen Arsch mehr?“
„Aber sowas von…“, lachte er. „Noch einen Tequila?“
„Solange du noch bei Bewusstsein bist…“

Es gibt einen Unterschied
zwischen Anmache und (sexueller) Gewalt

Das ist so die Sache: Ich habe kein Problem mit Anmache. Jedenfalls nicht mit verbaler. Und wenn mich einer antatscht – jedenfalls solange ich mich wehren kann – bekommt er eine Ohrfeige und das war’s. Ich habe kein Problem damit, denn „Boys will be boys“, no matter what, ob es den Terror-Feministen nun passt oder nicht. Auf der einen Seite wollen Frauen angemacht werden – von soft bis aggressiv, je nach persönlichem Geschmack – und auf der anderen Seite sollen Männer immer vorher wissen, wie es die Dame gerne hätte. „Darf ich dir mal einen Klaps auf den Arsch geben oder empfindest du das als unangebracht und sexistisch?“ DAS IST JA WOHL LÄCHERLICH! Eine Menge Weiber wollen mutiges Angraben und wollen garantiert nicht vorher vorsichtig gefragt werden, ob es denn angebracht sei. Irgendwo müssen wir einfach mal die Kirche im Dorf lassen. Der Mann soll auf Signale warten? Da zerreißt es mich noch mehr. Für viele Typen sind ihre Frauen noch nach zwanzig Ehejahren ein Buch mit sieben Siegeln. Und da sollen sie am ersten Abend weibliche Signale deuten können? (Zumal zarte Hinweise, je nach aktuellem Hormonspiegel, einmal dies und einmal jenes bedeuten können.)

Wen wollen die Frauen heute eigentlich erziehen? Die Studenten, die Professoren, die Handwerker oder die Jungs vor der Trinkhalle? Und was ist mit den Frauen, die einfach keine Softies wollen?

Wie wäre es, wenn wir Frauen erst einmal lernen, RECHTZEITIG klar und deutlich „NEIN“ zu sagen?

Von mir jedenfalls, bekommen die Typen eine Ohrfeige als Antwort. Wer mir an die Titten oder unter den Rock geht, dem trete ich in die Eier oder breche ihm die Nase, und wenn mich einer beim Landeanflug begrabscht, breche ich ihm hinterher ein paar Finger. Solange Männer es beim Verbalen belassen, und damit aufhören, wenn ich es sage, dann dürfen sie mir und meiner Frau gerne noch einen Drink bestellen. Solange Frauen die Männer als Männer wollen, müssen sie auch kapieren, dass Männer nun mal Männer sind, genau wie Frauen nun mal Frauen sind. Lesbisch oder nicht.

25 mal „Nein“?

Ja, so sehe ich das. Und das vor meinem Hintergrund! Trotz meiner Geschichte. Trotz meiner Erfahrungen mit Typen. Ich habe dadurch nicht den Verstand verloren (noch nicht). Ich kann immer noch zwischen Anmache, harmlosen Männertrieben und Vergewaltigung unterscheiden. Solange Frauen sich nicht Dinge gefallen lassen, die sie nicht akzeptieren, ist alles in Ordnung. Die Grenze allerdings, bevor sie Männer vor Gericht zerren, die muss jede für sich selbst festlegen.
Ich jedenfalls kann mich alleine wehren. Wenn ich will.

Schluss mit der Gleichmacherei!

Eigentlich wollte ich heute von meinen jüngsten Flügen erzählen, doch leider geht mir jetzt die Zeit aus. Bücherschreiben, fliegen und ab und zu schlafen, gehört eben auch zu meinem Leben. Nicht nur die Eintragungen in diesen Blog. (Von Sex ganz zu schweigen.)

Der Bericht über die vergangenen Tage, muss eben bis morgen Abend warten.

Für immer und ewig

Mazikeen ist die Frau, die irgendwie immer schon in meinem Leben war und die es bis heute nicht verlassen hat.

Sie sagte einmal – damals hieß sie noch „Chris“ – dass „du ins Bett gehen kannst, mit wem du willst und lieben kannst, wen du willst – Hauptsache, du vergisst mich nicht und ich darf auf irgendeine Weise in deinem Leben bleiben“.

Eigentlich hatte ich zu dem Zeitpunkt vorgehabt, mit ihr Schluss zu machen. Mit dieser Aussage, hat sie dieses Vorhaben dann leicht verwässert und hat uns offenbar eine lebenslange Zukunft geschenkt.

Ich bin also lediglich ausgezogen; die meisten meiner Klamotten und alles Andere blieben jedoch in ihrem Haus und jedes Mal, wenn ich Dinge gerade nicht unterbringen konnte, schickte ich es zu ihr. Und meine Angelegenheiten regelte sie sowieso. Zumindest die Dinge, um die sich meine Mutter nicht kümmern wollte. Ich war Pilotin und selten an einem Ort und auf Behördenkram hatte ich sowieso keinen Bock, da kam Chris (Mazikeen) gerade recht.

Es gab keine Sekunde in meinem Leben, in der ich ihr nicht hundertprozentig vertraut hätte. Sie war mein guter Geist, sie war immer da, wenn ich sie brauchte. (Dass sie kein guter Geist, sondern ein Dämon war, offenbarte sie mir erst später.) Selbst als Joana in mein Leben trat, war sie wie eine beste Freundin zur Stelle.

Liebe ich sie? Ganz sicher liebe ich sie wie man jemanden liebt, der immer für einen da ist. Mehr? Bevor wir beste Freundinnen wurden, liebte ich auch den Sex mit ihr, denn sie ist eine richtige Lesbe und das merkt man. Auch heute genieße ich wieder von ihr gefickt zu werden – aus dem gleichen Grund. Allerdings muss ich zugeben, dass ich doch mehr auf die unbeholfen Frauen stehe. Auf diejenigen, die nicht so genau wissen, was sie mit einer anderen Frau anfangen sollen oder – ups – die es eigentlich nur tun, weil ich es möchte. Solange sie dabei zumindest versuchen, dominant zu sein. Das macht mich an.

Mazikeen ist eine Frau, die NIEMALS einen Rock tragen würde, niemals Dessous oder irgendwas anderes, was als „Frauenkleidung“ bezeichnet werden könnte. Sie sieht ein wenig aus, wie die Leute sich eine Lesbe vorstellen: Wettergegerbt, groß, mit jeder Menge Tattoos und Piercings. Diese ganzen Scheißklischees eben. Ausnahme: Ihre Haare sind inzwischen länger, weil ich mich weigere mit einer Tussi ins Bett zu gehen, in deren Frisur ich mich nicht hineinwühlen kann. Kurze Haare bei Frauen sind mir ein Greuel.

Wir sind längst wieder zusammen, RICHTIG zusammen. „Wie man mit einem Weib zusammen sein kann, die mehrere Frauen liebt und sowieso ins Bett geht, mit wem sie will“, sagt sie und lacht.

So ganz glücklich klingt das nicht, doch dabei kann ich ihr nicht helfen. Wobei sie Joana wirklich ins Herz geschlossen hat. Bei Gabby ist sie sich, glaube ich, noch nicht so sicher.

Sie behauptet übrigens neuerdings, dass sie mich mitnichten liebt, sondern in mir lediglich den Höllenfürst sieht, denn „erstens können Dämonen nicht lieben, weil wir keine Seele haben und zweitens bist du die Herrscherin der Unterwelt. Und die liebt man nicht, die fürchtet man.“

„Du fürchtest mich?“, frage ich dumm.

„Ich fürchte den Moment in dem du mich auf immer verlassen wirst.“

„So schlimm?“ Ich lächele.

„Dämonen sterben, wenn Satan sie verstößt. Glaube ich.“

„Dann muss ich wohl auf ewig mit dir zusammenbleiben. Nur zur Sicherheit.“

Vollautomatisches Masturbationswerkzeug

Was hier fehlt: Gerüche.

Alles riecht nach Salz und Meer. Der gewöhnlichen Landratte gefällt das nicht länger als ein paar Tage.

Nun bin ich keine gewöhnliche Landratte und trotzdem geht es mir auf die Nerven. So sehr, dass unser Boot unter Deck einer Parfümerie gleicht – was übrigens nicht nur an Joana liegt. Gabby kann auch ziemlich gut teure Düfte verbreiten und ich sowieso.

Aber wieso rede ich eigentlich von Düften? Weil ich weiß, dass ich bald mit meinem eigenen und stinkenden Seemannsausdünstungen allein bin.

Maze zählt nicht. Sie braucht kein Parfüm: Sie riecht irgendwie immer nach frisch gewaschenem Dämon. Mich würde interessieren, ob ihre Möse nach Schwefel riecht.

Ich darf ja nie dran: Bei Maze sind solche Dinge nur umgekehrt erlaubt. Das war am Anfang unserer Beziehung ganz schön irritierend. Heute habe ich mich daran gewöhnt und werte sie als vollautomatisches Masturbationswerkzeug aus Fleisch und Blut.

Hat auch was.

Dämonen fickt man nicht

Damals wusste ich natürlich nicht, dass Chris/Mazikeen ein Dämon war. Mein Dämon. Das hat sie mir erst viele Jahre später offenbart. Genaugenommen erst vor gar nicht allzu langer Zeit. Allerdings erklärt das vieles.

Es war natürlich ziemlich unverschämt von ihr, wie sie damals mit mir umgesprungen ist. Heute macht sie so etwas nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr aus diesen Gründen (die ich ehrlich gesagt nie ganz kapiert habe). Sie macht diese Dinge, weil ich es will.

Andererseits – vielleicht wusste sie damals schon, dass ich diese Dinge wollte und es nur nicht wusste. Bei so einem Dämon weiß man ja nie.

Ich habe oft überlegt, warum gerade ich so einen Dämon bekommen habe. Schließlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass alle Menschen ihre Dämonen haben – sie stellen sich ihnen nur nicht. Oder ihre Dämonen sind einfach nicht so unverschämt wie meiner.

Mazikeen hat mir mal gesagt, dass Dämonen eigentlich gar nicht so übel sind, die Leute würden es nur nicht merken.

Das ist mir irgendwie zu kompliziert. Mein Dämon – meine Dämonin – ist jedenfalls ziemlich geil. Nur ficken kann man Mazikeen nicht. Sie fickt nur selbst. Andersherum ist nicht drin.

Soll mir recht sein, denn im Ficken ist sie verdammt gut!

Des Teufels Geschenk

Ich habe mich dann einfach mal dazugesetzt. Vor Joanas Kabinentür.

Den Kopf an ihre Schulter gelehnt. Ausruhen. Ich mache das viel zu selten in letzter Zeit.

Mazikeen scheint das nicht zu stören. Dass wir so wenig Zeit allein miteinander verbringen. Mich schon. Denn irgendwie sind wir über die Jahre zu einer Einheit zusammengewachsen: mein Dämon und ich.

Ich denke auch viel zu selten an die Zeit, in der sie mir das erste Mal begegnet ist. Mazikeen sagt, das täte sie dauernd. Ihr gesamtes Leben hätte sich dadurch verändert. Meines auch, das stimmt schon, doch wir meinen unterschiedliche Dinge.

