Depressive Nächte

Hat jemand im Moment die Muße, das zu genießen, was er genießen könnte?

Wir – ich – tun uns jedenfalls schwer. Was so unendlich schade ist, vor allem für meine Partnerin, die so lange darauf warten musste, dass sie endlich wieder die Nummer Eins in meinem Leben sein kann. Und noch dazu mitten in ihrem Element: den Ozeanen der Welt.

Aber natürlich kann und will ich mich nicht beklagen, denn uns geht es so unendlich viel besser als Millionen anderer Menschen. Trotzdem: Jeder hat sein eigenes Leben, sein eigenes Schicksal und seine eigenen Träume.

Ich hatte mich ungemein auf die einsamen Nächte im Pazifik gefreut. Und dann hat dieser Kriminelle im Kreml den Verstand verloren und Europa in einen blutigen Krieg gestürzt! Ernsthaft: Wie soll man da noch etwas genießen können? Stattdessen bekämpfe ich jetzt in jeder verdammten Nacht aufkommende Depression. Etwas, zu dem ich eigentlich ganz und gar nicht neige.

Eine neue Schicht steht bevor und damit die Lektüre von einer Menge neuer Presseartikel, die ich beim letzten Satelliten-Login heruntergeladen habe. Ich kann es nicht lassen. Eigentlich sollte ich mich auf positive Dinge konzentrieren und mich nicht ständig informieren, was gerade in der Ukraine passiert und mir vorstellen, wie Europa schon in ein paar Monaten aussehen könnte. Es gab im 20. Jahrhundert schon einmal einen skrupellosen, größenwahnsinnigen Irren. Die Welt hat ihre Lektion leider nicht gelernt, sonst wüssten wir was passiert, wenn man diktatorische Bestrebungen nicht sofort im Keim erstickt. Es ist mir ein Rätsel, wie die Nato diesen ausgewachsenen Krieg direkt vor ihrer Haustür dulden kann.

Ein skrupelloser, größenwahnsinniger Irrer

Wir sind zu viert auf dem Boot und erstaunlicherweise sind wir alle der gleichen Meinung: Mit jedem Tag, an dem die Nato untätig bleibt, erhöht sich das Risiko für einen dritten Weltkrieg. Dazu muss ich natürlich sagen, dass nur wer die Fakten kennt und die Experten hat, wirklich fundierte Meinungen äußern kann. (Wobei auch solche Leute Fehler machen können.) Aber ich stehe dazu, dass Ansichten von Hinz und Kunz (oder Downey-Lauenburg in diesem Zusammenhang) nicht die Basis von weitreichenden Entscheidungen sein können. Das trifft auf jedes Thema zu, nicht nur auf Fragen nach Krieg und Frieden. Trotzdem fällt es mir schwer, nicht den Kopf zu schütteln, wenn ich mir sicher bin, dass hier von Politik und Militär gerade verheerende Fehler gemacht werden. Ich sehe die Katastrophe schon vor meinem geistigen Auge …

Ein ausgewachsener Krieg

Und da soll Frau keine depressiven Gedanken bekommen?

Ken hat versprochen, mir in der Nachtschicht Gesellschaft zu leisten. Ich schätze, das wird mich zumindest teilweise ablenken. (Vermutlich hat es ihn schockiert, als ich ihm erzählt habe, dass ich vor dem Virus überlegt habe, als Subunternehmerin für die norwegische Luftwaffe zu arbeiten. Vorbei.

Trotzdem: Im Ernstfall wird mich wohl keiner davon abhalten können, meinen Teil beizutragen. Selbst mein Dämon nicht.) Ob ich die Ablenkung durch meinen Lieblingsschwulen jedoch wirklich will, ist fraglich. Ich werde es herausfinden.

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