Von Skorbut und Golddublonen

Jetzt hatte ich wirklich genug.

Maze lag mir damit sowieso schon die ganze Zeit in den Ohren: Wir haben den Kurs gewechselt. Fast komplett nach Süden jetzt: Trinidad wir kommen!

Denn was uns da vor Bermuda erwartet, ist nicht mehr witzig. Das – vereint mit anderem Wetter, das von Grönland herunterkommt – wird der nächste Sturm, der die britischen Inseln heimsuchen wird.

Da hineinzugeraten – dazu habe ich wirklich keine Lust.

In ein paar Tagen wird Joana anfangen herumzunölen, wann wir denn endlich da sind, und ich werde ihr antworten, dass ich ihr doch bereits gesagt habe, dass wir die Orientierung verloren haben.

Und wenn sie mich verstört anschauen wird, werde ich Maze etwas in die Hand drücken und sagen: „Hier, nagele diese Golddublone ganz oben an den Mast. Dann mach bitte an Bord bekannt, dass sie für denjenigen ist, der als erster ‚Land in Sicht‘ ruft.“

Und dann drehe ich mich versöhnlich zu Joana um und flüstere verschwörerisch: „Aber bis dahin sind wir sowieso alle an Skorbut gestorben. Also keine Chance das Gold zu verlieren.“


Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

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Erkältung

Natürlich haben wir unseren Westkurs erst einmal beibehalten.

Joana hat mich mit ihrem Gejammere weichgeklopft. Sowas schaffen auch nur Weiber. Oder wir nehmen nur auf Weiber in dieser Weise Rücksicht. Oder Männer jammern immer und es fällt deswegen gar nicht mehr auf.

Wie dem auch sei…

Auf jeden Fall ist es mitten in der Nacht, der Kurs hat uns mitten in eine ganze ordentliche Brise geweht und wir machen fast 10 Knoten Fahrt. Was Joana zum einen entgegenkommt, zum anderen aber allen den Schlaf raubt. Allerdings ihr auch die Nerven.

Außerdem hat sie sich erkältet und kommt deswegen nicht an Deck. Was ihrer Laune auch nicht gerade entgegenkommt. Würde es bei niemandem. Da unten ist es zwar recht großzügig aber auf Dauer trotzdem zu eng. Vor allem bei der Fahrt, die wir machen. Ich bin so oft es geht unten, doch momentan muss ich eben meistens arbeiten, weil ich mich um ihre Steuern, bzw. ihre verdammten Anwälte, kümmern muss.

Mazikeen umd Ken machen darüber die ganze Zeit dumme Witze.

Nochmal anyway…


Gestern hatten wir einen kleinen Vorfall mit unserer Wiederaufbereitungsanlage. Mazikeen hat mich ständig gebraucht, weswegen ich – außer zur täglichen Schlacht mit dem amerikanischen Finanzamt zu nichts anderem gekommen bin.

Und Sex mit Joana ist auch nicht drin. Echt toll momentan!

Erkältet ist auch krank

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Ingwer-Einlauf

Ob Joana auf der nächsten Etappe dabei sein wird, steht noch in den Sternen.

Das hängt von ihrem Ex ab, dem sie an diesem Wochenende zwangsläufig begegnen wird. Sollten sie sich entscheiden sich auszuquatschen oder – bewahre – mehr, dann bin ich erst einmal abgemeldet.

Das ist per se kein so großes Problem, nur besteht bei diesem Arsch immer das Risiko, dass Joana rückfällig wird, was dann für mich bedeutet, dass ich sie weniger sehen und die Geheimniskrämerei noch größer werden würde!

Und schon gar nicht würde sie ausgedehnte Reisen mit mir unternehmen. Grrrr…

Wie auch immer, ich muss das abwarten, ändern kann ich es ohnehin nicht und sie muss das tun, von dem sie glaubt, dass es für sie das richtige ist. (Auch wenn es KOMPLETTER SCHWACHSINN ist!)

Weil er ein Riesenarschloch ist!

Worauf ich jetzt nicht näher eingehen möchte.

Ingwer-Einlauf

Eigentlich bin ich sicher, dass ich sie erst in Bermuda oder auf den Bahamas treffen werde. Irgendwas kocht doch da!

Ich werde sie nachher mal anrufen.

Und ihr sagen, dass ich ihr einen Ingwer-Einlauf verpassen werde, sollte sie sich mit diesem Wichser treffen. Und zwar vorne und hinten gleichzeitig!


Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

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Gleich geht’s los

Schmitz‘ Katze liegt bereits im Solent.

Sobald es hell wird geht es los. Meine erste richtige Atlantik-Überquerung. Zumindest auf dem Wasser.

Ganz ehrlich: Ich bin tierisch nervös weil es für so etwas die falscheste Jahreszeit ist: Nur Westwinde und ein Sturm nach dem anderen. Für die kommenden Tage sieht es allerdings ganz gut aus.

Wir segeln weit südlich über die Azoren um die Wetterküche im Norden zu umfahren. Ist ein Umweg, aber kaum anders zu machen um diese Jahreszeit.

3.900 Meilen oder 7.300 Kilometer bis zu unserem Ziel Spanish Wells auf den Bahamas: Wir rechnen mit etwa 2-3 Wochen, je nach Wind und Aufenthaltsdauer auf den Azoren und Bermuda. Im Sommer würde das deutlich schneller gehen.