Ich habe eine Beschützerin gefunden und Mazikeen eine zu Beschützende. Ich glaube wirklich, dass das sehr unterschiedliche Dinge sind.

„Maze“, frage ich leise, immer noch an sie gelehnt: „Was habe ich eigentlich getan, dass mir die Hölle einen persönlichen Dämon geschickt hat?“

„Ich weiß nicht. Eigentlich müsstest du das doch wissen.“

„Ich?“ Wieso sollte ich das denn wissen? Ich hatte keinen Dämon bestellt?

„Ja, du. Dämonen kommen nur sehr selten auf die Erde, musst du wissen. Alle paar tausend Jahre, heißt es. Tatsächlich war ich noch nie hier. Ich durfte noch nie jemanden beschützen.“

„Maze?“, frage ich.

„Ja?“

„Du bist verrückt!“

Mazikeen schüttelt den Kopf: „Dämonen können nicht verrückt werden.“

„Lass mich raten“, entgegne ich: „Zum Verrücktwerden braucht man eine Seele?“

Mazikeen nickt. Ernst.

„Ehrlich“, insistiere ich: „Ich habe keine Ahnung, wieso du hier bist.“

„Schon seltsam“, nickt Mazikeen.

„Vielleicht hatte ja der Teufel seine Hand im Spiel?“

„Wer denn sonst?“ Mazikeen verzieht tatsächlich keine Miene. „Ohne ihn geht gar nichts.“

„Wenn der Teufel dich zu mir geschickt hat – hat er da gerade seinen spendablen Tag gehabt? Oder war es ein Jahrestag und er musste eine gute Tat vollbringen? Und er hat mir dich zum Geschenk gemacht?“

„Du findest, ich bin ein Geschenk?“ Das Grinsen ist weg. Ein Lächeln ist auf ihrem Gesicht erschienen.

„Was denn sonst? Solange du unser Boot nicht versenkst…“

„Können denn Dinge ohne Seele gute Geschenke sein?“ Sie grinst immer noch nicht. Das Lächeln ist immer noch da. Seltsame Sache…

„Na, mit dir hat der Teufel jedenfalls nicht danebengegriffen!“

„Danke“, sagt sie leise. Und lächelt.

Einen Moment herrscht Stille.

Dann merke ich wie ihre Muskeln sich anspannen und der Ernst in ihr Gesicht zurückkehrt. Oder ist es ein Grinsen?

„Aber hör auf ihn ständig beim Namen zu nennen. Das mag er gar nicht!“

Verhandlungen

Ich bin dann einfach mal explodiert.

„Ihr könnt gerne euer Leben ruinieren, aber nicht meins.“

Das ist natürlich schon ein wenig – oder wegen mir auch vollkommen – daneben und/oder übertrieben, zumal ich nicht ganz unschuldig daran bin, dass dieses ganze Theater überhaupt angefangen hat.

Trotzdem: Irgendwer muss ja mal irgendwie beginnen und ich finde, dass mein Eröffnungssatz so gut wie jeder andere ist. Auf jeden Fall sind sie erst einmal still und mehr kann ich für den Moment ja auch nicht verlangen.

„Ich könnte euch ja jetzt alle beide in ein Beiboot setzen lassen und euch einfach hinterher schleppen“, drohe ich, „…doch dann hätte ich die Kleine alleine am Hals und das fände ich doch sehr unfair!“

Ausserdem wäre das sexualtechnisch keine sehr intelligente Lösung, denke ich.

„Was willst du, Tam?“ Wenn Joana mich anders anspricht, als mit ‚Sweetheart‘ oder Ähnlichem, sind das keine guten Voraussetzungen.

„Dass dieses ganze Drama aufhört!“, erkläre ich.

Während Gabby still wie eine Musterschülerin am Tisch sitzt, verdreht Joana nur die Augen: „Ich habe nicht angefangen!“

Stimmt, das war irgendwie ich.

„Das war dieses Miststück!“, faucht Joana in Gabbys Richtung.

Wegen mir auch das, gebe ich in Gedanken zu.

Joana macht drohend eine Schritt in Gabbys Richtung.

Das kann ja heiter werden, denke ich.

„GIBT ES HIER EIN PROBLEM?“

Mazikeen!

„Nein“, beeile ich mich zu versichern: „Alles im grünen Bereich hier!“ Dämonen darf man nicht verärgern. Noch nicht einmal, wenn es der eigene ist!

„Hättest du wohl gerne“, schüttelt Joana den Kopf, schaut mich an, als würde sie mir jeden Moment an den Hals gehen, dreht sich aber um und – verschwindet in ihr Quartier.

„Gut gemacht, Mazikeen, wirklich gut! „Wir sind mitten in den Verhandlungen! Besser gesagt: waren. Danke deiner Intervention!‘, erkläre ich Mazikeen kopfschüttelnd.

„Die zwei solle sich vertragen?“

Ich nicke: „…was du gerade erfolgreich verhindert hast.“

„Sag das doch gleich“, meint mein Dämon trocken. Dann packt sie Gabby am Arm, und zerrt sie von ihrem Platz.

„Heh!“, schreit Gabby protestierend, doch es nützt nichts.

Mazikeens Hand hält Gabbys Oberarm wie ein Schraubstock und zieht sie hinter sich her.

„AUA, verdammt!“

Doch Mazikeen öffnet mit der freien Hand Joanas Tür und wirft die laut protestierend Gabby in die Kabine.

„Ihr kommt erst wieder raus, wenn ihr euch vertragt!“

Ich höre beide lautstark protestieren.

„Und sollte dabei etwas kaputt gehen, schwimmt ihr hinter dem Boot her! Alle beide!“ Dann knallt sie die Tür zu. Laut genug, dass es Eindruck macht, aber nicht fest genug, dass sie zu Bruch geht.

„Erledigt“, meint sie trocken in meine Richtung: „Verhandeln musst du wohl noch lernen.“

Offensichtlich, denke ich.

Zwei Divas und ein Dämon

Okay, ich hab’s gemacht.

Ist zwar ganz und gar nicht meine Art, doch dann habe ich mir gedacht, dass es ja erstens früher meine Kabine war, ich zweitens nicht kapiere, warum sie den ganzen Scheiß macht und ich drittens mitten in der Scheiß-Bluterei und von daher sowieso nicht zurechnungsfähig bin.

„Das hat länger gedauert, als ich gedacht habe.“

Das ist ihr ganzer Kommentar, nachdem ich die Kabinenentür eingetreten habe.

Mazikeens Kommentar – die NATÜRLICH unerwartet hinter mir steht – ist mindestens genauso trocken: „Du weißt schon, dass es hier an Bord keine Schlösser gibt und das Eintreten von Türen nicht zwangsläufig nötig ist, oder?“

Also wenn hier jeder auf dem Trocken-Kommentar-Trip ist: „Ihr müsst zugeben: Eintreten ist deutlich cooler.“

„Wenn du so weitermachst, brauchen wir bald ein neues Boot“, zuckt Mazikeen mit den Schultern und verschwindet.

„Du und deine Dämonentruppe habt das doch alles im Griff!“, grinse ich.

„Was hältst du davon, wenn ‚ich und meine Dämonenbande‘ dir deine Hifi-Anlage wieder ausbaue?“

Fuck!

„Schon gut.“ Ich gebe auf. Aber nur weil Mazikeen mir mit Dämonen droht!

„Wir müssen reden!“, wende ich mich stattdessen an Joana.

Ich habe es ernsthaft satt, ihr aus dem Weg zu gehen oder hier herumzubetteln. Wer bin ich, dass ich das nötig habe?

„Ehrlich gesagt, habe ich mich schon gewundert, dass du mich nicht im Beiboot mitten auf dem Atlantik ausgesetzt hast.“

„Auf so einen Scheiß antworte ich erst gar nicht.“ Nanu? Habe ich etwa gar keine Lust mehr auf dumme Sprüche? Das wäre neu!

„In den Salon! Jetzt!“ Aha. Kommandieren kann ich auf jeden Fall noch!

„Warum? Ist dir unser Quartier nicht mehr gu… Ach nein, halt! Du bist ja ausgezogen!“ Joana packt die Diva aus.

Na gut.

„Erstens bin ich nicht ausgezogen, sondern du hast mich rausgeworfen und zweitens habe ich gesagt, du sollst in den Salon gehen!“

„Okay, okay!“ Joana hebt aufgebend die Hände und drückt sich an mir vorbei.

„SIE?! Bist du verrückt geworden?“ Joana wirbelt herum, kaum haben wir den Salon betreten. Ich versuche an ihr vorbei zu spähen.

Oh scheiße! Gabby steht in der Küche!

„Gabby! Verschwinde!“, rufe ich und versuche gleichzeitig die wütende Joana aufzuhalten.

Das hätte jetzt nicht sein müssen! Ich dachte, Gabby schliefe mit einer Überdosis Schmerztabletten in ihrer Kabine?

„LASS MICH DURCH! SOFORT!“ So eine Diva kann ganz schön handgreiflich werden.

Ich halte sie an den Armen, während sie versucht nach meinen Beinen zu treten. Ich weiß, ich habe noch etwa 5-6 Tretversuche, dann fängt sie an zu beißen.

„Joana, bitte…“, bettelt Gabby.

„GABBY, VERSCHWINDE!“, schreie ich sie an. Ich will nicht gebissen werden. Das tut weh!

Plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint Mazikeen – Handwerkergürtel um die Hüfte und ein paar Bretter in der Hand – zwischen der bettelnden Gabby und der tobenden Joana. Gabby wird jede Sekunde losbeißen und wurde nur von Mazikeens überraschendem Auftauchen gestoppt.

Irgendetwas klingt in der Stimme des Dämons so endgültig, dass Joana Gänsehaut bekommt: „Ich schwöre“, droht Mazikeen, und es klingt tief und rauchig und apokalyptisch: „Wenn hier auch nur noch das Geringste zu Bruch geht, versenke ich diesen Seelenverkäufer eigenhändig!“

Tammy

Maximal vier Weiber zum Frühstück

Mazikeen hat mir wirklich eine geile Kabine zusammengeschustert.

Unglaublich was dieser Dämon alles drauf hat und das in so kurzer Zeit!

Sie sagt immer, wenn man sie in Ruhe lassen würde, könne sie viel schneller arbeiten. Das stimmt nicht.

Ich habe das Gefühl, sie schummelt und holt, sobald man ihr den Rücken zudreht, ein paar Dämonenfreunde zu Hilfe und sie arbeiten dann im Team! Anders geht das gar nicht!

Ich hoffe nur, es ist kein Dämon zurückgeblieben, ausser ihr. Diese Lilims können nämlich ganz schön unangenehm sein und vor allem – siehe Mazikeen – wird man sie für tausende von Jahren nicht mehr los.

Wo war ich?

