Noch eine zum Verlieben

Und wie passt Gabby jetzt ins (Joana)Bild?

Keine Ahnung. Ich bin beeindruckt. Ich bin ein wenig verknallt. Ich finde sie bewundernswert. Hat alles nichts mit Verliebtsein zu tun. Trotzdem…

Gabby ist – der Knaller. Weil sie… Nun ja, sie ähnelt der Frau in ihren Rollen. (Das tut Joana auch und doch ist sie so ganz anders.) Gabby hat diesen Flair, diese Aura von Unantastbarkeit um sich herum. Sie ist so eine Art verstörte Halbgöttin, von der man erwartet, dass sie einen jeden Moment mit einem Energiestrahl über Bord befördern wird. Mit ausgestrecktem Arm. Und dann sagt sie: „Sorry, ich wollte nur mal sehen, ob es wirklich funktioniert.“ So eine Frau ist sie.

Das kapiert jetzt wieder keiner, nehme ich an.

Sie hat die geilsten Titten, die ich jemals gesehen habe. Und das will was heißen! Und ich meine nicht nur die Möpse, die ich nackt und live bewundern durfte, sondern auch die aus Film, Fernsehen, Internet und Zeitschriften eingeschlossen!

Ich finde eine D-Cup-Titte wirklich superscharf! Alles darüber hinaus ist schlicht obszön und alles darunter – na ja, Durchschnitt. So wie ich.

Aber ihre Titten und ihre Figur machen sie gar nicht aus. (Dass ich DAS mal sagen würde!) Es ist wie bei Joana: Ihre Haare, ihr Gesicht, ihre Augen – das ist Gabby. Wobei man über ihre Lippen durchaus streiten kann. Ich finde alle Oberlippen, auf die man seine Kaffeetasse abstellen kann, schon ein wenig übertrieben. Aber ich stehe auf ihre Nase! Nicht so ein Stupsnäschen, wie die Leute es gemeinhin lieben. Nein, es ist eine echte Nase: Lang genug um bemerkt zu werden und nicht so groß, dass sie größere Taschentücher benötigen würde.

Überhaupt ist ihr Gesicht so krass gar-nicht-mal-so-hübsch, dass es schon wieder sowas-von-geil ist! Ihre blonde Mähne macht aus ihr die verwundbare Tochter eines Gottes und einer Stallmagd (falls es sowas heute noch gibt).

Gabby ist superscharf.

Das kapieren auch die Filmemacher. Schon lange, übrigens.

Aber das Schärfste ist eindeutig ihre Stimme. Gestern Abend beim Tequila bin ich gekommen, ohne dass mich jemand angefasst hätte. So eine Stimme hat sie!

Kurz zusammengefasst: Eine Frau zum Verlieben.

Ich hoffe nur, dass das keine Andere merkt.

Verliebt sein

Ich bin in Joana verliebt, seit ich sie das erste Mal im Fernsehen gesehen habe. Das ist Ewigkeiten her. 22 Jahre? Natürlich zählt das nicht wirklich zum Verliebtsein. Das ist ein Teenie-Crush, ich weiß. Aber irgendwie war das alles ziemlich ernst bei mir, weil es auch nie nachgelassen hat. Ich habe nichts von ihr verpasst und habe auch jeden ihrer Filme – möglichst – am Premiereabend im Kino gesehen.

Und als ich sie dann in Fleisch und Blut kennengelernt habe: Bäng! Doppelbäng! Da war es so richtig um mich geschehen. Wer mein Tagebuch mitverfolgt hat, der kennt die Geschichte.

Dass sie hetero ist, hat natürlich einen kleinen Dämpfer gegeben. Aber beste Freundin ist auch schon was, oder nicht? Ein wenig schmerzhaft – oder wie bei mir: sehr schmerzhaft – ist es natürlich schon. Aber als dann die ersten sexuellen Annäherungen kamen… Ist allerdings noch nicht so lange her. Wie lange, das verrate ich nicht, doch lange genug, dass ich mehr will. Mit „mehr“ meine ich, dass ich die ganze Frau will, nicht nur den Sex, den sie mir zu liebe mit mir hat. Ich weiß, ist schon ein wenig armselig von mir – doch ich nehme, was ich von ihr kriegen kann. Sexuell gesehen.