Mit der Anny X würden wir für die Strecke vermutlich 4-5 Wochen einplanen. Schmitz‘ Katze ist wirklich ein Biest!

Als ich ihr gesagt habe wie das Boot heißen wird, hat sie mir gesagt, das wäre ein Name für ein deutsches Kriegsschiff aber nicht für ein Segelboot! Ich habe fast auf dem Boden gelegen vor Lachen!

Das Lustige: Keine von den Amis kann das aussprechen! 😂 Mazikeen hat das einfach für sich auf Speedy Cat geändert. Trifft es zwar nicht ganz aber – was soll’s… Dabei klingt das so lustig, wenn sie sich an Schmitz‘ Katze probiert… 😂😂😇

Mit etwas Glück kommt Joana entweder auf den Azoren oder auf Bermuda an Bord.

Gesundheitlich geht es mir ziemlich scheiße gerade. Ich habe kaum geschlafen, weil die Tabletten im Moment schlecht wirken. Ich bin völlig zugedröhnt und trotzdem macht sich der Nerv zwischendurch mit Stromschlägen bemerkbar. Sogar ungetriggert, was vollkommen ungewöhnlich ist.

Vielleicht liegt es daran, dass wir gestern Abend das neue Boot mit Tequila gefeiert haben. Aber auch das wäre neu. Bisher hatte sich der Trigeminus noch nicht über Alkohol beschwert…

Vielleicht waren es aber auch die Briefe der IRS, die mir von der Steuerkanzlei gemailt worden sind. So ein Scheiß verursacht immer Megastreß. Angeblich reagiert der Nerv ganz gewaltig darauf. Ich habe mich aber auch gewaltig aufgeregt…

Na gut…

Aufgrund der Tabletten kann ich das Boot nicht aus dem Solent fahren und auch nicht an Deck bleiben, weil mein Gleichgewicht nicht so gut ist (erfreulicherweise ist der Wind noch nicht so stark, dass wir alle an Deck müssen). Das ist wirklich ärgerlich.

Der Solent

Wir haben mit der Frau vom Verkäufer und zwei anderen, angeheuerten Seglerinnen eine kleine All-Female-Crew. Zwei oder drei Wochen werden es die Hühner ja wohl miteinander aushalten… Aber Maze hat es nicht so gerne, wenn Schwänze an Bord herumhängen, wie sie das ausdrückt. Sie tut sich ja schon bei meinem Freund Ken schwer (der übrigens jetzt die Anny X in die Nähe von Miami in eine kleine Marina segelt, wo sie zum Verkauf überholt wird. Auch er fliegt dann auf die Azoren oder Bermuda, je nachdem wie lange er dort noch gebraucht wird. Die Crew der Anny X wird aufgelöst, Schmitz‘ Katze kann mit deutlich weniger Leute unterwegs sein. In der Regel werden das nur Ken, Mazikeen und ich sein. Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Jetzt, bei dieser ersten Fahrt und ohne den erfahrenen Ken wollen wir auf Nummer Sicher gehen.

Gerade machen meine Augen mal wieder nicht richtig mit. Alles verschwimmt. Das machen die Tabletten.

Das nervt so unglaublich. Vor allem wenn es dann auch noch nicht mal komplett hilft. Egal.

Aber was ich immer noch kann ist… Ja, genau.

Ich schreibe nachher weiter.

Sind sie oder sind sie nicht?

Ich habe immer noch nicht herausgefunden ob Tine und Harakiri etwas miteinander haben! Tatsache ist und bleibt, dass sie ständig zusammenhängen.

Aber das haben Joana und ich ja schließlich auch, als wir „nur“ beste Freundinnen waren. Das will also nichts heißen. Ich brauche Beweise.

Und ich habe, ehrlich gesagt, noch keine Ahnung woher ich welche bekommen soll.

Ich könnte mich zu ihrer Kajüte schleichen, doch irgendwie widerstrebt mir das. Ausserdem gibt es dort nur einen Vorhang und zudem ist es genau gegenüber der Kajüte von Cornelia und Andrew, die wiederum auch nur einen Vorgang hat. Ziemlich gefährlich also.

Und unsere beiden Matrosen zu fragen – kommt auch irgendwie nicht gut für einen Captain.

Ken und Chris sagen beide das Gleiche, wenn ich sie frage: „Welche willst du anbaggern?“

Als ob ich es nötig hätte, eine Frau anzugraben!

Ich bin lediglich neugierig. Das ist ja wohl legitim, oder?

„Stellt euch vor, wir gehen unter und wir wissen es nicht!“

Beide verdrehen die Augen: „Und dann?“

„Äh… Ist eigentlich noch Kaffee da?“

Trotzdem will ich diese verdammten japanischen Lippen mit dem Eisenlager küssen! Das macht mich ganz kirre. Nein, eigentlich macht es mich nass. Jedes Mal wenn ich darüber nachdenke. Und manchmal reicht es, wenn ich nur auf ihren verdammten Mund schaue und an nichts Böses denke!

Und wenn ich dann schonmal weiß, dase sie lesbisch ist…

Chris meint, ich solle mich nicht so anstellen. Ich würde mich doch sonst nicht daran stören ob eine homo, hetero oder sonstwas wäre.