Ach ja: geile Kabine, RIEEEESIGES Bett, kleine, eigene Dusche und sogar Platz für meine Hifi-Anlage, die wir schon monatelang mitschleppen, aber seit der Halberg-Rassy nicht benutzen konnten, weil der Platz gefehlt hat! Und eine Mini-Mini-Mini-Küche mit einem Wasseranschlüsslein für die Miniaturspüle, eine kleine Ablage für meinen kleinen Wasserkocher für Tee und Kaffeemaker und einem Mini-Schränkchen, in das fünf Tassen passen.

Also maximal vier Weiber zum Frühstück?

Als ich sie gefragt habe, wann sie denn das Geschirrspülmaschinchen einbauen würde, hat sie mich ganz unterweltlich gefährlich angedunkelt.

„Ich ziehe die Frage zurück, Euer Dämonenhaftigkeit.“

Tammy

Sex mit Dämonen

Wenn ich momentan etwas wirr schreibe, liegt das lediglich daran, dass ich momentan nur mit einem jüdischen, lesbischen Dämon und mit mir selbst Sex haben kann.

Und das ist zum einen etwas unbefriedigend, mit zwei solch geilen Weibern an Bord, und zum anderen ist das auch nicht ganz ungefährlich.

(Vor allem, wenn man den Dämon nicht in die Riege der geilen Weiber mit einbezieht und man das unbestimmte aber beunruhigende Gefühl hat, das Dämonen alle Sprachen der Welt verstehen können.)

Wobei ich gerade Mazikeen gewaltig Unrecht tue, denn beim genauen Hinschauen ist sie eigentlich hübscher als Joana und Gabby zusammen und garantiert mehr sexy. Aber sie ist eben weder reich noch berühmt.

Für mich sind Geld und Ruhm jedoch zwei ziemlich gut funktionierende Nassmacher.

Fresst mich!

Ausserdem ist es nicht hilfreich, dass Dämonen so viel älter sind als ich. Ich meine – 15 Jahre, so wie im Fall von Joana: cool. Aber gleich tausende… Muss das wirklich sein?

Ausserdem: Diese unangenehme Eigenschaft plötzlich aus dem Nichts aufzutauchen… Überall… Ich meine WIRKLICH überall…

Als ich noch Jüdin war, trug sie noch den Namen „Chris“ und jetzt, nachdem ich den Glauben abgelegt und zur Church of England gewechselt habe, hat sie plötzlich ihren jüdischen Namen ausgepackt? Ich meine – c’mon! Wenn das keine Nerverei sein soll!

Das ist nämlich genau das, was dieser dämliche jüdische Gott mit Abtrünnigen macht: Er hetzt ihnen diese Lilim-Dämonen auf den Hals – solange bis sie entweder zurück in Papas Schoß kommen, oder den Verstand verlieren.

Bei mir liegt er da aber falsch: ich bin schon verrückt! Ausserdem ist dieser Dämon in mich verknallt. War er schon immer. Ausserdem ist er hochgradig lesbisch und dadurch verwundbar.

Boah! Und jetzt brauche ich Sex! Wo ist diese Dämo… Ach, hier hinter mir! Wo auch sonst?

Aircrew Member

Lustigerweise waren die Psychiater und Psychologen der Meinung ich sei verrückt genug um eine Triple Seven mit über 300 Passagiere quer über die Ozeane zu chauffieren und haben grünes Licht gegeben.

Triple Seven

Ha!

Also wer jemals Emirates fliegt – immer gut aufpassen, wer da so ins Cockpit klettert.

Na ja, ganz so schlimm ist es nicht. Ich bin ja nicht depressiv – nur ein bisschen verrückt. Das äußert sich völlig anders und in der Regel nicht oberhalb 30.000 Fuß. (Wobei es bei Landungen hin und wieder schon manchmal durchkam… *grins).

Okay, für alle, die jetzt Angst bekommen: Ich mache SPASS, okay? Keine Verrücktheiten am Steuer, manchmal ein paar Gläschen zuviel, oder so… Ach, lasst euch doch nicht dauernd veralbern: Als würde ich das hier erzählen…

Ich fliege wegen meinen Tabletten nicht mehr, das ist alles. Und das hat nichts damit zu tun, dass die Leute endlich bemerkt haben WIE VERRÜCKT ich eigentlich bin, sondern dass sie bemerkt haben WIE KRANK ich eigentlich bin. Ist schon ein Unterschied.

Auf jeden Fall ist jetzt segeln angesagt, statt fliegen. Hat auch was. Ist zwar langsamer, aber dafür gehen mir die Fluglotsen nicht mehr auf den Keks. Und das ist jede verpasste Flugmeile wert!

Im Übrigen habe ich nicht mehr diese langen acht bis zwölf Stunden Schichten, in denen ich nicht masturbieren kann. Jetzt mache ich das wann ich will und das ist viel wert, denn irgendwie muss ich ja durch den Tag kommen und das war damals echt schwer. Sich da immer davonstehlen und in den scheiß engen Klos richtig leise zu sein war jedes Mal eine echte Herausforderung! Zumal, wenn es schnell gehen muss, ich wirklich gerne einen speziellen Vibrator benutze, und der erstens nicht gerade klein ist, und zweitens nicht gerade leise ist. Ach ja, alte Zeiten…

Und dann immer diese Stewardessen… Ja, die haben tatsächlich auch weibliche Captains angebaggert. Nicht viele, aber es gab auf den Interkontinentalflügen doch meistens wenigstens eine. Die meisten waren gar nicht lesbisch, wollten „diese Sache“ aber einfach mal ausprobieren.

Ich weiß übrigens, ich sollte nicht „Stewardessen“ sagen. Doch ich sage es, weil ich „aircrew member“ schon immer lächerlich fand und ich die Weiber schon immer nicht leiden konnte. So nicht leiden konnte, dass ich nie mit einer ins Bett gegangen bin. Tatsächlich! Lieber habe ich es mir ein paar Mal die Nacht selbst gemacht und dann nochmal per Skype mit Joana. Manchmal habe ich auch mit einer Kellnerin gefickt, wenn gerade eine lesbische zur Hand war. Aircrew member – pah!

Emirates „aircrew members“

Sorry, wenn ich jetzt jedem „aircrew member“ der/die das jetzt liest, auf die Füße trete, die meisten Jungs und Mädels machen einen verdammt guten Knochenjob, ich weiß das. (Wer findet Passagiere nicht auch überflüssig?) Aber sie wissen auch ganz genau was der Unterschied ist, zwischen dem was sie lernen und dem Werdegang eines ATP.

Ich weiß „aircrew member“ soll eine Aufwertung sein – ich finde es einfach nur lächerlich! „Steward“ und „Stewardess“ sagt genau das Gleiche und – regt mich nicht so auf.

Ich sage ja, dass ich verrückt bin. Deswegen fliege ich ja auch nicht mehr.

Ach halt – ich fliege ja nicht mehr wegen meiner Medikamente. Was soll’s – ich sollte auch nicht mehr fliegen, weil ich verrückt bin, dann passt’s wieder. Also „aircrew member“ passt schon! Ich habe ja sowieso nichts zu sagen. Grins.

Hätte ich doch mal versuchen sollen, eine zu ficken? Aber man kann schließlich nicht jede Frau auf der Welt ausprobieren, die es ausprobieren will, oder?

Wobei es mir die meiste Zeit Zoe vom Hals gehalten hat. Aber es gibt eben immer Zeiten, da ist selbst die sexuell aktivste Frau mal ein bisschen – Wie soll ich sagen? – ausgepowert? Ja, das gibt es.

Dann schlug Zoe zu. Das war immer ihre Spezialität. Ich weiß nicht, wie sie es gemacht hat, aber sie hat es immer wieder geschafft.

Heute? Heute bin ich diesen elenden Vertrag eingegangen, weil ich weiß, dass sie mich getötet hätte. Ganz schnell getötet hätte. Das Messer war schon an meinem Hals.

Es ist ein Pakt mit dem Teufel. Er hält mich am Leben. Er bringt mir Spaß und Freude und tötet mich. Aber viel langsamer als Zoe es ansonsten getan hätte.

Mazikeen kann mir dabei nicht helfen. Mazikeen ist ein Dämon und Zoe ist ihr Herr.

Tammy

Beziehungsabfall

Oh, was wünsche ich mir jetzt ein Boot, das bessere Eigenschaften hart am Wind hätte!

170 Meilen vor der brasilianischen Küste (Guyana, gerade so eben) und Wind und Seegang treiben uns immer dichter an die Hoheitsgewässer. Und keine Besserung in Sicht!

Wenn das so weitergeht, drehen wir heute Nacht noch steil nach Norden. Ich kann es nicht ausstehen, so dicht an fremden Küsten entlang zu segeln. Wir kommen dann zwar nicht weiter, haben dann aber nach ein paar Tagen die freie Wahl. (Und die Dünung sieht auch gut aus.) Soviel zum Seefahrergewäsch.)

Viel mehr wünsche ich mir allerdings, dass Joana mit dem Scheiß aufhören würde, damit ich ihr erklären könnte, warum ich gegenüber Gabby so reagiere, wie ich es tue.

Stattdessen will Gabby mir erklären, warum Joana so reagiert, wie sie reagiert.

Irgendwie bin ich hier im falschen Film!

„Maze“, sage ich zu meinem Dämon: „Regele das bitte für mich!“

„Iiiiich? Was habe ich denn damit zu tun? Wer sich die Scheiße einlöffelt, muss sie auch ausführen, oder wie ihr Menschen das sagt!“

„Wofür seid ihr Dämonen eigentlich gut?“

„Jedenfalls nicht für euren zwischenmenschlichen Beziehungsabfall…“

„…ja, so kann man das auch nennen“, nicke ich und denke, dass es mehr ja eigentlich auch gar nicht ist: Beziehungsabfall! Was habe ich diesem Weib denn eigentlich getan? Ich habe schließlich Gabby aufs Maul gehauen und nicht ihr! Und sie ist sauer! Dumme Kuh! Was kann ich dafür, dass Gabby so ein Geheimnis daraus machen will, dass – ach halt! Das ist ja ein Geheimnis!

Schon blöd.

Auf jeden Fall komme ich auf diese Weise zu einem riesigen eigenen Apartment im Heck. Da können die Weiber dann schreien wie sie wollen und keiner hört’s.

„Wann ist meine Bude eigentlich fertig, Maze?“

„Wenn sie fertig ist.“

Diese Dämonen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…

„Wann gibt’s was zu essen, Bram?“

„Halbe Stunde, Skip.“

Na, der hat wenigstens Manieren.

Tammy

Zu voll in der Hölle

„Du warst irgendwie auch schonmal besser“, grinst mein Dämon.

Warum können die eigentlich immer nur grinsen? Lächeln wäre auch mal ganz nett!

„Da habe ich mich ja auch noch nicht in das Scheiß-Kinderthema eingemischt.“

„Das ist wahr.“ Mazikeen grinst immer noch. „Aber Joana beruhigt sich auch wieder.“

„Meinst du?“

Gabby wegen Eva eine reinzuhauen und dabei Joana zu verlieren – das war irgendwie nicht der Plan gewesen!