Leider „braucht“ sie Männer. Ich kann zwar nicht verstehen warum, doch sie kann genauso wenig verstehen, warum ich Frauen „brauche“. Da sind wir uns also einig. Dass sie einen Mann als Lebensgefährten will – da hört dann mein Verständnis auf. Zumal ich in ihrem Testament als Alleinerbin stehe.

Ich lamentiere, ich weiß.

Andererseits wünsche auch ich mir eine Lebensgefährtin, mit der ich ganz offen vor aller Welt den Rest meines Lebens verbringen kann. Und da Joana das nicht sein kann…

Ach, wem mache ich etwas vor: Es kann nur Joana sein; sie war es immer und wird es immer sein!

Die Verwundete

Göttin sein 25 Jahren.

Joana ist ein Thema für sich. Eine Diva wie sie im Buche steht, mit mehr Ticks als fünf weitere von ihrer Sorte zusammen.

Gleichzeitig ist sie die ehrlichste, schelmischste und positiv verrückteste von allen. Und die selbstloseste – wenn man sie lässt.

Allerdings hat natürlich auch sie ihre Dämonen und ich muss zugeben, dass die gar nicht so ohne sind.

Sehen wir mal davon ab, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann, nein, halt: gerade dieser Fakt hat ja ihre Dämonen erst in die Welt gebracht! Wenn jemand aus einem solchen Grund die Liebe seines Lebens verliert, ist das schon ein harter Schlag. Ich meine wirklich den TRAUMPARTNER, den sie so abgöttisch liebte, verliert. (Ich kann das zwar nicht verstehen und leiden kann ich den Typ auch nicht, aber ich bin ja auch nur eine Lesbe, richtig?)

Nein, mit ihren Partnern hatte sie kein Glück und alles führt Joana auf diese Kindersache zurück. Womit sie sicher Recht hat.

„Ich habe ihm von Anfang an gesagt, dass Kinder für mich nicht in Frage kommen. Was ist daran nicht zu verstehen?“, fragt sie.

Entweder glaubte er, sie noch überzeugen zu können (er kannte ja die echten Fakten nicht) oder er wollte sie einfach nur für eine Weile besitzen.

Doch ich glaube nicht, dass Letzteres der Fall war: Dafür hätte er sie nicht heiraten müssen, das hatte dieses arrogante Arschloch gar nicht nötig. Abgesehen davon, dass er sich sowieso heimlich durch die Liste der hundert geilsten Schauspielerinnen fickt. Das zumindest behauptet Gabby, die ihn hat abblitzen lassen. Man muss sich das nur mal vorstellen: Der Arsch verlässt Joana und baggert deren Freundin an, während er längst mit einer anderen der Top 100 verheiratet ist. Wichser!

Aber warum Joana auf ihre Beziehungskatastrophe reduzieren? Vermutlich, weil mir die Angelegenheit seit der Gabby-Eva-Geschichte ständig im Kopf herumgeht. Schlimm!

Ausserdem habe ich gesehen, wie sehr diese Sache sie immer noch beschäftigt, selbst noch nach ihren nachfolgenden – ebenfalls gescheiterten – Beziehungen.

Bei mir heult sie sich wegen all dem aus. Vermutlich nicht wegen wirklich allem, denn dass sie keine Kinder bekommen kann – dass hatte sie ja nur Gabby verraten und nicht mir. Vermutlich, weil sie das Thema einfach vergessen wollte, mutmaßt ihre heutige Hassfreundin. (Oder vielleicht auch, weil doch noch eine Spur Vorsicht mir gegenüber vorhanden ist?)

