Die Boshaftigkeit

Ich habe lange überlegt, wie ich das, was einen großen Teil der Menschen in den sozialen Medien umtreibt, bezeichnen soll – das englische Wort „spite“, die Boshaftigkeit, die Gehässigkeit, die Verachtung, trifft es am besten.

Nicht etwa die Dummheit, die Unwissenheit, der Bildungsmangel, die Geltungssucht, der Neid oder wie man die anderen netten Eigenschaften und Charaktermängel bezeichnen will – es ist Gehässigkeit, die viele Kommentarschreiber umtreibt. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man ein -innen anhängt oder nicht: Die Boshaftigkeit ist geschlechterübergreifend. Auffallend dabei ist, dass die Gehässigen zumeist keine eigenen Inhalte zustande bringen. Und wenn doch, dann triefen sie nur so vor Verachtung.

Natürlich ist Gehässigkeit nicht Gehässigkeit. Während die einen sich mit kleinen Seitenhieben (beschämend, traurig, bitter, unreflektiert) begnügen, gehen die anderen in die Vollen, und greifen zu handfesten Beleidigungen und massiven Drohungen. Nur weil ihnen eine Meinung, eine Wortwahl, eine Idee nicht gefällt! Der Hintergrund solcher Angriffe ist immer der Gleiche: spite. Die Boshaftigkeit. Ich benutze gerne das englische Wort, nicht nur, weil ich Engländerin bin, sondern weil es die Widerwärtigkeit in einer einzigen, dramatischen Silbe vereint.

An der Boshaftigkeit der Menschen liegt es, dass ich auf Twitter keine Kommentare mehr lese, und dass ich auf Facebook und in meinem Blog den größten Teil der Gehässigkeiten und der Besserwisserei nicht mehr freischalte. Nicht etwa, weil ich mit der menschlichen Natur nicht umgehen könnte, sondern weil ich es nicht einsehe, der Kommunikationsverrohung Vorschub zu leisten, indem ich der Gehässigkeit auch noch Raum biete.

Ich bin kein Politiker. Wäre ich es, würde der Umgang mit Boshaftigkeit quasi zu meiner Berufsbeschreibung gehören. Ich schreibe einen Blog und ich schreibe Bücher. Ich will keine Wahlen gewinnen.

Ich verstehe, dass es viel Dummheit gibt, nicht jeder hat sich bei der Intelligenzverteilung laut genug gemeldet. Ich verstehe, dass nicht jeder über genügend Bildung verfügt, um Bücher ohne Bilder zu verstehen. Ich verstehe – zumindest in Teilen – den Neid, den Menschen verspüren können. Was jedoch nicht bedeutet, dass etwas davon die Gehässigkeiten und Beleidigungen gegen Einzelne in den sozialen Medien rechtfertigt.

Immerhin erinnert mich die Boshaftigkeit, der viele Menschen nachgeben, meine eigenen Aussagen, noch intensiver zu hinterfragen. Um nicht selbst Dinge zu schreiben, die ich bei Anderen als „spite“ bezeichnen würde.

… Emotionskontrolle dagegen sehr!

1 Kommentar

  1. Walter sagt:

    Sehr reflektiert, liebe Andrea!

    Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s