Mazikeen nickt: „Die klebt an dir. Glaub mir. Ich weiß das. Mich nervt das nämlich weil ich es nicht ändern kann.“

Tammy

Ach ja, DIE Sache: Mein Dämon würde Joana ja so gerne loswerden, kann es aber nicht, weil ich Joana so abgöttisch liebe. Dumm gelaufen. Für Mazikeen. Und wenn Maze solche Dinge weiß, stimmen sie. Aber weiß sie das auch von der anderen betroffenen Partei, von Joana?

„Leider ja.“

Immerhin.

Was wohl wäre, wenn jeder seinen eigenen Dämon hätte?

„Zu voll in der Hölle.“

Ja. Und Nein.

„Hätte sie nicht. Sie hätte dich nicht die Lampe gehängt. Du bist meine Freundin. Sie würde dir niemals etwas tun.“

Joana weint tatsächlich. Sie kennt Mazikeen nun schon jahrelang, sie kennt sie noch als Chris, sie hat sie aufs Boot geholt und sie hat immer noch Angst vor ihr.

„Ist sie ein Dämon? Ich meine, ein RICHTIGER Dämon?“

Ja, diese Frage kommt immer wieder auf und mittlerweile tendiere ich dazu, sie mit „ja“ zu beantworten. Alles, was ich mittlerweile mit Mazikeen erlebt habe, lässt nur diesen einen Schluss zu: Maze – sie ist ein Dämon. Ein Wesen ohne Seele, ein Wesen, eingeschworen nur einem einzigen Herrn (in diesem Fall einer Frau) zu dienen – und ihm ganz offenbar ab und zu mal auf die Finger zu hauen, wenn er über die Strenge schlägt. Ja, ja, ja: Sie ist ein Dämon. Das ist meine Antwort. Glaubt es oder lasst es. Glaubt an Jesus, glaubt an den Teufel, den Herrn der Hölle, glaubt an Dämonen, glaubt an Mazikeen, den mächtigsten von allen Dämonen, die Tochter von Eva. Oder lasst es. Eure Entscheidung.

„Ja, Joana, Mazikeen ist ein Dämon, aber sie hängt dich an keine Lampe, solange du mir nichts tust.“

„Du bist verrückt!“

„Das steht außer Frage, darin sind wir uns ja einig, my love.“

Joana schüttelt den Kopf und verdreht die Augen.

„Tut dir eigentlich nichts weh?“

„Was glaubst du denn? Blöde Frage, wirklich! Ich sehe aus wie Scheiße und du fragst, ob mir nichts weh tut? Was hast du geraucht?“

Joana verdreht noch mehr die Augen: „Warum nimmst du es eigentlich immer wieder mit Mazikeen auf? Du weißt doch, wie es ausgeht!“

Ich zucke mit den Schultern (was übrigens auch wehtut): „Weil ich sie irgendwann einmal erwischen werde!“

Joana hält die Hände vor die Augen: „Und jetzt erzähl mir doch, um Himmelswillen endlich mal was DIESMAL das Problem war!“

„Nein.“

„Nein? Einfach so? Nein?“

„Genau: Nein.“

„Okay…“ Das ist neu für Joana, das kennt sie noch nicht von mir.

„Es tut mit leid“, füge ich noch schnell hinzu: „Wirklich!“

Das stimmt.

Tammy

Keine Lust auf Frustfrieren

Ich ziehe mir einen Neoprenanzug, die Segelschuhe und eine Schwimmweste an, dann geht’s hoch an Deck.

Wir haben zwar schon wieder 27 Grad in der Frühmorgensonne, doch der echte Wind bläst ganz ordentlich und wir stiefeln mit 7,2 Knoten aus der Bucht, was gewaltig ist für die alte Ketsch. Ich habe gerade keine Lust auf Frustfrieren. Ich setze mich auf der Windseite unter die Reling und lasse die Füße hoch über dem Wasser baumeln.

„Alles okay?“, ruft Ken von weitem.

„Lass mich in Ruhe!“

Ich bin so frustriert, dass ich sogar daran denke, ob es nicht vielleicht angenehmer wäre, jetzt Zoe beim Ficken zuzuschauen als hier herumzusitzen…

„Sweety?“

Joana. DIE fehlt noch!

„Verschwinde!“

„Sorry!“

„Verräterin!“

„Es tut mir echt leid!“

„Du weißt schon, dass ich dir das nicht durchgehen lasse, oder?“

Joana zuckt die Schultern: „Darf ich mich zu dir setzen?“

„Wenn es sich nicht vermeiden lässt…“

„Bitte sei nicht sauer…“

Ich schaue sie an. Sie schüttet mir Gift in den Tequila und ich soll nicht sauer sein? Das ist cool, echt! Wo lebt die eigentlich?“

Ich hab nur zugeschaut, wirklich!“

„Lüg mich nicht auch noch an, Judas…“

„Woher…?“ Joana starrt mich an.

„Mazikeen ist ein Dämon. Dämonen machen nichts selbst, wenn sie nicht unbedingt müssen. Hast du das immer noch nicht begriffen?“

„Mazikeen hätte mich an die Lampe gehängt. Am Hals, wenn ich es nicht getan hätte.“

„Na also, Wahrheit geht doch.“ Ich seufze.

Das hätte Maze zwar nicht gemacht, aber sie ist verdammt gut im Drohen.

Und da fängt Joana an zu weinen.

SCHEISSE!

Tammy

Traum-Diebin

„Ich habe gesehen, was du gesehen hast, Tam. Und ich weiß, was passiert wäre!“

„Und deshalb vergreifst du dich an meinen Träumen?“ Ich bin wütend: „Ganz schön armselig, selbst für dich!“

Ich reibe mir immer noch den Hals. Noch habe ich zuviel Adrenalin im Körper um festzustellen, was sonst noch alles kaputt ist an mir. Ich sehe nur das Chaos und die Trümmer im Salon. Etwas Befriedigung bereitet mir der Gedanke, dass Mazikeen das alles reparieren wird.

Andererseits macht ihr das Spaß.

Dumm gelaufen.

Leider muss hier einiges neu angeschafft werden – beim nächsten Stop in Ascension Islands. In 4-5 Wochen. Aber auch nur wenn wir uns virenmässig an Land trauen. (Was wir wohl müssen, denn bis dahin habe ich keinen Tequila mehr! *seufz…)

Bezahlen wird es Gabby. Wie schon beim letzten Mal. Sie kann dann einen ihrer Not“groschen“ aus einer ihrer Handtaschen benutzen.

Wenn ihr mal einer die Handtasche klaut, wird er überrascht sein festzustellen, dass er sich nun mit Wein, Weib und Gesang auf den Malediven zur Ruhe setzen kann.

Aber vorher wird sie mir eine neue Salonausstattung bezahlen. Für den letzten Catfight und für diesen. Wenn sie es noch kann, wenn ich sie erst erwischt habe!

Tammy

„Was passieren WIRD, meinst du, geliebter Dämon, nicht was passiert WÄRE“, widerspreche ich ihr.

Mazikeen schüttelt den Kopf:

„Das geht auch zivilisierter.“

„DU redest von ‚zivilisiert‘? DU?! Ein Dämon ohne Seele? Zivilisiert? Dass ich nicht lache!“

„Es ist nicht im Rahmen, Tam. Das musst selbst du kapieren“, beharrt sie todernst.

„Und was IST im Rahmen, wenn ich fragen darf, oh große Dämonin, mein?“

„Überleg’s dir selbst. Wer ist denn hier der Boss?“ Mazikeen zuckt mit den Schultern.

Na, ich ganz offensichtlich nicht…

„Ein Captain sollte sich auch wie einer benehmen, Captain Ahab.“

SCHEISSE!

Dämonenhand

Das Inventar geht zu Bruch, wenn Mazikeen und ich versuchen uns gegenseitig auszuweichen, denn wenn eine die andere tatsächlich trifft, ist so ein Kampf meist schnell vorüber.

Jedenfalls wenn mindestens eine von uns es wirklich ernst meint. Was meistens ich bin. Glaube ich. (Oder war das immer?)

Teufel hin, Teufel her – so ein Kampf – selten genug – beginnt in der Regel mit Mazikeens Kopfschütteln: „Really? Echt jetzt?“

Und er endet IMMER mit Mazikeens Hand an meiner Kehle und meinen Füßen zappelnd irgendwo ein ganzes Stück über dem Boden.

Dazwischen liegen schmerzhafte Sekunden mit völlig danebengegangenen Handkanten- und Fingergelenksschlägen und gänzlich verpatzter Barfußtritte, einem lächelnden Dämon und ein paar tausend Dollar zertrümmertem Inventar.

JE. DES. FUCK. ING. MAL!

Sagte ich schon, dass ich Dämonen nicht leiden kann?

Ich meine, ich verprügele drei Türsteher gleichzeitig, ohne dass mir ein Absatz abbricht oder der Mini verrutscht und entwaffne einen New Yorker Straßenräuber in unter einer Sekunde – aber Mazikeen? Scheiß-Dämonen!

„Lss mch rntr! Glllllrrllll!“

„Versprich, dass Gabby es überlebt, dann lass ich dich runter.“

Kopfschütteln mit einer Dämonenhand an der Kehle ist nahezu unmöglich, das war mir nicht bewusst.

„Knn ch ncht vrsprchn. Gllll!“

Atmen kann man dabei übrigens auch nicht.

„Hlf!“

„Also?“

„Rprssg! Gllll… Ch-chchchch…!“

Man kann auch nicht wirklich treten. Vor allem, wenn die Welt um einen herum immer schwärzer wird.

„Du hast geschworen niemanden anzugreifen. Dich lediglich zu verteidigen. Und das auch nur im Ernstfall. Ich hab dir schon viel zu viel durchgehen lassen!“

KRACH!

Und schon liege ich am Boden und versuche meine Atemwege wieder zu öffnen. Wie jedes verfickte Mal!

„Ch hab nchtChr nicht!“

Mazikeen steht über mir. Ich strecke meine Hand aus: „Hilf mr hch!

„Keine Dummheiten, Tam!“

Tammy

Probleme?

„Koffer schon gepackt?“ Ich grinse.

„Tammy, was soll das? Ich sagte doch, wir bleiben mindestens bis Ascension Island!“

„Sagtest du?“ Ich bin verwirrt: „Wie geht es deinen Füßen?“, frage ich.

„Meinen Füßen? Wieso?“

Ich schaue Mazikeen an. Mazikeen schaut mich an und zuckt mit den Schultern.

„Joana?“, frage ich.

„Ja, bitte?“

„Mmh…“ Ich muss überlegen.

Wir sitzen alle beim Frühstück und wollen in ein paar Stunden die Anker lichten.

„Wieso kann sie alleine zum Tisch laufen?“, flüstere ich Mazikeen zu.