Über so etwas denke ich nicht nach. Jeder hat Dinge, die er dem einen, aber nicht dem anderen, erzählt. Ich glaube, das ist auch gar nicht so verkehrt. Ein paar Sachen weiß Ken von mir, die weder Mazikeen noch Joana kennen. (Wobei ich mir bei meinem Dämon natürlich nicht sicher sein kann.)

Ansonsten kann ich Joana eigentlich gar nicht beschreiben, abgesehen vom Äußeren – blond, blau-kontaktlinste Augen und blablabla – und das ist mir bei ihr noch nicht mal wichtig.

Das war es in den ersten Jahren, als ich sie noch aus der Ferne angehimmelt habe: als Traumfrau im kleinen Fernsehkasten oder auf der großen Leinwand im Kino. Heute, mit über 50, sieht sie allerdings noch mindestens genauso sexy aus wie früher, das gebe ich gerne zu. Aber nachdem ich sie im echten Leben kennengelernt hatte, trat ihr preisgekröntes Aussehen ganz schnell in den Hintergrund. Sie ist einfach ein herzensguter Mensch – ganz im Gegensatz zu mir – und ich muss zugeben, dass mich das fasziniert. Genauer gesagt ist es wahrscheinlich der Fakt, dass sie so viel mehr Güte ausstrahlt als jede andere Frau, die ich kenne. Dabei stehe ich doch eigentlich viel mehr auf böse Mädchen!

Umso krasser finde ich ihre derzeitige Unnachgiebigkeit mit Gabby.

Aber Maze sagt ja, ich soll sie in Ruhe lassen, was ja heißen soll, dass sich ihre Wut legen würde. Mazikeen weiß in der Regel alles besser, ich meine, sie weiß TATSÄCHLICH immer alles besser.

Also abwarten.

Und sie lieben. Abgöttisch.

Akustisch-vaginaler Orgasmus

Es ist später Vormittag, als Joana an Deck klettert.

Sie blinzelt in die Sonne: „Das ist ja kaum auszuhalten, da unten! Eine Affenhitze.“

Joana zu fragen, ob sie sich eingecremt hat, ist ungefähr so, als würde man Leute fragen, die zur Arbeit unterwegs sind, ob sie sich angezogen haben.

(Nicht, dass Joana irgendein Kleidungsstück am Körper hätte. Dass die Frauen an Bord so oft wie nur möglich nackt sind, ist eine Grundregel auf meinen Booten. Warum nicht die Männer? Blöde Frage!)

Joana ist NIEMALS ohne irgendwelche Cremes unterwegs. Ich wundere mich immer, dass sie mir nicht aus der Hand glitscht.

Sie benutzt nicht nur Tages- und Nachtcremes; meiner Ansicht nach hat sie jeder Stunde ihres Tages ein extra Töpfchen zugeteilt. Sie ist besessen mit ihrer Hautpflege. Sowas würde mich zum Wahnsinn treiben! Nein, eigentlich treibt es mich zum Wahnsinn, weil ich ihr die Hälfte der Zeit zuschauen muss, wie sie ihrer Haut Feuchtigkeit zuführt, wie sie Öle einreibt, Härchen auszupft und auf diese Verletzungen dann Zaubercremes aufträgt und… GRAU. EN. HAFT!

Zugegeben: Ihre Haut und sie sehen 20 Jahre jünger aus, als in ihrem Ausweis steht.

Allerdings würde ich diese Zeit lieber nutzen um zu leben.

Jedem das seine…

„Wie geht es Gabby?“, frage ich.

„Gut. Ich glaube sehr gut. Sie ist aufgewacht, hat mit Eva herumgealbert und hat dann nach dir gefragt.“

Die Reihenfolge hätte ich mir zwar eher umgekehrt gewünscht, aber gut.

„Ist sie nackt?“, frage ich.

„Hast du auch nochmal was anderes im Kopf?“

„Muss ich?“

In diesem Moment taucht Gabbys blonder Schopf aus der schwülen Dunkelheit des Salons auf.

„Äh…“,flüstere ich Joana zu: „Wenn sie nicht mehr krank ist, wieso hat sie dann noch was an?“

„Ach, halt den Mund, Tammy!“

Pah!