Jaja, stimmt schon. Ausserdem will ich sie ja auch nur küssen. Glaube ich.

„Aber die Taktiken sind andere, verstehst du?“, erkläre ich.

Chris verdreht schon wieder die Augen und Ken meint nur: „Weiber! Gott, was bin ich froh, dass ich schwul bin.“

Ja, manchmal wünsche ich mir das auch.

Pain

Schlechter Tag bisher. Ganz schlecht.

Schmerzen. Viele Tabletten. Sowas macht mich immer fertig. Gegen Depressionen hilft es an Deck zu gehen und dumme Witze zu machen. Und anderen zu zeigen, was sie für einen Mist machen.

Bis Chris mir sagt, dass ich mich gefälligst zusammenreißen soll. Das hilft dann auch.

Windig. Sonst okay. Wir kommen gut voran, ich will ins Warme.

Nein, wirklich. Schlimm. Es wäre fast zu einem Anfall gekommen. Dreimal hintereinander anfallsartige Schmerzen, aber immer nur für je eine Sekunde. Ist auszuhalten. Das Schlimmste daran ist die Angst, nein, Panik, dass es jetzt gleich richtig losgeht.

‚One of the most excruciating and horrible pains known to mankind‘, steht im Flyer der Selbsthilfegruppe (zu der ich nie gegangen bin, doch sie bombardieren mich mit dem Zeug).

Ist aber gerade nochmal gutgegangen. Und alles nur, weil ich die 6 Uhr Tabletten (UTC) eineinhalb Stunden zu spät genommen habe.

Extra Tabletten (massenweise). Yuck!

Jetzt muss ich wieder 3 Tage lang auf jedes winzige Anzeichen achten und mir die Vorwürfe von Chris anhören.

Grrrrrrr!

Wie auch immer…

Stört irgendwen mein Gejammer? Ist mein Tagebuch, ihr erinnert euch?

Ich wollte Joana wäre hier. Zugegeben: Chris ist diejenige die dann an nichts anderes als an mich denkt.

Was gibt es Schöneres?

Dance With The Devil

In sechs Tagen sollten wir dann in deutlich wärmeren Gefilden sein. Darauf freue ich mich wirklich.

Ich wundere mich immer wieder, warum Menschen freiwillig in kälteren Gegenden wohnen.

Obwohl – habe ich in Orcas ja auch. Vielleicht ist es die Liebe zu Jahreszeiten? Oder weil wir glauben, dass wir keine andere Wahl hätten?

Natürlich haben wir eine andere Wahl. Jeder hat eine andere Wahl. Spätestens nach der Ausbildung hat jeder die Wahl. Die Menschen sind nur zu feige oder zu faul Risiken einzugehen. Oder es gefällt ihnen da wo sie sind. Dann sollten sie sich aber auch nicht beschweren.

Wie komme ich denn jetzt eigentlich darauf?

Egal.

Auf jeden Fall will ich ins Warme. Erst einmal. Florida, Karibik, Golf von Mexiko, Mittelamerika, Südamerikas. Für’s erste.

Chris ist oben und hat alles im Griff. Ich kann aber auch nicht schlafen. Nicht mehr, jedenfalls.

Hat alles im Griff… Wie sexy…

Ich habe von der Nacht mit Joana und ihr geträumt. So echt träumen? Gibt’s das? Es war fast so, als hätte ich es nochmal erlebt, nur etwas verrückter. Ich glaube, in meinem Traum war Joana wirklich lesbisch. Mit Haut und Haaren. Obwohl da auch noch ein Typ aufgetaucht ist. Keine Ahnung was der für eine Rolle gespielt hat.

Träume…

Chris erinnert mich in Auftreten (und sogar ein wenig im Aussehen und ganz bestimmt in ihrer Klamottenwahl) an diesen Dämon Mazikeen in Lucifer. Vermutlich haben sie die Figur nach ihr modeliert.

Wenn Chris Mazikeen ist, wer ist dann Lucifer?

Auf jeden Fall ist sie schon gewaltig sexy. Ich überlege, ob ich sie künftig Maze nennen soll. Chris hat gegenüber Joana allerdings den großen Nachteil, dass sie nicht mein Jugendschwarm und weltberühmt ist. Da kommt mein verrückter Faible für Stars wieder durch. Das ist, als wenn man pizzaverrückt ist, und bekommt jetzt gesagt: in Zukunft nur noch Spaghetti Bolognese. Oder so.

Ich bin unmöglich, ich weiß.

Go fuck yourself!

Nachsatz: Auf die Spaghetti will ich nun auch nicht verzichten…

Ich muss jedoch auch sagen, dass Joana wirklich megageil, megasexy, megasüß, megalieb und überhaupt mega ist.

Nur leider eben nicht so 100 Prozent lesbisch. Eher gar nicht. Wir machen nur rum, weil sie weiß, dass ich es brauche. Schon ein bisschen armselig. Von mir. Eigentlich müsste ich ja sagen „lass mal“ und müsste mich mit ihr als allerbester Freundin der Welt zufrieden geben. Andererseits – es ist nunmal Joana. Es sind ihre Titten. Es ist ihre Möse. Und sie zu küssen ist der Himmel auf Erde.

Bei Maze – äh, Chris – ist es eher die Hölle. In a good way.

Ich schreibe Unsinn, heute Nacht.