„Wieso sollte sie das nicht können?“

„Bastinado und so?“

Mazikeen schaut mich verwundert an: „Bastinado? Bist du verrückt? Wer sollte denn ihre hübschen Füsschen…?“ Und dann grinst sie…

„Mazikeen!“ Ich richte mich auf: „Wenn das stimmt, was…“ Meine Gedanken rasen. „Mazikeen! Wo ist die Phiole?!“

Doch Mazikeen bleibt einfach sitzen und grinst.

„Bram, Elias, an Deck!“ Das ist Ken.

„Aye.“

„Gabby, Eva! In euer Quartier! Jetzt!“ Immer noch Ken.

Und dann verschwindet er selbst nach oben. Er weiß, dass er Joana nicht kommandieren sollte.

„Die Phiole, Maze! Jetzt!“ Doch Mazikeen grinst nur.

„Die Phile, Joana! Jetzt!“ Joana wird blass. Sie schaut Mazikeen fragend an. Mazikeen nickt.

Aha! Meine Geliebte fragt meinen Dämon um Erlaubnis. Interessant!

Joana geht an eine Schublade, holt die Glasphiole heraus und stellt sie auf den Tisch. Ein winziges bisschen fehlt!

Ich nicke: „Pack sie weg. Und dann verschwinde!“ Das lässt sich Joana nicht zweimal sagen.

„Soso…“, wende ich mich an Mazikeen.

„Probleme?“, grinst Mazikeen.

Probleme? Sagen wir mal so: Unser Boot schwimmt noch. Gerade noch.

Fortsetzung folgt.

Tammy

Return to Fantasy

„Du siehst seltsam aus.“

„Danke“, antwortet Joana: „Ich gebe mir Mühe. Es gelingt mir aber nicht immer.“

„Nein, nein! Soooo meine ich das nicht!“, beeilt sich Gabby ihrer Freundin zu versichern: „Nur so – anders.“

„Dann ist gut“, nickt sie, verzieht sich in die Küche und überlässt uns das Feld.

Wir kommen von hinten, leise; sie hat uns nicht bemerken können, während sie mit Joana gesprochen hat.

Ich tippe ihr auf die Schulter, damit sie sich umdreht, während Mazikeen sich an ihr vorbeidrückt. Sie blickt mir direkt ins Gesicht.

Ihr Schrei klingt, als hätte jemand einer Katze ein Megaphon hingehalten und ihr dann mit einem Stiefel auf den Schwanz getreten. Er passt irgendwie zur Musik, die Joana inzwischen aufgelegt hat. „Return to Fantasy“ von Uriah Heep. Die Alten sind doch die Besten.

Mazikeen packt Gabby an den Schultern und dreht sie zu sich. Dann packt sie mit beiden Händen ihren Kopf.

„Aaaah! AAAAAH! AAAAAAH!“

Manchmal frage ich mich, ob bei solchen Gelegenheiten nicht einfach mal das Herz von jemandem stehenbleibt. Zack! Aus! Könnte doch sein, oder nicht?

„Du erinnerst dich an mich, kleine Gabby?“

„Aaaah, AAAAAH!“

„Mach sie mal aufhören zu schreien“, sage ich.

„Okay“, nickt Mazikeen und verpasst ihr einen in den Solar Plexus.

Jetzt ist erstmal Ruhe.

Ich komme rum.

Mazikeen hält sie an den Haaren und hindert sie damit am Umfallen. Gabby ist lediglich auf die Knie gesackt und zusammengeknickt. Und sie schreit nicht mehr.

Im Hintergrund bearbeitet John Wetton das Mellotron auf seine einzigartige Weise.

Ich gehe in die Knie und blicke von unten direkt in Gabbys Gesicht. Und grinse. (Und fauche ein wenig. Das sieht immer schick aus.)

Okay, ich habe noch nie jemanden mit Gänsehaut im Gesicht gesehen. Ich schwöre, sie hat. Ausserdem ist sie kreideweiss und ihre Augen sind so groß wie Wagenräder.

Ich komme wieder hoch.

„Kann sie schon wieder reden?“, frage ich Mazikeen.

Sie schüttelt den Kopf: „Aber wenn du willst…“ Sie hebt die Faust, doch ich mache eine abwehrende Bewegung: „Aber du kannst sie mal hochheben.“

Mazikeen wickelt eine weitere Strähne von Gabbys blonder Mähne um ihre Finger und zieht sie mit einer Hand nach oben, als würde sie ein 10er-Pack Klopapier hochheben. (Um mal in der Sprache der heutigen Zeit zu bleiben.)

„A-a-ar-arh“, krächzt Gabby.

„Sie macht ja doch schon wieder Geräusche, tsts…“, schüttele ich den Kopf und verpasse Gabby eine Ohrfeige, die gewissen Leuten, die das gerne mit mir machen, zur Ehre gereicht hätten.

Es reicht um sie erneut auszuschalten. Jedenfalls um sich mit sich selbst zu beschäftigen, indem sie versucht die Auswirkungen des Schlags mit ihren Händen zu mildern. Ich kenne das: hilft nicht.

Ausserdem dreht Maze sie jetzt um und drückt sie zu Boden und schleift sie an den Haaren hinter uns her.

„Can you understand
That in every man
There’s a need to unwind
That’s never been defined“

Wie passend, irgendwie. Und Joana reicht uns den Stock.

Tammy

Nichts Wichtiges

„Joana hat Gabby erzählt, ich wäre der Teufel.“

„Soll ich sie erstechen?“, fragt Mazikeen.

„Nichts wirst du tun! Sieh ist immer noch mein Lieblingsstar!“

„Schade.“

„Und meine beste Freundin.“

„Jaja…“

„WAS REDET IHR DA?“

Tammy

Oh, Gabby!

„Nichts Wichtiges.“

„Ihr habt darüber geredet, Joana zu erstechen!“

Sie hat!“ Ich zeige auf Mazikeen: „Ich habe Joana verteidigt.“

Gabby verdreht die Augen: „Dieser ganze Scheiß… Habt ihr nichts Besseres zu tun?“

„Als…?“

„Als diesen ganzen Teufels- und Dämonenunsinn?“

Mazikeen beugt sich zu mir und flüstert: „Was meint sie damit, Skip?“

Eine Dämonengeschichte

„Ernsthaft, Tammy: Warum sagt Joana so etwas?“

„Vielleicht bin ich der Teufel“, grinse ich: „Hast du mich schon einmal im Spiegel gesehen?“

„Hör mit den Witzen auf. Das kann einem ja Angst machen.“

„Andererseits“, und ich grinse immer noch: „Das mit dem Spiegel ist ein altes Märchen aus den dunklen Zeiten. Die haben damals jede Menge Scheiß erfunden. Sie mussten sich ja an irgendwas festklammern. So konnten sie hoffen, mich rechtzeitig zu entdecken. Damals sind die echt mit Spiegelbruchstücken in den Taschen rumgerannt. So mancher hat sich damals damit die Eier abgeschnitten.“

„Haha. Sehr witzig…“

Gabby und ich liegen alleine im Bett. Joanna spielt mit Eva an Deck. Wobei – spielen ist zuviel gesagt: Sie haben irgendwelche Nintendo-oder-was-auch-immer-Spieledings, die miteinander verbunden sind und ihre Figuren rennen sich auf den Bildschirmen hinterher.

Tammy

Auf unserem Boot bei voller Fahrt ist sonstiges Spielen ein No-Go. Da sitzt man mit Schwimmwesten schön festgebunden und macht irgendwas, bei dem man sich nicht bewegen muss und passt auf, den Seeleuten nicht im Weg zu sein. Reden ist auch nicht drin, es sei denn, man will sich ununterbrochen anschreien, denn der Wind in den Segeln und das Durchpflügen des Wassers machen einen ganz schönen Krach.

Von wegen Segelromantik. Die gibt es nur beim Sonnen in einer Bucht, wenn das Boot vor Anker liegt oder im Schleichtempo bei 4 Knoten Wind. Aber nicht bei 15.

Langer Rede kurzer Sinn: Gabby und ich liegen im Bett und sie versucht verzweifelt herauszufinden, ob ich wirklich der Teufel bin, während ich austeste, wie elastisch ihre genialen D-Möpse sind, bzw. wie gut ihre Nippel mit dem Rest verbunden sind.

„Und was ist das überhaupt für eine Dämonengeschichte?“

Ich zucke mit den Schultern: „Mazikeen ist ein echt schicker Dämon, findest du nicht?“

„Ich bin auf dem Dämongebiet nicht so bewandert.“

„Sie ist eine der Töchter von Lilith und ist eine der stärksten Dämonen überhaupt. Es ist immer beruhigend, so jemand an Bord zu haben, findest du nicht?“

„Lilith?“

„Ihre Mutter. Adams Frau. Heute kennt man sie unter dem Namen Eva. Eine ganz schöne Schlampe, übrigens. Und gefährlich.“

„Du spinnst. Au!“

Ups, der Nippel ist wirklich fest verbunden!

„Sie musste nach dieser dummen Paradiesgeschichte abtauchen und hat die Nachtgeister, die Lilims, gegründet. Mazikeen ist ihre stärkste und gefährlichste Tochter. Und damit auch die erste Lesbe. Cool, oder?“

„Erfindest du eigentlich ständig sowas?“

„Google es.“

„You got to be kidding me!“

„Soll ich es dir buchstabieren?“

„AU! Der Nippel ist vielleicht Teil meiner Brust?!“

„Ups, sorry. Ich dachte, der andere wäre vielleicht etwas loser.“

„Du bist ja sooo witzig heute“, kommentiert Gabby mit verdrehten Augen.

„Und wieso ist sie DEIN Dämon?“

„Frag sie. Aber am besten tagsüber.“

„Wieso tagsüber?“

„Nachts sind Nachtgeister echt hinterhältig. Wird behauptet.“

Tammy?

„IST DAS WIRKLICH NÖTIG?!“, schreie ich den Niedergang hoch.

Mazikeens Gesicht taucht auf: „Du hast gesagt, wir sollen jedes Lüftchen ausnutzen, Skip.“

Fuck!

„Was interessiert mich mein dummes Flautengeschwätz von gestern! Wir heelen doch locker 35 Grad!“

„38.“

Ich glaub’s nicht!

Gabby und Joana hängen auf der Bank wie zwei Käfer auf dem Rücken.

„Sieben Knoten?“

„Sechseinhalb.“

„Na gut. Go for it.“

Man muss das Wetter eben nehmen wie das Wetter eben ist. Wir wollen ja auch irgendwann einmal ankommen.

„Aye, Skip.“

Das sind so die wenigen Gelegenheiten, in denen mein Dämon wenigstens ein bisschen Respekt zeigt.

„Nichts zu machen, Mädels! Wir machen hervorragend Fahrt, das können wir gebrauchen. Also klettert auf die Füße oder macht was ihr wollt, aber das Boot fährt weiter.“

„Na ganz toll…“, motzt Gabby.

„Ist dein Nachwuchs sicher oder klebt sie jetzt irgendwo an der Decke?“, will ich wissen.