„Gefällt dir vielleicht nicht was ich anhabe?“, lächelt Gabby.

MIST! Sie hat mich gehört!

Ich drehe mich zu Ken um und mache ein Zeichen, die Segel zu killen. Geben wir allen ein wenig Pause von drei Tagen Dauersegeln.

„Vorsicht!“, ruft er Joana und Gabby zu und rät ihnen sich ein wenig zu ducken, während er das Ruder dreht um das Boot in Eisen zu legen.

Wir poltern über die kurze Dünung.

Ablenkung.

„Du siehst rattenscharf aus!“, gebe ich schließlich zu, aber beschwere mich gleichzeitig bei Gabby: „Aber wir sind hier auf meinem Boot und nicht in einem Film!“

Meine Regeln sind meine Regeln.

„Habe ich dir nicht gesagt, du sollst den Mund halten, Tammy?“, zischt Joana erneut.

„Ja, halt den Mund, Captain“, lächelt jetzt auch Gabby, nimmt meinen Kopf in beide Hände und küsst mich auf eine Weise, die mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Eigentlich wegreißt. Meine Knie werden so schwach, dass ich mich rückwärts anlehnen muss, um nicht wegzuknicken.

„Sorry für das Hemd“, haucht Gabby mit ihrer rauchigen, mit purem Sex aufgeladenen Stimme. Wie halten es die Menschen, die diese Schlafzimmerstimme ständig hören müssen, nur in ihrer Umgebung aus?

„Möchtest du mir das Hemd ausziehen?“ Ihre Stimme bohrt sich ohne Umwege in meine Möse, macht einen leichten Schwenk nach oben und drückt massiv auf den G-Punkt.

„RUNTER, DU IDIOT!“, brüllt Ken den Norweger an, der die Szene mit offenem Mund betrachtet und dabei beinahe über Bord geht.

Ich zittere. Aber ganz bestimmt nicht wegen Elias, dem Idiot.

Alles, an was ich im Moment denken kann, ist der obere Knopf des weiten, weißen Hemds, das locker über ihre enormen Brüste fällt.

Ich hasse winzige Knöpfe. Vor allem bei anderen.

„Soll ich dir helfen?“, hauchen ihre Lippen.

Sie muss ein ganz klein wenig zu mir aufschauen, sie ist nämlich noch kleiner als ich. Unfassbar aber wahr. In ihren Filmen wirkt sie nämlich wie ein 1,80 Meter großes Laufstegmodel zzgl. Brüste. Warum sind diese Superstars alle so winzig? Damit der Regisseur keine Komplexe bekommt?

Den ersten Knopf habe ich aufgezittert. Als ich am zweiten ziehe, offenbaren sich schon die D-Brüste darunter. Ich widerstehe dem Drang hineinzugreifen und sie herauszuholen. Wie kann jemand so klein sein und solche enormen Teile besitzen?

Ich muss mit dem Kopf ein wenig näher heran, damit ich den winzigen weißen Knopf durch das Loch bugsieren kann.

„Danke“, flüstert Gabby.

Ich glaube, ich habe einen Orgasmus. Einen akustisch-vaginalen.

„Für was“, stammele ich und mache mich an den vorletzten, nicht ohne beide Hemdseiten einmal kurz wegzuschieben und mir die Pracht darunter zu betrachten.

„Für Eva“, flüstert sie.

„Die ist nicht von mir. Und ich lasse sie mir auch nicht andrehen!“ Manchmal kann ich mich halt nicht bremsen… Nennt mich Chandler.

Der dritte Knopf war einfach und Gabby ist jetzt quasi nackt. Der vierte ist nur noch Formalität. Wie zwinge ich meinen Mund nur, sich nicht an einem der beiden Nippel festzusaugen?

Als die Formalität mit den Knöpfen erledigt ist, habe ich Gabbys ursprüngliche Aufforderung völlig vergessen, denn ich lasse das Hemd los und schaue zu, wie der Wind abwechselnd die rechte und die linke Brust freilegt. In schöner Regelmäßigkeit.

