Lügen und lieben

„Ich habe Angst“, sagt Joana: „Jetzt habe ich den gesamten Kalten Krieg überlebt, ohne dass mir der Himmel auf den Kopf gefallen ist, und jetzt bekomme ich Angst!“

„Ich bin mir sicher, sie werden alleine schon für deine letzten beiden Filme ganz Bel Air einäschern“, entgegne ich und bereue es gleich wieder. Jede begnadete Schauspielerin hat bei ihrer Rollenauswahl schon mal in die Scheiße gegriffen. (Allerdings hat Joana sich gleich darin gesuhlt.)

„Sehr witzig. Ich habe wirklich Angst.“

Ich glaube es ihr; ich kann es an ihrer Stimme erkennen, bilde ich mir ein.

„Das tut mir leid. Aber da wo du wohnst, hätte ich das auch. Möchtet ihr für eine Weile nach Orcas ziehen?“ Ich bezweifle jedoch, dass eine Insel zwischen Seattle und Vancouver sehr viel sicherer ist. Vielleicht verpufft man dort nicht in der ersten Sekunde oder wird vom eigenen Haus erschlagen, sondern kotzt sich erst ein paar Tage später zu Tode, doch ob Keramikurne oder Teakholzsarg – wen interessiert das dann noch? Das Ergebnis gibt sich nichts. Hier draußen haben wir immerhin eine reelle Chance die Zeit bis zur Menopause sinnvoll nutzen, und uns langsam ins nasse Grab ficken.

„Möchtet ihr zu uns kommen?“, frage ich schließlich mit zusammengebissenen Zähnen. Ich habe das Gefühl als müsse ich meine Kiefer gewaltsam voneinander befreien. „Für die Hunde wird es allerdings ein wenig eng, fürchte ich“.

Ich muss an meine eigene Hündin denken, die jetzt wieder mal bei Anik lebt. (Es ist kaum zu glauben, doch der Boxer kann uns auseinanderhalten! Es sei der Geruch, behauptet meine Schwester, Hunde mögen kein Dior.)

„Warum machst du so einen Vorschlag, obwohl du ihn nicht ernst meinst?“, fragt Joana.

„Weil ich dich liebe, du Verräter! Was bleibt mir übrig?“

„Du könntest ihr zum Beispiel sagen, dass sie den Arsch zu Hause lassen soll“, flüstert Mazikeen und stellt einen neu gefüllten Kaffeebecher in einen der Getränkehalter des Tisches.

„Ich meine es so“, füge ich bekräftigend hinzu. Meinem Dämon zeige ich den Mittelfinger.

Bumm

„Du würdest uns beide an Bord akzeptieren?“, fragt Joana erstaunt.

Ich wechsele vom Mittel- zum Zeigefinger und strecke ihn Mazikeen warnend entgegen: „Kein Wort!“, drohe ich flüsternd.

„Wenn der Typ dich glücklich macht, was soll ich da sagen? Und, wer weiß, vielleicht ergibt sich ja auch eine Gelegenheit ihn heimlich an die Haie zu verfüttern.“

„Das traue ich eher Maze zu“, lacht Joana. Dann wechselt sie das Thema: „Weißt du, dass Gabby gefragt hat, ob du wohl Eva für eine Weile nehmen würdest?“

Dich hat sie das gefragt?“

„Sie traut sich nicht.“

„Weil sie mich nicht zur Hochzeit eingeladen hat?“

„Sie hat ein schlechtes Gewissen.“

„Sollte sie“, nicke ich. Es ist eine Sache, wenn Joana, die Hetero-Frau, die ich schon mein ganzes Leben lang liebe, jetzt wieder mit einem Mann zusammen ist, eine ganz andere jedoch, wenn meine Hetero-Mistress mich für einen Typ sitzen lässt. Das geht mir dann eher am Arsch vorbei. Manchen fällt es schwer das zu begreifen. Joana kapiert es. Sie hat in ihrem Leben zweimal die Shakespear’sche Liebe erfahren. Einer ihrer Romeos bin ich. Der andere – ein verficktes, gewissenloses Superarschloch, das ihr Jahre ihres Lebens gestohlen hat! Aber das ist ein anderes Thema. (Mazikeen meint dazu übrigens nur, dass ich selbst schuld wäre, wenn ich die Finger nicht von Weibern lasse, die sich lebendige Schwänze in die Fotze stecken. Ja, ja, bla, bla, bla…)

„Ich habe Gabby gesagt, dass für Eva immer Platz auf eurem Boot ist.“

„Ich hasse Kinder!“, lüge ich.

„Deine Brüste werden immer hübscher!“, lügt Joana.

„Mir kommt kein Balg aufs Boot!“, lügt Mazikeen.

„Ich liebe euch.“

Letzteres ist die Wahrheit.

Wo die Liebe hinfällt

3 Kommentare

  1. jfriemer sagt:

    Dein Hund kann dich und deine Sis auch ohne Dior auseinanderhalten… 😂 😂 😂

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    1. Bei einer Hündin, die Katzen nicht von Futter unterscheiden kann, bin ich mir da nicht so sicher.

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      1. jfriemer sagt:

        Was bekommt er zu fressen? 😂 😂 😂

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