„Ich hatte schon mit so etwas gerechnet. Sie liegt schon an der Wand.“

„Ich schaue nach“, bietet sich Joana an und klettert vorsichtig von der Bank, während Gabby versucht eine halbwegs akzeptable Position zu finden.

Ich habe meinen üblichen Platz an der Wand. Luvseitig. Passt.

„Also, Gabby: Was sollte das heißen?“

„Was?“

„Willst du mir jetzt sagen, du hättest es vergessen?“

„Ich habe keine Ahnung was du meinst.“

Vermutlich hat sie das wirklich nicht. Diese Weiber schmissen gerne mit solchen Aussagen um sich und kapierten überhaupt nicht, was sie da von sich gaben.

„Dass du dir von mir nichts sagen lässt. Mit der Betonung auf mir.“

„Nichts. Warum? Was soll das heißen? Eine Floskel.“

Du und Floskeln? Komm schon! Du hast bessere Ausreden!“

„Meinst du ich rechtfertige mich vor dir?“

„Zur Erinnerung: Ich sagte, dass dein Nachwuchs keine Mutter hat, sondern eine Nanny. Und dass sie nur deshalb so gut erzogen ist.“

Okay, das war böse. Ich mag böse. Erstens hatte ich das beim letzten Gespräch so nicht gesagt und wenn, hätte sie allen Grund, mir das Gesicht zu zerkratzen. Denn so etwas sagt man tatsächlich nicht. Aber bin ich „man“? Und wie soll ich sie sonst aus der Reserve locken?

Es ist auch nicht zu übersehen, dass sie kurz davor ist, meinen Kopf erneut gegen die Wand zu knallen. Diesmal aber so, dass ich überhaupt nicht mehr aufstehe. Grund hat sie ja jetzt.

Doch sie reißt sich gerade noch zusammen: „Du hast kein Recht, so mit mir zu reden!“ Erstaunlich, wie sie sich im Griff hat, obwohl ihr die Rauchwolken aus den Ohren kommen: „Wer bist du, dass du so mit mir reden kannst?“

Bingo. Das wollte ich hören!

„Ich.Bin.Tammy.“, sagte ich leise.

„Eben. Du bist Tammy. Ein Niemand.“

Hey! Besser als ich zu hoffen gewagt habe!

„Und du bist?“ Ich grinse und schaue sie provozierend an.

Gabby stockt.

„Eine superreiche Schauspielerin? Eine superreiche Erbin? Eine superreiche Mutter, die keine Zeit für ihre Tochter hat?“

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie dreht durch, oder sie schweigt.

Sie wählt die dritte Möglichkeit. Sie fragt. Sie wundert sich, was hier gerade passiert. Sage ich doch!

„Warum beleidigst du mich?“

„TAMMY!!!“ Der Schrei kam aus dem Gang zu den Quartieren: „NOCH EIN WORT UND ICH BIN DIESMAL DIEJENIGE, DIE DIR DEN SCHÄDEL EINSCHLÄGT, DU KLEINES MISTBIEST!“

Joanna! Fuck! Was mischt die sich denn da ein?

Und zu Gabby: „Siehst du eigentlich nicht, wie sie mit dir spielt?“

Gabby starrt Joana an, dann mich. Schließlich hebt sie ahnungslos die Schultern.

„Was meinst du, warum sie einen Dämon hat“, erklärt Joana trocken: „Sie ist der Teufel.“

Sie ist der Teufel

Nachtgespräche

Dabei ist es erst zehn vor Elf. Am Abend.

Ja, ich war früh im Bett, weil ich Sex mit Joana haben und keine ernsten Gespräche führen wollte. Aber offenbar muss man das ja heutzutage anmelden.

Jetzt sitze ich im Salon am Tisch und überlege welche Teesorte zu meiner Stimmung passt. (Für alle, die das hier lesen, ein für alle mal: Der Salon ist der Wohnbereich eines Bootes, so eine Art Wohnzimmer. Manchmal vergesse ich halt, dass ich es hier mit Landratten zu tun habe!)

„Kein Tee“, schüttelt Maze den Kopf, die gerade heruntergeklettert kommt: „Du solltest ins Bett gehen.“

„Keine Lust.“

„Was ist los?“ Mazikeen geht direkt in die Galley (die Bootsküche, auf kleineren Booten offen zum Salon hin) und füllt Wasser in eine Kanne.

„Ich weiß nicht.“ Ich stütze mich breitbeinig mit den Füßen am Tisch ab. Wir machen längst wieder volle Fahrt.

„Joana“, stellt Mazikeen fest, während sie das Gas entzündet und den Kessel festklemmt.

Ich zucke mit den Schultern.

„Schlimm?“, fragt sie.

„Ich glaube nicht“, entgegne ich.

„Liebe ist Scheiße“, nickt sie.

„Willst du mit mir alt werden, Maze?“

„Ich altere nicht.“

Das schon wieder!

Wenn du altern würdest…“ Ich verziehe das Gesicht. Manchmal nervt dieser Dämonenkram schon ein wenig.

„Das ist die dümmste Frage, die ich je gehört habe!“

„Kannst du sie mir bitte trotzdem beantworten?“ Maze geht mir manchmal schon ganz schön auf den Wecker! „Liebst du mich?“

Der Kessel pfeift. Na toll! Maze füllt die vorbereiten Tassen auf. Das wird wieder so ein Chilli-Chai. Ich hätte etwas sagen sollen! Sie drückt mir einen der halbvollen Mugs in die Hand und zeigt auf die Borduhr: „Acht Minuten.“ Eine Ewigkeit, wenn man eine Tasse festhalten muss, damit sie nicht ausschwappt. Tee ist nie eine gute Idee auf einem fahrenden Segler. Jedenfalls nicht, wenn man ihn nicht in einer passenden, verschließbaren Kanne zubereitet. Aber Maze mag es ja, Leute zu quälen.

„Also?“

„Jeder, der es auf sich nimmt, mit dir mehr als einen Tag zu verbringen, will mit dir alt werden. Nehme ich an.“

„Was soll denn das heißen?“

„Ja.“

„Hä?“

Mazikeen verdreht die Augen: „Es soll Ja heißen.“

„Bin ich so anstrengend?“

„Ja.“

„Liebst du mich?“

„Das ist nun wirklich die dümmste Frage, die ich je gehört habe!“

„Liebst du mich?“

„Ehrlich, Tam, woher soll gerade ich wissen, was Liebe ist? Ich muss mit dir zusammen sein – ob ich will oder nicht.“

Ach ja, die Dämonsache!

„Du kannst manchmal ganz schön anstrengend sein, Maze, weißt du das? Als du noch Chris warst, waren die Dinge einfacher mit dir. Und dann kamst du mit diesem Dämonenkram…“

„Hätte ich es dir nicht sagen sollen?“

Manchmal glaube ich ja schon, dass Chris/Maze ein kleines bisschen verrückt ist. Aber sind wir das nicht alle?

„Joana will mit dir alt werden“, sagt sie plötzlich und ohne, dass ich es sie gefragt hätte. „Aber nach ihren Konditionen.“

„Wieso meinst du, dass sie das will? Und woher weißt du überhaupt, dass ich…“

„Sonst hätte sie es nicht so lange mit dir ausgehalten. Und außerdem wissen Dämonen sowas… Gib mir deinen Tee!“

Ich gebe ihr die Tasse. „Was bitte soll denn so schwierig mit mir sein?“

„Du bist sexbesessen, egozentrisch, eingebildet, unverschämt, herrschsüchtig, jähzornig, nachtragend und verrückt.“ Mazikeen nimmt die Siebe aus unseren Tees. „Und das sind die besseren Eigenschaften.“

„Und der Wahnsinn im Bett“, grinse ich.

„Eingebildet“, lächelt Mazikeen und gibt mir meine Tasse.

„Warum dauert es eigentlich immer so ewig, wenn du mir einen Tee machst?“

„Unverschämt“, lächelt Mazikeen. „Vorsicht, heiß!“

„Und was meinst du mit ’nach ihren Konditionen‘?“

„Dass du mit Joana eben nicht umspringen kannst, wie mit uns anderen. Sie ist dir ebenbürtig.“

„Komm schon! So mies bin ich nun auch nicht!“

„Du bist herrschsüchtig.“

Scheiße, Zunge verbrannt. Wie kann der Scheißtee nach acht Minuten noch so heiß sein?

„Und weil du es gewohnt bist, überall die Regeln aufzustellen, Tam, kannst du nicht verstehen, wenn jemand auch mal eigene Vorstellungen hat.“

„Joana hatte schon immer ihre eigenen Regeln“, entgegne ich.

„Ich wette, diesmal tun sie weh.“

Ich starre sie an. Ich spüre, wie ich wütend werde.

„Maze“, sage ich leise: „Geh!“

„Ich habe Recht.“

„Verschwinde!“, zische ich.

„Okay“, nickt sie und steht auf.

„Raus!“

„Sorry.“

Als sie schulterzuckend den Raum verlässt, zerschellt meine Teetasse an der Wand neben ihr.


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Ich heirate oft

„Kannst du vielleicht auch meine Mama sein?“

Oh crap!

„Bram! Einen Kakao für die junge Dame und zwei Bier für uns!“ Ich habe mich hochgerappelt und sitze nun neben Maze.

„Wie kommst du denn auf den Unsinn?“

„Nur so.“ Dann setzt Eva sich im Schneidersitz auf den Boden, ihren Teddy immer noch vor sich haltend.

„Geisterst du zu Hause eigentlich auch jede Nacht durch die Gegend?“

Eva schüttelt den Kopf: „Da ist ja niemand.“

„Wie, da ist niemand?“

„Nur so eine blöde Kinderfrau.“

„Und Mama?“

„Manchmal.“

Na toll… Erst Blagen in die Welt setzen und sich dann nicht drum kümmern…

„Aber du bist lustig, Captain!“

Lustig… Genau was ich brauche…

„Das heißt, wenn ich nicht da wäre, würdest du aufhören mir hinterher zu rennen?“

Eva musste einen Moment überlegen: „Das verstehe ich nicht.“

Das hatte ich befürchtet. Ich nämlich irgendwie auch nicht.

Bram drückte Mazikeen und mir ein Bier in die Hand. „Kakao kommt gleich, junge Dame“, zwinkerte er Eva zu.

„Danke, mein Herr“, verbeugte die sich, ohne den Schneidersitz aufzugeben. Vermutlich würde sie auch mal Schauspielerin werden.

„Wirst du jetzt meine Mama?“

Hä?

„Ich möchte, dass du meine Mama wirst!“

Äh…

„Dazu müsste ich deine Mama erstmal heiraten.“

„Hast du doch vorhin.“

WHAT THE FUCK?!

„Ich habe euch genau gehört!“

Ich blicke verstört zu Mazikeen. Die hebt beide Hände, hält den Kopf etwas schief und ihr Gesicht sieht aus, als würde es vor unterdrücktem Lachen gleich platzen.

„Öm…“, sage ich.

Mazikeen schürzt die Lippen. Ihre Augen sehen aus, als würden sie jeden Moment aus dem Kopf poppen.