Muss die Vorfreude auf das schöne Wetter sein.

Weil ich dich liebe

Nachdem wir heute Nacht zu dritt in meiner Kabine geschlafen haben, kam das Thema auf, ob wir nicht einfach mal zu dritt Urlaub machen sollten. Oder gar eine Bootsreise einfach nur zu dritt unternehmen sollten. Vielleicht auf einer kleinen 30ft-Yacht.

Interessanter Gedanke. Aber während der Award-Season natürlich völlig ausgeschlossen.

Irgendwie entwickelt sich das hier gerade zu einer ménage à trois. So war das eigentlich überhaupt nicht gedacht. Immerhin war von Sex zwischen Joana und Chris bislang noch nichts zu sehen. Was aber vermutlich lediglich an Joanas Desinteresse an jeglicher Form von Sex liegt, bei dem kein Penis involviert ist. Insofern kann ich mich wohl nicht nur „von“ sondern gleich „von und zu“ schreiben.

Aber immerhin hat sie keine Berührungsängste. Chris und sie haben heute Morgen beim Aufwachen schon ziemlich kreuz und quer über- und untereinander gelegen.

„Warum geht dir eigentlich jede Form von Eifersucht ab?“, wollte Chris vorhin zum vermutlich 500ten Mal wissen.

„Weil es mir reicht, dass jemand Dinge mit mir machen möchte und es mir nichts nimmt, wenn er die Dinge auch mit anderen machen möchte“, antworte ich zum 500ten Mal.

„Und die Exklusivität?“, fragt sie zum 500ten Mal.

„Sehe ich so naiv aus, dass ich an das Thema ‚ewige Exklusivität‘ glaube?“ Natürlich auch zum 500ten Mal.

Und dann wollte Chris wissen, was das mit ihr und mir sei. Wieso sie so ewig auf mich gewartet hätte und ich, trotz Joana, wieder so eng mit ihr zusammen sei.

„Weil ich dich liebe“, habe ich geantwortet und sie hat angefangen zu weinen.

Süchtig

Wir bringen unsere beiden Mikroskop-Akrobatinnen nicht an den Wunschort.

Das war schließlich auch nicht unsere Vereinbarung. Wir machen auf dem Weg nach Westen einen kurzen Stopp am anderen Ende der Bermuda Inseln für sie.

Nachdem wir Joana mit der Anny X am Flugplatz abgeliefert haben, geht es direkt los, da das Wetter für die geplante Route absolut perfekt aussieht, das will ich ausnutzen.

Ausserdem geht mir das Wetter hier auf den Keks. Ich will endlich ins richtig Warme und meine Klamotten loswerden.

5-6 Tage sollte es bis Florida dauern. Das sollte reichen um Joana nochmal für einen Tag zwischen diesen Scheiß-Awards sehen zu können. Wobei ich ihr ständig in den Ohren liege, dass sie ENDLICH aufhören soll mit der Arbeiterei. Dann könnte sie auch endlich aufhören zu fliegen. Immerhin hat sie versprochen so oft es geht einen Linienflieger zu benutzen. Wir werden sehen…

Wobei ich irgendwie nicht daran glaube, dass sie jemals aufhören wird. Noch nicht einmal kürzer treten traue ich ihr zu!

Dieses movie business scheint wie eine Sucht zu sein.

Nun, über Sucht darf ich mich natürlich nicht auslassen. Ich selbst würde fliegen, bis meine Knochen nicht mehr zusammenhalten würden. Und würde meine Gesundheit es mir nicht verbieten, wäre ich vermutlich jetzt gerade 30.000 ft über der Erde. Das Segeln ist nichts weiter als das Methadon für meine Flugsucht.

Insofern muss ich Joanas Arbeitssucht wohl verstehen und ihre ständigen Besuche und vor allem das Unterbrechen der Drehs wegen mir, ihr ganz besonders hoch anrechnen. Und das tue ich. Vor einem Jahr hat sie sogar eine weitere Doppelgängerin engagiert um die Paparazzi abzulenken, wenn sie mich treffen will.

Was jedoch alles das beleidigende Gefühl nicht vertreibt, dass sie nicht öffentlich zu uns steht. Andererseits – wie würden es ihre Fans aufnehmen, wenn sie jemals wieder einen Typen heiraten würde und wir nebenbei ganz offen ein Verhältnis hätten (oder nicht offen, aber es herauskäme, weil die Paparazzi mich inzwischen kannten)…?

Vor diesem Hintergrund kann ich es schon ein wenig verstehen. Aber nur ein wenig.

Ankerkette

Die Neuen habe ziemlich große Augen gemacht, als Joana gestern an Bord gekommen ist.

Noch viel größer wurden sie, als Joana sich heute Morgen mit uns nackt an den Frühstückstisch gesetzt hat.

Unnötig zu sagen, dass ihre Münder offenstanden, als ich verkündete, dass ich jeden einzelnen an der Ankerkette im Meer versenken würde, der es wagte, ihre Titten – oder sie überhaupt – zu fotografieren und ihnen von verschiedenen Seiten bestätigt wurde, dass meine Aussage NICHT bildlich zu verstehen war.

Quote

Wir sind sieben Crew an Bord, mit Joana acht – nur zwei davon sind Männer.

Das nenne ich mal Quote.