„WENN DU JETZT NICHT AUFHÖRST ZU STARREN, LASSE ICH DICH AM MAST AUFKNÜPFEN!“

Hä?

Ah, verstehe: Ken meint den Norweger, der schon wieder auf Gabbys D-Pracht starrt. Man kann es ihm nicht verdenken, denn in ihren Filmen scheint man jedes Mal die Pracht ein wenig kaschieren zu wollen und verteilt ihre Brüste immer ein wenig unter den Oberteilen. Aber erst einmal rausgeholt…

„Auf was wartest du?“

Hä?

„Wolltest du mir das Hemd nicht ausziehen?“

Ich kann nicht mehr, ehrlich!

Ich taumele gegen die Wand des hinteren Aufbaus, in dem die Mannschaftsquartiere liegen. Meine Knie sind immer noch weich.

„Was war nochmal mit Eva?“. stammele ich völlig idiotischerweise, weil mir gerade nichts Besseres einfällt: „Geht es ihr gut?“

Geht es ihr gut? Bist du jetzt vollkommen bescheuert, Tammy?

„Ich dachte, du kannst Kinder nicht leiden?“, lächelt Gabby: „Sie scheint total in dich verknallt zu sein. Und sie nennt dich ‚Captain‘.“

Verdammt! Ich will keine Komplimente von dem Balg, ich will die Mutter ficken!

„Was hast du mit ihr gemacht?“

„Hä?“

„Sie hat gesagt, du hättest sie ins Bett getragen. Und du hättest ihr einen Kuss gegeben.“

„EINEN KUSS?! Äh nein, das war… Gar nichts… Völlig platonisch… Ich meine – gute Nacht und so! Ich schwöre!“

Joana prustet los: „DU HAST IHR EINEN GUTE-NACHT-KUSS GEGEBEN? DUUUU???!!!“

„Nein, nein, nein! Das war SIE und… Ach, FUCK YOU!“

„Was ist jetzt mit dem Hemd?“

Welches Hemd?

„Hä?“

„Wolltest du mir nicht das Hemd ausziehen?“

Äh… Stimmt… Daher die Knöpfe… Das überlebe ich nicht! Vor allem, weil mir gerade auffällt, dass Gabby das Höschen weggelassen hat!

An meinen Beinen läuft alles herunter, was mein Körper zu bieten hat.

„Sex“, sage ich.

„Bitte?“, fragt Gabby.

„Manchmal sagt sie so komische Sachen. Der Zusammenhang ergibt sich aber meistens später“, erklärt Joana.

„Sex ist verboten!“, schiebe ich nach.

„Aha“, sagt Gabby.

„An Deck“, füge ich an: „Sex an Deck ist verboten, solange hier Ständer herumlaufen!“

Ken starrt mich an. Joana starrt mich an. Gabby starrt mich an.

„TYPEN! TYPEN herumlaufen!“, verbessere ich mich und zeige auf den Norweger.

Gabby starrt immer noch. Joana legt den Kopf schief und erklärt: „Deine Titten haben sie verwirrt, Gabby.“

„Wirklich?“ Gabby schaut an sich herunter.

„Der zählt aber nicht“, beeile ich mich nachzuschieben und zeige auf Ken: „Der ist schwul!“

Joana vergräbt ihr Gesicht in den Händen während Ken die Augen verdreht: „Manchmal hat sie das“, meint er schulterzuckend und kopfschüttelnd zu Gabby: „Dann ist ihr Hormonhaushalt durcheinandergeraten.“

Gabby wendet sich an Joana: „Sind Lesben immer so?“

„Keine Ahnung. Ich kenne nur eine.“

„Wieso? Wie bin ich denn?“, will ich wissen. Ich habe mich einen Moment von Gabbys Brüsten losreißen können. Das Problem ist, wenn man jeden verfickten Film dieser Frau kennt und man sich wieder und wieder vorstellt, wie sie wohl aussehen mag und man schließlich ihren Body auspacken darf – selbst auspacken darf – wie soll man da noch klar denken können?