„Ihr habt ganz lange geheiratet.“

Das war dann genug für Maze. Sie krallt sich an mir fest, rammt mir ihre Zähne in den Rücken und beißt sich vor Lachen wimmernd an mir fest. Dankeschön auch… Das tut vielleicht weh?!

„Äh“, sage ich. Mann, was bin ich wieder eloquent heute!

Mazikeen piepst und beißt. Auch irgendwie kein Benehmen für einen Dämon…

„Öm“, beginne ich erneut: „Ich heirate oft und…“ Nein, kein guter Anfang. „MAZIKEEN, AUA!“

„Heiratest du meine Mama auch oft?“

WAS LERNEN DIESE BLAGEN EIGENTLICH IN DER SCHULE?!

„Wenn du mich nochmal beißt, suche ich mir einen neuen Dämon!“, warne ich Mazikeen.

„Ein Kakao für die Dame!“ Bram hält Eva einen Kaffeebecher hin: „Vorsicht! Lauwarm!“

„Danke.“ Dann dreht sich Eva wieder zu mir: „Macht der immer so dumme Witze?“

„AUA, MAZE, VERDAMMT!“

Ich nicke Bram zu, dass er uns allein lassen soll. Ich bin inzwischen sicher, dass aus dem kleinen Biest mal eine Diva wird. Wenn ihr nicht jemand Manieren beibringt.

Andererseits… „Deine Mama hat doch bestimmt einen neuen Papa für dich!“ Sagt man das so? Ich weiß nämlich, dass sie wieder verlobt ist.

„Hat sie nicht.“ Das war nicht Eva. Das war Mama. Ihr Kopf war gerade aufgetaucht. Irgendwas musste sie geweckt haben.

„Gut, dass du da bist“, nicke ich: „Deine Tochter meint nämlich, wir hätten heute Mittag geheiratet.“

„ICH HAB’S GENAU GEHÖRT!“, freut sich das kleine vorlaute Biest.

Gabby kommt an Deck geklettert: „Hast du etwa gelauscht?“

Eva schüttelt den Kopf und zeigt auf mich: „Der Captain hat so geschrien.“

Oh crap!

Maze haut mir auf den Rücken.

„Also entweder setzt du dich jetzt wieder anständig hin, oder ich mache dich zum Wassergeist!“ Ist doch wahr!

„Oh, Tammy hat so laut geschriehen?“, grinst Gabby.

Eva nickt strahlend: „Du aber auch!“

„Na toll.“ Gabbys Kommentar war an mich gerichtet. Sie lächelt.

„Was wolltest du eigentlich in meinem Quartier?“, frage ich: „Solltest du nicht an Deck sein?“

„Mir war langweilig.“

„Und deswegen kommst du zu mir?“

Das kleine Ferkel schlürft an ihrer Tasse. Sie hat schon wieder den ganzen Kakao in der Fresse. Noch nicht richtig trinken können, aber von heiraten reden!

„Was hältst du denn davon, wenn Tammy und ich jetzt öfter heiraten?“, fragt Gabby.

ECHT JETZT?!

Eva nickt begeistert.

„Dann sollten wir das wohl tun“, lächelt ihre Mutter.

Eva strahlt über’s ganze Gesicht: „Aber nicht so laut!“

Ich bin im falschen Film…


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Steven-King-Film

Es ist stockfinster. Neumond.

Wir treiben wie eine halbvolle Flasche im Wasser. Mit Sturmfock und Besan halten wir lediglich die Richtung und schleichen weiter nach Westen. Wir hatten gestern beschlossen, das Boot auch noch die Nacht ohne Krängung im Wasser treiben zu lassen, um allen ein wenig Erholung zu gönnen. Zumal es keinen Grund zur Eile gibt, denn wir kommen gut voran und das Wetter bleibt laut Vorhersage stabil.

Mazikeen sitzt neben dem Ruder, Bram, der Koch, schläft unter der Fock an Deck.

Ich habe meinen Kopf auf Mazikeens Schulter gelegt und versuche meiner Gedanken Herr zu werden.

„Du solltest wirklich schlafen gehen, Tam, du kannst nicht jede Nacht durchmachen. Am Tag schläfst du ja auch nicht!“

„Da unten ist es mir zu stickig.“

„Lügnerin!“

„Aber es könnte!“

Ich rutsche ein wenig zur Seite und lege meinen Kopf in ihren Schoß: „Warum bin ich wie ich bin?“

„Woher soll ich das wissen? Ich bin nur ein Dämon.“

Stimmt. Hatte ich vergessen.

Mazikeens feuchte Haut ist pures Salz. Offenbar schwitzen Dämonen auch. Ich lecke ein wenig von ihrem Schweiß von ihren Oberschenkeln.

„Du hast Angst vor Zoe“, stellt sie fest.

„Ich will nicht wieder mit dem Balg am Tisch sitzen müssen, weil es nicht schlafen kann!“

„Du hast Angst vor Zoe“, wiederholt Mazikeen.

„Ausserdem weiß ich nicht wo ich schlafen soll.“

„Wie wäre es mit deinem Bett? Bei Joana?“

„Du weißt, dass Zoe mich rausholen wird!“

„Es kommt der Punkt, da wirst du dich dem stellen müssen…“

„Du bist ein Dämon! Wenn ich schlaue Sprüche will, wende ich mich an die Simpsons!“

Ich greife ihr zwischen die geschlossenen Beine an die nackte Möse. Sie ist platschnass.

„Hey! Finger weg!“ Mazikeen packt meine Hand und verdreht das Gelenk bis es kurz davor ist zu brechen.

„Schon gut, schon gut!“, kapituliere ich. Maze lässt sich nicht anfassen. Sie fasst an. Auch so ein Dämonending. Auch gut, denke ich.

„Fick mich!“, sage ich. Das geht auch.

„Nope.“

Wie bitte???

„Hast du gerade ’nein‘ gesagt?“

„Dein Gehör funktioniert jedenfalls.“

„Seit wann darf ein Dämon widersprechen?“

„Seitdem ein kleines Kind neben uns steht.“

WIE BITTE?

„EVA?!“ Ich springe auf.

„Ich kann nicht schlafen…“ Die kleine Nervensäge reibt sich die Augen und zieht eine Schnute. Sie hält ihren Teddy umklammert.

Im flackernden Licht der Bordlaternen wirkt das irgendwie wie eine Szene aus einem Steven-King-Film. Ich schaue sicherheitshalber zweimal hin. Vielleicht hält sie ja ein langes Messer hinter dem Bär versteckt?

„Wo ist denn deine Mutter?“

„Die schläft.“

Klar, die habe ich ja müde gefickt.

„Kann ich einen Kakao?“

Ich hab’s geahnt…


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Erotische Gedanken

Es ist drei Uhr Ortszeit, als ich das hier schreibe.

In der Nacht.

Ich glaube, dass ich irgendwann schon einmal erwähnt habe, dass ich Zeitzonen hasse! Macht nichts, ich schreibe es nochmal: ICH HASSE ZEITZONEN!

Nachdem ich mich halbtot masturbiert habe, sitze ich im Salon vor meinem zweiten Tee und überlege, was ich jetzt machen soll.

An Deck wollen sie mich nicht sehen. Mazikeen und der neue, der Norweger – Wie hieß der noch gleich, Elias? – hätten alles im Griff, sagt Maze. Ich solle mich um meine Weiber kümmern. So als würde sie selbst nicht dazugehören!

Aber so sieht Maze sich ja nicht. Sie ist Mazikeen, der Dämon im Weiberkörper. Und kein Weib.

Wegen mir.

Ich glaube, Gabby ist jetzt tatsächlich eingeschlafen. Mit ihrer Tochter im Arm.

Die arme Eva. Hat die ganze Zeit den stinkenden Atem ihrer Mutter in der Nase. Ich bin ja versucht, die Kleine aus Gabbys Armen zu befreien, doch wenn die beiden dabei aufwachen, fängt das Balg wieder an zu heulen und die Mutter an zu kotzen. Ne, muss ich nicht haben!

Joana hat sich auf die andere Seite meines Bettes gerollt und umarmt mein großes Kopfkissen. Das wäre ich jetzt gerne. Das Kopfkissen. Aber wenn ich jetzt ins Bett käme, hätte ich sofort meine Finger in Joanas Möse und das Thema Schlafen hätte sich für sie erledigt.

Und Joana ohne ihren Schönheitsschlaf – ich bin nicht sicher, was dann unangenehmer wäre: Joanas Laune oder Gabbys Kotze.

Also bleibe ich wach und mache mir nach dem zweiten Ostfriesentee den ersten Kaffee.

Und schreibe ein wenig an meinem neuen Roman. Irgendwas Erotisches.

Seit Gabby an Bord ist, fällt mir kaum mehr etwas anderes als Sex ein. Da kann sie kotzen wie sie will!

Erotische Gedanken

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Drittes Weib gesucht (Erster Teil von 3/3: Von Diven und Dämonen)

Ja, 3/3 bin ich noch schuldig.

Mir schuldig – oder wem auch immer.

Heiratsgeschichten brauchen in der Regel etwas länger. Was am Hintergrund liegt, den man gerne ins Hochzeitsalbum packt.

Oder daran, dass zum Heiraten im Regelfall mindestens zwei Bräute gehört. Ich stehe nicht gerne einsam und alleine vor dem Altar herum. Und die zweite Braut fehlt mir noch.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich diesen ersten Teil vom dritten Teil (Cool, oder?!) geschrieben habe. Nicht nur, weil mir im Moment die Zeit für eine tiefergehende Geschichte fehlt*, sondern weil der dritte Teil – die Suche nach der Braut – schlicht der schwierigste von den dreien ist.

Ich habe zwei wundervolle Frauen, die – jede auf ihre ganz besondere Art – einzigartig, besonders und sensationell sind.

Zugegeben: Beide sind nicht wirklich Frauen im herkömmlichen Sinn.

Die eine, die Schauspielerin – wer würde es wagen eine solche Diva jemals „nur“ als Frau zu bezeichnen?

Und die andere, Mazikeen, ist tatsächlich keine Frau. Sie ist ein Dämon – oder in politisch korrektem Neudeutsch: eine Dämonin – und hat deshalb so viel mit einer Frau gemeinsam, wie ich mit einer Nonne.

Arsch, Fotze, Titten – das war’s.

Uh, ich höre sie schon wieder, die erhobenen Zeigefinger**: Wie kann man sich nur selbst auf die Geschlechtsorgane reduzieren?

Also erstens ist der Arsch kein Geschlechtsorgan – er funktioniert aber sexuell mindestens so gut wie die Möse und zweitens ist das ja wohl meine Sache, oder?

Mit Hirn habe ich es nämlich nicht so. Mich stört das meistens. Wenn ich denke, muss ich nämlich schreiben und dabei kann ich nicht ficken. (Oder jedenfalls nicht so viel.) Dumme Sache.

Aber irgendwie schweife ich gerade vom Thema ab.