Und wenn man bedenkt, dass von den Männern einer schwul ist und von den Frauen zwei lesbisch und vermutlich eine bis drei bi sind, dann ist unser Boot das reinste Regenbogenschiff.

Bei uns Weibern ist das nicht so genau zu sagen: Bei Joana bin ich mir nicht so sicher ob sie nicht vielleicht doch meine beste Freundin mit Benefiz (für mich) ist und bei den beiden Biologinnen ist es nur ein sehr starker Anfangsverdacht. Basierend jedoch auf ziemlich eindeutigen Indizien und auf dem ständigen Gepiepse meines Gaydars. Ich werde das noch genauer herausfinden.

Sollte sich das jedoch alles bewahrheiten, wären von derzeit acht Leuten an Bord lediglich zwei hetero.

Auch das nenne ich mal Quote!

Ich wäre gerne du

Ich finde es immer wieder herrlich, beim Dinner im Restaurant einer Frau gegenüber zu sitzen, die einen riesigen Strohut mit breiter Krempe und eine pechschwarze Sonnenbrille trägt.

„Ich wäre gerne du“, sagt Joana.

„Wärst du nicht, glaube mir“, entgegne ich: „Und im Übrigen hat jeder sein eigenes Kreuz zu tragen.“

„Ja, ich zum Beispiel dieses verkochte Gemüse hier“, schüttelt Joana den Kopf, knallt ihr Besteck auf den Teller und schiebt ihn von sich.

„Ich liebe dich“, sage ich.

„Das macht das vergammelte Gemüse auch nicht wieder lebendig“, antwortet sie.

Wie ich diese Frau liebe!

Warum habe ich eigentlich ständig Sex?

Eine Nacht. Wir haben eine Nacht zusammen.

Joana kommt aus London und fliegt direkt morgen Früh weiter nach LA.

Award season. Sie ist stinksauer, weil sie keine weitere Nominierung hat (wobei mir sowieso nicht so ganz klar ist, für was eigentlich).

Und die Oskars sind noch nicht bekanntgegeben. Egal. Ihre Sache. Sie stellt sich jedes Jahr so an.

Für eine Nacht muss ich ihr wenigstens nichts übersetzen. Von meinem neuen Roman, meine ich.

Sie will dann nach Miami oder Palm Beach kommen. Ausserdem für ein oder zwei Wochen in die Karibik. Klingt gut. Und sie hat dann noch eine Überraschung für mich. Wird aber noch nicht verraten. Sowas kann ich leiden wie Bauchweh.

Whatever…

Wir machen jetzt einen Einkaufsbummel durch Hamilton. Irgendwie cool.

Sie freut sich auf Chris, sagt sie. Ich freue mich auf Joana. Verkehrte Welt, irgendwie.

Warum habe ich eigentlich ständig Sex?

Die wichtigste Person – ever!

Problem gelöst.

Joana kommt! Yeah!!!

Sie hat gerade geschrieben, dass sie in zwei Stunden landet. Typisch! Frau muss ja nicht ein wenig vorher Bescheid geben, neeeeiiiin…

Oder wenigstens von unterwegs mal schnell eine Message schicken…

Sie ist ja die wichtigste Person ever und… Grrrrr…!

Gut, ich lasse alles stehen und liegen und setze mich ins Beiboot um sie vom Flugplatz abzuholen.

Das Rennboot bleibt ganz alleine für Chris. Ist mir sowieso lieber. Ich habe es auf dem Wasser lieber gemütlich. Es mag ja sein, dass so ein Formel-1-Segler Bermuda – Palm Beach in 2 Tagen schafft, doch damit klaut das Ding mir doch nur 4 Segeltage. Und es mag ja sein, dass so ein Teil spannend aussieht und soviel wie eine ganze Herde Lamborghinis kostet, doch dafür ist so ein Rennsegler auch genauso bequem.

Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass ich 48 Stunden ohne Unterbrechung bei Höchstgeschwindigkeit in einem Supersportwagen eingezwängt sitzen soll, dann bevorzuge ich doch 6 bequeme Tage auf meinem Zweimaster.

Mit Joana vielleicht?

Sie macht Dinge, die mich wach werden lassen

Sie wirft mich tatsächlich MORGENS um VIER aus meinem eigenen Bett!

Na ja, sie „wirft“ mich nicht wirklich; sie macht Dinge mit mir, die mich wach werden lasse. Aber trotzdem…

VIER!

Und warum? Sie wird mir die Freundschaft – oder zumindest die Finger – kündigen, wenn wir nicht vor Morgengrauen auf der anderen Seite der Insel und an Bord dieser Rennmaschine sind!

Ich wäge ab: in Zukunft kein Sex mehr mit Chris oder aufstehen?

FUCK!

Jetzt oder nie?

Chris möchte morgen unbedingt mit mir auf diese Rennyacht.

Alles was ich will, ist in diesem Städtchen rumgammeln, mich vollfressen und faulenzen. Ist so eine Pause zuviel verlangt? Werde ich alt?

Jetzt oder nie, sagt sie, weil dieses Boot in den kommenden Tagen in die Karibik ausläuft (aber ganz bestimmt nicht mit mir als Captain).

ICH WILL DOCH NICHTS ANDERES ALS EINFACH MAL MEINE RUHE, VERDAMMT!