Einen Moment lang stelle ich mir vor, wie es wohl aussehen würde, wenn Joana und Gabby… Aber nur einen Moment…

„Du küsst – na ja, dieser Kuss war – göttlich!“, lächelt Gabby. Fast hört es sich an, als würde sie davon schwärmen.

Ja, klar… Ich hatte überhaupt nichts gemacht! Ich war so perplex gewesen, dass meine Zunge wie ein toter Hamster in meinem Mund herumgelegen hat. Göttlich… Lächerlich!

„Äh…“, werfe ich ein.

„Ja, küssen kann sie“, bestätigte Joana: „Damit hat sie mich auch rumgekriegt.“

Fuck! Müssen die sich über sowas unterhalten? Ich kann doch nicht noch nasser werden, verdammt! Und überhaupt ist das alles Quatsch! Wenn hier einer küssen konnte, dann war das Joana. Und das verschenkte sie immer wieder an – MÄNNER!

„Ziehst du es mir jetzt aus? Ich dachte, wir müssen nackt sein an Deck?“

Ich nickte.

Als ich das Hemd über ihre Schultern nach unten ziehe, treten mir Tränen in die Augen. Fuck, was ist denn da los?! Ich bin vollkommen durcheinander!

„Weißt du“, haucht Gabby als ich ihr die Ärmel über die Hände streife, die sie dicht an den Körper angelegt hält: „Jemand, in den sich meine Tochter verliebt…“ Ihr Mund ist ganz dicht vor meinem: „…der kann mit mir machen was er will.“

FUUUUCK!!!

„Alles. Alles, was du willst!“ Purer Sex in ihrer Stimme. Lange Fäden an meinen Oberschenkeln.

Ihr sexuell aufgeladener Atem explodiert direkt vor meinem Mund. Ich zucke zusammen. Durch meine Beine rast ein Kribbeln. Es beginnt bei den Knien und jagt nach oben. Mein Bauch zieht sich zusammen.

Gabby gibt mir ein kleines Küsschen auf die Lippen. Und ich habe ein kleines Höhepünktchen. Mehr Flüssigkeiten habe ich sowieso nicht mehr zu bieten.

„Eines noch“, fragt Gabby und grinst: „Was meint Eva eigentlich damit, dass du nachts immer brummst?“


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Dieses Tagebuch beginnt in meinem neuen Roman:

J. – Forever

von Andrea Downey-Lauenburg

Als Taschenbuch und Ebook bei Amazon


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Happy?

Wir wissen im Endeffekt doch gar nicht so genau was wir eigentlich wollen.

Oder wissen wir es?

Was mich betrifft: Ich möchte mein Boot behalten, Cornelia soll weiter kochen (aber vegetarisch bitte), Joana soll zu mir aufs Boot ziehen und ich will Sex mit halb Hollywood. Der weiblichen Hälfte, bitteschön.

Und Maze hat auf alles aufzupassen.

Nicht zuviel verlangt, oder?

Na gut, ich werde also Abstriche machen. Ich werde mein Boot verkaufen, ich werde Cornelia kündigen und ich werde – mal wieder – Ken suspendieren. Oder nicht?

Ken hat sich das sowieso schon gedacht. Spätestens als ich mit Schweden telefoniert hatte, war ihm das klar geworden. Andererseits tue ich mich bei dem Thema immer noch schwer. Von der Freundschaft einmal abgesehen – will ich wirklich auf seine Erfahrung verzichten, gerade auch wenn ich vorhabe um das Kap zu segeln?

Ich muss darüber noch einmal nachdenken.

Mal sehen.

Offen gesagt, seit meiner Jugend habe ich immer nur drei Dinge genau gewusst: Ich wollte fliegen, segeln und ich wollte Joana. Hat funktioniert. Der Rest hat sich ergeben. Das Schreiben auch.