Welches dritte Weib suche ich denn nun eigentlich? Oder wie sollte es sein, das dritte Weib?

Stellen wir also fest: Da ist die Diva, da ist die Dämonin und da bin ich.

Okay, ich muss aufhören Joana „Diva“ zu nennen. Das ist nicht nett. Eine Diva ist sie wirklich nur manchmal. Ansonsten ist sie der liebste Mensch, den man sich vorstellen kann and I love her to bits. Actually habe ich noch nie jemanden so geliebt und ich fürchte, ich werde auch niemals mehr einen anderen Menschen so lieben können. Joana ist alles was ich jemals wollte und alles was ich jemals wollen werde. Joana ist die Personifikation des Lieben, des Guten, des Schönen. Sie ist meine Aphrodite.

Ausserdem ist sie ein verdammtes Miststück.

Aber das ist okay so, denn das bin ich ja auch.

Mazikeen läuft außer Konkurrenz. Sie ist ja schließlich keine Frau sondern ein Dämon (jaja… Dämonin…). Von daher muß ich sie ja nicht wirklich lieben, es reicht ja, wenn sie für mich da ist. Und Dämonen sind das lebenslang. Was praktisch ist, denn sie sind unsterblich. Zumindest behaupten sie das. Dämonen sagen, sie besäßen keine Seelen und wären lediglich bestimmungsfixiert. Oder sowas. Ich habe das noch nie richtig verstanden.

Ist ja auch egal. Hauptsache man kann sie ficken und sie machen was man will.

Auf dem Gebiet macht Mazikeen ihren Job wirklich gut, das muss ich zugeben. Eigentlich macht sie ihren gesamten Job ziemlich gut.

Ich finde, jede Frau sollte eine Dämonin*** besitzen!

Da wäre dann noch das ewige Thema mit dem Alter.

Joana ist ja nun um Einiges älter als ich. Nicht nur botoxälter, sondern definitiv schon liftingälter als ich. Wobei sie beides verabscheut und beides nicht macht. Was ihr niemand glaubt, weil sie locker 15 Jahre jünger aussieht als sie ist und nach wie vor zu den schönsten Frauen der Welt zählt.

Die Leute, die wissen, dass sie diese ganze Spritzerei und Schnippelei hasst und niemals tun würde, schütteln da nur den Kopf. Es sind der Neid und die Missgunst der Menschen, die den Eindruck erwecken, dass nicht sein kann was nicht sein darf.

Und Mazikeen? Dämonen ( … innen … Ach, fuck it!) haben kein Alter. Keine Seele, kein Alter, kein Botox. Sie sind ein bisschen derb, aber das kommt vom jahrtausendelangen Prügeln. Da wundert man sich aber doch, wie sie es schaffen, trotzdem so eine babyweiche Haut zu besitzen…

Wie auch immer…

Kommen wir zur Sache. Weib Nummer drei: Warum will ich eins?

Mein Hauptproblem ist eigentlich Joana.

Denn Joana ist nicht nur viel zu oft – für meinen Geschmack – in Sachen Arbeit unterwegs, sondern hat auch noch die unangenehme Eigenschaft, dass sie zwischendurch Männer ficken muss.

Ich meine – ich verstehe es ja: Wenn der Körper nach lebendigem Penis mit Eiern und Sauce schreit, dann muss man dem Ruf eben auch manchmal folgen.

Ich hätte ja auch prinzipiell nichts dagegen, wenn sie nicht vor der Welt behaupten würde, sie sei hetero und ich nur eine Freundin. Und sie, zu allem Überfluss, zwischendurch auch noch auf die Idee kommt, irgendwelche Penisse zu heiraten. (Mit meinem Segen übrigens. Sie gehört mir ja nicht.)

Trotzdem finde ich es manchmal schon ein wenig befremdlich, zumal ich es war, die die Reste von ihr, nach ihrer vorletzten Ehe, jahrelang vom Boden aufwischen musste. (Die letzte Scheidung war nicht so schlimm. Der Typ war einfach nur ein Trottel, das musste sogar sie selbst zugeben.) Wobei ich mich frage, warum diese Hollywoodstars immer gleich heiraten müssen. Würde exzessives Dauerficken nicht auch reichen?

So oder so: Diese Penis- und Arbeitsfixiertheit qualifiziert Joana natürlich als reguläres Beziehungsmaterial ein wenig ab. Als Lover: geil; als Ehefrau: nicht so sehr.

Und Dämonen sind bei dem Thema sowieso raus.

Also muss was zum Heiraten her!

Und davon schreibe ich jetzt tatsächlich, großes Tammy-Ehrenwort im zweiten Teil von Teil 3/3.

Wenn jemand noch versteht was ich meine.

Weib Nummer Drei: Warum will ich eins?

*Um den Spöttern gleich zuvorzukommen: Ja, ja… Was ist bei mir schon tiefergehend…?

**Ich nenne Menschen, die anderen versuchen ihre Moral aufzuzwingen gerne „die erhobenen Zeigefinger“. Übrigens sind diese Finger auch sehr oft nass und schleimig… (Aber nur heimlich.)

*** Irgendwann lerne ich diese geschlechterorientierte Sprachverunglimpfung doch noch. Was tut man nicht alles um politisch korrekt zu erscheinen.


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Ein weiteres Weib

Äh, nein, kein COVID-19.

Keine Chance, dass der sich aufs Boot hätte schleichen können. Es sei denn, eine Möwe hätte ihn aufs Deck geschissen.

Aber da wir uns die Vogelkacke nicht ins Gesicht schmieren sondern ins Meer kehren, bekommen davon eher die Fische eine Lungenentzündung. Wenn sie denn sowas überhaupt haben. Eine Lunge.

Ausserdem sagte ich doch BAKTERIELL, nicht viral! Oder etwa nicht?

Oder warum nimmt Joana wohl Antibiotika…?

Okay, soweit die Medizinvorlesung.

Wenden wir uns wieder dem weitaus wichtigeren Thema, nämlich meinem Sexleben zu.

„Sorry, Baby. Alles was ich dir bieten kann, ist Befriedigung. Aber das kannst du ja eigentlich auch selbst…“

Was antwortet man auf sowas?

Aber seit wann bin ich um Antworten verlegen? Um ehrliche?

„Immerhin kannst du mir Mazikeen-Befriedigung bieten“, grinse ich.

„Du darfst ruhig ‚auch schon was‚ anhängen. Wir wissen beide, dass du das denkst.“

Manchmal vergesse ich, dass Dämonen solche Dinge wissen. Und akzeptieren. Seltsame Wesen, diese Dämonen.

„Auch schon was“, sage ich.

Mazikeen grinst.

„Tut es dir eigentlich nicht weh, immer nur die Nummer 2 zu sein?“ Ich frage das zum hundertsten Mal, glaube ich.

„Besser als Nummer 3.“ Sie meint das ernst, auch das wissen wir beide.

„Glaub mir: Noch ein Weib mehr und ich ertränke mich.“

„Ich bin kein Weib, ich bin ein Dämon“, sagt Mazikeen.

„Ich vergaß.“

Wo also bekomme ich jetzt ein weiteres Weib her?

Nummer 3 gesucht

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Gelber Schleim

Wie oft kann eine Frau nur krank sein?

Ich meine, hallo? Erst war es ein Virus und jetzt bakteriell? Also rein mit den Antibiotika!

Oh ja, die sind nötig, sonst wird gestorben. Ehrlich!

Ich überlebe das hier nicht!

Wie gut, dass wir das Zeug an Bord haben. Joana hat das öfter und laut ihrem Arzt sind es genau die richtigen um sie vor einer Lungenentzündung zu bewahren.

Und ich liege wieder neben einer Frau, die dieses Mal gelben Schleim aus der Nase absondert und mache es mir selbst.

Ken fängt auch schon an zu husten. Ist der einzige an Bord, der weder eine Dämonin ist, noch ich und damit bis heute Abend den Scheiß auch hat.

WIE GEHT SOWAS MITTEN IN DER KARIBIK?

Immerhin konnten sie gestern shoppen gehen und das Boot stinkt jetzt nach Parfümerie statt nach Krankenhaus.

Auch schon was.

Quarantäneboot

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Meine persönliche Dämonin

Maze hat mir schon immer gesagt, dass sie kein Mensch, sondern eine Dämonin wäre.

Schon damals, als sie noch Chris hieß. Chris würde sie sich nur ironischerweise nennen, hatte sie todernst erklärt.

Klar, eine Dämonin namens Chris. Warum nicht Jesus Christus „Satanas“ nennen? Macht Sinn. (Ich entschuldige mich hiermit bei allen Atheisten, doch ich trage nun einmal ein Kreuz um den Hals. Richtig herum.)

Eine Dämonin also. Künstlername Chris. Ihren Dämonennamen wollte sie mir partout nicht verraten. „Wenn du anfängst zu verstehen“, hat sie immer gesagt.

Offenbar hatte ich ungefähr fünfzehn Jahre nichts kapiert.

Im sechzehnten hat es dann „klick“ gemacht. Nehme ich an.

Vielleicht lag es daran, dass ich gefragt hatte: „Dich werde ich nie los, oder?“

„Ich bin dein persönlicher Dämon.“

„Könnte hinkommen. Egal was ich anstelle, egal wie oft ich mit dir Schluß mache…“

„Gib’s auf. Du wirst mich nicht los. Persönliche Dämonen sind…“

„…immer da. Ich weiß.“

Was stimmte. Sie war da. Immer. Im Hintergrund. Und wenn ich nur meine Sachen bei ihr lagern durfte. Oder wenn ich auf ihre Insel – ja, sie wohnt auf Orcas Island – geflogen kam um mich an ihrer Schulter auszuheulen. Oder wenn ich sie anrief, wenn meine Krankheit mich besonders schlimm heimsuchte. Dann nahm sie die nächste Maschine und hielt meine Hand.

Und dann schickte ich sie zurück auf die Insel in ihr Haus, dorthin wo viele meiner Habseligkeiten lagerten, weil ich nach meinem Studium nie ein anderes, wirkliches Zuhause gehabt hatte. Als Pilotin – oder auch Flugverrückte – hielt ich selten Ruhezeiten wirklich ein und lebte lange Zeit mehr in Hotels als in Apartments.

Chris hingegen war immer da. Immer am selben Ort. Das war quasi ein Naturgesetz.

Naturgesetz?

„Chris?“

„Ja?“

„Warum tust du das alles für mich?“

„Weil ich dich liebe.“

Ich weiß gar nicht, wie oft wir dieses Thema hatten und meist waren die Frage und die Antwort die gleichen: „Warum…?“ „Weil…“

Und manchmal konnte ich es dann nicht lassen ein wenig zu sticheln: „Wieso wohl sollte eine Dämonin eine Christin lieben? Wir sollten wie Feuer und Wasser sein!“

Ihre Antwort kam brottrocken und mit einem Schulterzucken: „Ich habe einfach Pech gehabt.“

Wie Feuer und Wasser

Folgt meinem Blog auf

www.tammysdiary.blog


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