Unter meiner Decke

Seitdem ich mit Joana zusammen bin, habe ich mehr Sex mit Chris denn je!

Ich muss wirklich aufpassen, dass ich noch Zeit für andere Dinge finde.

Okay, ist natürlich Unsinn: Chris ist mehr mit Werkzeug in der Hand anzutreffen als dass sie sich bei mir unter der Decke herumtreiben würde. Wobei… Das erinnert mich an etwas…

Ich muss jedoch auch zugeben, dass ich weder Chris noch Joana missen möchte.

Und apropos Joana: Sie hat sich immer noch nicht gemeldet. Langsam fange ich an mir Sorgen zu machen. Wenn sie sich bis morgen früh nicht gemeldet hat, werde ich mal ihr Personal ausquetschen.

Mittagsschlaf

Bermuda klingt nach Sommer, Sonne, Strand und Meer.

Forget it.

Bedeckter Himmel. 20 Grad. Windstärke 6. Alles was hier noch hilft sind 8 Stunden Mittagsschlaf unter Deck.

Und Sex.

Kurz vor Bermuda

Noch etwa eine Stunde…

bis wir nach Westen Richtung Howards Bay drehen. Die nächtliche Fahrt ging schneller als erwartet. Eventuell müssen wir sogar mit der Einfahrt in die Bucht warten, bis die Sonne komplett aufgegangen ist.

Chris möchte nach Hamilton einkaufen. Ken auch. Und ich erst!!!

Der Wind hat zugenommen. Es geht eine ordentliche Brise und ich stelle erneut fest, dass unsere Anny Halbwindkurse und vor allem alles was am Wind ist ganz und gar nicht mag. Es ist fast schon ein wenig als wären wir auf einem alten Handelsschiff mit Rahsegeln unterwegs. Übertrieben gesagt…

Bücher schreiben

Ja, natürlich schreibe ich an neuen Büchern.

Unter anderem auch an einem neuen J.-Buch. Oder besser gesagt: Hauptsächlich an einem neuen J.-Buch.

Wo würde das besser gehen als auf dem Deck eines Segelbootes in der Sonne? Mit dem Handy?

Schon J. – Forever habe ich in großen Teilen auf dem Handy geschrieben (Huawei Mate 20 Pro, falls es jemanden interessiert). Andere Teile per Spracherkennung über ein Philips Diktiergerät. Was natürlich jetzt bei Wind und Wellen nicht machbar ist. Und für meine Schreiberei in Cafés nutze ich mein geliebtes Surface.

So, genug Werbung gemacht.

Jedenfalls macht mir das Schreiben zur Zeit (auch durch den Erfolg von J. – Forever) sehr viel Spaß.

Das Schreiben, das Schwimmen, das Faulenzen und vor allem das Segeln. Fliegen ist ja leider (Vorerst?) gesundheitlich nicht mehr drin. Meine beiden kleinen Flugzeuge habe ich inzwischen verkauft und meinen Job musste ich ja leider schon vor längerer Zeit aufgeben. Motorradfahren kommt wieder, wenn ich mal wieder für längere Zeit festen Boden unter den Füßen habe, was jedoch für die absehbare Zukunft nicht in Sicht ist.

Das Segeln hat den herrlichen Effekt, dass mir Zoe vom Hals bleibt, ich darf nur nicht zu lange an einem Stück vom Boot runter. Werde ich wohl hinbekommen. Wie gut, dass mir Seekrankheit fremd ist.

Was hier an Bord immer etwas schwierig ist, ist die Logistik. Zum Beispiel die Versorgung mit meinen Tabletten, regelmäßige Arztbesuche und so weiter. Das ist manchmal schon wirklich übel – vor allem die Tablettensache. Vor allem mit meiner Panik, dass sie mir ausgehen könnten und ich sie deswegen hamstere, was mir bei Zollbesuchen auf dem Boot ernsthafte Probleme bereiten könnte. Tausend Atteste von tausend Ärzte nutzen da in manchen Ländern nichts, jedes Land hat seine eigenen Gesetze und manche Beamte interessiert es kein bisschen ob du ohne deine Meds draufgehst oder nicht. Manchmal kommst du nicht drumherum gegen das Gesetz des jeweiligen Landes zu verstoßen, was dich in den Knast bringen könnte. Als chronisch Kranke musst du eigentlich schön brav zu Hause sitzenbleiben und darfst bestenfalls 2 Wochen Urlaub machen!

Wenn das keine Diskriminierung ist – was dann?

Bermuda geht ja immerhin. Da bin ich ja als Engländerin (🤮) quasi zu Hause.

Was rege ich mich eigentlich schon wieder auf? Ach ja, die Hormone.

Hormone

Morgen scheint kein guter Tag zu werden.

Manche Dinge schreibe ich lieber in meinem persönlichen Blog als auf Twitter. Ich versuche ihn als mein Tagebuch zu nutzen.

In meinem Tagebuch stand nie viel über meine Familie sondern mehr über meine Familie, meine Erlebnisse und meine Gefühle und ich schreibe das nicht für Leser sondern für mich in dreißig Jahren.

Ich möchte mich einmal besser erinnern können.

Twitter? Facebook? Instagram? Irgendwie sind das alles nicht meine Medien.