Schreiben war immer dabei, d.h. geschrieben habe ich immer irgendwas, doch das ich jetzt unbedingt Bücher schreiben wollte – nein, das war und das ist nicht so.

Ich mache es eben. Es macht Spaß. Das ist alles.

Manchmal glaube ich, dass ich das, was ich erreicht habe, mit meinen Krankheiten bezahlt habe. Komischer Gedanke und natürlich barer Unsinn. Aber manchmal kommt einem sowas in den Sinn, wenn man sich gerade mal wieder damit herumschlagen muss. Vor allem, wenn man sich umschaut und feststellen muss, dass von den Reichen und Schönen keiner tatsächlich zufrieden und glücklich ist. Sie tun alle nur so. Für die Öffentlichkeit.

Von Reichen und Schönen

Und dann stellt man fest, dass offenbar diejenigen von uns, die nicht so hoch klettern, tatsächlich in der Regel nicht so tief fallen. Und wenn sie fallen, stehen sie leichter wieder auf. Von Ausnahmen abgesehen. Gut, Vergleiche hinken und Verallgemeinerungen sitzen in Rollstühlen. Trotzdem: Geld und Ruhm und Schönheit machen nicht glücklich.

Joana ist vielleicht nicht das Musterbeispiel, ihr geht es – wieder – relativ gut, doch von glücklich kann auch bei ihr keine Rede sein.

Ich bin vom Thema abgeschweift. Was war eigentlich mein Thema?

Ach, egal: es ist ja mein Tagebuch und ich kann schreiben was ich will. Wie schön!

Also wie jetzt weiter? Ich werde mich wohl erst einmal mit Maze besprechen. Aber die weiß sowieso schon wieder, was ich vorhabe. Das weiß sie immer. Wie macht sie das?

Gelobt sei was nass macht

„Wer nicht kommen will, der lässt es. Wie beim Sex.“

„Witzig, Maze, wirklich witzig!“

„Es ist doch das Wichtigste, dass Joana hier ist, oder nicht?“

„Frag nicht so blöd!“

„Und wenn die Scheiß-Award-Season vorbei ist, hängt sie doch sowieso dauernd bei uns rum!“ Maze atmet theatralisch aus.

„Genaugenommen hängst du aber bei UNS herum, selbst wenn dir ein kleiner Teil vom Boot gehört.“ Das war gemein, ich weiß. Doch irgendwie stimmt es ja auch. Wenn Joana Maze nicht geholt hätte, würde sie immer noch zu Hause auf Orcas sitzen und auf meine Sachen aufpassen.

„Warum trittst du eigentlich immer in alle Richtungen aus, Tammy, wenn dir was nicht passt?“

Tja, das frage ich mich auch. Es ist nicht nett. Andererseits – seit wann bin ich nett? „Damit ich wenigstens einen treffe. Irgendeinen.“

„Whatever…“

„Stell dich nicht so an, Maze, tue nicht so als könntest du es nicht vertragen!“

„Ertragen kann ich alles – solange ich auch austeilen darf.“

„Mach doch!“, fordere ich sie auf.

„Pah! Verbal bist du doch jedem überlegen. Und prügeln? Ich schlage keine Weiber! Und schon gar keine, in die ich meine Finger stecke.“

„Dachte ich mir schon.“

„So verunstaltete Weiber sind wenig erotisch.“

„Auch klar“, nicke ich.

„Im Übrigen mag ich Joana wirklich. Ist natürlich lustig, dass sie dich mit ihren Freundinnen erpresst. Aber du bist ja selbst schuld!“

„Warum?“

„Weil du jedem auf die Nase binden musst, dass du jedem Sternchen hinterher rennst.“

„DAS TUE ICH ÜBERHAUPT NICHT!“, empöre ich mich.

„Jaja, ich weiß: Unter einem Golden Globe tust du es nicht!“

Hat sie recht? Keine Ahnung, es ist mir auch egal. Gelobt sei was nass macht.

„Stört es dich?“, frage ich etwas gemäßigter.