Ich weiß, auch hier kann ich nicht posten was ich will, auch hier gibt es diese verdammten „community guidelines“, die am grünen Tisch erfunden werden um Menschen zu konditionieren. Doch hier hält sich das alles noch in Grenzen.

Heute ist kein guter Tag. Depressiv. Es geht hormonmässig gerade in die falsche Richtung. Ich hasse das.

Na ja, in zwei Wochen ist es wieder besser. Und in der Zwischenzeit kann ich das Wetter von Bermuda genießen.

Jammern auf hohem Niveau? Jeder jammert auf seine Weise und jammert dort wo er gerade steht… Der werfe den ersten Stein…

20 Grad oben und unten

Herrliches Segelwetter heute!

So macht das wirklich Spaß. Sonne/Wolken und etwas über 20 Grad. Zum Ausziehen reicht’s nicht, aber immerhin reichen Schwimmweste, T-Shirt und Shorts. Denn das Wasser hat hier ebenfalls bereits 20 Grad! Kaum Seegang, wenig Wind und trotzdem kommen wir gut voran. So sollte das sein. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Karibik in einigen Wochen.

Noch knapp 125 nm bis Bermuda. Morgen Mittag sollten wir da sein. Und den Sturm haben wir auch umgangen.

Unseren Biopunks habe ich erst einmal abgesagt, doch Anfang kommender Woche soll es ganz ruhig werden, da klappt das dann auch mit den Unterwassernachbarn.

Uns wurde angeboten eine Rennyacht in die Karibik zu überführen (Wie die bloß immer auf uns kommen, Chris? *grrr) Natürlich werden wir das nicht machen! Chris meinte dann, sie und ich könnten aber wenigstens mal einen Tag mit diesem Hochgeschwindigkeitsteil mitsegeln. Warum nicht? Klingt nach fun!

Irgendwie habe ich so das Gefühl, dass Chris die Yacht gerne überführen würde… Schließlich hat sie mal an diesen Dingern gearbeitet. Unsere Frau Ingenieurin.

ABER SOWAS VON NEIN! Wer würde mir denn dann das Bett aufwärmen? Außerdem brauchen wir jemanden, der unser altes Boot wieder zusammenschraubt, wenn es unterwegs auseinanderfällt. Ist ja schön, dass sie das gerne machen würde, doch sie hat hier angeheuert (auch wenn sie Co-Owner ist) und kann sich nicht einfach für ein paar Wochen verdrücken!

Außerdem will ich irgendwann an meinem neuen Buch weiterarbeiten und da wird sie gebraucht.

Und außerdem bin ich ständig megageil auf sie.

Apropos megageil: Joana ist immer noch im Jammertal.

Schon geil, die Anny

Es ist doch immer wieder faszinierend…

wie gut so eine Hochsegelketsch, gegenüber modernen einmastigen Sluptakelungen vor dem Wind oder auf Raumkursen läuft. Ab halbem Wind fängt die Sache aber sofort an, sich zu relativieren. Dann möchte man auf dem Zweimaster am liebsten aussteigen und schieben.

Momentan drischt die Anny jedenfalls mit Gennaker und Stag bei annähernd halbem Wind durch die Wellen wie ein römischer Streitwagen durch die Arena.

Schon geil.

Schifffahrtsgrab

Wir kommen ganz gut voran.

Wir sind mit Gennaker und Stag in fast halbem Wind unterwegs.

Das Wetter ist wie erwartet, Südwind mit um die 13 kn moderat. Allerdings werden wir uns weiter nördlich halten müssen um eine von Süden aufkommende Flaute zu umgehen.

Dadurch wird sich unsere Ankunft wohl bis morgen Nachmittag verzögern, abhängig davon, ob wir dem dann von Westen aufziehende Wetter umgehen müssen.

Die Windverhältnisse im Bermudadreieck sind sehr komplex, vermutlich ist das auch der Grund für den legendären Ruf der Gegend als Schifffahrtsgrab. Dank Satellitennavigation und Wetterbeobachtung ist das aber heute kein ganz so großes Problem mehr.

Ich bin auch immer wieder fasziniert davon, wir lange selbst vermeintlich kurze Entfernungen auf den Karten tatsächlich dauern und sich doch, wenn man das Ziel schließlich erreicht hat, alles wieder relativiert hat.

Wie auch immer: Nur noch einen Tag und eine Nacht nach Bermuda.

Wobei ich überlege, ob ich unseren beiden Mikroskop-Punks* noch einen Tag weiter im Norden zum Sammeln von irgendwas gewähren soll, dessen Name ich nicht aussprechen kann.

*DARÜBER muss ich nun wirklich noch schreiben!!!

Quantensprache

Nachdem wir ganz ordentlich vor dem Wind hergetrieben werden,

bin ich guter Dinge, dass wir dem Wettergott einen Streich spielen können. So macht das Ganze jetzt auch schon ein bisschen mehr Spaß: Sonne-Wolken-Schauer-Mix bei 17 Grad und einer ganz netten Brise.