Maze zuckt mit den Schultern: „Das bist du, es gehört zu dir.“

Auch eine Antwort…

„Maze?“

„Ja?“

„Jetzt ein klein wenig schneller. Nur ein bisschen. Und dann sag bitte nochmal ‚Golden Globe‘!“

Eine lausige Lesbe

Sicher habe ich gewusst, was auf mich zukommen würde.

Ich kannte sie ja schon und habe sie doch wieder mit allem Drum und Dran in mein Leben geholt. Auch wenn ich das in erster Linie auf Wunsch Joanas gemacht habe.

Nun, nicht nur natürlich. Ich habe sie vermisst. Immer. Es war nur diese Entscheidungssache gewesen, von der ich geglaubt hatte, dass sie sein musste.

Maze war nie im Zweifel gewesen. Sie hatte sich für mich entschieden und hatte nie auch nur eine Sekunde an etwas anderes oder eine andere gedacht.

Ich hingegen musste mich meiner Sehnsucht nach dieser Frau, dieser anderen, ergeben. Was sollte ich tun, wenn plötzlich der Jugendschwarm vor der Tür stand und der Traum wahr werden konnte?

Genaugenommen ist er ja nicht wahr geworden. Joana war meine beste Freundin, nicht mehr und nicht weniger. Chris – Maze – hatte immer gesagt, dass sie mehr für mich war und ich versuchen müsse, mir den Traum zu erfüllen.

Das habe ich getan.

Selbstlos von Maze? Dumm?

Nein, sie wusste, dass sie dem nicht im Weg stehen durfte und hatte darauf vertraut, dass ich sie niemals würde vergessen können.

Sie hatte recht.

Ob Maze jemals wieder in mein Leben zurückgekehrt wäre, wenn Joana das nicht forciert hätte? Ich weiß nicht. Sie war ja nie draussen. Ich hatte ein Apartment in ihrem Haus auf Orcas und alle meine Sachen waren dort. Sie schickte mir was ich brauchte und ich schickte alles was ich aufbewahren wollte zu ihr. Ich habe das Apartment nie mehr benutzt und wir haben nur per Telegram kommuniziert und auch nur für organisatorische Dinge.

Aber Maze war da. Hätte ich sie irgendwo auf der Welt gebraucht, wäre sie in den nächsten Flieger gesprungen.

Wer hat so etwas – so jemanden schon?

In dieser Zeit war Maze – ich kann mich an ihren neuen Namen immer noch nicht gewöhnen – Familie für mich. Und Familie trennt sich nicht.

Und Joana?

Joana ist die beste beste Freundin der Welt aber eine lausige Lesbe.

Was daran liegt, dass sie tatsächlich keine ist. Was wir heute wieder festgestellt haben. Sie hat ständig Männer im Kopf. Was für ein Weib, das hetero ist, ja nun auch nicht weiter verwunderlich ist.

„Bi? No way! Ich bin nicht bi!“ Das hat sie SJ geantwortet: „Ich mag nur Tammys Brüste.“ (Sie sagt tatsächlich ‚Brüste‘! *heul)

Was im übrigen eine starke Untertreibung ist, denn auf meine Finger und auf meine Zunge steht sie auch. Aber man merkt dann doch schon, dass sie gerne mir zwei Händen gehalten werden möchte. Was schlecht geht, wenn meine Finger teilweise in ihrer Möse stecken. Deshalb ist sie auch so ein Strap-on-Fan, wobei wir beide wissen, warum.

Das sind eben so die kleinen Unterschiede.

Aber wir wissen das ja beide. Der Sex sind die Benefiz. Die Intimität, die wir auf die BFF-Sache packen. Unser Schwur niemals voneinander zu lassen, was auch immer für Partner in unserem Leben noch erscheinen werden.

Das ist ein Schwur.

Und weder sie noch ich haben jemals einen Schwur gebrochen.

Maze hat übrigens bereits klargestellt, was passieren würde, wenn jemand seinen Schwur mir gegenüber brechen würde.

Ich finde, so ein eigener Dämon hat was!