Ken nennt unser Boot inzwischen den „Lesbenexpress“. Alles nur weil Tine und Harakiri ständig so dicht zusammenhängen und dauernd am Quatschen sind. Haben Wissenschaftlerinnen überhaupt ein Sexualleben? Ich muss das mal ausprobieren. Ich wette jedenfalls, dass die nur ununterbrochen zusammenklüngeln, weil sie nicht wissen, was sie mit uns reden sollen, weil wir Sterblichen ihre Quantensprache sowieso nicht verstehen. Meine werden sie verstehen – sobald ich sie erst einmal im Bett habe, das garantiere ich,

Apropos im Bett: Vorhin kam Chris zu mir ins Bett gekrochen, ist gegen mich gerollt, hat sich angekuschelt und sofort angefangen zu schnarchen. Sie muss noch viel müder sein als ich! Ich glaube, sie hat seit NY nicht mehr als zwei Stunden geschlafen, die Arme. Ich werde wohl nachher ihre Schicht mit übernehmen, damit nicht noch das alte Boot auseinanderfällt, wenn sie nicht mehr in der Lage ist den Schraubenschlüssel zu halten!

Erholung

Sonnenaufgang.

Jetzt werde ich mich erst einmal von der Nacht erholen. Wir konnten durch die Kursänderung relativ schnell das Dickste hinter uns lassen, doch die See war immer noch so hoch, dass keiner unter Deck konnte. Das hat sich in den letzten Stunden gebessert.

Wir haben jetzt alles Tuch gesetzt und segeln OSO direkten Kurs nach Bermuda. Nahezu direkt vor dem Wind, was sich aber in den kommenden beiden Tagen noch ändern wird. Wir müssen uns ein wenig beeilen, wenn wir den großen Sturm am Mittwoch austricksen wollen. Die Flaute jedenfalls erwischt uns nicht.

Ich kümmere mich jetzt mal um Tee und Kaffee und um mich selbst und dann gönne ich mir mal zwei Stunden Schlaf.

Wutanfälle, was sonst?

Gerade eben kommen wieder Nachrichten durch.

Na, ganz toll: Natürlich hat sie ihn nicht bekommen, wie befürchtet. Ich weiß ja nicht, warum sie sich noch so aufregt, es wäre nicht ihr erster gewesen und es wird auch wohl nicht der letzte bleiben. Außerdem hat die Award-Season ja gerade erst angefangen.

Aber natürlich tobt sie jetzt erst einmal für ein paar Tage in ihrem Haus herum und ich möchte wirklich nicht in der Haut ihrer Angestellten stecken.

Und bei der kryptischen Message, die ich von ihr erhalten habe, kann ich auch ziemlich sicher sein, dass sie nicht auf Bermuda auftauchen wird!

A man is blessed? WTF?!

Wetterschule?

Jetzt wird es hier draussen aber gar nicht mal so unspannend mit Boen bis Windstärke 10. Ich bekomme hier das Gefühl als würde uns ein Renntruck schieben!

Wir werden dann also mal vorsichtig nach Süden abfallen, damit wir schneller aus dem Schlamassel rauskommen. Ich werde Ken wohl nochmal auf die Wetterschule schicken müssen.

Und dann werde ich wohl mal für ein paar Stunden das Handy zur Seite legen.

Und wie soll ich jetzt die Globes schauen?

Kaffeepause

Endlich eine kleine Pause für mich.

Frühstückspause um genau zu sein. Der Wind hat gedreht, bläst jetzt mit knapp 30 Knoten von NW, was nicht sehr nett ist. Boen bis 40 Knoten (Windstärke 8) geben einen kleinen Vorgeschmack auf den Sturm, mit dem wir am Mittwoch zu rechnen haben. Wenn wir es nicht schaffen, den abzuwettern – wird es spannend… Ehrlich gesagt: erleben möchte ich das nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Und dann schweigt auch mein Tagebuch mal für eine Weile…

Ken hat sich auf jeden Fall vorhin fast zwei Stunden mit dem Wetter beschäftigt, wobei es natürlich bis Mittwoch noch lange hin ist. Noch ungünstiger: Vorher müssen wir noch durch eine Flaute durch, was das Umgehen noch schwieriger macht.

Bermudadreieck. Verstehe.

Whatever…

Vorhin ist Zoe aufgetaucht. Sie meinte, ich bräuchte nicht zu denken, dass ich sie los wäre. Ich wäre nicht immer auf dem Boot und Joana wäre nicht immer dabei. Ich schätze, sie hat Chris vergessen.

Hoffe ich.

Andrew macht sich ganz gut bei dem Scheißwetter. Trotzdem muss ich mich noch an den Gedanken gewöhnen, dass da ein Halbgreis in Regen und Sturm an Deck herumturnt. Ich habe diese negativen Erfahrungen an dieses Krankenhaus in Spanien, in dem sie mein Auge in Ordnung gebracht haben, nachdem ich einen anderen Oldie davor bewahrt hatte über Bord zu gehen. Kein gutes Gefühl.

Ken sagt, ich müsse mir keine Sorgen machen, Andrew wäre ein alter Seebär und sicherer an Deck als jeder von uns. Ich hoffe, Neptun sieht das auch so!

Tee. Dann Kaffee. Bei so einem Wetter brauche ich nach meinem Tee einen Kaffee oder zwei. Was ich gerade noch mehr bräuchte, wären die Finger von Chris in meiner Hose. Gerne auch hier am Kaffeetisch. Joana käme natürlich noch besser. (Ich denke heute an dich und drücke ganz fest die Daumen, my love.)

Bin ich sexsüchtig?

Ja.

Warum? Stört es irgendwen?